IW³ heißt „Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg“

Ende des Jahres startet die erste Bohrung an der Alten Schleuse/Schlengendeich

Digitaler Auftakt zum Projektverlauf klimafreundlicher Wärmeerzeugung auf Wilhelmsburg mittels Nutzung der Erdwärme war am 29. Juni 2021. Die Moderatorin Ina Böttcher, Rundfunk- und Fernsehjournalistin, erklärte: „Hamburg Energie will einen Schatz heben und klimafreundliche Wärme komplett ohne fossile Energieträger bereitstellen. Heute wird erklärt, aufgeklärt und begeistert.“

Über das Verfahren hatten WIR ja schon im März berichtet. Joel Schrage, Programmleitung IW³, erläuterte, dass das Klimaziel ehrgeizig sei und die Wärmewende dafür wesentlich. Drei Viertel der Wärme würden im Haushaltsbereich verbraucht. „Hamburg Energie hat auf Wilhelmsburg den Grundstein gelegt für eine perspektivisch regenerative Versorgung (…). Inzwischen beträgt der Anteil erneuerbarer Energie auf Wilhelmsburg 15 Prozent. Geothermie und Aquiferspeicher – das ist so innovativ, dass es als eines von 20 „Reallaboren der Energiewende“ mit 22,5 Millionen Euro vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird.“

Luftaufnahme Wilhelmsburg an der Alten Schleuse. Links Containerlager. Im Hintergrund Hafensilhouette
Bild vom Grundstück an der Alten Schleuse, auf dem Hamburgs Tiefengeothermie-Anlage errichtet werden soll.
Foto: Geothermie Wilhelmsburg GmbH

Durch den Bau der seit Jahren geplanten Geothermie-Anlage sind unsere Festivals (Dockville, Artville etc.) nicht in Gefahr (Kopf und Steine Team)

Inzwischen sind auf dem Gelände an der Alten Schleuse/Schlengendeich die Kampfmittel- und Bodenuntersuchungen abgeschlossen. Jetzt wird der Auftrag für die Bohrungen und die weitere Bohrplatzeinrichtung vergeben. Mitte November/Dezember 2021 soll die Injektionsbohrung senkrecht nach unten erfolgen. Nach ca.70 Tagen im Frühjahr 2022 steht das Ergebnis fest und die zweite Bohrung in einer Entfernung von 300 Metern wird eingebracht. Um einen hydraulischen Kurzschluss zu vermeiden, knickt die zweite Bohrung unten zur Seite ab, so dass die Bohrungen in 3500 Metern Tiefe 1,2 Kilometer auseinander liegen. Ab 2023/24 werden die ersten Häuser im Reiherstiegviertel mit Erdwärme versorgt. Danach werden die neuen Quartiere an der Dratelnstraße angeschlossen. Ziel ist es, die Endverbraucher:innen in ganz Wilhelmsburg zu beliefern.

Ein Aquiferspeicher ist flächenschonend

Zur Speicherung überschüssiger Wärme im Sommer wird ein Speicher unter dem Rathausviertel geplant. Dafür wird ein versalzener und daher nicht mehr genutzter Grundwasserleiter (Aquifer) in 250 Metern Tiefe angezapft und das Wasser mit überschüssiger Wärme aus der Geothermie erwärmt. Im Winter – wenn sie gebraucht wird – kann dann die Wärme wieder entzogen und verbraucht werden. Es ist ein Kreislauf, es wird kein Wasser verbraucht und keine Chemie eingesetzt. Die Realisierung dieses Aquiferspeichers, die Inbetriebnahme und die betriebliche Erprobung übernimmt die CONSULAQUA Hamburg GmbH. Anfang 2023 erfolgt der Bohr- und Messstellenbau für den Erprobungsbetrieb. Der Speicher ist in der Nähe der Wärmequelle und der Abnehmer:innen, so entstehen keine Transportkosten.

Betrieben wird der Aquiferspeicher von HAMBURG ENERGIE, die das Gesamtprojekt IW³ als Konsortionalführer koordiniert. Zu dem Konsortium gehören außerdem noch GTW Geothermie Wilhelmsburg GmbH, der die Planung und der Betrieb der Geothermieanlage obliegt. Das private Forschungsunternehmen HAMBURG INSTITUT entwickelt einen Rahmen für den Vertrieb von grünen Fernwärmeprodukten und ein Herkunftsnachweisregister. Die Christian-Albrecht-Universität zu Kiel begleitet das Projekt mit einem Forschungsprogramm und die HAW Hamburg wird die Einführung von Marktprinzipien in Wärmenetzen untersuchen.

HAMBURG ENERGIE plant jährlich zwei Veranstaltungen, auf denen sich die Wilhelmsburger:innen über den Projektverlauf informieren können.

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Marianne Groß

... ist Gründungsmitglied des Wilhelmsburger InselRundblicks e. V. Sie berichtet – soweit möglich – über alles, was sie selbst interessiert und hofft, damit die Leser*innen nicht zu langweilen. Dazu gehören die Veränderungen im Stadtteil, Ökologie und Kultur. Zusammen mit ihrem Mann kümmert sie sich um den großen Garten und liebt es, Buchsbäume zu schneiden.

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