Autobahn bremst Hafenbahn

Wird der nötige Ausbau des Hafenbahnhofs Hohe Schaar wegen der A26 Ost verhindert?

Michael Rothschuh. Warten an der Ampel auf der Hohen-Schaar-Straße, ein langer mit Containern beladener Zug kommt von der Bahn an der Kornweide und biegt ein in Richtung Kattwykbrücke. Er wird die Süderelbe auf der 2020 fertig gestellten zweigleisigen Bahnbrücke überqueren, und dann durch Moorburg und in einem südlichen Bogen über Hausbruch zum Hafenbahnhof Alte Süderelbe fahren. Dort werden die Wagen aufgeteilt, je nachdem ob die Container im HHLA-Terminal Altenwerder, dem HHLA-Terminal Burchardkai oder dem Eurogate-Terminal in Waltershof auf ihren Abtransport mit einem Schiff warten.

Warten an der Ampel auf der Hohen-Schaar-Straße. Der lange Güterzug kommt von der Bahn an der Kornweide und biegt ab Richtung Kattwybrücke. Er muss erstmal durch die langgezogene eingleisige (!) Kurve, das geht nur im Schneckentempo. Der zweigleisige Ausbau lässt auf sich warten. Foto: Michael Rothschuh.

„Hamburg ist und bleibt unangefochten der größte Eisenbahnhafen Europas“, erklären SPD und Grüne stolz im Koalitionsvertrag. Davon ist aber hier mitten im Hafen wenig zu spüren. Wo diese eingleisige Kurve die Züge nur im Schneckentempo durchlässt, sollten eigentlich zwei Gleise die Züge nicht mitten durch den Hafenbahnhof Hohe Schaar, sondern an ihm vorbei führen. Der Hafenbahnhof sollte ausgebaut werden, denn nur über ihn sind der westliche und der östliche Hafen miteinander verbunden.

Verhindert wird der notwendige Ausbau aber, weil die Autobahn A26 Ost exakt über dieser Kurve gebaut werden soll, dreistöckig: im Erdgeschoss die Eisenbahn, im 1. Geschoss darüber ein Kreisel mit den Zu- und Abfahrten der Straßen auf der Hohen Schaar und der Verbindung zur Autobahn, die im 2. Geschoss gebaut werden soll. Flächen der jetzigen Hafenbahn sollen zudem als Lagerfläche für den Autobahnbau dienen. Vor 2031, wahrscheinlich später, wird es deshalb weder einen Ausbau des Hafenbahnhofs Hohe Schaar noch den Bau der zusätzlichen Gleise geben. Im Gegenteil: In der Bauphase sind viele Sperrzeiten der Bahn notwendig. Die Bahn fährt dann im Hafen eher in einer Art Notbetrieb.

Im 2020 beschlossenen Koalitionsvertrag zwischen SPD und den Grünen für Hamburg heißt es: „Wir werden prüfen, ob ein Konzept zur Abwicklung der hafeninternen Umfuhren auf der Hafenbahn erfolgen kann.“ In den nächsten zehn Jahren jedenfalls wird aber auch diese drängende und für die Verkehrswende wichtige Forderung nicht umgesetzt werden, weil auch dafür der Hafenbahnhof Hohe Schaar aufgerüstet werden müsste.

Mobilitätswende bedeutet: mehr Schiene, weniger Straße. Wenn Hamburg nicht NEIN zur A26 Ost sagt, lautet das Motto für den Hamburger Hafen: mehr Autobahn, weniger Hafenbahn.

A26-Planung auf der Hohen Schaar. Foto: aus den Planfeststellungsunterlagen der bundeseigenen Autobahn GmbH (DEGES).

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