Die „Mobile-First“-Bank

Die Postfiliale im Luna-Center wird demnächst geschlossen. Post und Postbank verabschieden sich Schritt für Schritt ins Internet

Am Ende eines Ganges befindet sich noch die Postbank im Luna-Center. Sie wird mit einem gelben Leuchtschild am Eingang beworben. Man sieht auch einen Briefkasten, einen Bildschirm, ein Regal mit Briefumschlägen und einen Menschen, der auf die Filiale zugeht.
Schließt demnächst – die Postbank im Luna-Center. Fotos: H. Kahle

Unter der Überschrift „Postbank schränkt Service ein“ wurde im Januar in der Presse über die Schließungspläne der Postbank in Hamburg berichtet. Das Unternehmen schließt 2025 weitere sechs Filialen. Von 19 im Jahr 2023 werden dann noch 10 Filialen übrig bleiben. Begründet wird das mit „geändertem Kundenverhalten“, der Entwicklung hin zum Online-Banking. Wobei keine Angaben über den Anteil der Kund*innen gemacht werden, die die Angebote der Filialen nutzen. Ihren Kundenservice, wie die kostenlose Zusendung von Überweisungsformularen, hat die Postbank schon länger zurückgefahren.

Die Postbank im Luna-Center

In Wilhelmsburg soll in den nächsten Monaten die Postbank-Filiale im Luna-Center geschlossen werden. Ebenso der Post- und Paketshop in den gleichen Räumen. Die nächste Postbank ist dann die Filiale in der Lüneburger Straße in Harburg, die „dauerhaft“ bestehen bleiben soll.

Einer Einladung des Regionalausschusses Wilhelmsburg/Veddel, auf der Januarsitzung des Ausschusses zu den Plänen Stellung zu nehmen, folgte die Postbank AG nicht. Sie schickte stattdessen ein umfangreiches Schreiben, in dem es vor allem um die allgemeine Entwicklung des Bank- und Postwesens geht. „In den kommenden Jahren“, heißt es da, werde ein „vollständig digitales Produkt- und Serviceangebot geschaffen“. Die Postbank werde „mittelfristig zu einer ,Mobile-First‘-Bank entwickelt und ihren Kundinnen und Kunden alle Produkte und Services bequem digital anbieten“. Außerdem werde sie mit einem Beratungsservice im Netz die Kund*innen „aktiv auf dem Weg zum digitalen Banking begleiten“. Nicht in dem Schreiben erwähnt wird, dass die IT-Umstellung Ende 2022 zunächst in ein großes Chaos geführt hatte. Die Online-Kund*innen kamen zum Teil wochenlang nicht an ihre Konten, Lastschriften konnten nicht eingelöst werden usw. Die Probleme waren nach Meldungen der Verbraucherzentrale auch 2024 noch nicht vollkommen behoben.

Gestrafftes Filialnetz

Der Postshop mit dem Schild Deutsche Post und Shisha Store über dem Eingang. Rechts vom EIngang der Geldautomat und ein ins Foto montierter Hinweis „außer Betrieb".
Postshop Veringstraße – auf dem Weg zum digitalen Banking.

Eine persönliche Beratung werde den Kund*innen weiterhin über ein „gestrafftes Filialnetz“ angeboten. Zu diesem gestrafften Filialnetz gehört die Post im Luna-Center nicht. Mit Blick auf das „geänderte Kundenverhalten“ werde dieser Postbank-Standort im Laufe des Jahres 2025 geschlossen. Wobei auch hier keine genauen Angaben über die Nutzungsfrequenz der Filiale gemacht werden. Es wird in dem Schreiben außerdem erwähnt, dass auch die dort ansässigre Post in eine „Partnerfiliale mit den im Einzelhandel üblichen Öffnungszeiten“ übergeht.

Das überklebte „Finanzcenter“

In einen solchen privaten Postshop ist vor zehn Jahren auch die Postfiliale in der Veringstraße/Ecke Mannesallee übergegangen. Nach Anwohnerprotesten blieb der Shop dann auch weiterhin Postbank und Finanzcenter. Diese Serviceleistungen wurden im letzten Jahr allerdings eine nach der anderen eingestellt. Erst verschwand der Kontoauszugdrucker und seit einiger Zeit ist der Geldautomat an der Außenwand außer Betrieb. Auf dem Schild über dem Eingang ist „Finanzcenter“ überklebt. Stattdessen ist der Postshop jetzt auch ein Shisha Store. Die Post bestätigt auf Anfrage aber, dass der Vertrag mit dem Filialpartner nicht gekündigt werden und der Shop erhalten bleiben soll. Außerdem werde sie mit einem Beratungsservice im Netz die Kund*innen „aktiv auf dem Weg zum digitalen Banking begleiten“.

Wenigstens einen solchen Postshop zu haben, würde die Bewohner*innen auf der Veddel freuen. Die dortige Post-Partnerfiliale in der Veddeler Brückenstraße ist auf unbestimmte Zeit, oder wie auf einem Zettel an der Ladentür heißt, „aus betrieblichen Gründen vorübergehend“ geschlossen.

Im Interesse der Aktionäre

Was die Postbank AG in dem Schreiben an den Regionalausschuss Wilhelmsburg/Veddel nur ganz am Rand anspricht: Der mit den Filialschließungen einhergehende Stellenabbau ist, wie bei anderen Banken auch, ein großes Sparprogramm im Interesse ihrer Aktionäre. Die Postbank AG, Tochter der Deutschen Bank, plant die Streichung von 1.000 Arbeitsplätzen, die Deutsche Bank streicht 3.500, die Commerzbank 3.300 Stellen in den nächsten Jahren. In dem Schreiben an den Regionalausschuss heißt es dazu nur: „Betriebsbedingte Kündigungen haben wir ausgeschlossen (…) Neben der Beschäftigung in anderen Bereichen der Bank (kommt) eine Reihe von Instrumenten zum Einsatz, wie etwa Altersteilzeit oder Abfindungen.“

Letzte Meldung!

