WILHELMSBURGER INSELRUNDBLICK

Die Stadtteilzeitung von Vielen für Alle
 

AUF DIESER SEITE:

Erhalt des Wilden Waldes: Ein eindeutiges Votum - 20.08.2020

NABU-Forderung: Köhlbrandquerung realisieren, auf A26-Ost verzichten - 20.08.2020

Botanischer Verein klagt: Kein Naturschutz bei Neubauprojekten - 20.08.2020

Kanutour: Plastikflut im Wilhemsburger Inselpark - 20.08.2020

Jede Fläche zählt - 10.06.2020

Trotz Corona-Pandemie: Umwelt- und Klimaschutz bleiben für die Norddeutschen die wichtigsten Themen - 03.06.2020

Rückdeichungsgebiet Ellerholz: Welche Variante ist die Beste? - 14.05.2020

Die Wegwarte ist Heilpflanze des Jahres - 21.4.2020


. . . . . . . . . . . . . . .

Erhalt des Wilden Waldes: Ein eindeutiges Votum

Das Bürgerbegehren der Initiative Waldretter zeigt – auch wenn, vor allem aufgrund der Corona-Hemmnisse, die geforderten Unterschriften von 3% aller Wahlberechtigten im gesamten Bezirk Mitte nicht voll erreicht wurden - ein eindeutiges Ja! der Menschen zum Erhalt des Wilden Waldes. Nun müssen die Politiker*innen zeigen, ob sie den starken Bürger*innenwillen ernst nehmen

Vor der Übergabe der restlichen Unterschriften vor dem Bezirksamt Hamburg-Mitte. Auch eine Vertreterin des NABU, ein Vertreter der Versammlung der Stadtteile und Politiker*innen waren später im Foyer der Behörde dabei.                               Foto: MG

MG/sic. Das war aufregend. Das bisher einzige Bürgerbegehren auf Wilhelmsburg „Der wilde Wald bleibt“ ist am Sonnabend, 1. August 2020 mit der Unterschriftenübergabe im Bezirksamt Hamburg-Mitte zu Ende gegangen. Die Waldretter müssen nun erst einmal wieder Luft holen und die vielfältigen Erfahrungen verarbeiten.
Viel Zustimmung für das Anliegen der Naturschutzgruppe gab es bei den Unterschriftensammlungen auf den Wilhelmsburger Wochenmärkten, volle Listen in den Restaurants und Geschäften vor Ort. Zustimmung auch in anderen Stadtteilen in Hamburg-Mitte - für den Erhalt von Bäumen - ganz grundsätzlich und selbstverständlich, selbst wenn die Menschen den Wald am Ernst-August-Kanal nicht kannten.
Doch ebenso begegneten den Unter-schriftensammler*innen Unwissenheit und damit Ablehnung. Es scheint, als müssten Umweltbewusstsein und Wertschätzung der Natur in unserer Stadt nicht nur viele Politiker*innen und Planer*innen erst noch lernen; auch so manchen Bürger*innen gehen erst langsam die Augen auf für die grünen Kostbarkeiten vor der Haustür.
Die Waldretter sind überzeugt, dass sie durch viele, viele Gespräche und hartnäckiges Unterschriftensammeln einen guten Prozess in Gang gesetzt haben.
Die erforderliche Anzahl von etwas über 6.000 Unterschriften konnte nicht erreicht werden. Geschätzt (kurz vor der Abgabe) liegt die Initiative bei ca. 4.000 – 4.500 Unterschriften. Genaue Zahlen wird dann die offizielle Auszählung des Bezirksamts ergeben.
Marco Schultz, Abschnittsleiter Wahlen und Abstimmungen beim Bezirksamt HH-Mitte, sagte dazu bei der Übergabe der Unterschriften am 1. August im Bezirksamt HH-Mitte: „Die Umstände für dieses Bürgerbegehren waren nicht leicht, und es war eine nie da gewesene Situation: Zum einen die Schwierigkeiten, Unterschriften zu sammeln in der Corona-Krise, in der es keine Veranstaltungen mit vielen Leuten gab. Zum anderen das hohe Quorum von 3% in einem Bezirk, der inzwischen über 300.000 Einwohner hat.“
Ein Problem speziell in Wilhelmsburg ist auch der überdurchschnittlich geringe Anteil von Wahlberechtigten an der Gesamtbevölkerung. So durften viele Menschen, die das Anliegen unterstützen, nicht unterschreiben.
Herr Schultz sicherte den Waldrettern zu, bei der Bewertung des Verfahrens würden die zuständigen Behörden alle besonderen Umstände würdigen.
Die Waldretter lassen sich sowieso nicht entmutigen. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es weiter auf verschiedenen Ebenen. Sie wollen die Bezirkspolitiker*innen davon überzeugen, wie bedeutend der Wald als grüne Lunge für das dicht bebaute Reiherstiegviertel ist und warum es so wichtig ist, den einzigen Wald des Bezirks zu erhalten. Zum Beispiel, weil hier auch Kinder einen ursprünglichen Wald erleben können, der sich seit beinah 60 Jahren ohne menschliche Eingriffe entwickelt hat. Die Bewohner*innen können die Vielfalt an Vögeln und Insekten erleben und sehen, welche Pflanzen sich in einem Pionierwald durchsetzen.
Dies alles ginge mit der Bebauung unwiederbringlich verloren, auch wenn die IBA GmbH verspricht, möglichst viele Bäume zu erhalten. Wie schwierig das ist, kann man an der Dratelnstraße sehen, wo erst einmal alles platt gemacht wird, bevor gebaut werden kann. Wenn überhaupt, dann blieben im „Spreehafenviertel“ einige einzelne Bäume stehen – mit einem Wald hätte das nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun.


