Update: Thema Stege und Wege am Veringkanal

Seit ein paar Wochen fehlt ein, nein fehlen zwei Stückchen Reiherstieg: Die Holzstege am Veringkanal sind wegen akuter Einbruchgefahr gesperrt. Außerdem wurden Teile des Weges mit einem neuen Belag versehen

Gesperrter Steg am Atelierhaus 23
Seit Juni ist der beliebte Steg am Atelierhaus 23 gesperrt.

Während ersterer gerne als Angelplatz, Sonnenbank oder alternativer Balkon genutzt wird, ist der zweite Steg eine wichtige Verbindung zwischen Veringhof und Honigfabrik. Täglich spazieren, radeln und e-rollern hunderte Wilhelmburger:innen hier entlang.
WIR wollten wissen, was da los ist und wann die Stege wieder begeh- und befahrbar sein werden. Was dann folgte, war ein wochenlanges Hin und Her der unterschiedlichen Behörden.

Kein Holz, keine Facharbeiter:innen

Man sollte meinen, es wäre recht einfach: Eine E-Mail an den Bezirk Mitte (BA) und ich könnte unseren Leser:innen mitteilen, wann die Stege wieder eröffnet werden können und warum sie baufällig sind. Anfangs sah es auch ganz danach aus:
Die Pressestelle des Amts antwortete, für den ersten Steg vom Sanitaspark zum Veringhof 23 sei der Landesbetrieb Straßen, Brücken, Gewässer (LSBG) zuständig, für den kleineren Steg, oberhalb der Neuhöfer Straße, das Bezirksamt.

Gesperrter Steg hinter den Zinnwerken
Auch der kleine Steg ist nicht passierbar.

Für beide Stege sei die Sanierung bereits in Auftrag gegeben worden, jedoch gäbe es bekanntermaßen große Lieferschwierigkeiten in Bezug auf den Werkstoff Holz, die auch diese Maßnahme beträfen. Ein konkreter Liefertermin könne derzeit vom Lieferanten nicht benannt werden. Auch für den kleineren Steg sei noch nicht absehbar, wann die Instandsetzung durchgeführt werden kann. Dies sei u. a. von der Verfügbarkeit der Zimmermannsfirmen abhängig.
Soweit, so schlecht, aber nicht änderbarWarum ist das Holz schon kaputt?

Eine andere Auskunft ließ uns in der WIR-Redaktion allerdings stutzig werden: Das Bezirksamt gab das Baujahr des langen Stegs hinter dem Atelierhaus mit „um 1970“ an. Doch mehrere langjährige Anwohner:innen konnten sich erinnern, dass die Anlage irgendwann zwischen 2006 und 2010 gebaut wurde. Damit stellte sich uns die Frage, warum das Holz schon so beschädigt ist, dass der Steg nicht mehr benutzt werden kann. Damit begann die Suche nach Passierschein A38:

Übersicht Stege Veringkanal
Übersicht der Stege am Veringkanal.
Quelle: Stadt Hamburg

Die LSBG verneinte ihre Zuständigkeit und verwies uns zunächst an die Hamburg Port Authority (HPA), dann an die „Wassergenossenschaft der Anlieger des Veringkanals“, diese wusste allerdings nicht einmal, dass die Stege gesperrt worden sind. Zudem sind sie nach Aussage ihres Vorstandes lediglich für die Instandhaltung des Wasserweges zuständig, ansonsten seien es die jeweiligen Besitzer:innen der direkt anliegenden Grundstücke.
Also hakten WIR wieder im Bezirk und bei der LSBG nach. Das Ergebnis: Der Steg am Sanitaspark wurde von der LSBG im März diesen Jahres vom Bezirk übernommen.

Wann er in Betrieb genommen wurde, scheint allerdings niemand so genau zu wissen, da Wilhelmsburg 2008 aus dem Bezirk Harburg aus- und dem BA Mitte eingegliedert wurde, die dazugehörigen Unterlagen jedoch anscheinend nicht. Auch wann der kleine Steg gebaut wurde, weiß anscheinend niemand so genau. Das Jahr 1970 bezieht sich auf die „Terrasse“ ganz oben am Sanitaspark Richtung Industriestraße (die gar nicht gesperrt ist).

Fazit: Wann die beiden gesperrten Stege gebaut wurden und damit die Frage, ob die Abnutzung ganz normal oder beispielsweise durch ungeeignetes Material verursacht worden ist, kann der WIR derzeit leider nicht beantworten. Und auch, wann die Wege wieder benutzbar sind, steht im Moment in den Sternen.

Reparatur? Weg statt Steg

Dann am 14. September ein Hoffnungsschimmer: Auf einmal tauchten Bauarbeiter am kleinen Steg auf und fingen an zu arbeiten. Auf meine Frage, ob sie den Steg reparieren würden, antwortete ein Arbeiter mir mit erhobenem Daumen. Zwei Tage später wollte ich mich vom Fortschritt überzeugen. Aber nicht der Steg wurde hier repariert, sondern der Streifen des Parkweges, der bisher ein Kieselweg war, ist mit einer Schicht bedeckt worden, die an den Plastikbelag auf Schulrennbahnen erinnert. Nur in gelb. Was jedoch Plastik in einem Park verloren hat, wo doch die Flächenversiegelung ein ökologisches Problem darstellt, erschließt sich uns nicht. Hoffentlich braucht es nicht wieder Wochen, den Grund zu erfahren.

Bauarbeiten am Parkweg am Veringkanal
Am kleinen Steg tauchen Baumaterialien auf.
Der Kiesweg am Veringkanal wird versiegelt.
Der Kiesweg wird versiegelt
Fotos: J. Domnick

Update: Was hat es mit dem neuen Belag auf den Wegen auf sich?

WIR haben beim Bezirk nachgefragt. Die Antwort: Der gelbe „Gummi“ ist eine polyurethangebundene Spezialmischung aus Granitsplitt und EPDM-Granulat, das eingebaut wurde, um zu verhindern, dass sich immer wieder Kanten zwischen dem Betonpflaster und dem Kiesweg bilden. Diese entstehen, weil der Weg am Kanal an dieser Stelle ein starkes Längs- und Seitengefälle hat, so dass das ungebundene Wegebaumaterial bei Starkregen weggespült wird. Das mehrfache Angleichen mit Glensanda (aus Granitsand-Körnern) brachte daher keinen nachhaltigen Erfolg. Um Unfälle zu verhindern und weil das komplette Auspflastern dieser Bereiche sehr aufwendige wäre, wurde nun diese Lösung ausprobiert.

Die Pressestelle schreibt: „Die 90m² große Wegedecke ist wasserdurchlässig, rutschfest, druckbeständig, abriebfest und selbstverlöschend. Die restlichen Wegebereiche am Veringkanal wurden bzw. werden mit wassergebundenen Wegebaumaterialien aufgefüllt.“

Zur Umweltverträglichkeit haben WIR allerdings keine Antwort bekommen. Polyurethan (PUR) ist ein Kunststoff oder -harz. Er verrottet nicht und lässt sich bisher kaum recyceln. EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Monomer) ist ein synthetischer Kautschuk. Auch was es für die Fauna und Flora des Parks bedeutet, wenn der Boden derart versiegelt wird, ist unbekannt.

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Jenny Domnick

Als freiberufliche Texterin und gesellschafts-politisch aktive Person ist sie viel im Internet unterwegs, unternimmt aber auch gerne Streifzüge am und im Wasser. Wenn's pladdert, müssen ihre Freund*innen als Testesser*innen für ihre Hobby-Kochkünste herhalten.

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