Ein Stadtteil hat sein Krankenhaus gekauft!

Eine fast wahre Geschichte von unserem Leser Erwin

Und das kam so: Hamburger Banken hatten sich 500 Millionen Euro erstatten lassen für Steuern, die sie nie gezahlt haben. Diese Cum-Ex-Geschäfte, vom Bundesverfassungsgericht im Sommer für illegal erklärt, konnten von den Hamburger Finanzsenatoren nicht erfolgreich verhindert werden, erfolgreich waren die beiden Männer trotzdem: der eine ist Erster Bürgermeister, der andere Bundeskanzler.

Die rauflustigen Bewohner:innen der Elbinsel Wilhelmsburg haben daraufhin großzügig gerechnet und für Hamburg 2 Millionen Bürger:innen angenommen, diese halbe Milliarden Euro entsprechen demnach pro Kopf 250 Euro. Ist das viel? fragten die sich. Und wenn das nicht viel ist, warum haben die Banken sich mit einer solch kleinen Summe zufrieden gegeben?

Von den 2 Millionen Hamburger Bürger:innen sind übrigens vier in der Finanzbehörde damit beschäftigt, diese Gelder in den Stadtsäckel zurückzuholen, bevor die Taten verjährt sind. Auf die Idee, diese winzige bürokratische Einheit, die, auf die/den einzelne:n Beamt:in umgerechnet, um je 125 Millionen Euro kämpft, durch vielleicht vier weitere Beamt:innen zu ergänzen, kamen die Finanzsenatoren nicht. Dazu sind sie zu erfolgreich.

Eine der Bewohnerinnen rechnete vor: Für mich und die Nachbar:innen in unserem Mietshaus macht das 1250 Euro, für unseren Block etwa 22.000 Euro, für die ganze Fährstraße sind es etwa 230.000 Euro. Damit lässt schon was anfangen, wir könnten die Bordsteinkante vergolden oder die Zebrastreifen versilbern.

Der Zweite rechnete: Wilhelmsburg hat etwa 50.000 Einwohner. Wenn wir alle unsere 250 Euro zusammenschmeißen,  dann macht das 12.500.000 Euro, das sind in Zahlen zwölfeinhalb Millionen Euro. Das reicht, um unser Krankenhaus zu kaufen!

Dann lasst es uns schnell tun, sagte die Dritte, denn wer weiß? Sobald die Banken das Geld, das sie nie hätten bekommen dürfen, tatsächlich zurückgezahlt haben, ist zu erwarten, dass sie von finanzieller Schieflage sprechen und den Senat bitten, ihnen mit einer halben Milliarde auszuhelfen. Und wer könnte da schon Nein sagen?

Und so ging es wie ein Lauffeuer über die Insel: Bald bekommen wir pro Kopf 250 Euro zurück, Geld, das wir nie in der Hand hatten, und hätten wir es in der Hand gehabt, wäre es schon wieder ausgegeben worden für Dinge, die das Leben braucht. Nun lasst uns das Geld zusammenwerfen und unser Krankenhaus kaufen! So schnell, wie uns das Geld zwischen den Fingern verrinnt, brauchen wir Groß-Sand auf jeden Fall noch!

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