. . . . . . . . . . . . . . .

NABU-Forderung: Köhlbrandquerung realisieren, auf A26-Ost verzichten

Aus zwei mach eins: NABU stellt drei zentrale Forderungen auf

PM. Der NABU Hamburg fordert angesichts weiterer Kostensteigerungen für den geplanten Köhlbrand-Tunnel die politischen Entscheider erneut auf, die gleich zwei geplanten, großen Infrastrukturvorhaben – die Köhlbrandquerung und die A26-Ost – zu überdenken. „Zum Schutz von Natur und Umwelt ist dies dringend geboten, ebenso zum Schutz des Steuerzahlers, um die Verschwendung unnötiger Gelder für eine völlig überdimensionierte Doppelinfrastruktur zu vermeiden“, sagt Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik des NABU Hamburg.
„Es gibt eine einfache Lösung, der sich die Entscheider beharrlich entziehen: Aus zwei mach eins! Die Rahmenbedingungen haben sich fundamental verändert. Die Planung muss angepasst werden an den perspektivischen Umschlag im Hafen, die Klimakrise, neue Anforderungen an eine Mobilität der Zukunft und eben auch an die finanziellen zusätzlichen Belastungen der Corona-Krise. Der Senat muss endlich aus dem Koma erwachen und handeln. Das heißt, eine zwar teure, aber optimale Köhlbrandquerung als Herzschlagader des Hamburger Hafens realisieren und auf die A26-Ost verzichten“, so Siegert.
Diese drei zentralen Herausforderungen für die Erneuerung der Infrastruktur im Hafen sieht der NABU:
1. Die Freie und Hansestadt Hamburg (FHH) hat sich vehement für die Finanzierung der A26-Ost durch den Bund stark gemacht hat. Deswegen muss sie einen Großteil der Kosten für die Köhlbrandquerung selber tragen, wie das Bundesverkehrsministerium unmissverständlich klargemacht hat. Fatal ist, dass aktuell völlig offenbleibt, welchen Anteil der Bund überhaupt zu übernehmen bereit ist und welcher finanzielle Brocken bei Hamburg hängenbleibt.
2. Es gibt eine steigende Unsicherheit, mit welchen zusätzlichen und unabsehbaren finanziellen Risiken durch die Corona-Krise für den Hamburger Haushalt zu rechnen ist. Auch dieser Faktor schränkt den Handlungsspielraum der FHH nach Auffassung des NABU zukünftig ungeplant ein. Das gilt gleichermaßen für den finanziellen Handlungsspielraum des Bundes, der bei der Finanzierung von „Kann“-Vorhaben genauer hinschauen wird.
3. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Hamburger Hafen, mit denen sowohl der Bau der Hafenquerspange (A26-Ost) als auch der Köhlbrandquerung gerechtfertigt wird, habe sich fundamental verändert. Zwei sehr aktuelle Studien, eine vom HWWI und eine von der Wirtschaftsbehörde selbst beauftragte, kommen zu ähnlichen Schlussfolgerungen: Die Umschlagserwartungen bleiben mit rund 11 bis 13 Millionen für das Jahr 2030 weit unter der Prognose des Hafenentwicklungsplans für 2025, der noch von 25 Millionen Containern ausgeht. Zudem hat die Digitalisierung massiven Einfluss auf die globale Produktion und Logistik. Auch der Ausbau des Hafens von Piräus inklusive Hinterlandanbindung beeinflusst das Geschäftsmodell der Häfen von Le Havre bis Hamburg negativ.


