Gedenken und Protest in der Kulturkapelle Wilhelmsburg

Vor einem Jahr wurde die philippinische Menschenrechtlerin Zara Alvarez getötet. Die Menschenrechtsorganisation IPON organisierte eine Gedenkveranstaltung an Alvarez‘ Todestag

Forderung nach Gerechtigkeit für die ermordete phillipinische Menschenrechtlerin Zara Alvarez: Die Polizei soll endlich richtig ermitteln. Foto: J. Dannenberg/IPON

Janina Dannenberg. Am 17. August 2020 wurde die philippinische Menschenrechtlerin Zara Alvarez auf offener Straße erschossen. Zara Alvarez hatte sich seit ihrer Jugend in kirchlichen und studentischen Zusammenhängen für soziale Gerechtigkeit auf den Philippinen eingesetzt. Am 1. Todestag von Zara Alvarez trafen sich nun in der Kulturkapelle in Wilhelmsburg Exil- Philippin:innen, deutsche Menschenrechtler:innen und interessierte Gäste. Eingeladen dazu hatte IPON, eine deutsche, insbesondere von Wilhelmsburg aus agierende Organisation von Ehrenamtlichen zur Menschenrechtsbeobachtung auf den Philippinen.

Wer sich auf den Phillipinen für Menschenrechte einsetzt, lebt gefährlich. Zara Alvarez war von der Armee aufgrund ihres Engagements für für Menschrechte und Gerechtigkeit unterstellt worden, Kommunistin zu sein. Obwohl Kommunismus auf den Philippinen offiziell nicht verboten ist, bedeutet diese Unterstellung in vielen Fällen ein Todesurteil. Denn Kommunist:in zu sein ist gleichbedeutend mit „Terrorist:in“ sein (d. h. der bewaffneten Guerilla, der NPA, anzugehören). Die Folge ist, dass Menschen ohne Rücksicht auf rechtsstaatliche Verfahren von der Armee oder ihren Verbündeten bedroht oder umgebracht werden.

Diese Art der Menschenrechtsverletzung gilt für viele Bereiche der philippinischen Gesellschaft. So sind beispielsweise unter dem jetzigen Präsidenten Duterte mehr als 30.000 Personen ohne Gerichtsverfahren erschossen worden, weil ihnen unterstellt wurde, irgendwie mit Drogen und Drogenhandel zu tun zu haben.

IPON begleitet bedrohte Menschenrechtler*innen und fordert ihren Schutz ein, sowohl bei der philippinischen Regierung als auch bei der internationalen Staatengemeinschaft. Diese Forderung wurde von allen Teilnehmer:innen in der Kulturkapelle geteilt und bekräftigt.

Während der Gedenkveranstaltung teilte ein im Hamburger Exil lebender philippinischer Bischoff, Antonio Ablon, seine Erinnerungen an Zara Alvarez mit den anderen Gästen und erklärte, was es bedeutet, das Land verlassen zu haben, während andere Aktivist:innen geblieben sind.
Ellen Tordesillas, die gerade Gast bei der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte ist und Fake-News der Philippinischen Regierung bei Facebook aufdeckt, schilderte die schwierige Situation für Journalist:innen.
Aus Nordrhein- Westfalen war eine Delegation von in Deutschland lebenden politischen und persönlichen Weggefährtinnen von Zara Alvarez angereist.
Ein Liedbeitrag , ein Gedicht, bewegende Fotomontagen und eine Pflanzaktion rundeten das Gedenken ab. Bei IPON in Wilhelmsburg wachsen nun Ringelblumen mit Forderungen und Erinnerungen heran. Wir werden sie weiterhin in die Öffentlichkeit und Politik tragen.

Infos:
Über IPON: www.ipon-philippines.org
Über Zara Alvarez: https://www.dandc.eu/de/article/wie-menschenrechtsverteidiger-auf-den-philippinen-mit-falschen-anklagen-ohnmaechtig-gemacht
https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2021/51197/philippinen-wir-schuetzt-man-aktivistinnen-fuer-menschenrechte
Forderungen anlässlich von Zara Alvarez‘ Todestag: https://amp.ngo/wp-content/uploads/2021/08/2021_08_17-AMP-Statement-Anniversary-of-murder-of-Zara-Alvarez.pdf

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