Literaturfest SuedLese

Das Netzwerk SuedKultur im Süden Hamburgs veranstaltet den ganzen November über ein Lesefest. Es reicht von Stelle über Buchholz bis Buxtehude, von Wilhelmsburg über Harburg bis Neugraben. WIR haben für Euch die Wilhelmsburg-Termine rausgesucht!

Alle Lesungen findet Ihr im Online-Programm.

1.11.2022 | 19 Uhr | Deichdiele, Veringstraße 156 | Eintritt: Spende

Zara Zerbe – Das Orakel von Bad Meisenfeld u. a.

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Zara Zerbe hat gerade erst den Kunstnachwuchspreis von Schleswig-Holstein gewonnen und liest nun u.a. aus dem „Orakel von Bad Meisenfeld“. Die leicht magisch-realistisch angehauchte Novelle überlässt es den Lesenden, die unterschwellig phantastischen Elemente einzuordnen.
Drei Jugendfreundinnen treffen sich wieder in ihrem verschlafenen Heimatnest. Die erste wird vielleicht bald zu einer Expedition am (schmelzenden) Nordpol aufbrechen, die zweite wollte seit jungen Jahren „der Wirtschaft zur Verfügung stehen“ und ist vielleicht gescheitert. Die dritte, die Erzählerin, hat vielleicht hellseherische Fähigkeiten – gezwungenermaßen, weil sie kurzsichtig ist. Ab jetzt wird’s spannend … 

Zara Zerbe wurde in Hamburg-Harburg geboren, wuchs in einem niedersächsischen Dorf mit einem albernen Doppelnamen auf, lebt seit 2009 in Kiel, ist Mitherausgeberin des Literaturmagazins „Der Schnipsel“ und veranstaltet die „Lesebühne FederKiel“ in der Hansa48. Sie holte den Preis „Neue Prosa Schleswig-Holstein 2018/2019“. 2021 erschien die Novelle „Das Orakel von Bad Meisenfeld“ im stirnholz Verlag. 2022 nun der Kunstförderpreis des Landes Schleswig-Holstein.  

https://zara-zerbe.com
Web: https://superspacelabor2020.net/  

7.11.2022 | 9 Uhr | Bücherhalle Wilhelmsburg, Vogelhüttendeich 45 | Eintritt: frei

Stefanie Taschinski – Bifi und Pops. Mission Bienenstich

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Stefanie Taschinski. Foto: Jörg Schwalfenberg
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Auf seinem Motorrad und mit Bifi im Beiwagen fährt Hobby-Imker Pops in den Wald, um nach seinen Bienenkästen zu sehen. Bifi verjagt erstmal eine Rotte Wildschweine und einen Fuchs, wovon Pops nicht einmal etwas mitbekommt. Doch als ein Bienenvolk samt Königin ausschwärmt, ist auch Pops in heller Aufregung. Gemeinsam versuchen sie, die Bienen zurückzulotsen, was gar nicht so einfach ist. Aber zum Glück hat Spürnase Bifi einen Plan!

Für Kinder ab sechs Jahren bzw. Schulklassen. Anmeldung erforderlich: wilhelmsburg@buecherhallen.de

7.11.2022 | 11 Uhr | Bücherhalle Wilhelmsburg, Vogelhüttendeich 45 | Eintritt: frei

Stefanie Taschinski – „Der geniale Herr Kreideweiß“

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Als Herr Kreideweiß auf seinem Rennrad zur Schule fliegt, ist Matti und Emil sofort klar: Mit ihrem neuen Klassenlehrer stimmt was nicht! Im Unterricht sausen Bücher durch die Luft, und das zottelige Stoffschaf Rüdiger zwinkert ihnen quicklebendig zu. Es verrät ihnen: Lukas Kreideweiß hat Magie geerbt, und eigentlich soll Rüdiger ihm dabei helfen, seine neuen Kräfte zu bändigen. Doch das neunmalkluge Schaf denkt nicht daran! Als in der Sportstunde plötzlich sogar Emil zum rasanten Flug abhebt, brauchen die Kinder einen Plan.

Für Kinder ab acht Jahren bzw. Schulklassen. Anmeldung erforderlich: wilhelmsburg@buecherhallen.de

8.11.2022 | 18 Uhr | Bürgerhaus Wilhelmsburg, Mengestraße 20 | Eintritt: Spende

Kirsten Boie – Vorbei ist eben nicht vorbei

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Kirsten Boie. Foto: Indra Ohlemutz
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Aufwachsen im Deutschland der 1960er Jahre. Das muss das Paradies sein: Tagsüber baden in der Elbe, abends gemütlich vor dem neuen Fernsehgerät sitzen. Die dreizehnjährige Karin wohnt in Hamburg und genießt 1961 einen unbeschwerten Sommer. Als eine Freundin ihr ein Buch über jüdische Kinder im Nationalsozialismus schenkt, wird sie nachdenklich: Haben ihre Eltern wirklich nichts von alldem gewusst, was in Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus‘ passiert ist? Oder waren sie sogar selbst in Verbrechen verwickelt? Karin sucht nach Antworten auf ihre Fragen, doch ihre Eltern sprechen nicht mit ihr über den Zweiten Weltkrieg. Ihre heile Welt wird brüchig und endet abrupt, als ein halbes Jahr später in einer kalten Nacht Hamburgs Deiche brechen und die Sturmflut ihr Paradies endgültig zerstört. Ein Meisterwerk von Kirsten Boie, für Jugendliche und Erwachsene.