. . . . . . . . . . . . . . .

Botanischer Verein klagt: Kein Naturschutz bei Neubauprojekten

Der Botanische Verein zu Hamburg e. V. wehrt sich mit einer exemplarischen Klage gegen die systematische Aushebelung des Naturschutzes bei Neubauprojekten

PM. Am Freitag, den 26. Juni 2020, fand die erste Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Hamburg statt. Grund ist die Klage des Botanischen Vereins zu Hamburg gegen eine wasserrechtliche Plangenehmigung zur Grabenverlegung in Obergeorgswerder. Das klingt zunächst einmal kleinlich: Eine Grabenverlegung - was soll‘s? Dahinter steckt aber mehr: Diese Grabenverlegung diente der systematischen Aushebelung des Naturschutzes für ein Neubauprojekt.
Zum Hintergrund: In Obergeorgswerder (Hamburg-Wilhelmsburg, Beim Schröderschen Hof 3) wurde durch die Verlegung des Grabens eine Baufläche so vergrößert, dass der gewünschte Gebäudekomplex von der Firma Transgourmet errichtet werden konnte. Der Komplex von Transgourmet wiederum durfte angeblich errichtet werden, weil nebenan schon vor 10 Jahren Gebäude – u.a. der Firma Kühne und Nagel - errichtet wurden. Diese Bebauung wiederum erfolgte aufgrund einer Vorweggenehmigung für den Bebauungsplan Wilhelmburg 86, der bis heute nicht beschlossen ist.
Während die Bebauung nahezu ungehindert voranschreitet, sind die formalen Grundlagen dafür gar nicht beschlossen, die Ausgleichsmaßnahmen nur in Teilen umgesetzt, vorgezogene Artenschutzmaßnahmen - z.B. für den Kiebitz - sind bis heute nicht erfolgreich. Und der Kiebitz wird immer seltener in Hamburg.
Dr. Hans-Helmut Poppendieck ist der 1. Vorsitzende des Botanischen Vereins. Er verbindet die Klage des Vereins mit der Hoffnung auf die Einhaltung der vorgesehenen Planungsabläufe. Denn: „Wir machen uns - zusammen mit der AG Naturschutz - bei vielen Bauverfahren die Mühe, fundierte kritische Stellungnahmen abzugeben. Wenn unsere Bemühungen jedoch bei Vorgehensweisen, wie im Falle von Obergeorgswerder, umgangen werden, dann werden wichtige Beteiligungen unterlaufen. Und das zum Schaden der Natur und damit zum Schaden für ganz Hamburg.“
Die Grabenverlegung, gegen die der Botanische Verein klagt, müsste nach Wasserhaushaltsgesetz erforderlich sein und Sinn machen. Aber der vorhandene Graben funktionierte und musste nicht verlegt werden. Nur im Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung der Bebauung wurde die Verlegung nötig. Aber dann muss die Grabenverlegung Bestandteil einer Bebauungsplanung bleiben! Und nicht nur, wie im beklagten Fall, eine wasserrechtliche Genehmigung nach Wasserrecht erfordern.
Der Botanische Verein setzt sich dafür ein, dass Bebauungsplanungen in der vorgesehen Reihenfolge ablaufen: Erst die Planung, einschließlich der erforderlichen Minderungs- und Ausgleichsplanung für den Naturhaushalt, dann Stellungnahmen, die ggf. zu Nachbesserungen führen, dann der Beschluss und erst dann die Umsetzung. Und das eben auch mit der Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen! Planungen die, wie hier die Grabenverlegung, zu einer scheibchenweisen Unterwanderung dieser vorgesehenen Reihenfolge führen, dürfen nicht erfolgen. Daraus entstehen Konflikte und in diesem Fall auch erhebliche Verluste für den Naturhaushalt.
Damit dieses Vorgehen zukünftig unterbunden wird, hat sich der Verein zu dieser exemplarischen Klage entschlossen. Denn auch an anderer Stelle werden mittels Salamitaktik Eingriffe kleiner gemacht als sie sind und über Vorweggenehmigung Fakten geschaffen. Wenn in Hamburg Eingriffe in die Natur stattfinden, dann müssen sie in der vorgegebenen Reihenfolge gesetzeskonform und richtig geprüft werden, gemindert und zeitnah ausgeglichen werden.


