WILHELMSBURGER INSELRUNDBLICK

Die Stadtteilzeitung von Vielen für Alle
 


AUF DIESER SEITE: 

Deutlich vor 2020. Koalition beschließt Bau der A26 Ost - 11.06.2020

Wohnhaus Fährstraße 115 weiter vom Abriss bedroht -30.04.2020

Hilfe! Stadtteilbücherei auf der Veddel wurden die Räumlichkeiten gekündigt - 23.4.2020

Fahrradsternfahrt MoA abgesagt - 21.4.2020

 

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Deutlich vor 2050
Irgendwann soll Hamburg einmal Modellstadt für Klimaschutz werden. Erstmal beschließen SPD und Grüne den Bau der A26-Ost

hk. Bei den gerade beendeten rot-grünen Koalitionsverhandlungen bleibt von der angekündigten Verkehrswende im Wesentlichen das Türschild für den neuen Senator. Tatsächlich wurde sie still beerdigt, unter anderem mit dem Beschluss zum Bau der A26 Ost. Der große Aufschrei der Umweltaktivisten ist bisher ausgeblieben. Es war wohl auch niemand ernsthaft davon ausgegangen, dass die Grünen ihr umweltpolitisches Programm der SPD gegenüber durchsetzten oder mindestens unverhandelbare Minimalforderungen benennen würden. Katharina Fegebank  zeigte sich bei der Pressevorstellung der Koalitionsvereinbarungen am 2. Juni „sehr zufrieden“. Im zentralen Feld der Umweltpolitik hätten sie unter anderem „Eckpfeiler der Mobilitätswende gesetzt“. Tatsächlich sind die Ergebnisse verglichen mit dem grünen Wahlprogramm sehr dürftig. Von den sowieso optimistischen 100 Radwegkilometern jährlich sind 60 Kilometer übrig geblieben. Man habe das Ziel aber weiter „fest im Blick“. Von der autoarmen Innenstadt blieb der autofreie Jungfernstieg. Außerdem soll es Verkehrsversuche z.B. zu „temporären Radwegen“ geben, wie sie in Berlin zur Zeit reichlich eingerichtet werden. Die Betriebszeiten des Flughafens werden nicht gekürzt. Lärm und CO₂-Ausstoß sollen indes bis 2025 nicht weiter steigen. Beim HVV soll es ein kostenloses Schülerticket geben, wie alle Projekte unter Finanzierungsvorbehalt. Schwarzfahren bleibt entgegen der Grünen-Forderung eine Straftat. Und die A26 Ost soll gebaut werden. Nach den Protestaktionen Mitte Mai (siehe auch: „Bis hierher und nicht weiter“) hatte kurz vor den mehrfach verschobenen Verhandlungen zu diesem Thema der NABU noch einmal an die Kaufmannsseele der Roten und Grünen appelliert. In einer Presseerklärung heißt es: Angesichts dramatisch wegbrechender Steuereinnahmen sei es abgesehen von den ökologischen Risiken „die infrastrukturell überflüssige A26 Ost umzusetzen ... ökonomisch völlig unverantwortlich.“ In der Presse hieß es häufig, die A26 Ost sei besonders strittig, weil die Grünen sie ablehnten. Tatsächlich haben sie in ihrem Programm aber nur eine „kritische Überprüfung“ gefordert – und die hat bei den Verhandlungen nun offenbar stattgefunden, mit  dem bekannten Ergebnis. Gleich neben der Autobahn soll der neue Köhlbrandtunnel gebaut werden inklusive einer „automatisierten Innovationstrasse“. Bei der alten Brücke soll der Erhalt der Pylonen als Denkmal und eine Radquerung (?) geprüft werden. Bei der Vorstellung der Verhandlungsergebnisse fand Katharina Fegebank kein einziges kritisches Wort über irgendwelche Dissense in der Verkehrsthematik. Der erste Bürgermister Peter Tschentscher betont, dass SPD und Grüne „gemeinsam für die Grundfunktionen der Stadt eintreten.“ Wobei er mit  Grundfunktionen das „Weiter so“ der Hafenwirtschaft meint.
Und die zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank pflichtet ihm bei. Natürlich bemühen die Koalitionäre die einschlägigen Schlüsselwörter für Hamburgs Umweltzukunft: Der Hafen wird „Innovationshafen“ und bis 2040 klimaneutral. Und Hamburg wird zur „Modellstadt für den Klimaschutz“ und klimaneutral „deutlich vor 2050“. Ein A26-Ost-Gegner meinte bei der Aktion auf dem Rathausmarkt: „Die Grünen knicken bestimmt ein, wenn sie nur den Posten des Verkehrssenators erhalten.“  So ist es gekommen. Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks wird der neue Senator für „Verkehr und Mobilitätswende“. Inzwischen haben die Grünen auf ihrem Parteitag den Koalitionsvertrag mit einer Mehrheit von 86 Prozent zugestimmt. Alles andere wäre auch eine Sensation gewesen.

