WILHELMSBURGER INSELRUNDBLICK

Die Stadtteilzeitung von Vielen für Alle
 

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BUKEA und die anderen - 20.08.2020

WIR stellen die schönsten Bücher für die Sommerlektüre vor  - 11.06.2020

Willis Rätsel Juni - 12.06.2020

Willis Rätsel Mai - 13.05.2020

Der schmale Fußgänger - 18.4.2020

Cruisen auf der Route 66 - vom Sofa - 17.4.2020


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BUKEA und die anderen

Erste Maßnahme der BVM zur Mobilitätswende in der Otto-Brenner-Straße. Foto:hk

hk. Vielleicht sind die Leser*innen im letzte WIR auf Seite 3 im Artikel von MG auch über das Kürzel „BUKEA“ gestolpert. Die Auflösung stand gleich daneben. Es handelt sich nicht um ein neues unmögliches Möbelhaus aus Schweden oder um einen Frischkäse. BUKEA ist die Abkürzung für die neu zugeschnittene Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft – vorher Behörde für Umwelt und Energie (BUE). Speziell für Zeitungs-schreiber*innen sind diese Kürzel sehr wichtig. Die ausgeschriebenen Behördenbezeichnungen, besonders wenn sie im Text häufiger vorkommen, lesen sich nicht nur umständlich, sie nehmen auch einfach sehr viel Platz weg. Die „längste“ Behörde nach der Umbildung des Senats ist die Behörde für Arbeit Gesundheit, Soziales, Familie und Integration (BAGSFI). Das neue „G“ verdankt sie der umstrittenen Auflösung der eigenständigen Gesundheitsbehörde. Dass sich Behördenzuschnitte und damit die Kürzel immer wieder mal ändern, ergibt sich aus dem Wechsel der parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse und der Änderung der politischen Schwerpunkte. Aktuell die viel diskutierte Herauslösung des Bereichs Verkehr (V) aus der Wirtschaftsbehörde (vorher BWVI, jetzt BWI) und die Bildung einer eigenständigen Behörde für für Verkehr und Mobilitätswende (BVM). Für den Kaffeepott ist bei dem Ganzen natürlich interessant, wieweit sich die wohlklingenden Etiketten denn auch in praktischer Politik wiederfinden. Ob z.B. die neue Behörde für „M“ in absehbarer Zeit die Sanierung des Rumpelradwegs in der Otto-Brenner-Straße bewerkstelligt? Die Koalitionsvereinbarungen sind ja  eher unkonkret und verweisen in die Zukunft. Man wird also bei den kommenden Wahlen sicher noch öfter  mit neuen Behördenzuschnitten und neuen Kürzeln rechnen können – vielleicht mit einer BAGM? Warum nicht? Natürlich gibt es auch Konstanten, Behörden die nicht neu zugeschnitten werden müssen, wie die gute alte Finanzbehörde, die das letzte Wort hat. Oder die Bildungsbehörde. Sie ist durch den kürzlich bis 2025 verlängerten überparteilichen Beschluss, dass am ungerechten gegliederten Schulsystem nicht gerüttelt wird, gegen Veränderungen geradezu immun – als Behörde für Schulfrieden und „Blifft-allens-as-dat-west is“ (BSB).

 


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Sommerlektüre

Die im Kaffeepott von uns vorgestellten Bücher wurden uns von der Buchhandlung Lüdemann in der Fährstraße als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt (außer: "Effingers" und "Pippi Langstrumpf"). Alle Rezensionsexemplare verlosen wir in unserem Juni-Rätsel!


