WILHELMSBURGER INSELRUNDBLICK

Die Stadtteilzeitung von Vielen für Alle
 


AUF DIESER SEITE: 

Schwerpunkt: Corona standhalten! - 28.12.2020

Groß-Sand: Der Stadtteil wächst, das Krankenhaus schließt - 20.08.2020

Der Verein Zukunft Elbinsel zur Schließung des Krankenhauses Groß-Sand -  20.08.2020

Demonstration auf Wilhelmsburg: "Pflegeschule bleibt!" - 20.08.2020

Gesundheitskiosk am Beispiel von Billstedt/ Horn - 20.08.2020

Vermeintliche Geiselnahme: SEK-Einsatz in Wilhelmsburg - 20.08.2020

Corona: Bus fahren ohne Abstand - 20.08.2020

Kaffee unter freiem Himmel - 20.08.2020

Regenbogenflagge vorm Freizeithaus - 20.08.2020

A26-Ost-Tunnel - ein "Missverständnis"? - 20.08.2020

Neue Saatgutbibliothek in der Bücherhalle Kirchdorf - 16.07.2020

 

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Corona standhalten!

Der Umgang mit der Epidemie bringt das bürgerschaftliche Engagement in Bedrängnis

In unserem Schwerpunkt-Thema berichten wir über zivilgesellschaftliche Gestaltungsversuche unter den Bedingungen der Corona-Bekämpfung. Trotz der Einschränkungen und Verbote haben sich viele Initiativen und Vereine auf Wilhelmsburg 2020 weiter für ihren Stadtteil eingesetzt. Ein Kraftakt: Aktionen und Treffen wurden unmöglich, die Kommunikation musste umstrukturiert werden, Ämter und Behörden verzögerten, mit oft eher zweifelhaftem Verweis auf die Corona-Verordnungen, die Kooperation.

 Desinfektionsspender und Zoom-Konferenzen

Viele Wilhelmsburger Initiativen und Einrichtungen haben sich in den letzten neun Monaten auf die Bedingungen der Pandemie eingestellt und mit ihrer Arbeit das soziale Leben im Stadtteil in Gang gehalten

WIR. Das konnte sich im vergangenen März eigentlich keine*r vorstellen: eine weltweite tödliche Epidemie, bei der die Suche nach einem Impfstoff langwierig sein würde. Und das einzig probate Mittel gegen eine Masseninfektion mittelfristig in der Vermeidung von sozialen Kontakten besteht. Von einer kurzen Lockerung im Sommer abgesehen ist auch in Wilhelmsburger Sozial- und Kultureinrichtungen seit einem dreiviertel Jahr nur ein stark eingeschränkter Betrieb möglich - oder ganz geschlossen. Viele Initiativen und Projekte haben nun keine Räume mehr, um sich zu treffen. Ämter und Behörden sind für die Bürger*innen nicht mehr ohne weiteres zugänglich, bisher öffentliche Sitzungen finden hinter verschlossenen Türen statt. Ein Dialog auf Augenhöhe, Meinungsaustausch und Informationsbeschaffung sind dadurch für politische Bürgerinitiativen noch schwieriger geworden. Zivilgesellschaftliches Engagement ist durch die Corona-Maßnahmen erschwert. Viele Initiativen und auch Einrichtungen haben trotzdem versucht, in dieser Ausnahmesituation ihre kulturelle, soziale und politische Arbeit im Stadtteil aufrecht zu erhalten. Mit Hilfe von Hygienekonzepten, Abstandswarnstreifen, „Einbahnstraßenregelungen“ und Desinfektionsspendern in den Häusern. Mit zahllosen neuen Online-Angeboten, virtuellen Konferenzen und Telefondiensten. Es gab moderierte Zoom-Gesprächsrunden für Zugewanderte, neue Newsletter, Online-Musiksessions oder den Inselparklauf mit Abstand und beschränkter Teilnehmerzahl. Die Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen erinnerte auf ihrer Homepage an die Hamburger Choleraepidemie 1892. In einem Corona-Jahresrückblick berichten wir hier stellvertretend für alle Standhaltenden über fünf Initiativen, Vereine und Projekte; darüber, wie sie trotz der vermaledeiten Ausnahmesituation ihre Aktivitäten und ihr Engagement aufrecht erhalten haben, welche Voraussetzungen gegeben sein mussten, um tätig sein zu können und welche Hindernisse es gab.

Beispiel 1:

Der Beirat für Stadtteilentwicklung Wilhelmsburg

Nur aufgrund guter organisatorischer Rahmenbedingungen und coronakonformer räumlicher Ressourcen konnte der Beirat seine Arbeit 2020 fortsetzen

LA. Trotz Corona traf sich der Beirat 2020 bis Redaktionsschluss vier Mal. Eine fünfte Sitzung steht für den 9. Dezember um 18.30 Uhr im Bürgerhaus Wilhelmsburg an. Der Beirat ließ im Frühjahr trotz des Lockdowns keine Sitzung ausfallen. Zu einem der Sitzungstermine entschieden die Quartiersvertreter*innen sich für einen Quartiersspaziergang nach Moorwerder/Goetjensort. Die Quartiersvertreter*innen sind übers Jahr an ihren Stadtteilthemen drangeblieben: Sei es der Sachstand zum Schulentwicklungsplan oder eine AG zum Neubau der Stadtteilschule, sei es die Kampagne rund um die Erhaltung von Krankenhaus und Pflegeschule Groß-Sand, die Verkehrssituation in Wilhelmsburg oder die Unterstützung von Anlieger*innen wegen fehlender Beteiligung durch die Behörde bei den Planungen rund um die Deichrückverlegung Ellerholz (in Goetjensort/Moorwerder), um nur einige zu nennen. Die Quartiersvertreter*innen erreichen immer wieder Anfragen von anderen Bürger*innen und Initiativen, die sich Unterstützung für ihre Themen, ihre Projekte und ihr Engagement wünschen. Derzeit kann der Beirat jährlich 10.000 Euro aus einer Spende des ortsansässigen Unternehmens Mankiewicz aus dem Verfügungsfonds vergeben. Die Firma Aurubis fördert gelegentlich ebenfalls Stadtteilprojekte nach bestimmten Richtlinien. Durch den Verfügungsfonds wurden kleinere Stadtteilprojekte in Wilhelmsburg auch zu Corona-Zeiten unterstützt. So z. B. das Projekt „Kultur im Briefkasten“ vom Krisenbriefzentrum Otterhaken 4, die „Plakatwand für Kultur im öffentlichen Raum“ oder das „Theaterfahrrad“ für Kinder. Der Verfügungsfond wird von der Geschäftsstelle verwaltet und abgerechnet. Um über die Projekte, die gefördert werden sollen, zu entscheiden tagt eine Auswahl der Quartiersvertreter*innen. Die Antragsteller*innen werden dazu geladen. Die Arbeit der 14 Quartiersvertreter*innen und ihrer Vertretungen im Quartier selbst findet ausschließlich ehrenamtlich statt.

