Wohin mit den Fahrrädern am S-Bahnhof Wilhelmsburg?

Planungen für neue Fahrradstellplätze wurden im Regionalausschuss Wilhelmsburg/Veddel vorgestellt

Herumliegende und -stehende E-Scooter am S-Bahnhof Wilhelmsburg sind ein Ärgernis. In einem Pilotprojekt soll sich jetzt die Stadtreinigung darum kümmern und sie aus dem Weg räumen. Mal sehen, ob sich das in der Praxis bewährt. Gibt es dann noch weniger Anreize für die Nutzer:innen, die Gefährte vernünftig abzustellen?

Seit 2012 ist klar, dass die Fahrradabstellflächen am S-Bahnhof nicht ausreichen. Immer wieder wurde das vom Regionalausschuss Wilhelmsburg/Veddel bemängelt. Nun tut sich was. Am 27. September 2022 trug Herr Krause von der P+R-Betriebsgesellschaft mbH die aktuellen Pläne vor. Es geht um drei Standorte A, B und C. Der Standort A vor der Behörde westlich der Gleise wurde von der Betriebsgesellschaft für eine größere Anlage favorisiert. Leider hat sich das zerschlagen. Auf dem Gertrud-von-Thaden-Platz besteht ein Gestaltungsschutz und das Planungsbüro hat weitere Fahrradstellplätze abgelehnt. Die P+R-Betriebsgesellschaft musste deshalb für den Standort B mehr Stellplätze planen.

Mehr sichere Fahrradstellplätze sollen gebaut werden

Der S-Bahnhof Wilhelmsburg von der Neuenfelder Straße aus aufgenommen. Im Vordergrund die Lärmschutzwand, darüber die Fahrradstellplätze. Quer in der Mitte der ZOB. Dahinter das Lunacenter und oben die beiden Hochhäuser am Berta-Kröger-Platz.
Der S-Bahnhof Wilhelmsburg, fotografiert von der Neuenfelder Straße.
Foto: Uwe Rohwedder – Eigenes Werk auf Wikipedia

Es muss hier am südlichen Eingang des S-Bahnhofes mehr Möglichkeiten, Fahrräder sicher anzuschließen geben. Das wird nun erreicht, indem die Betonboxen, die sehr viel Platz erfordern, weg kommen und durch einfache Stellplätze ersetzt werden. Außerdem wird unter der Rampe Richtung Einkaufszentrum eine weitere Sammelschließanlage mit 112 Stellplätzen errichtet. Insgesamt sollen so 228 Stellplätze hinzu kommen. Die Mieter:innen der Betonboxen werden rechtzeitig benachrichtigt. Der Mietpreis bleibt mit acht Euro pro Monat gleich.
Am dritten Standort C am nördlichen Ausgang des S-Bahnhofs kommen die Betonboxen ebenfalls weg. Dort entsteht in der Grünanlage an der Keindorffstraße entlang der Lärmschutzwand eine Stellplatzanlage mit 74 Plätzen.

Auf Nachfragen erwiderte Herr Krause, dass die Verzögerungen zum einen an der Planänderung wegen des Gertrud-von-Thaden-Platzes lägen, aber außerdem würden sie auch an Planungen an über 100 Haltestellen arbeiten.
Die DEGES habe – wie vereinbart – nach dem Bau der Lärmschutzwände die Grünanlage, die als Lagerplatz für die Baumaterialien gedient hatte, wieder hergestellt. Nicht exakt gleich, aber es sei eine gute Lösung.
Bei den Stellplätzen an der Keindorffstraße würden Kegel-Feldahorn-Bäume gepflanzt.
Eine Versicherung für die Stellplätze in den Gemeinschaftsschließanlagen sei nicht vorgesehen. Es gäbe extrem wenig Vorkommnisse.
Das gleiche gelte für Ladeanschlüsse für E-Bikes. Die Nachfrage sei außerordentlich niedrig.

Bis zum Winter 2023/24 soll alles fertig sein.

Ein Gedanke zu “Wohin mit den Fahrrädern am S-Bahnhof Wilhelmsburg?