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Die Dame hinter dem Vorhang
MG. England ist ja berühmt für exzentrische Typen. Die Dichterin und Schriftstellerin Dame Edith Sitwell (1887 – 1964) gehörte dazu. Ihr Leben inspirierte Veronika Peters zu ihrem neuen Roman „Die Dame hinter dem Vorhang“. Darin verwendet sie zahlreiche Motive und Begebenheiten aus Sitwells Leben, nimmt sich aber alle Freiheiten der Fiktion. .
Edith Sitwell war ein ungeliebtes Kind, wurde später zu einer spitzzüngigen Dichterin, die sich mit ausgefallener Garderobe in Szene setzte. Veronika Peters erzählt die Geschichte aus Sicht der loyalen Bediensteten Jane Banister, die Sitwell von 1927 bis zu ihrem Tode 1964 begleitete. Die 18-Jährige lebt zunächst mit Edith Sitwell und deren Freundin Helen in London. Da anfangs das Geld fehlt, schläft sie hinter einem Vorhang in der Küche. Das Verhältnis zwischen Edith und Jane ist freundschaftlich und fürsorglich. Reisen führen sie nach Berlin, Paris, Hollywood und New York. Dabei lernt Jane viele berühmte Leute kennen. Den zweiten Weltkrieg überleben sie auf Renishaw, dem Familiensitz der Sitwells.
Das Buch eignet sich vorzüglich als Urlaubslektüre. Die Lebensgeschichte der beiden so unterschiedlichen Frauen ist spannend erzählt und der angenehm große Druck macht das Lesen zusätzlich zum Vergnügen. Im Anhang findet sich eine lange Liste der Werke Sitwells und Biografien, für alle, die nach der Lektüre des Romans Lust verspüren, dem Original näher zu kommen.
Veronika Peters, Die Dame hinter dem Vorhang. Verlag Wunderraum, 278 Seiten, 20 Euro


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Long Bright River
hk. Die aktuellen Nachrichten aus den USA lassen das gerade erschienene Buch „Long Bright River“ wie eine Alltagsmeldung aus dem Arme-Leute-Viertel einer amerikanischen Großstadt erscheinen. Der Roman von Liz Moore handelt vom Leben und der Arbeit der Streifenpolizistin und alleinerziehenden Mutter Mickey Fitzpatrick in Kensington, einem Stadtteil der Ostküstenmetropole Philadelphia. Nach dem Niedergang der Industrie ist Kensington heute ein Ort mit hoher Arbeitslosigkeit - heruntergekommene Straßen, Häuserruinen, Kriminalität, beginnende Gentrifizierung, ein Zentrum des Drogenelends in den USA.
In dieser Szenerie entwickelt die Autorin einen realistischen, sehr spannenden Kriminalfall. In kurzen Abständen werden junge abhängige Prostituierte ermordet. Auf der Suche nach dem Serienkiller hält Mickey ständig Ausschau nach ihrer Schwester Kacey. Auch sie ist drogenabhängig. Mickey hat schon lange mit ihr gebrochen, aus ihrem Streifenwagen aber immer ein Auge auf sie. Nun ist Kacey verschwunden und Mickey fürchtet, sie könnte ein Opfer des Killers geworden sein. Eingeflochten in die Krimihandlung sind Rückblicke, in denen nach und nach die Familiengeschichte der Schwestern erzählt wird.
Abgesehen von der spannenden Story kann Liz Moore sehr gut schreiben: eine klare, realistische Sprache, viele „Graustufen“; als Leser*in fährt man mit Mickey Fitzpatrick durch Kensington.
Liz Moore, Long Bright River, Verlag C.h. Beck, 411 Seiten, 24 Euro


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Das Evangelium der Aale
km. Das Buchdebüt von Patrik Svensson ist eine Mischung aus Lebenserinnerung und Sachbuch. Es verwebt die persönliche Geschichte seines Vaters, die der Autor in herrlichen Bildern beschreibt, mit einer Geschichte der Aale, die sie früher gemeinsam angelten. Schon Aristoteles und ihm folgende Forscher waren von der geheimnisvollen Fortpflanzung der Aale fasziniert. Patrik Svensson gelingt es, wissenschaftliche Genauigkeit und literarischen Anspruch zu kombinieren. Besonders bewegend ist, wie sich zum Ende hin das Schicksal des Vaters, durch giftige Dämpfe in seinem Beruf an Lungenkrebs erkrankt, mit dem der Aale, ebenfalls von Umweltgiften bedroht, verschränkt. Ein außergewöhnliches und berührendes Buch, das auch eine ganz tiefgehendes Wissen über Aale vermittelt.
Patrick Svensson, Das Evangelium der Aale, Hanser Verlag, 22 Euro

 