Freiwilliges und ehrenamtliches Engagement braucht immer gute Rahmenbedingungen, um etwas bewirken zu können - gerade jetzt sind sie unabdingbar: Ohne die Geschäftsstelle des Beirates, die von Christine Hill (Bürgerhaus Wilhelmsburg) wahrgenommen wird, und die räumlichen Ressourcen des Bürgerhauses mit seinem hervorragenden Hygienekonzept, wären die Aktivitäten des Beirats faktisch in diesem Corona-Zeitraum nicht realisierbar gewesen. By the way: Der Beirat hat mit seinen aktiven Bürger*innen viel Potenzial, das zeigt sich gerade jetzt unter den schwierigen Umständen. Leider steht jedoch eine gesicherte dauerhafte Finanzierung durch das Bezirksamt Hamburg-Mitte immer wieder unter Vorbehalten. Dies gefährdet die Beiratsarbeit und erschwert, vor allem unter den Corona-Einschränkungen, die 2021 mit großer Wahrscheinlichkeit andauern werden, das ehrenamtliche Engagement noch zusätzlich.

Beispiel 2:

Das Musikereignis 48h Wilhelmsburg

„The show must go online“: Die 48h Wilhelmsburg fanden statt – nur anders

Viele "reale" Konzerte gab es dieses Jahr auch.

hk. Als Anfang April klar wurde, dass in diesem Sommer 2020 keine Musik-Festivals würden stattfinden können, waren die Vorbereitungen für die „richtigen“ 48h schon fast abgeschlossen. Das Organisationsteam von Musik von den Elbinseln reagierte schnell: Alle Musiker*innen aus dem Festival-Programm wurden angeschrieben, was sie von „Online-48h“ halten würden. Die meisten fanden die Idee gut. Als Plan skizzierte das Team auf der Grundlage des ursprünglichen Programms vier bis sechs Podcastfolgen bis zum zweiten Juniwochenende, außerdem Videos, auf denen die Bands sich mit ihrem Programm vorstellen sollten, und Livestreams von Konzerten am ursprünglichen 48h-Wochenende vom 12. bis 14. Juni. Außerdem wurde angeregt, einige wenige „reale“ Offline-Konzerte unter Corona-Bedingungen zu veranstalten. Für die Kommunikation zwischen dem Orgateam und den Wilhelmsburger Musiker*innen gab Musik von den Elbinseln in der Folgezeit alle zwei Wochen einen Newsletter heraus. In der Ankündigung hieß es: „Lasst uns einander Mut machen und gemeinsam solidarisch handeln, damit wir alle in unserem Stadtteil diese Zeit gut überstehen und uns auf ein vielleicht mal etwas anderes 48h Wilhelmsburg 2020 freuen können!“

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Schon in der Woche davor gab es jeden Abend um 20 Uhr Online-Konzerte auf der Netzwerk-Website. Und vom 12. bis 14. Juni war dann „48h Wilhelmsburg 2020“ online. Das komplette Programm auf dem Laptop oder dem Rechner als Kachelansicht zum anklicken; die Gruppen zur angegebenen Zeit mit ihrem Auftritt im Netz als Livestream oder Videoaufzeichnung. Und statt „Hut“ ein Spendenbutton zum Anklicken. Außerdem stellten die Bands als Paten viele Orte auf den Elbinseln vor, an denen normalerweise die Konzerte stattgefunden hätten. Und vier kleine „richtige“ Livekonzerte auf Hinterhöfen und an der Straße, nur für die unmittelbaren Nachbarn, gab es auch. Im Juli-WIR schrieben wir: „Eigentlich waren die diesjährigen 48h wie alle Ersatz-Events in der Corona-Zeit auch traurig. Aber davon mal abgesehen: Das Netzwerk Musik von den Elbinseln ,kann auch online', und zwar richtig gut." Durch die zweite Welle und den neuerlichen Lockdown ist die Live-Kultur seit einigen Wochen von Neuem ausgebremst. Musik von den Elbinseln hat jetzt eine Crowdfunding-Kampagne zur Unterstützung der Musikszene gestartet (siehe auch S. 11).

Beispiel 3:

Die Initiative Waldretter Wilhelmsburg

Unterschriften sammeln an menschenleeren Orten und eine sture Bürokratie


WiWa retten? Baumpat*in werden!

sic. Die Waldretter haben die Corona-Einschränkungen voll erwischt, vor allem in der ersten Jahreshälfte: Ein Bürgerbegehren und der Lockdown - das passte einfach nicht zusammen. Dennoch hat die Initiative auch 2020 hartnäckig für den Erhalt des Wilden Waldes (WiWa) am Ernst-August-Kanal und gegen die geplante Bebauung ("Spreehafenviertel") gekämpft. Der Frühjahrs-Lockdown fiel genau in die Hochphase des Unterschriftensammelns für das Bürgerbegehren "Der Wilde Wald bleibt!", das die Waldretter noch im Herbst 2019 gestartet hatten. Aktives Sammeln wurde auf einen Schlag unmöglich - es lohnt sich ja nur dort, wo eine große Anzahl Menschen zusammenkommt - und die überall ausliegenden Unterschriftenlisten waren hinter den verschlossenen Restaurant-, Laden- und Institutionentüren unerreichbar. Zunächst hatte die Politik ein Einsehen; alle laufenden Bürgerbegehren erhielten eine Abgabefrist-Verlängerung, die sich nach der Dauer des Veranstaltungsverbots richten sollte. Die Waldretter atmeten auf - doch Pustekuchen: Die Fristverlängerung wurde sofort kassiert, als das Veranstaltungsverbot leicht gelockert wurde. Binnen 20 Tagen musste die Initiative plötzlich das Bürgerbegehren zu Ende bringen. Ein Ding der Unmöglichkeit.

Seitdem befinden sich die Waldretter in einem Rechtsstreit mit dem Bezirk - und zwar mittlerweile nicht mehr nur wegen des Corona-Chaos, sondern auch, weil das Bezirksamt die Durchführung des Bürgerbegehrens von Beginn an nachweislich mit Falschinformationen erschwert hat.