Die Hamburgerin Kirsten Boie (Jg. 1950) ist eine der renommiertesten, erfolgreichsten und vielseitigsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Sie studierte Germanistik und Anglistik, promovierte in Literaturwissenschaft über die frühe Prosa Bertolt Brechts, arbeitete als Gymnasiallehrerin und an der Gesamtschule. Ihr erstes Kinderbuch »Paule ist ein Glücksgriff« wurde ein beispielloser Erfolg (Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis, Buch des Monats der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in Volkach; Ehrenliste des Österreichischen Staatspreises für Kinder- und Jugendliteratur). 2015 gründet Kirsten Boie die Möwenweg-Stiftung, um Kindern in Swasiland zu helfen.

19.11.2022 | 18 Uhr | Buchhandlung Lüdemann, Fährstraße 26 | Eintritt: 8 Euro

Jan Faktor – Trottel

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Jan Faktor. Foto: Joachim Gern
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Im Mittelpunkt: ein eigensinniger Erzähler, Schriftsteller, gebürtiger Tscheche und begnadeter Trottel, und die Erinnerung an ein Leben, in dem immer alles anders kam, als gedacht. Und so durchzieht diesen Rückblick von Beginn an auch eine dunkle Spur: die des »engelhaften« Sohnes, der mit dreiunddreißig Jahren den Suizid wählen und dessen früher Tod alles aus den Angeln heben wird.

Die Geschichte beginnt in Prag, nach dem sowjetischen Einmarsch. Auf den Rat einer Tante hin studiert der Jungtrottel Informatik, macht erste groteske Erfahrungen mit der Liebe, langweilt sich in einem Büro für Lügenstatistiken und fährt Armeebrötchen aus. Nach einer denkwürdigen Begegnung mit der »Teutonenhorde«,  „emigriert“ er nach Ostberlin, taucht in die Undergroundszene vom Prenzlauer Berg ein, gründet eine Familie, stattet seine besetzte Wohnung gegen alle Regeln der Kunst mit einer Badewanne aus. Von der Prager Vorhölle, einer schicksalhaften Ohnmacht, einem Sprung und dem seltsamen Trost von Chicorée: Mit »Trottel« ist Jan Faktor ein wunderbar verspielter, funkelnder, immer wieder auch düsterer, anarchischer Schelmenroman gelungen.

Jan Faktor, (Jg. 1951) geb. in Prag, 1978 Übersiedlung nach Ostberlin. Arbeit als Kinder­gärtner und Schlosser, entdeckt in den 80er-Jahren das „Rückläufige Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache“ für die experimentelle Dichtung. Bis 1989 fast ausschließlich in der inoffiziellen Literatur­szene engagiert. 1989/90 Mitbegründer der Zeitung des Neuen Forums.

20.11.2022 | 19 Uhr | Deichdiele, Veringstraße 156 | Eintritt: Spende

Regine Seemann – Friedhofsengel

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Regine Seemann. Foto: privat
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Ein brutaler Doppelmord erschüttert die Hansestadt. Hamburg im März: Während die Natur langsam zu neuem Leben erwacht, werden die Stadtteile Rotherbaum und Eimsbüttel zu blutigen Tatorten. Zwei gut situierte ältere Damen werden auf offener Straße erschossen. Sie sterben durch Patronen aus derselben Waffe. Zwischen den Morden liegen nur wenige Tage. Beide Opfer sehen sich verblüffend ähnlich. Doch die Kriminalkommissarinnen Stella Brandes und Banu Kurtoglu können keine weitere Verbindung zwischen den Toten herstellen. Während die Ermittlungen auf Hochtouren laufen, geschieht ein weiteres Verbrechen. Langsam lichtet sich der Nebel, der über der Vergangenheit der Opfer liegt, und gibt den Blick frei auf eine Geschichte voller Liebe, Hass und Fanatismus. Denn in einem weit entfernten Land sind schreckliche Dinge passiert, die Freunde zu Verrätern werden ließen.

Regine Seemann ist eine waschechte Hamburger Deern und bei der SuedLese bekannt. Sie ist in Hamburg zur Schule gegangen, studierte Deutsch und Biologie auf Lehramt und ist Schulleiterin einer Grundschule in Wilhelmsburg. Sie lebt am Rande der Fischbeker Heide in Hamburgs Südwesten.

