Schiffshavarien mit Folgen

Im Verlauf des Orkantiefs „Nadia“ kollidierten in Hamburg zwei Schiffe mit den Elbbrücken. Noch alarmierender war die Havarie des Containerriesen „Mumbai Maersk“ in der Nordsee vor Wangerooge

Am ersten Februarwochenende stieg der Pegelstand im Verlauf des Orkantiefs „Nadia“ auf bis zu zwei Meter über dem mittleren Hochwasser. Die Süder- und Norderelbbrücken sind bei diesem Wasserstand für Schiffe unpassierbar. In der Nacht zum Sonntag verkeilte sich das holländische Baggerschiff „Lemsterland“ unter der Freihafenbrücke und musste unter dramatischen Umständen freigeschleppt werden. Der Schiffsführer hatte die Durchfahrtshöhe überschätzt, ein Alkoholtest ergab einen Wert von 1,43 Promille. Das Ruderhaus der „Lemsterland“ wurde komplett zerstört, die Besatzung kam mit dem Schrecken davon. Aber die Freihafenelbbrücke wurde an tragenden Teilen so stark beschädigt, dass sie, nach letzten Meldungen, für mindestens drei Monate gesperrt werden muss.

Eine zweite Kollision an den Harburger Elbbrücken lief glimpflicher ab. Die ebenfalls alkoholisierte Besatzung des polnischen Binnenschiffes „Heavy Metal“ schrammte elbabwärts mit ihrem Schiff unter der Brücke des 17. Juni und der alten Süderelbbrücke hindurch. Die Schäden an Schiff und Brücke blieben allerdings gering.

Die Havarie der „Mumbai Maersk“

Die „Indian Ocean“ lief 2016 vor Stade auf Grund. Foto: W. Hopfenmüller

Wesentlich mehr Aufsehen erregte die Havarie des 400 Meter langen Containerschiffes „Mumbai Maersk“ in der Nordsee vor Wangerooge, die mittelbar auch die Elbe betrifft. Das Schiff war dort im Flachwasser auf Grund gelaufen. Erst drei Hochwasser später gelang es mit mehreren zusätzliche georderten Hochseeschleppern, den Havaristen freizuschleppen. Die erfolgreiche Bergung sei nach Aussage des Cuxhavener Havariekommandos keine Selbstverständlichkeit gewesen. Das Schiff hätte ungünstigenfalls auch mehrere Wochen dort auf Grund sitzen können mit unabsehbaren Folgen. Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies wies im Interview auf den glücklichen Umstand hin, dass das Schiff nicht drei Tage vorher bei der Sturmflut havariert sei. In mehreren Berichten wurde an das Unglück der mit einer Tragfähigkeit von knapp 20.000 Containern gleich großen „MSC Zoe“ vor den friesischen Inseln 2019 erinnert. 342 Container, zum Teil mit Gefahrgut beladen, gingen vor Ameland und Borkum über Bord. Sie verunreinigten monatelang die Küste. Ein Viertel der Container konnte bis heute nicht geborgen werden. Bereits damals wurde eine künstenfernere Führung der Hauptschifffahrtsrouten diskutiert und die Entwicklung zu immer schwerer beherrschbaren Containerriesen in Frage gestellt. Alle Änderungsvorschläge verliefen mangels Interesse der deutschen und niederländischen Verkehrsministerien im Sande. Der größere Profit der kürzeren Wege ging vor.

Nicht erst nach einer Katastrophe handeln

Jetzt werden diese Überlegungen unter anderem vom NABU Niedersachsen und von den Grünen wieder ins Spiel gebracht. Die Havarie der „Mumbai Maersk“ sei ein Menetekel, ein Warnruf, „die hochgefährlichen Risiken durch die ungebremste Rekordjagd der Riesenschiffe“ endlich ernst zu nehmen. Der Sprecher der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) wird deutlicher: „Es ist dringend nötig, jetzt sofort und nicht erst morgen oder übermorgen nach einer Katastrophe zu handeln … Ein havarierendes Schiff wie die „Mumbai Maersk“ allein kann das Leben und auch die Wirtschaft an der Nordseeküste zerstören“. Zusätzliche Beunruhigung bringt die „mysteriöse“ Ursache dieser Havarie. Das Schiff verließ unvermutet seinen Kurs, fuhr eine große Schleife und lief weit außerhalb des Fahrwassers auf Grund. Die Wasserschutzpolizei geht bisher von einem Defekt der Ruderanlage aus. Aber auch ein Manövrierfehler wird nicht ausgeschlossen. Die „Mumbai Maersk“ durfte nach Freigabe durch die Behörden weiterfahren. Sie war auch schon mehrfach in Hamburg. Zwei Havarien von Container-Riesen auf der Elbe in den letzten fünf Jahren verliefen glimpflich. Hamburg habe, so die Fachleute damals, ein Riesenglück gehabt.

Hermann Kahle

Hermann Kahle schreibt über Kultur, Schule und für den Kaffeepott

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