Die Gruppe hat sich 2020 vor allem mit den Entscheider*innen aus Politik und Verwaltung auseinandergesetzt - öffentliche Protestaktionen, Demos, Info- und Diskussionsveranstaltungen und auch das Waldfest waren ja nicht möglich. In Einzelgesprächen mit Bezirkspolitiker*innen aller Fraktionen haben die Aktivist*innen noch einmal eindringlich für den Erhalt des Wilden Waldes argumentiert. Wenn im Stadtplanungsausschuss oder in der Bezirksversammlung über Beschlüsse für das "Spreehafenviertel" abgestimmt wurde haben sie im bzw. am Bezirksamt protestiert. Durch fleißiges "Aktenstudium" haben sie herausgefunden, dass im WiWa Tier- und Pflanzenarten, die auf der Roten Liste stehen, zu Hause sind. Die Waldretter haben dafür gesorgt, dass dies jetzt öffentlich bekannt ist. Über den Bürgerschaftsabgeordneten Deniz Celik haben sie außerdem zwei umfassende Kleine Anfragen bezüglich der städtischen Planungen im Wilden Wald an den Senat gestellt. Die Antworten des Senats "offenbaren ein erschütterndes Maß an Unkenntnis der Gegebenheiten vor Ort", so die Waldretter. "Die Pläne sind offensichtlich völlig unausgegoren."

Das neueste Projekt der Initiative sind Baumpatenschaften. Gegen Spende kann am Waldretter-Stand auf den Wilhelmsburger Wochenmärkten ein farbiges Patenschaftsband erstanden und sodann um den eigenen Lieblingsbaum im WiWa geschlungen werden. Am Nikolaustag trafen sich dazu die ersten Baumpat*innen und schmückten bei Punsch und Lagerfeuer ihre Patenbäume.

Die Aktion wird 2021 fortgesetzt.

Beispiel 4:

Der Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg (ZEW)

Bürger*innen-Engagement ist selbstverständlich!


Demo gegen die Krankenhaus-Schließung.

LA. Zivilgesellschaftliches Engagement in Zeiten von Covid 19 aufrechtzuerhalten ist eine große Herausforderung. Der Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg (ZEW) trotzt den Einschränkungen an vielen Punkten. Wenn das Wilhelmsburger Krankenhaus als Akutkrankenhaus mit seiner Regel- und Notfallversorgung und die Pflegeschule auf dem Spiel stehen, ist Bürger*innen-Engagement auf der Elbinsel gefragt. So begann ZEW im Spätsommer mit anderen Akteuren die Plattform „Aktion Groß-Sand-Bleibt!“ ins Leben zu rufen. Schließlich geht es hier um die gesundheitliche Daseinsvorsorge für rund 60.000 Einwohner*innen mit reichlich Zuwachs durch neue Wohngebiete in             den nächsten Jahren. Zusammen riefen sie die Plattform „Aktion Groß-Sand-Bleibt!“ ins Leben. Von dort aus wurde der Protest organisiert. An Infoständen, u.a. auf den Wochenmärkten, an den S-Bahnhöfen und durch gute Vernetzung im Stadtteil wurden innerhalb von drei Wochen im September rund 9.500 Unterschriften gesammelt. Es fand eine Demo mit 500 Teilnehmer*innen und herausragenden Redebeiträgen statt. Am Rande notiert: Auch die Polizei sprach den Akteur*innen für das gute Demokonzept ein Kompliment aus. Die Aktiven von Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg fordern auch in Corona-Zeiten echte Mitgestaltung ein: Ob es die argumentativ fundierte Kritik an der A26-Ost mit eigenen Ideen für eine Verkehrswende ist und die Unterstützung von Betroffenen dieses antiquierten Autobahnprojekts, Sprachförderung für Geflüchtete, der ÖPNV oder neue Ideen im Spannungsfeld Stadt-Hafen – dranbleiben ist angesagt. Auch der Kommunikation mit Studierenden hat sich der Verein gewidmet. Und trotz Ausnahmezustand fand Anfang November die Mitgliederversammlung mit Neuwahl des Vorstandes statt. Ohne das gute Hygienekonzept des Bürgerhauses wäre dies allerdings nicht möglich gewesen.

 Beispiel 5:

Der Wilhelmsburger InselRundblick (WIR)

Redaktionssitzung geht auch im Garten: Trotz Covid 19 sind 2020 alle zwölf Ausgaben erschienen, zwei davon im Internet


Redaktionssitzung im Garten, Mai 2020.

sic. Beim WIR lautete die Devise: Jetzt erst recht. Sofort bei Einsetzen der Corona-Eindämmungsverodnung im März waren wir uns einig, dass die Zeitung unbedingt weiter erscheinen soll. Weil die Berichterstattung über lokale Themen aus Gesellschaft und Politik in Zeiten fehlender öffentlicher Veranstaltungen und direkter Kommunikation von Mensch zu Mensch noch wichtiger ist als sonst.

Wir entschieden uns gegen eine Corona-Berichterstattung, ganz bewusst. Wir wollten der Omnipräsenz der Pandemie-Thematik etwas entgegen setzen und mit dafür sorgen, dass all die anderen wichtigen Themen, die ja weiterhin da waren, präsent blieben. Lediglich einen coronabezogenen Info- und Angebotsteil riefen wir ins Leben, um zum Beispiel über die Not-Öffnungszeiten und Telefonhotlines der Beratungsstellen und sozialen Einrichtungen zu informieren und über digitale Kulturangebote.

Erst in dieser Ausgabe haben wir nun Corona zum Thema gemacht, eine Art Quintessenz dessen, was wir in den vergangenen Monaten in Bezug auf bürgerschaftliches, ehrenamtliches Engagement unter Covid 19-Eindämmungs-Bedingungen beobachtet haben. Schwierig war die Verteilung der Zeitung. Im Frühjahrslockdown hatten, außer Supermarkt, Drogerie und Arztpraxen, alle unsere Auslagestellen geschlossen. Zudem konnten und wollten wir unsere ehrenamtlichen Austräger*innen nicht der Gefahr einer Corona-Infektion aussetzen. So haben wir die Gelegenheit genutzt, unseren Internetauftritt neu zu konzipieren und sind im April und Mai nur als Netzzeitung (eWIR, wie ein Leser das so schön getauft hat) erschienen. Im Frühjar und Sommer haben wir außerdem unsere wöchentliche Redaktionssitzung nach draußen verlegt. Eine feine Sache, die wir jetzt sogar ein wenig vermissen. Insgesamt haben wir mit dem Zeitungmachen keine eklatanten Schwierigkeiten gehabt - doch für unseren Drucker war und ist es schlimm. Denn zwei Druckaufträge fehlen ihm ganz in diesem Jahr, die Auflage ist durchgehend geringer - weil immer noch viele Auslagestellen geschlossen sind - und die Zeitung ist dünner, weil der Terminteil WANN sehr reduziert ist.