. . . . . . . . . . . . . . .

Kanutour: Plastikflut im Wilhemsburger Inselpark

Geführte Müllsammel-Aktion vom Wasser aus

PM. Mit unseren BUND-Kanus, Biber, Stichling und Libelle, paddeln wir durch die Kanäle, die den Wilhelmsburger Inselpark durchziehen. Wir sammeln dabei Müll ein und werfen einen genaueren Blick auf die Hintergründe des Gebiets. Das BUND-Projekt Faszination Tideelbe zeigt die Kontraste zwischen Industrie und Natur und viele weitere spannende Infos rund um die Elbe und ihre Seitenkanäle.
Treffen am 23. August 2020 von 13 bis 15 Uhr im BUND Naturerlebnisgarten.


 

. . . . . . . . . . . . . . .

Jede Fläche zählt - auch die kleinste

Auf Firmengeländen Nischen für heimische Natur und Artenvielfalt entwickeln

Alles auf einen Blick: Links der obere Rand der Blumenwiese mit den Margeriten, dahinter das Bienenhotel, daneben Axel Jahn, Loki-Schmidt-Stiftung, Susanna Fiebig mit der  Urkunde, zwischen den beiden die Plakette „Mehr Vielfalt für unsere Firma!“, Kolja O. Dudas und Dr. Maike Hinze, Ansprechpartner für das Projekt „Kooperation Natur – Entwicklung und Pflege von Naturräumen auf Firmengeländen" der Loki-Schmidt-Stiftung. Foto: MG

