Der Elbtower – „Faszinierend, smart und effizient”* oder „Symbolbau einer Stadt von gestern”**?

Das Gelände zwischen der S-Bahn-Station „Elbbrücken“ und der Billhorner Brückenstraße haben sich die Politiker:innen ausgesucht, um den östlichen Abschluss der HafenCity mit einem gigantischen Projekt zu krönen

Foto eines Models im Kesselhaus in der HafenCity mit dem Elbtower zwischen den Elbbrücken.
Wolkenkratzer auf schwierigem Gelände.

„Die Gründung im Elbe-Urstromtal, 60 Meter tief und mehr, dürfte umwelttechnisch höchst problematisch sein“, ist sich die Initiative „Sieben Thesen zum Elbtower“ sicher. Dass der Grund und Boden nicht ideal für einen Wolkenkratzer von 245 Metern Höhe ist, erklärte auch Dr. Hatice Kaya-Sandt, BBI Ingenieure GmbH, zu Beginn einer Führung am Tag der Architektur und Ingenieurbaukunst am 26. Juni 2022. Aber die Planer:innen und Ingenieur:innen nehmen die Herausforderung an. Bei der Führung auf der Baustelle wurde klar, wie aufwändig bereits die Sicherung der Grubenwände ist. Die Billhorner Brückenstraße darf ja nicht beeinträchtigt werden. Auf der gegenüber liegenden Seite ist die Setzung des Neubaus so zu planen, dass der Eingang zur S-Bahn genau passt. Hier ist auch das Elbehochwasser zu berücksichtigen. Der Ausgang Richtung HafenCity war schon wegen Überschwemmung geschlossen und die S-Bahn fuhr auf der Station durch.

Im Hintergrund das Hotel Holiday Inn an den Elbbrücken. Davor die Norderelbbrücke. Im Vordergrund die Baugrube mit zwei riesigen Rohren.
Die Baugrube am 26. Juni 2022.

Im März wurde die Baugenehmigung von der Behörde erteilt, ohne vorher die Bürgerschaft zu informieren. Eine Übergabe des Grundstücks (auf dem schon fleißig gebuddelt wird) soll erst erfolgen, wenn eine Vorvermietungsquote von 30 Prozent der 79.000 Quadratmeter erreicht ist. Am 14. Juli 2022 war in einem begeisterten Artikel im Hamburger Abendblatt (HA) zu lesen, dass dieses Ziel mit 25.000 Quadratmetern erreicht sei.

Kommt Robert De Niro zur Eröffnung?

Isometrie David Chipperfield Architects.Foto eines Bildes im Kesselhaus in der HafenCity. Schematische Darstellung des Turmes mit Beschriftung, was in den einzelnen Stockwerken geplant ist.
Isometrie David Chipperfield Architects.

Dazu hat beigetragen, dass die Nobu-Gruppe von Schauspieler Robert De Niro in der 55. Etage eine 900 Quadratmeter große Bar mit einem spektakulären Ausblick über Hamburg eröffnen will. Dort wird es auch eine 240 Quadratmeter große Aussichtsplattform geben, die öffentlich zugänglich ist. Darüber ist ein Nobu-Club geplant und das Hotel wird auch von der Nobu-Gruppe betrieben. Weitere Mieter sind der Versicherungsmakler AON, die Hamburg Commercial Bank und die International Workplace Group (IWG) sowie ein Dienstleistungsunternehmen, dessen Name bisher geheim ist.

In den letzten Wochen hat die Bauherrin, die Signa-Gruppe, mit großen Anzeigen in der Morgenpost und im Hamburger Abendblatt für das Projekt geworben. Zum Beispiel im HA unter der Überschrift: „„Green Building“ – Wie der Elbtower bei Technik und Nachhaltigkeit neue Maßstäbe setzt“. Die Initiative „Sieben Thesen zum Elbtower“ erklärt dagegen: „Die Betonmassen, die hier verbaut werden müssen, sind klimaschädlich und wegen der Dimension des Gebäudes überproportional.“

In der Mopo stand am 6. Juli eine große Anzeige: „Der Elbtower ist ein Haus für alle“. Den öffentlichen Nutzen soll ein weitläufiger, offener Sockel stiften, der von allen Seiten zugänglich und damit durchlässig ist. Davor, am 28. Juni, wurde die problematische Geologie in einer weiteren Anzeige als Pluspunkt hingestellt und erklärt: „Der Elbtower setzt schon vor Baubeginn technische und planerische Maßstäbe. Noch nie wurde die Geologie eines Baugrunds in Deutschland so tief untersucht.“

Fügt sich der Elbtower in das Stadtbild Hamburgs?

Suchbild: Wo ist die Elbphilharmonie? Der Größenvergleich zeigt es: Die Elbphilharmonie verliert in der Silhouette der Stadt an Bedeutung.
Fotos M. Groß, zum Teil von dem Modell der HafenCity im Kesselhaus.

Bei einer Veranstaltung der Patriotischen Gesellschaft anlässlich der Vergabe des Preises für Denkmalpflege hielt Pastor Frank Engelbrecht die Laudatio. Er verbindet den Begriff „Denkmal“ mit der Aufforderung „Denk mal nach!“. Er erinnerte an die Zerstörungen durch den Feuersturm von 1943 und daran, dass nach dem Krieg der großflächige Abriss von noch vorhandenem Bestand an Strukturen und Bauten erledigte, was die Bomben nicht abgeräumt hatten. Entstanden ist die Autostadt, versiegelt, verschüttet, überbaut und unter Stadtautobahnen begraben, weiterentwickelt bis zur gegenwärtigen Idee von der Smart City. Pastor Engelbrecht sieht als aktuelles Symbol dieser smarten Stadt den Elbtower. Er hält diesen für einen Symbolbau einer Stadt von gestern. Für ihn repräsentiert er die Architektur von gestern in seiner alles überragenden Maßstabslosigkeit.
Johann-Christian Kottmeier, Architekt und Mitglied im Beirat der Patriotischen Gesellschaft, sieht durch den Elbtower eine erhebliche Beeinträchtigung der umgebenden Denkmäler und sucht in der Baugenehmigung vergebens eine Begründung dafür. Zum Beispiel wird der Blick auf die geschützten Elbbrücken beeinträchtigt.

*Anzeige im Hamburger Abendblatt
**Frank Engelbrecht, Pastor

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Marianne Groß

... ist Gründungsmitglied des Wilhelmsburger InselRundblicks e. V. Sie berichtet – soweit möglich – über alles, was sie selbst interessiert und hofft, damit die Leser*innen nicht zu langweilen. Dazu gehören die Veränderungen im Stadtteil, Ökologie und Kultur. Zusammen mit ihrem Mann kümmert sie sich um den großen Garten und liebt es, Buchsbäume zu schneiden.

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