  1. Herr Krause ist der Meinung; „Die DEGES habe – wie vereinbart – nach dem Bau der Lärmschutzwände die Grünanlage, die als Lagerplatz für die Baumaterialien gedient hatte, wieder hergestellt. Nicht exakt gleich, aber es sei eine gute Lösung.“
    Wenn damit das Sportfeld im Park östlich der S-Bahn gemeint ist, entspricht diese Aussage leider nicht den Tatsachen. Das Sportfeld wurde bis heute als Lagerfläche für Bodenmaterial genutzt, von wem auch immer, jedenfalls blieb das Sportfeld eingezäunt und stand den Anwohnern über Jahre nicht zur Verfügung. Erst jetzt im September 2022 sind erste Arbeiten angelaufen, um das Sportfeld wieder herzurichten.
    Noch immer hängt am Bauzaun die Ankündigung der Baumaßnahme mit der Zusage, dass die Grünanlagen bis „Anfang 2020 wieder hergerichtet“ werden. (An dieser Stelle könnte man einen Kommentar zu Verlässlichkeit, Transparenz und Bürgernähe der Behörden und politischen Gremien einfügen.)
    Das alles wäre für hamburgische Verhältnisse nichts Ungewöhnliches und nicht der Rede wert, wäre hier nicht mit dem „Alten Bahnhofsviertel“ ein Gebiet betroffen, das der besonderen Entwicklung bedarf (RISE-Gebiet). Es trifft also Menschen, die in einem Quartier wohnen, dass sowieso nicht viel Spiel- und Sportflächen zu bieten hat. Ausgerechnet hier die Behördenmühlen extra langsam mahlen zu lassen, zeugt von wenig Wertschätzung.

    Ähnlich verhält es sich mit dem angekündigten Fahrradstellplatz am Nordausgang der S-Bahn-Station. Was jetzt als zusätzlicher Stellplaz Standort C angekündigt wird, ist zunächst nichts anderes als der Ersatz für den Fahrradunterstand, der 2019(?) am Wendehammer Keindorffstraße abgebaut wurde. Wenn ein Fahrradstellplatz für ein Baumaßnahme (Schallschutzwand) abgebaut werden muss, wird sich doch irgendjemand damit beschäftigt haben, wie und wo nach Abschluss der Maßnahme der Fahrradstellplatz wieder hergestellt wird? Statt dessen müssen die Anwohner und Fahrradpendler Ihre Räder an 3 wackligen Bügeln und dem Zaun zum Teich anschließe. Das nennen ich planerisches Totalversagen und blamabel für eine Stadt, die den Fahrradverkehr fördern will.
    Erschwerend kommt hinzu, dass es im gesamten „Alten Bahnhofsviertel“ nicht einen öffentlichen Fahrradbügel gibt und die Wohnungsgesellschaften mit Ausnahme der SAGA ebenfalls keine Fahrradstellplätze anbieten. Dafür wird gerne mal darüber hinweggesehen, dass sich der Autoverkehr rücksichtslos den Raum nimmt, den er meint in Anspruch nehmen zu dürfen. Gleiches gilt für die Nutzer der E-Scooter. Die Idee durch besondere Teams der Stadtreinigung die E-Scooter beiseite räumen zu lassen zeugt m.E. nur von absoluter Hilflosigkeit. Jeder, der Kinder hat, weiß wie zielführend es ist hinter den Kindern den Müll wegzuräumen. Man kann nur hoffen, dass es gelingt bis zur Umsetzung der Empfehlung des 60. Deutschen Verkehrsgerichtstag (Einführung einer Gefährdungshaftung für E-Scooter) endlich geeignete Maßnahmen zu veranlassen, um dieses Gefahrenpotenzials einzudämmen. Auf eine Verhaltensänderung der Nutzer darf man wohl kaum hoffen.

    Insgesamt sind die angekündigten Maßnahmen, also Neugestaltung des Sport- und Spielfelds und mehr Fahrradstellplätze natürlich zu begrüßen erfolgt dies leider viel zu schleppend. Dass es durchaus auch anders laufen kann sieht man an der Erteilung der Baugenehmigung zum Elbtower. Bitte mit dem gleichen Elan – aber bitte ohne Abstriche an Bürgerbeteiligung und Transparenz – auch hier in Wilhelmsburg.

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Marianne Groß

... ist Gründungsmitglied des Wilhelmsburger InselRundblicks e. V. Sie berichtet – soweit möglich – über alles, was sie selbst interessiert und hofft, damit die Leser*innen nicht zu langweilen. Dazu gehören die Veränderungen im Stadtteil, Ökologie und Kultur. Zusammen mit ihrem Mann kümmert sie sich um den großen Garten und liebt es, Buchsbäume zu schneiden.

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