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Groß-Sand: Der Stadtteil wächst, das Krankenhaus schließt
Eine Insel der Menschlichkeit: Das Motto gilt für die Ärzt*innen, Pfleger*innen die übrigen Mitarbeiter*innen - aber auch für das Management und das Erzbistum Hamburg?

Das Krankenhaus Groß-Sand hat 450 Mitarbeiter und bietet 70 Ausbildungsplätze

für Gesundheits- und Krankenpflege Foto: MG

MG. „Für die Zukunft versichern wir Ihnen, dass wir Sie über alle Entwicklungen, die mit der zukünftigen Ausrichtung unseres Hauses im Zusammenhang stehen, unverzüglich unterrichten werden“, heißt es in einer Mitteilung der Geschäftsleitung an die „lieben Kolleginnen und Kollegen“. Die 450 Mitarbeiter*innen im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand hatten vorher aus dem Hamburger Abendblatt erfahren müssen, dass das Krankenhaus Groß-Sand mit 200 Betten nicht überlebensfähig sei. Seit Jahren verweigere sich Groß-Sand tragfähigen medizinischen und wirtschaftlichen Konzepten. Dem widerspricht Manuel Humburg, viele Jahre in Groß-Sand tätig und danach bis zum Ruhestand Allgemeinmediziner auf Wilhelmburg: „In Groß-Sand sind nicht mehr Managementfehler passiert als anderswo“. Er hält nichts von den Plänen, statt des Krankenhauses einen „Gesundheitskiosk“ zu eröffnen oder das MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) zu erweitern.
Laut Abendblatt bringen Zentren für bestimmte Eingriffe eine höhere medizinische Qualität. Aber genau das spricht ja für den Erhalt von Groß-Sand. z. B. die chirurgische Abteilung bietet die gesamte Breite operativer Eingriffe mit anschließender hauseigener Reha. Mit dem Hauptschwerpunkt der Hernienchirurgie (Leisten- und Bauchwandbruchchirurgie) ist die Chirurgie weltweit bekannt. Das Hernienzentrum Groß-Sand ist eines von sechs Referenzzentren in ganz Deutschland und hat seit 2014 die Präsidentschaft der deutschen Herniengesellschaft (DHG) inne. Die Patient*innen kommen aus ganz Deutschland und dem Ausland.
Für die Wilhelmsburger*innen besonders wichtig ist die Notfallambulanz. Hier haben sie auf ihrer Insel eine wohnortnahe Anlaufstelle bei Notfällen, wie Unfällen, Blinddarmentzündungen, Schlaganfällen usw. Auch für die Industrie- und Hafenbetriebe im Hamburger Süden ist es das nächste Krankenhaus. Wohl jede/r im Stadtteil kann eine Geschichte mit „Groß-Sand“ erzählen. Viele Wilhelmsburger*innen haben dort ihren Arbeitsplatz und wurden in der angegliederten Pflegeschule (siehe S. 4) ausgebildet.
Am 11. August gab es nun einen neuen Mitarbeiter*innen-Brief der Krankenhaus-Direktor*innen, in dem diese sich von "fragwürdigen Artikeln, Spekulationen und Falschmeldungen" distanzieren. Es wird mitgeteilt, dass laut Domkapitular Berthold Bonekamp der Verkaufsprozess der Krankenhäuser derzeit ruhe, damit ausreichend Zeit bleibe, Groß-Sand zu sanieren. Aber das Direktorium könne noch nicht sagen, wie genau Groß-Sand am Ende des bereits angestoßenen Sanierungsprozesses aussehen werde. Es wurde eine Lenkungsgruppe aus Vertretern von Behörde und Politik, Krankenkassen, Kassenärztlicher Vereinigung, Erzbistum und Klinikleitung gebildet.
Da kann man nur hoffen, dass die Lenkungsgruppe das Wohl der Mitarbeiter*innen im Blick hat, die ja nicht eingeladen wurden. Für den Erhalt des Krankenhauses für Wilhelmsburg setzen sich hoffentlich die beteiligten Behörden und Politiker*innen ein.
WIR werden weiter berichten.

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Verein Zukunft Elbinsel zur Schließung des Krankenhauses Groß-Sand

Die Insellage und die Nähe zu Gewerbe, Industrie und Gefahrgutbetrieben erfordern ein leistungsfähiges Notfall-Krankenhaus vor Ort. Die große Flut von 1962 mit 222 Toten in Wilhelmsburg ist noch lange nicht vergessen. Damals war der Stadtteil mehrere Tage komplett von Hamburg abgeschnitten. Auch später noch, z.B. 1976, retteten sich viele nach Groß-Sand, als der Hafen mal wieder unter Wasser stand.
Der Verein plant mit der "Aktion Rettung Pflgeschule" und anderen Initiativen gemeinsam Unterschriften für den Erhalt des Krankenhauses und der Pflegeschule zu sammeln. Außerdem soll es einen Ratschlag über das weitere Vorgehen geben, um die Mitarbeiter*innen von Groß Sand und die Pflegeschüler*innen zu unterstützen. Der Verein Zukunft Elbinsel plant zudem einen Pegelstand. Auch der Stadtteilbeirat Wilhelmsburg wird sich mit dem Thema befassen. Bitte achten Sie auf Termine in der lokalen Presse.