Nach Redaktionsschluss erreichten uns noch zwei Meldungen (Stand 19.2., 12.30 Uhr): Die Postfiliale im Veddeler Brückendamm ist seit einigen Tagen als Post- und Paketshop wieder geöffnet. Und der Geldautomat am Postshop Veringsstraße (siehe Foto oben) wurde heute Morgen um 9 Uhr ausgebaut.



7 Gedanken zu “Die „Mobile-First“-Bank

  1. Ich finde, dass der Artikel Bezug nehmen sollte zur Entwicklung des Aktienkurses der Deutschen Bank (die Postbank gehört der Deutschen Bank). Dass die Bank alten Menschen nicht mehr erklärt, wie sie an ihr Konto kommen können, könnte auch damit zu tun haben, dass die Bonizahlungen bei keiner Bank mit so geringem Erfolg so hoch ausfallen wie bei der Deutschen Bank, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) letztes Wochenende vermeldete.
    Übrigens: Ein Bankomat mit Sonderkosten kann weder den Postbankautomaten noch ein Kundengespräch ersetzen. Insofern bringt es überhaupt nichts, wenn jetzt ein allg. Bankomat in der Veringstraße installiert wurde.

    1. Ist das wirklich nötig: „….Dass die Bank alten Menschen [nicht mehr] erklärt, wie sie an ihr Konto kommen können, …“.
      Wie sind diese Menschen denn zu „..alten Menschen ..“ geworden? Ohne Konto? Ohne EC-Karte?
      Haben die Ihren Lohn oder Gehalt immer bar ausbezahlt bekommen? Ihre laufenden Kosten immer bar bezahlt?

      1. Ja, in der Tat gab und gibt es Menschen, vornehmlich ältere – aber nicht nur -, die ihre Überweisungen per Überweisungsschein tätigen, ihr Geld am Kassenschalter abheben (wobei viele Banken ja schon länger gar keine Kasse mehr haben) und manchmal dort auch Bareinzahlungen machen (z. B. Ladenbesitzer*innen). Eine Bankkarte haben sie natürlich – das ist ja unumgänglich – und oft genug wurden sie in den vergangenen zwei Jahren sehr nachdrücklich dazu aufgefordert bzw., ja, irgendwann gezwungen, ihre Abhebungen und Einzahlungen am Automaten zu machen. Bei der Haspa in der Mannesallee konnte man das z. B. öfter beobachten.
        Also: Ja, natürlich stellt sich jetzt für einige Menschen die Frage, wie sie an Bargeld kommen!
        Herr Holtz, vielleicht sollten Sie Ihren Blick auf Ihre Mitmenschen mal ein wenig weiten.
        Insofern: Gut, dass Sie den WIR lesen; das hilft!

  2. Ein Post gehört unstrittig zur Grundversorgung. Und zu den hoheitlichen Aufgaben des Staates zählt noch immer die flächendeckende, ausreichende und angemessene Sicherung dieser Grundversorgung. Diese Aufgabe wurde durch die Privatisierung des Postwesens – in diesem Fall des Postdienstes – zugunsten der Profitinteressen der Aktionäre aus der Hand gegeben, während die angestrebten Verbesserungen kaum erreicht wurden. Nichts anderes ist bei der Krankenhausprivatisierung oder dem Verkauf kommunaler Wohnungsbestände geschehen. Am o.g. Beispiel aus dem Regionalausschuss zeigt sich, wie hilflos und machtlos die Politik vor dem Scherbenhaufen steht. Und so scheint es, dass der Regionalausschuss keine Handhabe hat, um der Schließung der Postfiliale im Luna-Center entgegenzutreten. Man ist dem Vorgehen der Post hilflos ausgeliefert.

    Und die Argumentation der Postverantwortlichen ist eine Verdrehung der Tatsachen. Indem die Post ihr Filialnetz immer weiter ausdünnt, erzwingt man ein „verändertes Kundenverhalten“, das dann wieder weitere Serviceeinschränkungen rechtfertigen soll.

    Nicht jeder kann und möchte auf die Dienste einer Postfiliale verzichten: die persönliche Geburtstagskarte, der Einschreibebrief an die Behörde, der Kauf von Briefmarken usw., das alles gehört noch immer zum Alltag vieler Menschen. Und die weitverbreitete Behauptung, es wäre die ältere Generation, die sich mit Internet und Digitalisierung schwertuen würde, ist eine völlige Fehleinschätzung. Und selbst wenn – noch ist es gemeinschaftlicher Konsens, dass wir alle mitnehmen. Oder etwa nicht?

    Bevor die Postfiliale im Luna-Center geschlossen wird, muss Ersatz geschaffen werden. Die Verantwortlichen in Verwaltung und Politik haben jetzt die Gelegenheit zu zeigen, was sie bewirken können.

      1. Die Geburtstagskarte war nur ein Beispiel von vielen ! Also was soll die Erbsenzählerei ?
        Arbeiten Sie vielleicht bei der Post und können es nicht ertragen, das man ihren geliebten
        Arbeitgeber kritisiert ? Ansonsten kann ich ihre merkwürdigen Beiträge hier nicht nach vollziehen.

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Hermann Kahle

Hermann Kahle schreibt über Kultur, Schule und für den Kaffeepott

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