MG. Kleine Anlässe haben oft große Wirkung. Susanna Fiebig, Chefin der Firma Otto Meyer in der Neuhöfer Straße, kam mit einem Firmengärtner ins Gespräch, der 23 Jahre lang ein Firmengelände zu einem Biotop mit maximaler Artenvielfalt von heimischen Pflanzen entwickelt hatte. Nun ging er in Rente und befürchtete, dass sein Paradies wieder veröden würde. Das gab den Anstoß zu der Idee, dass es auf Firmengeländen Möglichkeiten gäbe, kleine natürliche Nischen zu schaffen. Susanna Fiebig suchte Partner für ihre Idee und kam vor zwei Jahren mit Axel Jahn, Geschäftsführer der Loki-Schmidt-Stiftung, ins Gespräch. Mit ihrer Begeisterungsfähigkeit gelang es ihr, die Loki-Schmidt-Stiftung davon zu überzeugen, dass mehr Natur auf Firmengeländen dem Verlust der Artenvielfalt entgegen wirken könne. Jetzt, nach zwei Jahren, ist das Projekt „Kooperation Natur – Entwicklung und Pflege von Naturräumen auf Firmengeländen“ fester Bestandteil des Engagements der Loki-Schmidt- Stiftung.
Am 3. Juni 2020 erhielt nun die Firma Otto Meyer als Erste das Siegel „Naturfreundliches Firmengelände“.
Am Hang zum Veringkanal wurden Brombeerbüsche gerodet, Bambus entfernt und  eine Blumenwiese angelegt. Nachdem im vorigen Jahr nur Senf blühte, was ja auch schon ganz schön aussah, blühen in diesem Jahr 50 verschiedene Arten, darunter viele Margeriten und rote Lichtnelken. Für diese kleine Fläche von ca. 150 Quadratmetern ist das eine enorme Vielfalt. Dazu kommt ein großes Bienenhotel, das Harald Köpke vom BUND gebaut und aufgestellt hat, sowie Vogelkästen, die von dem gemeinnützigen Projekt Werkstatt ohne Grenzen gebaut wurden. Das Bienenhotel enthält besonderes Schilf, das es nur auf Wilhelmsburg gibt, und die Vogelkästen sind bereits in diesem Jahr alle bewohnt.
Aber es geht weiter. An der Firmengrenze zur Neuhöfer Straße wird ein Rasenstreifen in eine Wiese verwandelt, die nur noch zweimal im Jahr gemäht wird und auf der sich bereits das orangerote Habichtskraut angesiedelt hat. Susanna Fiebig: „Wir handeln nach dem Motto KVP – kontinuierlicher Verbesserungsprozess.“ Das heißt, dass Pflanzen und Sträucher nach und nach gegen insektenfreundliche Pflanzen ausgetauscht werden.
Und das soll „Kooperation Natur“ auch sein, ein langfristiges, nachhaltiges Projekt, das der Natur Zeit und Raum gibt. Dazu gehört ein Umdenken. Nicht jede Pflasterritze muss von Bewuchs befreit werden. Parkstreifen können der Natur überlassen werden. Susanna Fiebig: „Wir überlassen den Parkstreifen sich selbst. Ich sammele aber jede Woche den Müll weg. Es hat sich sogar eine wilde Rose angesiedelt.“ Das unterstützt auch Axel Jahn von der Stiftung: „Es muss ein Umdenken stattfinden, wie Loki Schmidt schon sagte: ‚Wo es unordentlich aussieht, wächst Überraschendes‘“.
Inzwischen haben sich schon mehr als zehn Firmen in Hamburg und sogar in der Nähe von München gemeldet, die an dem Projekt teilnehmen wollen.

Die wilde Rose, die sich auf dem Parkplatz selbst angesiedelt hat, darf selbstverständlich bleiben. Foto: MG

Bei Interesse können sich Firmen an Dr. Maike Hinze und Kolja O. Dudas unter Tel. 040-284 099 831 oder per Mail unter: kooperation.natur@loki-schmidt-stiftung.de wenden.
Auch die Unternehmerin Susanna Fiebig, Otto Meyer GmbH, gibt anderen Firmen gern Auskunft über das Projekt, das ihr sehr am Herzen liegt: Tel. 040-75 60 670, oder Mail: s.fiebig@otto-meyer.de



. . . . . . . . . . . . . . .