Die A26 Ost im grünen Wahlprogramm.                   Abb.: hk


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Solidarisches Wohnen zulassen!

Fährstraße 115:  Herausforderung für die Behörde – neue Ideen statt Abriss

MG. Die Fährstraße mit ihren vielen Gründerzeithäusern ist bei Architekt*innen auch außerhalb Hamburgs ein Begriff. Dazu gehört auch das Haus Nr. 115, das am Ende der Fährstraße gegenüber dem Reiherstiegdeich liegt. Das Haus wurde 2006 von der städtischen SAGA an den jetzigen Vermieter verkauft. Seitdem entwickelte sich hier eine intakte Mietergemeinschaft, die jetzt mit Hilfe des Miethäuser-Syndikats das Haus kaufen wollte, um bezahlbare Mieten und den Fortbestand des 13 Jahre alten Wohnprojektes dauerhaft zu sichern. Der jetzige Besitzer unterstützt das Projekt und stimmte deshalb einem Verkauf zu. Der Kaufvertrag wurde im Februar 2020 unterzeichnet.  

Aber nun erinnerte sich die Stadt plötzlich an ihr Vorkaufsrecht. In der Sitzung der Bodenkommission wurde am 9. April 2020 entschieden, das Vorkaufsrecht wahrzunehmen, um das Haus 2023 abzureißen und dort einen Deichschutzstreifen anzulegen. Der Widerspruch der Bewohner*innen läuft. Dass der Reiherstiegdeich im Zuge des laufenden Deicherhöhungsprogramms um 80 cm erhöht werden soll, ist auch im Sinne der Bewohner*innen des gegenüberliegenden Hauses. Aber sie sehen nicht ein, dass wegen eines Deichschutzstreifens, also einer Rasenfläche, ihr Wohnhaus abgerissen werden soll.

Das Haus Fährstraße 115 soll einem Deichschutzstreifen weichen, obwohl noch keine Alternativen geprüft wurden. Der bestehende Deich hat schon eine Mauer. Foto: MG

Hochwasserschutz ist für Wilhelmsburg wegen der durch die Vertiefung und die Klimaveränderung steigenden Wasserstände der Elbe essenziell. Immer höhere Deiche werden aber leicht von der Bevölkerung als Barrieren zum Wasser empfunden. Deshalb wurde bereits während der Internationalen Bauausstellung 2011 ein Deichpark entwickelt. Damit sollte ein langfristiger, behördenübergreifender Prozess der wasserbezogenen Stadtentwicklung initiiert werden. Neue Möglichkeiten der Nutzung von Deichen und Hochwasserschutzanlagen sollten entdeckt werden. Dies wurde auch an einigen Stellen umgesetzt, z. B. an den Landungsbrücken, im Norden der Veddel und kürzlich mit der 500 Meter langen Bank am Klütjenfelder Hauptdeich. Neben dem Wissen um die Erfordernisse des Hochwasserschutzes ist also Kreativität gefragt.

Es gilt, die Spielräume und Potentiale hinter den vielen Gesetzen zu entdecken und auszuloten, wie Hochwasserschutzanlagen auf eine neue Zukunft in Zeiten des Klimawandels vorbereitet werden können. Die Deichbauer*innen sollten die Chance nutzen, Pläne zu entwickelt, die den Hochwasserschutz am Reiherstiegdeich vereinbar machen mit dem Erhalt eines schützenswerten Hauses und lebendigen Wohnprojekts in 24 Metern Entfernung.

Die Bewohner*innen können unterstützt werden durch Zeichnung ihrer Petition auf www.openpetition.de/petition/online/faehrstrasse-115-bleibt-abriss-verhindern-solidarisches-wohnen-verteidigen



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Die Stadtteilbücherei auf der Veddel soll ausziehen

Steht das niedrigschwellige Bildungsangebot jetzt vor dem Aus? Die von Veddel aktiv e.V. betriebene Bücherei soll aus ihren Räumen ausziehen. Ein Ersatz wurde nicht zur Verfügung gestellt. WIR geben hier den Hilferuf der Vereinsleiterinnen von Veddel aktiv weiter

Eva Düchting/Francine Lammar. Seit dem Wochenende liegt uns die schriftliche Aufforderung der Schulbehörde vor, die Stadtteilbücherei Veddel bis zum 31.07.2020 zu räumen, weil die Fläche von der Schule auf der Veddel benötigt wird.
Wer uns kennt, weiß, dass damit ein Herz- und Kernstück unserer Arbeit wegbricht.
Seit dem Bau der Schule Slomanstieg vor fast genau 100 Jahren war an diesem Standort die Veddeler Bücherhalle. Nach deren Schließung und Umwandlung in eine sogenannte Ausgabestelle vor etwa 20 Jahren, hat Veddel aktiv e.V. die Stadtteilbücherei mit viel Engagement zu einem niedrigschwelligen Bildungsstandort weiterentwickelt, der vor allem die Bedarfe bildungsbenachteiligter migrantischer Familien in den Blick nimmt.

