Tödliche Maßnahmen an der A26-Ost-Baustelle. Machen wir es vor unserer Haustür besser!
Jetzt sind die Amphibien wieder überall auf dem Weg zu ihren Laichgewässern. Je nach Wetterlage kann die Wandersaison der Frösche, Kröten und Molche bis Ende April dauern. „Ideale Bedingungen für die Tiere sind ein längerer Zeitraum mit Temperaturen von über fünf Grad in den Abendstunden und über null Grad nachts sowie leichter Niederschlag“, erklärt Frederik Schawaller, Referent für Moorschutz beim NABU Hamburg. Besonders viele Arten machen sich in solchen milden Nächten auf den Weg und legen im Verlauf mehrerer Tage Strecken von bis zu zwei Kilometern zurück. Eine gefahrvolle Reise, denn die Tiere müssen auf ihrer Wanderung viele Straßen überqueren und kommen dabei buchstäblich unter die Räder.
Für den Amphibienbestand sind diese Verluste erheblich. Alle in Hamburg vorkommenden Amphibienarten (außer dem Teichmolch) sind besonders geschützt und stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.


NABU-Aktive kümmern sich jedes Jahr mit einem umfassenden, professionellen Konzept um die wandernden Amphibien, um die Anzahl der getöteten Tiere im Straßenverkehr möglichst gering zu halten. An 14 Straßen mit großer Wanderaktivität in und um Hamburg werden spezielle Schutzzäune aufgebaut und zusätzlich Eimer eingegraben. Während des gesamten Zeitraums der Laichwanderung werden diese Eimer täglich geleert, die geretteten Tiere gezählt und anschließend über die Straße gesetzt. So schützt man die Tiere wirklich und hilft ihnen dabei, die gefährliche Zeit ihrer Wanderung durch unsere von Menschenhand gestaltete Landschaft zu überleben.
Amphibien-Irrgarten an der A26-Ost
Ganz anders und völlig falsch macht es derzeit die DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) an der Baustelle der A26-Ost in Moorburg. Dort zerstören kilometerlange Amphibienzäune ganze Lebensräume der Tiere und werden im Zweifel zur tödlichen Falle. Darauf macht der BUND Hamburg aufmerksam und kritisiert die DEGES wegen wiederholt unsachgemäßer und schädlicher Umsetzung von Artenschutzmaßnahmen.
Die geplante Trasse der A26-Ost soll nach dem Willen der Planfeststellungsbehörde mitten durch den Lebensraum vieler verschiedener Arten gehen. Zu den vorhandenen Amphibienpopulationen gehört auch der streng geschützte Moorfrosch. Nun hat die DEGES mit ersten bauvorbereitenden Maßnahmen begonnen. Damit die Frösche, Kröten und Molche, auch der Moorfrosch, nicht auf die Baustelle geraten, errichtete die DEGES Amphibienschutzzäune – offenbar ohne die nötige Fachkenntnis.
Unsachgemäß, unprofessionell, schädlich
Die in diesem Frühjahr erstmals errichteten Folienzäune (gemäß Planfeststellungsverfahren) in Moorburg sind kilometerlang und treffen an etlichen Stellen im spitzen Winkel aufeinander. In den so entstehenden Trichtern sind die Tiere dann so gut wie gefangen. Die Zäune sollen die Tiere daran hindern, zu ihren im Baufeld oder dahinter liegenden Laichgewässern zu gelangen. Aus naturschutzfachlicher Perspektive ist dies äußerst problematisch, denn Amphibien kehren zum Ablaichen immer dorthin zurück, wo sie selbst einst geschlüpft sind.
Die Zäune der DEGES sind nicht mit eingegrabenen Eimern kombiniert. Auch gibt es keine Freiwilligen, die die Tiere täglich aus den Eimern holen und zu ihren Laichgewässern bringen. Somit helfen sie den Amphibien überhaupt nicht, sondern, im Gegenteil, sie stellen eine tödliche Gefahr für sie dar. Bei einer Begehung am 31. März sichteten Expertinnen des BUND nach eigener Aussage allein an einer Stelle des Zauns binnen kurzer Zeit über dreißig Tiere, die ohne Ausstiegsmöglichkeiten am Zaun saßen und aus eigener Kraft nicht mehr weiterkamen.
Zusätzlich zu den planfestgestellten Zäunen wurden weitere hunderte Meter Folienzäune aufgebaut, die nicht planfestgestellt sind. Durch die vielen Zäune ist es den Amphibien nicht möglich, zwischen ihren Teillebensräumen hin und her zu wandern. Vom Überwinterungs-Land-Lebensraum zum Laichgewässer und zum Sommer-Landhabitat oder zurück: in Moorburg sind dort nun überall Zäune im Weg.
Hintergrund
Die Populationen aller Amphibien haben in den letzten Jahrzehnten sowohl in Hamburg als auch weltweit massiv abgenommen. Gründe dafür sind die Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen und der Verlust von Gewässern durch Überbauung – wie es exakt auf der Baustelle der A26-Ost geschieht. NABU und BUND klagen gemeinsam gegen den Planfeststellungsbeschluss für den ersten Bauabschnitt der A26-Ost. Einen Eilantrag lehnte das Bundesverwaltungsgericht ab, daher wird der Bau weiter vorbereitet.