Umwelt- und Klimaschutz bleibt trotz der Corona-Pandemie eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen

Zwei Studien der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) belegen dies

Ergebnis der 2. Befragung im April 2020. Gegenüber der 1. Befragung im November 2019 bleibt der Stellenwert von Umwelt- und Klimafragen gleich hoch - trotz Corona. Grafik: HAW

PM/HAW. Mehr als 84 Prozent der norddeutschen Bevölkerung ist vom Klimawandel beunruhigt, das ergibt eine am "Competence Center für Erneuerbare Energien & EnergieEffizienz" (CC4E) der HAW Hamburg durchgeführte repräsentative Studie. Jedoch besteht Skepsis gegenüber dem politischen Handeln, rund zwei Drittel der Befragten bemängelt eine fehlende Entschlossenheit von Seiten der Politik für eine positive Energiewende. In Zeiten der Corona-Krise bleibt das Thema Klimaschutz auch weiterhin eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen.

Die Ergebnisse einer Studie aus dem November 2019 zur Akzeptanz der Bevölkerung für erneuerbare Energien zeigen, dass Umwelt- und Klimaschutz in der norddeutschen Bevölkerung auf Platz 1 der Top-Themen liegt. Die repräsentative Studie wurde im Verbundprojekt "NEW 4.0 – Norddeutsche Energiewende" der HAW gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Ipsos durchgeführt und befragte 1.000 Personen aus der NEW 4.0-Modellregion Hamburg und Schleswig-Holstein.
Nun hat Ipsos im April 2020 noch einmal nach den wichtigsten Themen gefragt. Ergebnis: Auch während der aktuellen Corona-Krise hat der Klimaschutz für die gesamtdeutsche Bevölkerung nicht an Relevanz verloren. So geben mehr als zwei Drittel der Befragten an, dass der Klimawandel langfristig gesehen eine ebenso ernste Krise wie die gegenwärtige COVID-19-Pandemie darstellt.

„Die Ergebnisse dieser beiden Studien zeigen, dass das Thema Klimawandel in den Köpfen der Bevölkerung trotz der aktuellen Corona-Krise nicht in den Hintergrund gerückt ist“, so Prof. Dr. Werner Beba, Koordinator von NEW 4.0 und Leiter des CC4E. „Dies verstehen wir auch als Aufforderung, nicht nachzulassen bei unseren Projekten für wirksamen Klimaschutz und die Machbarkeit der Energiewende. Die aktuell notwendige Unterstützung der Wirtschaft sollte deshalb auch mit Investitions-Anreizen für wirksamen Klimaschutz verbunden werden.“
Jedoch zeigt die Akzeptanzstudie von NEW 4.0 auch, dass es eine ansteigende Skepsis gegenüber dem Erreichen der Ziele einer Energiewende gibt. So geben 65 Prozent der Befragten an, dass sie mit der Glaubwürdigkeit der politischen Zielsetzungen nicht zufrieden sind. 60 Prozent kritisieren die mangelnde Geschwindigkeit der Umsetzung und 55 Prozent sind unzufrieden mit dem Engagement der politischen Akteure.

„Unsere Umfrage zeigt, dass der Klimaschutz für die Menschen wichtig ist, viele hegen allerdings eine große Unzufriedenheit bezüglich der aktuellen politischen Handlungen“, so Prof. Dr. Beba. „Nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, auch immer mehr Unternehmen fordern deshalb ein entschlosseneres Auftreten beim Klimaschutz. Die große politische und gesellschaftliche Solidarität, die uns beim Umgang mit der Corona-Krise eint, benötigen wir auch für den Klimaschutz und die Energiewende.“

Die Ipsos-Studie finden Sie auf https://www.ipsos.com/de-de/klimawandel-bereitet-deutschen-ebenso-grosse-sorgen-wie-das-coronavirus.

Webinar zu den Ergebnissen einer Online-Befragungswelle von NEW 4.0:
https://new4-0.erneuerbare-energien-hamburg.de/de/new-40-blog/details/fuer-eine-gesellschaftlich-getragene-energiewende-in-norddeutschland-neues-aus-der-akzeptanzforschung-bei-new-4-0.html
 

. . . . . . . . . . . . . . .

Rückdeichung und Neugestaltung eines tidebeeinflussten Vorlandes in Ellerholz

Welche Variante ist die Beste?