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Demonstration auf Wilhelmsburg: „Pflegeschule bleibt!“

Die Krankenpflegeschule Groß-Sand soll zum 1. Oktober geschlossen werden. Auszubildende und Beschäftigte wehren sich dagegen

Anastasia Stumpf und Dana Janßen: Viele Schüler*innen bleiben nach der Ausbildung in Groß-Sand. Foto: hk

hk. Langsam spricht es sich in Wilhelmsburg herum. Die an das Krankenhaus Groß-Sand angeschlossene Krankenpflegeschule soll geschlossen werden. Seit Ende Juni gehen Beschäftigte und Auszubildende an die Öffentlichkeit mit Infos, Transparenten und einer Demonstration auf dem Bonifatiusplatz. Sie kämpfen gegen den Verlust ihrer Ausbildungsstätte.  
Beschäftigte und Auszubildende wussten bis vor wenigen Wochen  von der geplanten Schließung nichts. Auf der Homepage der Schule wird nach wie vor geworben: „Herzlich willkommen im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand. Wir verfügen derzeit über 75 Ausbildungsplätze. Jährlich startet zum 1. Oktober  ein neuer Ausbildungsgang – gehören Sie im neuen Kurs dazu?“ Völlig überraschend für die Betroffenen teilte ihnen die Geschäftsführung Mitte Juni die geplante Schließung mit. Konkret soll der theoretische Bereich der Ausbildung an die Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Hammerbrook verlagert werden, dorthin sollen auch alle Auszubildenden wechseln. Der praktische Teil der Ausbildung soll in Wilhelmsburg bleiben. Begründet wird der Schritt mit den neuen Anforderungen durch das 2020 in Kraft getretene neue Pflegeberufegesetz. Die danach vorgesehene Umstrukturierung der Ausbildung und vor allem die notwendige Anschaffung neuer Hard- und Software sei für die die Wilhelmsburger Schule – wie für viele andere vergleichbar geringer Größe – nicht zu leisten. In einem offenen Brief weist das Team der Pflegeschule diese Einschätzung entschieden zurück. Die finanzielle Belastung könne kein Argument sein, da die Finanzierung  der Ausbildung über den Ausbildungsfonds geregelt sei. Es sei ihnen auch keine vergleichbar große Schule bekannt, die  jetzt finanzielle Probleme hätte. Auch sei die digitale Ausstattung im Vergleich mit anderen Fach- und Pflegeschulen im oberen Drittel. Für eventuell dennoch notwendigen Mehrbedarf könnten Mittel aus dem dafür zur Verfügung stehenden Digitalpakt in Anspruch genommen werden. „Was bleibt, ist die Frage nach den wirklichen Gründen der Schulschließung“, heißt es in dem offenen Brief. Allen Mitarbeiter*innen der Schule wurde ihre anstehende Kündigung mündlich mitgeteilt. Zwei haben sie bereits schriftlich erhalten. Die Auszubildenden erhielten die Nachricht über die Schließung ihrer Schule per Email. Was genau auf sie zukommt, wissen sie nicht. Die Verunsicherung  ist groß. Die Auszubildenden sind in den letzten Wochen an die Öffentlichkeit gegangen. In mehreren Medien wurde inzwischen über die geplante Maßnahme und den Protest dagegen berichtet. In den Fenstern des Wohnheims hängen Transparente „Pflegeschule bleibt“. Die Auszubildenden haben Internetseiten eingerichtet, eine Onlinepetition gestartet und zu einer Demonstration aufgerufen. „Viele Schüler*innen sind aus dem Hamburger Süden“, sagen Dana Janßen und Anastasia Stumpf beim Flyerverteilen auf dem Stübenplatz. „Aber es kommen auch Auszubildende von außerhalb extra wegen des besonderen Charakters der Schule. Den räumlichen Zusammenhang zwischen Pflegeschule, Krankenhaus und Wohnheim gibt es nicht überall. Und die überschaubare Größe macht es möglich, dass die Dozent*innen auch über die Ausbildung hinaus für uns da sind. Nicht wenige Schüler*innen bleiben nach der Ausbildung in Groß-Sand. Auf dem Aufruf-Flyer weisen sie auch auf die Bedeutung der Schule für den Stadtteil hin: Wir brauchen die Schule „… für Groß Sand, für Wilhelmsburg, für die politisch so unterstützte Aufwertung unseres Stadtteils."
Zur Demonstration am 11. August 2020 auf dem Bonifatiusplatz kamen über 150 Menschen: Auszubildende und Beschäftige der Schule und des Krankenhauses, Wilhelmsburger Bürger*innen, darunter Parteienvertrer*innen und Abgeordnete. „Wir haben viel Solidarität erfahren in den letzten Wochen,“ sagte Thomas Kosiol, einer der Organisatoren zur Begrüßung, „schön dass Sie alle da sind.“ In den Redebeiträgen wurde unter anderem noch einmal auf die Bedeutung von Groß-Sand für den Stadtteil und die örtlichen Betriebe hingewiesen. Und auf den Widersinn, Wohnungen für weitere über 12.500 Menschen in Wilhelmsburg zu bauen und gleichzeitig die medizinische Versorgung drastisch zu verschlechtern. Und Vertreter*innen der Auszubildenden betonten den engen lebendigen Zusammenhalt zwischen der Pflegeschule und dem Krankenhaus, der auch die Qualität der Ausbildung mit ausmache. Häufig seien Absolventen von Groß-Sand  unter den Jahrgangsbesten in Hamburg. Bis zum 1. Oktober ist nicht mehr viel Zeit. Aber die Auszubildenden und Beschäftigten haben gezeigt, dass sie die geplante Schließung nicht widerstandslos hinnehmen werden. Die Demo sei erst der Anfang, betonten sie. Und offenbar bleiben sie auch nördlich der Elbe nicht ungehört. Metin Hakverdi, SPD-MdB und alter Wilhelmsburger sagte in seinem Grußwort, am 25. August werde Groß-Sand Thema im Gesundheitsausschuss der Bürgerschaft sein. (Bei Redaktionsschluss war noch nicht klar, ob es eine Live-Übertragung gibt.)
Online-Petition unter: www.petitionen.com/wilhemsburger_gesundheits-und_krankenpflegeschule_gross-sand_darf_nicht_geschlossen_werden


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Gesundheitskiosk am Beispiel von Billstedt/Horn


Gesundheitsberatung: Wir beantworten Ihre Fragen zum Thema Gesundheit und unterstützen Sie bei einem gesunden Lebensstil.

Hilfe vermitteln: Wir suchen nach Einrichtungen und Vereinen in Ihrer Nähe, in denen Sie gut aufgehoben sind und schnell Hilfe finden.

Kurse und Vorträge: Wir bieten Ihnen Kurse, in denen Sie aktiv etwas für Ihre Gesundheit tun können, und Vorträge zu wichtigen Gesundheitsfragen.

Betreuung rund um den Arztbesuch: Wir unterstützen Sie bei der Suche nach dem richtigen Arzt, bereiten Ihre Praxisbesuche vor und erklären Ihnen den Bericht vom Arzt.

Alles persönlich, kostenlos und nach Möglichkeit in Ihrer Muttersprache!

MVZ: Ein medizinisches Versorgungszentrum ist eine vom deutschen Gesetzgeber am 14. November 2003 eingeführte Einrichtung zur ambulanten medizinischen Versorgung. Das Gesetz zielte zunächst nicht auf den Krankenhausbereich ab, bewirkte jedoch, dass Krankenhäusern verstärkt die Möglichkeit geboten wurde, ambulante Behandlungen durchzuführen.