25.11.2022 | 19 Uhr | Schankraum der Bunthaus Brauerei, Kurdamm 24 | Eintritt: Spende

Esther Isaak de Schmidt-Bohländer – Unser täglich Bier gib uns heute

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Esther Isaak de Schmidt-Bohländer. Foto: privat

Das Bierwort für den Tag. „Man kann ja nicht schon morgens ein Bier trinken“ – jedoch ist ein wunderschöner Biertext der beste Start in den Tag und Poesie pur. 366 mal wird den Lesenden von den 31 Autor:innen das Beste zur Stärkung geboten: Poesie, Anekdoten, Sach- und Fachkunde, Historisches, Wissenschaft und pure Fantasie. So vielseitig unser Bier, so unterschiedlich sind auch unsere Texte. Die Mischung macht die Faszination aus. Jede:r durfte schreiben, was er:sie wollte. Was wir mit Worten gemalt haben, hat Tanjowski mit graphischer Leidenschaft vollendet.

Zum Wirtschaftskonzept: Alle Autor:innen partizipieren, je nach Textanzahl, an den Erträgen, sobald die Produktionskosten von ca. 4.000 Euro eingespielt sind. Das ist umso bedeutsamer geworden, da es in der schreibenden Zunft täglich mehr ums Überleben geht. Letztlich soll ein Bier-Buch-Werk neben den Koch- und Weinbüchern stehen. Es ist sowohl ein Buch für Bierliebhabende als auch ein wunderbares Geschenk für Ästhetiker:innen und Jugendstilliebhabende.

26.11.2022 | 18 Uhr | Buchhandlung Lüdemann, Fährstraße 26 | Eintritt: 8 Euro

Laura Cwiertnia – Auf der Straße heißen wir anders

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Laura Cwiertnia. Foto: Marlena Waldthausen
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„Wie lange dauert es, bis aus einem Zuhause eine Heimat wird?“ In Karlas Familie wissen alle, wie es sich anfühlt, nicht dazuzugehören. Karla erlebt es als Kind in Bremen-Nord. Ihr Vater Avi in einer Klosterschule in Jerusalem. Die Großmutter Maryam als Gastarbeiterin in Deutschland. Die Urgroßmutter Armine auf den Straßen von Istanbul. Einfühlsam und mit feinem Humor fächert Laura Cwiertnia die verzweigten Pfade einer armenischen Familie auf, deren Erfahrungen so tiefgreifend sind, dass sie noch Generationen später nachhallen.

Die Kinder aus der Hochhaussiedlung in Bremen-Nord kennen die Herkunftsorte ihrer Familien genau: Türkei, Russland, Albanien. Nur bei Karla ist alles etwas anders. Sie weiß zwar, dass die Großmutter in den 60ern als Gastarbeiterin aus Istanbul nach Deutschland kam, und auch, dass die Familie armenische Wurzeln hat, doch gesprochen wird darüber nicht. Als Karlas Großmutter stirbt, taucht der Name einer Frau auf, Lilit, samt einer Adresse in Armenien. Karla gelingt es, ihren Vater zu einer gemeinsamen Reise zu überreden – in eine Heimat, die beide noch nie betreten haben. Eindrücklich und bewegend erzählt Laura Cwiertnia davon, wie es sich anfühlt, am Rand einer Gesellschaft zu stehen. Und davon, wie es ist, keine Geschichte zu haben, die man mit anderen teilen kann.

Laura Cwiertnia, 1987 als Tochter eines armenischen Vaters und einer deutschen Mutter in Bremen geboren, ist stellvertretende Ressortleiterin bei der ZEIT. »Auf der Straße heißen wir anders« ist ihr literarisches Debüt.

29.11.2022 | 19 Uhr | Buchhandlung Lüdemann, Fährstraße 26 | Eintritt: 10 Euro

Fatma Aydemir – Dschinns

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Fatma Aydemir.
Foto: Sibylle Fendt
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Dreißig Jahre hat Hüseyin in Deutschland gearbeitet, nun erfüllt er sich endlich seinen Traum: eine Eigentumswohnung in Istanbul. Nur um am Tag des Einzugs an einem Herzinfarkt zu sterben. Zur Beerdigung reist ihm seine Familie aus Deutschland nach. Fatma Aydemirs großer Gesellschaftsroman erzählt von sechs grundverschiedenen Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind. Alle haben sie ihr eigenes Gepäck dabei: Geheimnisse, Wünsche, Wunden. Was sie jedoch vereint: das Gefühl, dass sie in Hüseyins Wohnung jemand beobachtet. Voller Wucht und Schönheit fragt „Dschinns“ nach dem Gebilde Familie, den Blick tief hineingerichtet in die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte und weit voraus.

Fatma Aydemir (Jg. 86), in Karlsruhe geboren, lebt in Berlin und ist Kolumnistin und Redakteurin bei der taz. 2017 erschien ihr Debütroman „Ellbogen“, für den sie den Klaus-Michael-Kühne-Preis und den Franz-Hessel-Preis erhielt. 2019 war sie gemeinsam mit Hengameh Yaghoobifarah Herausgeberin der Anthologie „Eure Heimat ist unser Albtraum“. Ihr zweiter Roman „Dschinns“ (2022) wurde mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet.

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