Gerade Jetzt

Im Sommer startete das Netzwerk Musik von den Elbinseln eine Kampagne, um die Forderung nach einer Regelfinanzierung des Netzwerks und der 48h Wilhelmsburg zu unterstützen

Im Rahmen des 48h-Festivals 2021 wurde die Kampagne #GeradeJETZT initiiert, eine Online-Umfrage unter Besucher:innen des Festes und Musik-Freund:innen in Wilhelmsburg. Sie wurden gefragt, was sie mit den 48h verbindet, was sie davon halten, was sie kritisieren. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

Die Forderung nach einer regulären Förderung der 48h und des Netzwerks ist schon alt und mit der Entwicklung des Festivals immer drängender geworden. 2020 kürzte die Deutschland-Koalition des Bezirks den beantragten Zuschuss sogar um 20.000 Euro. Sie kündigte stattdessen eine Regelfinanzierung an. Die SPD begründete das auch mit der Entwicklung der 48h von einem 3-Tages-Festival zu einem ganzjährigen Stadtteilkulturprojekt. Bis jetzt wurde diese Regelfinanzierung aber nicht umgesetzt.
Bürgerhausleiterin Katja Scheer sagte der Presse damals: „Wir fangen mit der Mittelakquise jedes Jahr mehr oder weniger bei Null an. Das bindet Ressourcen, die wir gut in die eigentliche Gestaltung von 48h einbringen könnten. Und das bringt Kolleginnen und Kollegen in befristete Verträge, welche wir immer erst nach allen Förderzusagen verlängern können. Das ist jedes Jahr eine ordentliche Zitterpartie … .
Dabei ist es bis heute geblieben. Auch in diesem Jahr mussten für die Finanzierung Gelder von Sponsoren und Zuschüsse von diversen öffentlichen Stellen eingeworben werden. „Und wir profitieren 2022 noch einmal von Corona-Fördermitteln, die im nächsten Jahr wohl wegfallen”, sagt 48h-Projektleiterin Alena Kruse.

Musikalisches Community Building

Die Initiator:innen der Kampagne wollen mit den jetzt in einer kleinen Broschüre und im Netz veröffentlichten Ergebnissen der alten Forderung Nachdruck verleihen. „Wir wollen die Broschüre vor allem auch an die Bezirks- und Kulturpolitiker:innen schicken, um sie an die auch von ihnen unbestrittene Bedeutung der 48h und des Netzwerks für den Stadtteil zu erinnern”, sagt Alena Kruse.
Gut hundert Menschen haben sich an der Umfrage beteiligt. Die Ergebnisse überraschen nicht und bekräftigen die Bedeutung des Festivals 48h. Viele Besucher:innen kommen immer wieder. Sie freuen sich vor allem auf die Musik und auf die Stimmung im Stadtteil. Sie attestieren den 48h, dass sie die Wilhelmsburger:innen zur kulturellen Gestaltung des Stadtteils aktivierten und die heterogene Musikszene förderten. Ebenso wird der Anteil der 48h an der Stärkung des Austausches und der Solidarität auf den Elbinseln positiv bewertet.
Einfluss der 48h auf die Lösung von allgemeinen Problemen im Stadtteil wird von den Befragten dagegen gering eingeschätzt. Hier sehen die 48h-Macher:innen noch Nachholbedarf. Denn der Anspruch des Netzwerks und der 48h war immer, mit dem „musikalischen Community Building” auch über den Musikbereich hinaus den Stadtteil mitzugestalten. Und auf die Wilhelmsburger Community kommt in den nächsten Jahren ja noch einiges zu.
Am Schluss der Broschüre heißt es. „ … Wir sehen die neuen Quartiere wachsen, die in der direkten Nachbarschaft des Bürgerhauses entstehen: Hier werden wir Brücken bauen müssen zwischen neuen und alten Nachbar:innen. Musik, das konnten wir in den vergangenen 13 Jahren deutlich belegen, ist hier eine geeignete Methode.“ Und mit einer jedes Jahr neuen Finanz-„Zitterpartie” ist das eben nicht zu bewältigen.

Das vollständige Ergebnis der Umfrage unter www.mvde.de/gerade-jetzt.

Hermann Kahle

Hermann Kahle schreibt über Kultur, Schule und für den Kaffeepott

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