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Vermeintliche Geiselnahme: SEK-Einsatz in Wilhelmsburg

Zeugen meldeten der Polizei einen Mann mit einer AK 47, der eine Frau und ein Kind als Geisel genommen haben sollte. Ganz so schlimm war es nicht ...

SEK-Einsatz in Wilhelmsburg: Wegen einer vermeintlichen Geiselnahme musste die Fährstraße gesperrt werden. Foto:RASM

RASM. Der „Geiselnehmer“ döst gerade auf der Couch, als er vom Eindringen der Polizei in seine Erdgeschosswohnung in der Fährstraße geweckt wird. „BUMM! Dann steh ich auch schon so auf, BUMM, BUMM“, sagt der 30-Jährige. Er habe sofort eins und eins zusammengezählt und sich direkt auf den Boden gesetzt, um sich kooperativ zu zeigen.
Nach Zeugenaussagen, die eine Geiselnahme in der Fährstraße gesehen haben wollten, kam es am 21. Juni zu einem Großeinsatz der Polizei und anschließender Stürmung der Wohnung des Verdächtigen durch Einheiten des SEK. Die Fährstraße wurde mehrere Stunden zwischen Dierksstraße und Georg-Wilhelm-Straße gesperrt.
Der Beschuldigte hatte nach eigenen Angaben im Hinterhof seines Hauses mit einer Softair-Waffe von Heckler&Koch gespielt und war nur kurz mit der Waffe vorne im Türeingang erschienen, um seine damalige Freundin zu begrüßen. Zeugen meldeten der Polizei, ein Mann habe mit einer Waffe – Typ AK 47 – ein kleines Mädchen bzw. eine blonde Frau bedroht und als Geisel genommen.
Stunden später, als der Durchsuchungsbeschluss vorlag, konnte die Polizei die Wohnung stürmen. Zu diesem Zeitpunkt war der Verdächtige bereits in seinem Wohnzimmer eingeschlafen. Nach seinen Angaben hatte seine Freundin vor der Haustür vergeblich versucht, die Polizisten davon zu überzeugen, dass nichts los sei. „Einfach ans Fenster zu klopfen hätte schon alles geklärt“, sagt er.
Die Polizei jedoch beruft sich darauf, sie treffe „im Rahmen der geltenden Vorschriften alle erforderlichen Maßnahmen, um Gefahren für Leib oder Leben von Personen abzuwehren“. Ein solcher Fall wäre hier aufgrund der Zeugenaussagen eingetreten, so die Pressestelle der Polizei gegenüber dem WIR.
Zwei Blendgranaten sollen die Beamten des SEK nach Öffnung der Tür in die Wohnung geworfen haben, berichtet der Anwohner der Fährstraße. Während der Verdächtige auf dem Boden saß und die Hände hinter dem Kopf faltete, dachte er noch an die Auswirkungen, die das Ganze auf seine Katze haben könnte, die sich zu dem Zeitpunkt mit ihm in der Wohnung befand.
Er selbst litt in den nächsten Wochen unter den Folgen des SEK-Eindringens in seine Wohnung. Das alles hätte ihn „krass mitgenommen“ und er sei „krass fertig“ gewesen. Nach seiner Aussage sollen die Einsatzpolizisten im Nachhinein geäußert haben, es sei „alles ziemlich dumm gelaufen“ und dass nach einigen Wochen noch mal Polizisten vorbeigekommen seien „um zu gucken, dass ich mich nicht umbringe“.
Dem WIR gegenüber sagte die Polizei, es sei „nicht nachvollziehbar, warum es sich um ein Missverständnis gehandelt haben soll“. Bei dem Einsatz stellten die Beamten eine Softair Typ MP5K von Heckler&Koch sowie zwei Magazine und einen Elektroschocker sicher.
Gegen den Mann, der den Einsatz ausgelöst hat, wird nun wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Waffengesetz sowie wegen des Verdachts der Nötigung und Bedrohung ermittelt. Schadensersatzansprüche seitens des Beschuldigten wurden nach Angaben der Polizei bisher nicht geltend gemacht.
Zeitungsberichte, wonach bei dem Einsatz ein Scharfschütze in Stellung gebracht wurde, möchte die Polizei-Hamburg dem WIR gegenüber nicht bestätigen. Diese Frage betreffe die Einsatztaktik der Polizei, zu der grundsätzlichen keine Angaben gemacht werden.

 

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Corona: Bus fahren ohne Abstand

Kein Platz in HVV-Bussen - trotz Coronavirus

han. Es ist Freitag, 31. Juli, etwa 20 Uhr. Am S-Bahnhof Veddel fährt die S-Bahn aus Richtung Hauptbahnhof ein. Dutzende Menschen steigen aus und gehen zur Bushaltestelle der Linie 13 Richtung Kirchdorf-Süd. Alle fünf Minuten kommen S-Bahnen an, die Busse fahren allerdings im Zehn-Minuten-Takt. Demenstsprechend eng wird es in dem HVV-Gelenkbus. Eigentlich kein Problem, aber: Abstand halten wegen des Coronavirus ist nicht möglich. Masken werden überwiegend getragen, meist auch über Mund und Nase.
"Selbstverständlich ist es auch unser Ziel, einen Fahrplan anzubieten, der es allen Fahrgästen ermöglicht, Abstand zu halten", sagt HVV-Sprecher Christoph Kreienbaum. "Auch deshalb hat der HVV von vornherein in der Coronakrise seinen Fahrplan nahezu zu 100 Prozent aufrechterhalten - im Gegensatz zu anderen Städten. Es wurden auf stark frequentierten Linien sogar zusätzliche Busse eingesetzt, so auch auf der 13."
Es müsse laut Kreienbaum aber allen klar sein, dass der HVV als Verkehrsunternehmen wwnicht vermeiden könne, dass es Zeiten und Situationen gebe, in denen der Abstand von 1,5 Metern einfach realistisch nicht darstellbar ist. Deshalb habe auch der Gesetzgeber die Maskenpflicht im ÖPNV eingeführt.
Die Situation an dem Freitagabend im Juli ist kein Einzelfall. Anwohner*innen berichten von ähnlichen Situationen, und dass sie öffentliche Verkehrsmittel aus diesem Grund lieber meiden. Andere berichten davon, dass zum Teil zwei Gelenkbusse der Linie 13 direkt hintereinander fahren - der erste ist brechend voll, der zweite hingegen fast leer.
Der HVV sieht das anders. "Zur Linie 13 und der konkreten Situation: Ihre Zeitangaben kann ich nicht bestätigen", sagt der HVV-Sprecher. "Wir fahren bis 20.40 Uhr in einem engen Takt. Alle 4-5 Minuten kommt fahrplanmäßig einer unserer Großraumbusse. Dass es dennoch zu vollen Bussen kommt, ist davon unbenommen", sagt Krei-enbaum. Zudem habe das islamische Opferfest am 31. Juli und die Verkehrssituation auf den Autobahnen zu zusätzlichen Störungen beigetragen. Auch der Einsatz weiterer Busse würde hieran nichts ändern. "Subjektiv mögen die Busse für Sie überfüllt gewesen sein, nach meinen Informationen ist aber kein Fahrgast stehen gelassen worden", sagt HVV-Sprecher Christopher Kreienbaum.

