„Die Magie des Kreises“

Nachbarschaftszirkel in Kirchdorf-Süd: ein Weg zu mehr Austausch und Zusammenhalt

Ausbilder Volker Langner (rechts) bei der Auftaktveranstaltung.
Foto: Barbara Kopf

Barbara Kopf vom Freizeithaus Kirchdorf-Süd. In jeder Hood (Nachbarschaft) gibt es Konflikte: Es geht z. B. um Lärm, Hunde oder Falschparken. Wer kennt das nicht?! Genau so wie das Gefühl, im Recht zu sein, und die anderen im Unrecht … Nachbarschafts-Zirkel (NBZ) sollen helfen, bei solchen Streitigkeiten und unterschiedlichen Ansichten zu unterstützen und gemeinsam Wege zu beschreiten, um das Zusammen-Leben besser zu machen.

Nach einer Auftaktveranstaltung im Treffpunkt Kirchdorf-Süd des Sozialkontors wurden in Kirchdorf-Süd insgesamt 18 Zirkel-Vermittelnde von Volker Langner (Berlin) und Barbara Adden (Hamburg) ausgebildet. Die Zirkel-Vermittelnden gehen aktuell ins Quartier, um durch persönliche Gespräche und Geschichten die Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen. Denn: Wenn wir die Geschichte eines Nachbar oder einer Nachbarin kennen, dann sind wir im Verständnis-Modus, dann können wir kreativ und solidarisch Lösungen suchen und finden.

Die Ausbildungsgruppe. Foto: Dorothea Grosse

Auch andere Beteiligte können, wenn gewünscht, an einem NBZ teilnehmen. Das können der Bürgernahe Beamte der Polizei (BÜNABE), die Schulleiterin, der Vermieter oder jemand aus der Behörde sein. Wichtig ist, dass erst einmal all diese Leute als Privatmenschen dazu kommen, und dass alle gleich wichtig sind.

Ein Beispiel:

K. und weitere Nachbarinnen fühlen sich gestört durch Kinder und Familien, die sich auch in den Abendstunden auf dem Spielplatz aufhalten und laut sind. Eine Begehung zeigt uns, dass sich tatsächlich viele Leute an den lauen Abenden dort aufhalten, und dass die Hochhäuser den Schall bis in die obersten Geschosse tragen.
Nun beginnt die Kontaktaufnahme, das ist ein wichtiger Schritt, der Einfühlungsvermögen und velleicht auch Fremdsprachenkenntnisse erfordert. Das Ziel ist, die Beteiligten an einen Tisch zu bekommen, und nach Lösungen (nicht nach Schuldigen) zu suchen.

So ein Zirkelprozeß dauert so lange wie er dauert, bleibt lebendig und persönlich. Nicht die Vermittelnden sollen Lösungen finden, sondern die Betroffenen. Wir tauschen im Zirkel auch Geschichten aus (natürlich freiwillig): Was ist dir wichtig? Was sind deine Ziele? Was ist in deinem Leben passiert? Bei unserem Beispiel mit dem Spielplatz-Lärm könnte K. berichten, dass sie durch Mobbing seelische Probleme hat und sich einsam fühlt. S. könnte erzählen, dass sie drei Kinder großzieht und diese sich in den Ferien auch abends auf dem Spielplatz austoben, während sie oben in der Wohnung für eine Prüfung lernt.
Möglicherweise kommen dann weitere Menschen zum Zirkelprozess hinzu: von der Vermieterin (z.B. der SAGA), aus der Leitung des nahegelegenen Jugendzentrums, oder der BÜNABE von Kirchdorf-Süd .

Die Zirkelmitte mit persönlichen Gegenständen der Teilnehmenden.
Foto: Barbara Kopf

Was dann möglicherweise geschieht, kann sich jede:r selber ausmalen:

  • Kennenlernen
  • Verstehen
  • Gemeinsam Lösungen finden
  • Sich grüßen im Fahrstuhl
  • Einander zum Kaffee oder Tee einladen
  • Sich gegenseitig helfen

Der Zirkelprozess ist spannend. Er ist alles von persönlich bis versöhnlich.

Finanziert wird das Projekt von Demokratie Leben und vom SAGA-Altkleiderfonds.

Der Samen ist gelegt, wir sind gespannt auf die Pflanze, die nun entsteht. Wir, das sind Kolleg:innen von ProQuartier, DRK Harburg, Treffpunkt Kirchdorf-Süd, Sozialkontor, verikom, Kirchenkreis Hamburg-Ost und Freizeithaus.

Weitere Infos zum Thema Nachbarschaftszirkel findet ihr hier: www.jakus.org/nachbarschaftszirkel.html.

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