Besonders die Verschmutzung oder Zerstörung von Tümpeln, Teichen und Gräben hat große Auswirkungen auf die Bestände. Vermehrt auftretende Trockenphasen verschärfen die Situation noch weiter. Trocknen Laichgewässer aus, können sich die Arten nicht fortpflanzen. Neben aquatischen Lebensräumen brauchen sie auch strukturreiche Landlebensräume. Je nach Art benötigen sie Baumbestände, Hecken, Gebüsche, feuchtes Grünland, Niedermoore, Bruch- und Auwälder, Gebiete mit lockerem Boden, der sich zum Graben eignet oder vegetationsarme Brachflächen. Diese Lebensräume werden in Hamburg immer seltener. An vielen Schutzzäunen des NABU kann in den letzten Jahren ein z. T. deutlicher Rückgang der Tiere beobachtet werden, umso wichtiger sind auch die Langzeitbeobachtungen bei der Schutzaktion.
„Das ist keine Maßnahme für den Artenschutz, das ist eine Falle!“
Die Biologin Dr. Gisela Bertram, stellvertretende Landesvorsitzende des BUND Hamburg, schreibt zur Maßnahme der DEGES:
„Es ist schmerzhaft, mit anzusehen, wie sich ein Krötenpärchen abmüht, in die Richtung zu gehen, in die es gehen muss, aber dabei nur immer wieder auf einen unüberwindlichen Zaun stößt, der es von seinem Laichgewässer abhält. Diese Zäune sind nicht für die Tiere, sondern gegen sie. Solche Zäune, wie die DEGES sie in Moorburg aufgebaut hat, werden zu potenziell tödlichen Fallen! Selbst wenn die Tötung der Tiere im Baufeld vermieden wird, gefährdet die Zerschneidung ihrer Lebensräume und das Isolieren in Zaunbereichen die Überlebensfähigkeit von Populationen wie den Moorfröschen, den Erdkröten und Grasfröschen. Die DEGES hat in Moorburg ein kilometerlanges Zaunlabyrinth aufgebaut, das die Landschaft und damit die Lebensräume zerschneidet. Teils sind sogar vollständig eingezäunte Bereiche entstanden, aus denen Tiere, die nicht fliegen oder höher als sechzig Zentimeter springen können, gar nicht mehr entkommen. Die Tiere sind damit über lange Zeiträume eingesperrt.“
Eine Zeitangabe, wie lange das tödliche Amphibiengefängnis aufgebaut bleiben soll, machte die DEGES auf Nachfrage des BUND nicht. Klar ist aber: Die Maßnahme soll für den gesamten Zeitraum des Autobahnbaus gelten. Das bedeutet, die labyrinthischen Zäune werden mehrere Jahre lang stehen bleiben!
Liebe Auto- und Radfahrer*innen, helft mit, die Amphibien zu schützen!
Neben der Gefahr bei ihren Wanderungen durch den Straßenverkehr, stehen die meisten Amphibienarten auch durch den Verlust ihrer Lebensräume unter Druck. Besonders die Verschmutzung oder Zerstörung von Tümpeln, Teichen und Gräben hat große Auswirkungen auf die Bestände. Vermehrt auftretende Trockenphasen verschärfen die Situation noch weiter. Trocknen Laichgewässer aus, können sich die Arten nicht fortpflanzen. Neben aquatischen Lebensräumen brauchen sie auch strukturreiche Landlebensräume. Je nach Art benötigen sie Baumbestände, Hecken, Gebüsche, feuchtes Grünland, Niedermoore, Bruch- und Auwälder, Gebiete mit lockerem Boden, der sich zum Graben eignet oder vegetationsarme Brachflächen. Diese Lebensräume werden in Hamburg immer seltener. An vielen Schutzzäunen des NABU kann in den letzten Jahren ein z. T. deutlicher Rückgang der Tiere beobachtet werden, umso wichtiger sind auch die Langzeitbeobachtungen bei der Schutzaktion.

Das gilt gerade auch für Wilhelmsburg!
Allein die Schutzmaßnahmen der Naturschutzverbände und Freiwilligen für Kröte, Frosch und Co. können nicht alle wandernden Tiere schützen. Die Amphibien sind auf so vielen Straßen und Wegen unterwegs – auch Fahrradwege und kleinere Autostrecken über Land bilden ihre Wanderrouten. Deshalb bitten die Verbände Rad- und Autofahrer*innen um besondere Rücksicht für die Dauer der Amphibienwanderung. Frösche, Kröten und Molche sterben nicht nur durch das direkte Überrollen. Auch der geschwindigkeitsabhängige starke Strömungsdruck von Autos auf die Fahrbahn tötet sie. Autofahrer*innen sollten deshalb auf Straßen und Wegen mit Amphibienwanderungen Tempo 20 nicht überschreiten, um den Druck auf die sensiblen Organe gering zu halten, ausweichen zu können und die Überlebenschance der wandernden Tiere zu erhöhen.
Auch auf Wilhelmsburg mit seinen vielen Gewässern sind jetzt überall die Frösche und Kröten unterwegs!
Eine Gesamt-Übersicht, wo Amphibien in Hamburg wandern, ist auf der Website des NABU Hamburg zu finden.