 

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Kaffee unter freiem Himmel

Das Kaffeemobil des Café Gegenüber startete mit Kaffeespezialitäten und hausgemachten Spezialitäten



Sylvia Lehmann. Mit 45km/h und einer Kaffeemaschine auf dem Gepäckträger geht es zukünftig auf zu inselweiten Märkten und Festen.
Das Café Gegenüber vom Weimarer Platz kann nun überall auf Wilhelmsburg seinen feinen Kaffee und die hausgemachten Leckereien wie Rucola-Mandel-Pesto oder Cranberry-Senf anbieten. Mit einer neuen schwarz-glänzenden Kaffee-Ape.
Die Ape war ursprünglich eine Vespa mit Ladefläche. Das Kaffeemobil des Café Gegenüber kann immer noch mit einem Mopedführerschein gefahren werden, trägt aber auf den zwei Hinterreifen eine Siebträger-Espressomaschine, eine Kaffeemühle, ein Spüle und eine Kühlschublade mit sich. So verbirgt sich ein kleines Café im Kofferraum.
Der Hafen - Verein für psychosoziale Hilfe Harburg e.V. ist der Träger des Café Gegenüber und des Kaffeemobils. Hier finden Menschen eine begleitete Arbeit und trotz einer seelischen Erkrankung einen Platz in der Gesellschaft. Die Mitarbeiter des Cafés finden hier eine Tätigkeit, die frei ist von Leistungsdruck und Perfektionsstreben. Wichtig ist für den Verein, dass die Mitarbeiter an einem Ort des Miteinanders arbeiten können, wo Begegnungen möglich sind und ein Ausbalancieren der eigenen Fähigkeiten. Ein Ort des produktiv Werdens, des neugierigen Wachsens und aufgehoben Seins.
Vor 10 Jahren fing das Café Gegenüber an, Marmeladen und Pestos aus der Küchenwerkstatt auf einem Marktstand anzubieten, mit einem Klapptisch und angeliefert mit einer Sackkarre. Mit dem Kaffeemobil möchte der Verein einen neuen interessanten und reizvollen Arbeitsplatz auf Märkten und kulturellen Festen schaffen. Mit der Arbeit ist auch eine Barista-Ausbildung verbunden und so manch andere Herausforderung. Der Kaffee wird übrigens vom Wilhemsburger Kaffeekollektiv Aroma Zapatista bezogen.
Das Kaffeemobil wurde mit Unterstützung vom Hamburger Spenden­parlament, der Aktion Mensch und der Sparkasse Harburg-Buxtehude realisiert und feierlich am 29. Juli übergeben.
Die Kaffee-Ape wird ab Ende August dienstags auf dem Wochenmarkt am Berta-Kröger-Platz zu entdecken sein. Informationen zu den genauen Standorten und Zeiten des Kaffeemobils finden Sie unter www.gegenueber.cafe


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Regenbogenflagge vorm Freizeithaus

Das Freizeithaus Kirchdorf-Süd nimmt Stellung zum Christopher Street Day

PM. Vorm Freizeithaus Kirchdorf Süd wehte in diesem Jahr  am CSD (Christopher Street Day) die Regenbogenflagge. Die Regenbogenflagge ist schon seit jeher ein Symbol für Hoffnung, für Vielfalt und Toleranz. Und sie ist seit Ende der 70er Jahre das Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Am CSD dem Gedenk-, Fest- und Demonstrationstag der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen (LSBTG) wird sie traditionsgemäß gehisst, so auch am Hamburger Rathaus. Das Freizeithaus Kirchdorf-Süd dazu: „Wir meinen, queer sein ist o.k., natürlich auch in Wilhelmsburg. Es wäre wünschenswert, wenn im nächsten Jahr mehr Vereine und Einrichtungen dabei sind.“

Die Regenbogenflagge weht in Kirchdorf Süd. Foto: Barbara Kopf




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A26-Ost-Tunnel - ein "Missverständnis"?

