Es wird nicht ruhiger in Georgswerder

So eine rasante Stadtteilentwicklung! Nicht mehr nur Wohnungsbau verändert Georgswerder, es weht nun auch frischer unternehmerischer Wind im Viertel. Bloß der Supermarkt – der fehlt noch immer

Kaum jemand hätte wohl damit gerechnet, dass es so viel aus Georgswerder zu berichten gibt

Aber nach den veröffentlichten Sanierungsplänen rund um den Georgswerder Ring und den fortlaufenden Bebauungsplänen, gibt es nun wieder ein neues Projekt, wodurch der Stadtteil in den Vordergrund gerückt wird.

Bereits im Februar wurde vom Regionalausschuss Veddel/Wilhelmsburg das Anliegen angesprochen, dass Georgswerder zu einem RISE-Gebiet ernannt wird. Die Abkürzung RISE steht für „Rahmenprogramm integrierter Stadtteilentwicklung“ und hat das Ziel, die Lebensqualität in RISE-Gebieten zu erhöhen. Durch Sanierungsarbeiten sollen die Quartiere nicht nur städtebaulich aufgewertet werden, sondern auch mit Stärkung und Förderung der Infrastruktur und Bildungsangebote. Quartiersplätze sowie öffentliche Grünflächen sollen zu einer integrativen Gemeinschaft beitragen. Durch aktives Miteinbeziehen und Teilhabe der Anwohner:innen soll der soziale Zusammenhalt untereinander gestärkt werden.

Bereits im Dezember 2020 hat das Bezirksamt Hamburg-Mitte dem Antrag zugestimmt, dass die Veddel zu einem RISE-Fördergebiet wird. Nun soll geprüft werden, ob dem Antrag auch für Georgswerder zugestimmt werden kann. Erwartet werden die Ergebnisse erst in den kommenden Monaten, genaue Angaben gibt es noch nicht.

Ein neugebauter Spielplatz und Treffpunkt für das Viertel Georgswerder. Im Vordergrund ist ein Spielgerät mit Rutsche, im Hintergrund das historische Schulgebäude aus Backstein. Links im Bild sind Bäume und Sonnenlicht zu sehen.
Der neue Quartiersplatz – ein erster Schritt für mehr Gemeinschaft im Viertel?
Foto: Liza-Shirin Colak

Doch auch wenn der Beschluss durchgewunken und Georgswerder zum RISE-Gebiet ernannt wird, die Gefahr der Gentrifizierung wird dadurch auch gestärkt. (Gentrifizierung meint den Strukturwandel innerhalb eines Viertels, durch ein attraktiveres Angebot und damit steigende Mietkosten durch Zuzügler:innen.) Obwohl gerade das Problem verhindert werden soll! Schon jetzt werden die Mietpreise der alten Wohngebäude angehoben – egal wie marode die Bausubstanz in einigen Fällen sein mag. Ob auch die bereits bestehenden und teilweise über 100 Jahre alten Häuser von den Sanierungsarbeiten profitieren, bleibt ebenfalls offen. Wenn dadurch jedoch der Mietpreisspiegel im gesamten Viertel steigt, hilft auch kein RISE-Förderprogramm mehr.

Eine erfreuliche Erneuerung in Georgswerder ist jedoch der Zuzug des Sozialunternehmens „Das Geld hängt an den Bäumen“ seit Anfang des Jahres 2021.  Das Unternehmen hat sich auf die Ernte und Pflege von Obstbäumen spezialisiert, sammelt Obstspenden und verkauft dann die daraus produzierten Säfte und Schorlen. Aber auch im Bereich der Garten- und Landschaftspflege bietet das Unternehmen einige Leistungen an.
Das Team selbst besteht dabei aus Menschen mit Behinderungen, fehlender Berufsausbildung oder auch Langzeitarbeitslosen. Eine schöne Ergänzung zu den möglichen Aussichten, dass Georgswerder zum RISE-Fördergebiet werden könnte. Vielleicht besteht die Möglichkeit, dass die Projekte Hand in Hand kooperieren – an Arbeit fehlt es garantiert nicht!

Man kann also bloß mit Hoffnung die Entwicklung in Georgswerder beobachten. Und WIR werden nicht müde, eifrig zu dokumentieren! Fakt ist, dass sich das Viertel verändert. Ob das jedoch auch Vorteile für die alteingesessen Anwohner:innen bringt oder nur den baldigen Neu-Anwohner:innen, bleibt eine von vielen offene Fragen.

Liza-Shirin Colak

Liza-Shirin Colak schreibt als jüngstes WIR-Mitglied besonders über Stadtteilentwicklung, Nachhaltigkeit und lokale Insel-Insider.

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