WiWa: Wird 2022 das Jahr der Entscheidung?

Der Wilde Wald am Ernst-August-Kanal ist immer noch da! Das feierten die Waldretter:innen am 2. Advent mit einem winterlichen Fest auf der Lichtung. Gleichzeitig informierten sie über den Stand der Dinge und gaben einen Ausblick auf das kommende Jahr

Entspanntes Beisammensein beim Fest auf der Lichtung im WiWa.
Foto: Heinz Brossolat

Wettermäßig war es so ziemlich der mieseste Tag des ganzen Jahres, dennoch kamen am 5. Dezember über den Nachmittag verteilt rund 70 Menschen zum Winterfest der Initiative „Waldretter” auf die Lichtung im Wilden Wald (WiWa). Neben vielen Wilhelmsburger:innen hatten auch Freund:innen aus dem hamburgweiten Bündnis „Rettet Hamburgs Natur” den Weg in den WiWa gefunden. Bei Punsch und leckeren Stullen waren Nässe und Kälte schnell vergessen. Stattdessen gab es angeregte Gespräche, gegenseitiges Kennenlernen und manch freudiges Wiedersehen. Die Kinder hatten Spaß beim Selbermachen von Meisenknödeln, die sie stolz mit nach Hause nahmen. Am Spätnachmittag wurde es dann noch richtig stimmungsvoll, als alles unter einer zarten Schneedecke verschwand und das Feuer im Feuerkorb und die Teelichte in ihren Marmeladengläsern leuchteten.

Foto: Heinz Brossolat

Es ist ein weiteres Jahr gelungen, den Wilden Wald am Ernst-August-Kanal vor der Bebauung zu bewahren. Das ist auch dem unermüdlichen Einsatz der Waldretter:innen zu verdanken, die seit nunmehr vier Jahren immer wieder Sand ins Getriebe des Planungsprozesses streuen. Zunächst hatten sie 2020 mit Erreichen des nötigen Quorums durch ihr Bürgerbegehren „Der Wilde Wald bleibt!” einen Planungsstopp erwirkt. Das führte (in Kombination mit Corona) dazu, dass der Ablauf des offiziellen Planungsverfahrens sich um ein halbes Jahr verzögerte.
Gleichzeitig mussten die Verantwortlichen einen neuen Sachverhalt in ihre Planungen integrieren: die faktische Anerkennung des westlichen Teils der Fläche als „Wald”. Es mussten neue Gutachten erstellt und Ausgleichsmaßnahmen entwickelt sowie Ausgleichsflächen gesucht werden. Auch das kostete die Planer:innen Zeit; auch das hat die Waldretter-Initiative bewirkt. Denn diese Anerkennung von Teilen der Fläche als Wald ist auf ihr Insistieren zurückzuführen.
So fand die Öffentliche Plandiskussion am Ende beinah ein dreiviertel Jahr später als ursprünglich geplant statt.

Im Rahmen der Hamburger Klimawoche hatten Kinder mit Naturmaterialien aus dem WiWa kleine Kunstwerke gebastelt. Sie konnten am 5. Dezember gegen Spende erworben werden. Foto: Heinz Brossolat

Eigentlich hätte darauf die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange (Umweltverbände etc.) und dann die Öffentliche Planauslegung im 1. Quartal 2022 folgen sollen. Doch beide wurden nun um ein ganzes Jahr – auf das 1. Quartal 2023 – verschoben. Zu solchen Verzögerungen kommt es in der Regel, wenn die Behörden feststellen, dass ihre Pläne juristisch nicht genügend abgesichert sind. Sollte das auch im Fall des „Spreehafenviertels” zutreffen, wäre diese Selbsteinschätzung der Verantwortlichen zu einem großen Teil auf die Anfragen, Einwendungen und kritischen Stellungnahmen der Waldretter:innen gemeinsam mit aktiven Bürger:innen, z. B. im Rahmen der Öffentlichen Plandiskussion oder der IBA-Projektdialoge, zurückzuführen.

Trotzdem sind die Bebauungspläne (noch) nicht vom Tisch. Entgegen allen Argumenten halten Senat und Bezirk weiter am Bau des „Spreehafenviertels” fest. Doch der Spielraum, um die Versiegelung und Bebauung der insgesamt zehn Hektar großen Fläche zu verhindern, ist größer geworden. Das kommende, „gewonnene” Jahr ist deshalb für die Waldretter:innen und Unterstützer:innen besonders wichtig. Wenn sie jetzt Druck aufbauen und klug agieren, wird 2022 womöglich das entscheidende Jahr, um den Wahnwitz der Abholzung eines Waldes in Zeiten des Klimawandels zu beenden.
Die Waldretter:innen freuen sich deshalb auch auf neue Mitstreiter:innen! Sie treffen sich vierzehntägig mittwochs um 18.30 Uhr im 2. Stock in der Honigfabrik.

Kontakt + Info:
www.waldretter.de
info@waldretter.de

Sigrun Clausen

Wenn sie nicht am Nachbarschreibtisch in ihrer Schreibstube arbeitet oder in der Natur herumlungert, sitzt sie meist am Inselrundblick. Von ihm kann sie genauso wenig lassen wie von Wilhelmsburg.

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