Im Koalitionsvertrag von Rot-Grün ist nur von einer "Troglösung" die Rede

Michael Rothschuh. „Der Bau einer zweiten Querung steht den Grundsätzen einer zukunftsorientierten Mobilität diametral entgegen und behindert auf lange Sicht eine nachhaltige, klimafreundliche und stadtgerechte Verkehrsentwicklung in Hamburg. Vor diesem Hintergrund fordern wir eine kritische Überprüfung der A26-Ost“, hatten die Grünen 2020 im Bürgerschafts-Wahlprogramm erklärt und sich dabei auf die A26-Ost-Planung und einen Ersatzneubau für die Köhlbrandbrücke bezogen.
Die Forderung nach einer Überprüfung der A26-Ost-Planung wird u.a. von den Umweltschutzorganisationen wie BUND, NABU und Greenpeace, und Verkehrsinitiativen in Hamburg geteilt. Im „Koalitionsvertrag
über die Zusammenarbeit in der 22. Legislaturperiode der Hamburgischen Bürgerschaft“ zwischen der
SPD und Bündnis 90/Die Grünen ist von der kritischen Position der Grünen nichts mehr übrig geblieben.  „Hamburg unterstützt den Bund beim Bau der BAB A26 (Hafenpassage) und trägt so zur Entlastung des Verkehrs im Hamburger Stadtgebiet bei. Die für die A26-Ost im Bürger*innengutachten festgehaltenen Forderungen – insbesondere die Troglösung im Osten sowie das Galeriebauwerk entlang der A1 – werden weitestgehend umgesetzt.“
Dass hier nur von einer Troglösung, nicht aber vom zugesagten Tunnel die Rede ist, hat zu Nachfragen geführt. Nach einiger Zeit hat die Verkehrsbehörde am 22.7.2020 geantwortet: „Es ist davon auszugehen, dass die Trog/Tunnel-Bezeichnung ein Missverständnis ist. Die Koalitionspartner wollen die Umsetzung der Bürgerschaftsdrucksache 21/18745. In dieser wurde die Umsetzung eines 1480 m langen Tunnels beschlossen.“
Die Behauptung einer „Entlastung des Verkehrs im Hamburger Stadtgebiet“ widerspricht der Feststellung des Bundesverkehrswegeplans von 2016, nach dem die A26-Ost zu 60 Millionen Kilometer pro Jahr induziertem Verkehr, also Verkehr, den es ohne die A26-Ost nicht auf der Straße geben würde, und entsprechender Steigerung der CO2 und sonstiger Schadstoff-Emissionen führt.
2009/2010  wurde im Auftrag der damaligen Verkehrssenatorin Hajduk (Grüne) für die Linienbestimmung der Hafenquerspange eine mögliche Entlastung der Hamburger Innenstadt untersucht und eindeutig festgestellt: Für eine „Entlastung der Hamburger Innenstadt“ gäbe es bei der bis 2010 geplanten Nordtrasse „geringe Wirkungen“, bei der dann ausgewählten Südtrasse durch Moorburg und Kirchdorf aber sei eine Entlastung „nicht gegeben“.
Auch in den aktuell vorgelegten A26-Ost-Planungen werden Verkehrsverlagerungen aus der Innenstadt auf die A26-Ost nicht einmal ansatzweise behauptet.
Auf mehrmalige Nachfragen im Auftrag des Wilhelmsburger Inselrundblicks dazu hat die Verkehrsbehörde trotz Zusage einer Antwort bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe keine Erklärung abgegeben.
Festzuhalten ist: Eine Entlastung der Innenstadt durch die A26-Ost findet nicht statt.
Wie geht es nun weiter mit der A26-Ost-Planung?
1. Der Bund plant jetzt die Autobahnen, die Hamburger Verkehrsbehörde guckt zu. Aufgrund einer Grundgesetzänderung im Jahr 2017 ist nicht mehr das Land Hamburg in Auftragsverwaltung des Bundes für die Autobahnen zuständig, sondern die Autobahn GmbH. Leiter der seit 1.1.2020 tätigen Abteilung Nord ist Klaus Franke, der zuvor in der Hamburger Verkehrsbehörde die Abteilung Fernstraßen leitete. Die DEGES soll noch in diesem Jahr als Einheit für die Großprojekte in die Autobahn GmbH eingegliedert werden, aber das Vorhaben ist gefährdet, weil der Bundesrechnungshof erhebliche Einwendungen hat.
2. In Hamburg leiten Senator Westhagemann (parteilos) und sein Staatsrat Rieckhof (SPD) die Behörde für Wirtschaft und Innovation, die auch für den Hafenverkehr und insbesondere die Köhlbrandquerung zuständig ist. Auch die Planfeststellungsbehörde sowie die Aufgaben in der Metropolregion bleiben bei  der Wirtschaftsbehörde. Die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende unter dem Senator Tjarks und Staatsrat Bill (beide Grüne) ist vor allem für den Stadtverkehr auf Schienen, Straßen, Rad- und Fußwegen zuständig.
3. Für keinen der drei Bauabschnitte der A26-Ost gibt es bisher eine Planfeststellung, für den Abschnitt 6c zwischen der Hohen Schaar und der A1 soll wahrscheinlich in den nächsten Monaten ein Feststellungsentwurf ausgelegt werden, gegen den dann Einwendungen erhoben werden können. Klagen gegen die Planfeststellungen sind angekündigt.
4. 2021 steht auf der Bundesebene eine Überprüfung der Bedarfspläne u.a. für den Straßenfernverkehr an. Die Grüne Fraktion im Niedersächsischen Landtag hat am 18. Februar 2020 beantragt, „das Bundesverkehrsministerium im Rahmen der verpflichtenden Bedarfsplanüberprüfung aufzufordern, … die Vereinbarkeit der Straßenneubau- und Ausbauprojekte … unter Einhaltung des Klimaschutzzieles von mindestens - 40 % bis 2030 zu prüfen.“ Dabei seien „ Alternativprüfungen in die Bedarfsplanüberprüfung mit aufzunehmen. Umweltfreundliche Mobilität ist zulasten des Straßenbaus zu implementieren“. Diese Initiative ist ein guter Ausgangspunkt für einen gemeinsamen Vorstoß der Umweltverbände, der Verkehrsinitiativen und aller, die eine für das Klima, die Umwelt, die Städte und die Menschen freundliche Mobilität wünschen - in Hamburg und im ganzen Bundesgebiet. Dann geht es endlich auch um eine kritische Überprüfung der A26-Ost.

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Neue Saatgutbibliothek in der Bücherhalle Kirchdorf

Stadtgärtner*innen aufgepasst: Tauscht Saatgut, rettet alte Sorten und fördert die Pflanzenvielfalt in der Stadt!

PM/Bücherhalle. Zum Start unserer Saatgutbibliothek brauchen wir noch Spenden von Hobbygärtner*innen. Wer noch Saatgut hat und dieses für unsere Bibliothek spenden will, kann dieses gerne während der Öffnungszeiten bei uns abgeben.
Und so funktioniert es:
• Ein Tütchen Blumen- oder Gemüsesaat in der Bücherhalle auswählen (pro Person bitte nur ein Tütchen mitnehmen).
• Zuhause im Balkonkasten, im Garten oder in einem Topf auf der Fensterbank einpflanzen.
• Warten bis die Pflanzen gewachsen sind und sich an den Blüten erfreuen beziehungsweise Gemüse oder Früchte ernten.
• Saatgut der abgeernteten Pflanzen wieder in die Bücherhalle bringen.
• Gern ein Tütchen Saatgut aus dem eigenen Garten in die Bücherhalle mitbringen und es anderen Hobbygärtner*innen zur Verfügung stellen, so entsteht eine große bunte Blumenwiese in der Stadt.
Die Idee der Saatgutbibliothek stammt aus den USA. Da es dort viel gentechnisch verändertes Saatgut gibt,
versuchen Umweltinstitutionen mit "Seedlibraries" die Sortenvielfalt zu erhalten. In Frankreich entstanden 2013 die ersten "Grainothèques" und auch in Deutschland sind Saatgutbibliotheken im Kommen.
Wir freuen uns über viele Samen und eine reiche Ernte!

Pusteblumenbild: ein

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