Seit 2009 betreiben wir die Stadtteilbücherei Veddel mit viel Herzblut in alleiniger Verantwortung. Wir haben an drei Tagen in der Woche bis in die Abendstunden geöffnet und bieten dort einen bunten Strauß an Angeboten an. Unsere 2.500 Medien sind dank vieler Sponsoren auf dem neuesten Stand. Die Bücherei steht Kindern als Aufenthaltsort zur Verfügung und wird von Familien und Kitagruppen gerne und viel aufgesucht. Ferienprogramme, Mädchendisco, Autorenlesungen, Workshops rund um das Buch runden das Programm ab. Seit 2012 sind sozialräumliche Angebote für Familien in enger Kooperation mit dem Jugendamt Elbinseln/ASD dazu gekommen. Auch die Schule auf der Veddel hat das Angebot in den vergangenen Jahren rege genutzt, wie die Statistiken zeigen.

Wir sind in den vergangen zehn Jahren viel gelobt worden für die Entwicklung der Stadtteilbücherei als wegweisenden niedrigschwelligen Bildungsstandort an der Schwelle von Schule und Jugendhilfe in einem benachteiligten Stadtteil. Wir haben zahlreiche Preise in Empfang genommen und uns auf den Elbinseln für integrierte Bildungsansätze engagiert, zuletzt in der Bildungsoffensive Elbinseln, davor in der Entwicklungspartnerschaft Elbinseln.

Und jetzt? Wir haben keine Chance mit der Bildungsbehörde in einen Streit zu gehen. Es wäre ein Kampf von David gegen Goliath. Wir möchten aber auch nicht mit einem viel gelobten Projektstandort sang- und klanglos untergehen!

Wir brauchen auf der Veddel perspektivisch einen zentralen, kinder- und familiengerechten Standort für die Bücherei, an dem wir diese wertvolle Arbeit fortsetzen können! Wir hoffen auf eine Unterstützung/Lösung im Rahmen des Projekts „Mitte machen Veddel“ und/oder des RISE-Projekts Veddel.

Solange sich keine kurzfristige räumliche Lösung abzeichnet, ist der Termin 31.07. für uns völlig unhaltbar. Von wo aus sollten wir arbeiten? Der Stadtteilladen am Immanuelstieg platzt schon jetzt aus allen Nähten. Wir können uns einen Umzug in ein Gewerbeobjekt oder einen Container vorstellen wie z.B. die Bücherhalle Bahrenfeld. Wie wir jedoch an einen Container-Standort kommen sollen, und wer die Mietkosten für eine Zwischenlösung tragen soll, ist nicht geklärt. Die frühere Bücherhalle/ Stadtteilbücherei war immer mietfrei am jetzigen Standort untergebracht. Wir haben das Geld nicht.

Alleine schaffen wir es nicht. Francine Lammar als Geschäftsführerin fällt krankheitsbedingt seit Dezember 2019 und voraussichtlich noch mehrere Monate aus. Unser ehrenamtlicher Vorstand ist jetzt mitten in der Coronakrise nur bedingt handlungsfähig und mit dieser Situation überfordert. Bitte nutzen Sie/nutzt euch zur Verfügung stehende Möglichkeiten, uns mit Wort und Tat zu unterstützen! Wir sind dringend darauf angewiesen.

Kontakt:

Veddel aktiv e.V. (anerkannter freier Träger der Jugendhilfe, gefördert vom Bezirksamt Hamburg-Mitte)

Immanuelstieg 5

20539 Hamburg

Tel.: 040/78 58 42; Mail: info@veddel-aktiv.de


        

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Mobil ohne Auto (MoA): Fahrradsternfahrt 2020 wird abgesagt

PM/MoA. Bis zum 31. August dürfen laut Corona-Allgemeinverfügung des Hamburger Senats keine Großveranstaltungen stattfinden. Auch wir sind mit der Fahrradsternfahrt betroffen.
Die nächste Fahrradsternfahrt in Hamburg ist somit erst am 20. Juni 2021.
Eine zuverlässige Planung und klare Absprachen mit allen Partner*innen sind z. Zt. leider für den Rest des Jahres 2020 nicht mehr möglich. Deshalb haben wir uns nach reiflicher Überlegung dafür entscheiden, die Sternfahrt ganz abzusagen. Wir hoffen sehr, dass bei den bisher verschobenen Koalitionsverhandlungen das Thema „Weiterer Ausbau der Fahrradinfrastruktur“ ganz oben auf der Agenda steht.
Aktuelle Informationen bietet unsere Webseite:
www.fahrradsternfahrt.info
Kontakt: moa.Hamburg@gmail.com

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