MG. Deiche sind lebenswichtig für die Elbinseln. Das wissen die Wilhelmsburger*innen spätestens seit der Flutkatastrophe 1962, als so viele Menschen umgekommen sind. Das neue, auf 25 Jahre angelegte Programm zur erneuten Erhöhung der Deiche um mindestens 80 Zentimeter hat bereits am Klütjenfelder Hauptdeich begonnen. Aber bei jeder Deicherhöhung muss auch der Deichfuss verbreitert werden. Der Flächenverlust ist auszugleichen. Die Eingriffsbilanzierung erfolgt mit einem Punktesystem nach dem Hamburger StaatsRäteModell SRM (s. Erläuterung unten). Die Fläche binnendeichs (ökologisch nicht so wertvoll) wird meistens mit 2 SRM berechnet und außendeichs (ökologisch wertvolles Deichvorland) mit 32 SRM.

Das geplante Rückdeichungsgebiet Ellerholz liegt südlich von Kreetsand an der Norderelbe (s.a auch WIR 3/2020). Abb.: ein

Mit der geplanten Deichrückverlegung Ellerholz schafft es die Behörde für Umwelt und Energie (BUE), den erforderlichen Ausgleich für alle aktuellen Deicherhöhungen in einer Maßnahme zu bündeln. Es wird ein tidebeeinflusster Bereich geschaffen. Im neuen Flutraum sollen Flächen in verschiedenen Höhenlagen entstehen, die optimale Bedingungen für die Entwicklung von tiefen und flachen Gewässerzonen, Wattflächen, Tide-Auwald und Tide-Röhrichten bieten.   

In der Machbarkeitsstudie von 2016 wurden neben der Nullvariante – keine Rückdeichung, Erhöhung der bestehenden Deichlinie – noch weitere vier Varianten der Deichrückverlegung geprüft. Die größte Vorlandfläche ergäbe sich bei der Variante 1, die jedoch wegen der direkt anschließenden Bebauung am Einlagedeich verworfen wurde. Bei der Variante 2 würde die Straße außendeichs geführt, was zwar zur Minimierung der Anwohnerkonflikte führen würde, aber die Straße müsste im Sturmflutfall während der Sturmflutsaison vom 15. September bis 31. März durch Schranken für den Verkehr abgesperrt werden. Der Vorzug wird nun der Variante 3 gegeben, die die dritthöchste Aufwertung bringt. Hier sind keine privaten Grundstücke betroffen, sondern nur Flächen der Hansestadt Hamburg und des Sielverbandes Moorwerder.

Variante 3 – Lt. Machbarkeitsstudie die Vorzugsvariante.

Anwohner*innen am Einlagedeich sind allerdings enttäuscht, dass nicht die für sie verträglichere und ebenfalls ökologisch sinnvolle Variante 4 ausgewählt wurde. Bei dieser Variante ist der Abstand zwischen der Bebauung und der binnendeichs geführten Straße wesentlich größer. Damit wären die Belastungen während der Bauarbeiten und durch den Verkehr wesentlich geringer. Die Kosten für die Deichbauvariante 4 wären aufgrund der geringeren Deich- und Straßenlängen am geringsten. Die kleinere Rückverlegung bietet jedoch auch einen deutlich geringeren Entwicklungsspielraum im künftigen Vorland, so die Planer*innen.

Variante 4 – Weniger Beeinträchtigungen der Anwohner*innen, aber auch weniger Möglichkeiten der Vorlandgestaltung.  Grafiken: Machbarkeitsstudie Ellerholz

In jeder Variante ist ein Abbruch des bestehenden Schafstalles und des dazu gehörenden Wohnhauses erforderlich. Außer bei Variante 4 muss auch eine Ersatzfläche für die Sandsackhalle der Deichverteidigung gefunden werden.

