NABU Petition – über 28.000 Menschen gegen den Bau der A26 Ost

Mit einem Verzicht auf den Autobahn-Dinosaurier könnte Hamburg noch vor der Bundestagswahl ein Zeichen für mehr Klimaschutz setzen

Auf dem Platz vor dem Hamburger Rathaus stehen zwei als Dinosaurier verkleidete Personen. Einer hält ein Schild hoch, auf dem steht: "Stoppt den Autobahn-Dino A26 Ost!"
Ende 2020 erhielt die A26 Ost vom Bundes-NABU den Negativ-Umweltpreis „Dinosaurier des Jahres“. Foto: Liesel Amelingmeyer

Liesel Amelingmeyer. Einen Tag nach Eröffnung des Planfeststellungsverfahrens für den dritten Abschnitt (6c) der A26 Ost hat der NABU Hamburg dem Büro des Hamburger Bürgermeisters Peter Tschentscher symbolisch mehr als 28.000 Unterschriften einer Petition gegen das Vorhaben überreicht. Der NABU kritisiert den geplanten Bau der A26 Ost unter anderem, weil er wertvolle Moorböden und Naturräume im Hamburger Süden zerstört. Sowohl durch den Bau als auch durch den Betrieb wird der Klimawandel massiv vorangetrieben. Hinzu kommt die Kostenexplosion von zunächst veranschlagten 900 Millionen auf jetzt 1,8 Milliarden Euro für die nur zehn Kilometer lange Autobahn.

„Wenn Bürgermeister Peter Tschentscher wirklich der Klimafreund ist, als der er sich darstellt, kann er es jetzt zeigen und sich beim Bundesverkehrsministerium für einen sofortigen Stopp des Projektes einsetzen“, sagt Malte Siegert, Vorsitzender des NABU Hamburg

Auch bundesweit sorgte das Bauprojekt für Schlagzeilen: Der NABU Bundesverband hatte bereits Ende des vergangenen Jahres die A26 Ost als Umweltsünde mit dem Negativ-Umweltpreis „Dino des Jahres“ ausgezeichnet. Wer heute noch eine aus der Zeit gefallene Dinosaurier-Autobahn als Baustein der Mobilitätswende verkauft, demonstriert nach Auffassung des NABU ein mangelndes Verständnis darüber, was die Stunde tatsächlich geschlagen hat. Denn unstrittig ist, dass die uneingeschränkte Förderung des motorisierten Individualverkehrs wesentlich zur Klimakrise beigetragen hat.

Laut Hamburger Klimaplan war der Verkehrssektor bereits 1990 der klimaschädlichste

Selbst im Jahr 2030 wird er noch der Sektor mit den meisten CO2-Emissionen sein. Und es gibt eine Binse, die nicht nur von Umweltschützern, sondern auch von Stadt- und Verkehrsplaner:innen bestätigt wird: Mehr Autobahnen führen zu noch mehr Verkehr. „Hier braucht es eine Vollbremsung“, so Malte Siegert.
Das Gesamtprojekt A26 Ost, das an nachweislich überzogene Wachstumserwartungen im Hamburger Hafen gebunden ist, soll in frühestens zehn Jahren vollständig realisiert sein. „Weil wir im Jahr 2031 schon mit einem halben Bein in der Klimaneutralität stehen müssen, brauchen wir nicht nur eine ehrliche Einschätzung der Entwicklung des Hamburger Hafens, sondern auch die dazu passende Verkehrsinfrastruktur“, sagt Jonas Voß, Referent für Umweltpolitik beim NABU Hamburg.

Mit ihrer Unterschrift unter die Petition haben viele Menschen in Wilhelmsburg, Moorburg und Harburg ein Zeichen gesetzt. Sie sind die unmittelbar Betroffenen, wenn es um ihre Lebensräume in der unmittelbaren Nähe zur geplanten Autobahn geht.

In der Siedlung Katenweg in Wilhelmsburg müssen Häuser abgerissen werden

Besondere Brisanz haben die Planungen für den Wilhelmsburger Abschnitt der A26 Ost/Hafenpassage für die Bewohner:innen der Siedlung am Katenweg, südlich der Straße Kornweide.
Entgegen früheren Versprechen ist jetzt der Abriss von mindestens zehn Wohnhäusern und etlichen Nebengebäuden geplant. Zwar wird damit geworben, dass hier eine Autobahn gebaut werden soll, „die niemand sieht“, weil ein Tunnel entstehen soll. Dabei wird aber unterschlagen, dass eine offene Bauweise vorgesehen ist. Das geschieht in einem Trog, der von 30 Meter tiefen Spundwänden gesichert werden muss und am Ende gedeckelt wird. Die Spundwände müssen mit horizontalen Ankern stabilisiert werden, von denen zusätzlich anliegende Häuser betroffen sein werden.

Ein nicht uninteressantes Detail ist auch, dass sich die Freie und Hansestadt Hamburg wegen eines zusätzlichen Tunnels bei Wilhelmsburg finanziell beteiligen muss. Um die Kosten zu erwirtschaften, sollen Grünbereiche in unmittelbarer Nähe der Autobahn zur Bebauung verkauft werden – ein weiterer Grünverlust im Hamburger Süden.

Ein Mann und eine Frau stehen auf dem Platz vor dem Hamburger Rathaus und halten ein Transparent zwischen sich, darauf ist eine durchgestrichene Autobahn zu sehen.
Foto: Liesel Amelingmeyer

Einwendungen, Stellungnahmen und Äußerungen von Bürger:innen können bis zum 28. Mai 2021 schriftlich oder zur Niederschrift bei der Planfeststellungsbehörde (Behörde für Wirtschaft und Innovation, Planfeststellungsbehörde, Alter Steinweg 4, 20459 Hamburg) oder bei dem Bezirksamt Hamburg-Mitte (Caffamacherreihe 1-3, 20355 Hamburg) erhoben bzw. vorgebracht werden.

Alle Informationen zur Planfeststellung können auf der Homepage vom Bündnis Verkehrswende Hamburg www.verkehrswende-hamburg.net abgerufen werden.

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