Wegen der Erfahrungen im Bürgerbeteiligungs- und Mediationsverfahren vor 20 Jahren bei der Rückdeichung Kreetsand, soll der alte Moorwerder Hauptdeich erst fünf Jahre nach Fertigstellung des neuen Deiches abgetragen werden. Damals trauten die Anwohner*innen der Standfestigkeit des neuen Deiches nicht.

Das Hamburger StaatsRäteModell (SRM): Das SRM ist eine Art Punktesystem zur Bewertung und Bilanzierung von Eingriffen sowie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Die Punktevergabe funktioniert nach Menge: Je mehr SRM-Punkte ein Gebiet erhält, desto ökologisch wertvoller ist es, was bedeutet, desto hochwertiger muss der Ausgleich bei Eingriff sein. Die Staatsräte der beteiligten Behörden hatten am 28. Mai 1991 beschlossen, dass ein von ihnen entwickeltes System als "dienstliche Handreichung" in Behörden und von Gutachtern zunächst für einen unbefristeten Erfahrungszeitraum angewandt werden soll. Zwar hat sich seit 1991 die Eingriffsregelung im Naturschutz- und Baurecht geändert, doch das Staatsrätemodells für die Bewertung und Bilanzierung konkreter Vorhaben gilt weiterhin.

http://www.isebek-initiative.de/uploads/sn/FHH_990712_Handhabungshinweise_Staatsraetemodell.pdf


ANZEIGE

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *


* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *


ANZEIGE

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *


* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *


. . . . . . . . . . . . . . .

Die Wegwarte ist die Heilpflanze des Jahres 2020

Gewählt wurde Cychorium intybus vom Verein Theophrastus (Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, gen. Paracelsus), der seit 2003 die Heilpflanze des Jahres kürt. Die Wegwarte war bereits 2005 Gemüse des Jahres und 2009 Blume des Jahres in Deutschland

  Die Wegwarte. Bild: Kräuterpfarrer Benedikt

MG. "Eine alte Sage beschreibt sie als die blauen Augen eines verwandelten Burgfräuleins, das am Wege vergeblich auf die Rückkehr ihres Geliebten vom Kreuzzug in das Heilige Land wartet" (Kosmos Tier und Pflanzenführer). Damit wird die leuchtend blaue ca. drei bis vier Zentimeter große Blüte sehr romantisch beschrieben. Man findet die Pflanze an Wegesränder, auf Weiden und an Straßen. Obwohl sie licht- und wärmeliebend ist, schließt sie oft schon mittags die Blüten, wenn ihr die Sonne zu sehr scheint. Die Pflanze sieht dann wie verwelkt aus, aber am nächsten Morgen bezaubert sie wieder mit ihren himmelblauen Blüten. Beim Austreiben im Frühjahr kann sie leicht mit Löwenzahn verwechselt werden.

Noch im 2. Weltkrieg wurde die Kaffeezichorie als Kaffeeersatz geröstet. Jürgen Feder beschreibt in Feders Fabelhafte Pflanzenwelt, dass ihr Im Mittelalter Heilkräfte gegen Gallenleiden, Gelbsucht, Magenbeschwerden, Schlaflosigkeit, Verdauungsschwierigkeiten u. a. zugeschrieben wurden. Die Wurzeln werden Diabetikern als Gemüse empfohlen. Sie enthalten 20 % Inulin.

Heutzutage kennt man die Wegwarte vor allem als Chicorée. Dazu werden ihre Wurzeln im Dunkeln ausgetrieben, damit sie bleiche, zarte Salatblätter hervorbringt.  Diese  schmecken aber nicht nur als gesunder Salat, z. B.mit Apfelsine vermischt, sondern auch leicht gedünstet mit Zitronenbutter als Beilage zu Fisch hervorragend.  Wo heute das Containerterminal ist, konnte man vor Jahren auf dem Deich in Altenwerder spazieren gehen und wurde dabei von zahlreichen Schmetterlingen begleitet, die von Blüte zu Blüte der Wegwarten am Wegesrand flatterten.

. . . . . . . . . . . . . . .