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 Pippi Langstrumpf – Heldin, Ikone, Freundin

hk. Pippi Langstrumpf wird 75. Ursprünglich als Gute-Nacht-Geschichte für ihre kranke Tochter ausgedacht, setzte Astrid Lindgren mit Pippi Langstrumpf 1945 die lustigste und jüngste Anarchistin in die Buchwelt, die den anderen braven und betulichen Kinderbuchgestalten zeigte, wo der Hammer hängt.
Bis heute; zum Gaudi für alle Kinder.
In ihrem Begleitbrief zum Pippi-Manuskript, das sie bei dem schwedischen Bonnier-Verlag einreichte, schrieb Astrid Lindgren: „ ... und ich kann nur hoffen, dass Sie nicht das Jugendamt alarmieren.“
Der weltweite Erfolg des unmöglichen Mädchens mit den roten Zöpfen war  in Deutschland auch eine Erfolgsgeschichte für den Hamburger Oetinger-Verlag. Grund genug, ein großes Geburtstagsbuch „Pippi Langstrumpf – Heldin, Ikone, Freundin“ herauszugeben. Der Band ist eine im wahrsten Sinn kunterbunte Sammlung von Geschichten, Dokumenten und vielen Bildern rund um den neunjährigen Polizisten- und Lehrerschreck Pippi.
Da ist die Entstehungsgeschichte, wie Pippi in die Buchwelt kam und eine tolle Story von Astrid Lindgren selbst: Wie ihr das Manuskript in der Straßenbahn von Räuber Assar Bubbla geklaut wurde (natürlich alles erstunken und erlogen).
Es gibt begeisterte Presseartikel über „das köstlichste Kinderbuch der Welt“ und Verrisse des „schlecht geschriebenen“ Buches über ein Kind mit „krankhaften Zwangsvorstellungen“.
Es gibt viele Berichte von Künstler-*innen und anderen Menschen (einen von Michelle Obama), die privat und beruflich mit Pippi Langstrumpf in Kontakt kamen. Es finden sich zahlreiche Briefe und Zeichnungen von Kindern ebenso wie wissenschaftliche Artikel (!) z. B. über Pippis Bedeutung heute, ihren „Bruch mit den Gesprächskonventionen“ und die Rolle des Buches in anderen Ländern. Darunter ein Abschnitt über das skurril anmutende „Druckgenehmigungsverfahren“ in der DDR 1974.
Das umfangreiche Buch ist eine Fundgrube für alte und junge Fans von Astrid Lindgren. Für die ganz Kleinen ist es ein schönes Bilderbuch. Und vorlesen kann man auch daraus. Im übrigen hat das Buch einen massiven Kartoneinband und wiegt 1,3 Kilo.
Astrid Lindgren et al., Pippi Langstrumpf – Heldin, Ikone, Freundin, Verlag Friedrich Oetinger, 237 Seiten, 30 Euro


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Effingers

sic. In dem 885 Seiten dicken Roman „Effingers“ von Gabriele Tergit ist nicht eine Seite langweilig. So lebendig und detailreich, so realistisch und poetisch ist alles beschrieben, dass man der Autorin sofort mit Herz und Kopf in die Welt der Großfamilie Effinger folgt.
Auf der äußeren Ebene ist „Effingers“ eine Familienchronik. Sie verfolgt das Leben einer jüdischen Familie über vier Generationen hinweg, von 1878 bis 1948. Die Effingers sind eine bürgerliche Familie. Sie leben in Berlin, sind aber weit verzweigt über Süddeutschland und England bis nach Russland.
Auf der tieferliegenden Ebene wird ganz viel Geschichte deutschen Judentums erzählt. Die private Familiengeschichte dient dafür nur als Gerüst. Die Entwicklung der Familie Effinger steht exemplarisch für jüdisches Leben in jenen 70 Jahren politischer Umbrüche, mit Gründerzeit und Industrialisierung, Frauenemanzipation und Arbeiterbewegung, den zwei Weltkriegen, dem Nationalsozialismus und dem Holocaust.
Obwohl die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Familie dem Leser lebendig vor Augen stehen, weist das Erzählte weit über die individuellen Charaktere hinaus. Es geht darum, wie Menschen in den Zeitläufen stehen. Wie sie sich immer wieder neu orientieren und mit Beschränkungen und Zwängen umgehen, wie Traditionen bewahrt oder über den Haufen geworfen werden. In den Charakteren spiegelt sich Geschichte.
Die dritte Ebene des Romans ist Bewahrung der Erinnerung. Gabriele Tergit setzt der ausgelöschten Welt des bürgerlichen deutschen Judentums ein Denkmal – und der Stadt Berlin, aus der sie vertrieben wurde.
Die in der Weimarer Republik für ihre sozialkritischen Gerichtsreportagen berühmte Journalistin und Schriftstellerin schrieb das Buch zwischen 1933 und 1950, auf der Flucht vor den Nazis, in unzähligen Hotelzimmern, u. a. in Prag, Jerusalem und London - mit dem Wissen und mit dem Willen, von einer untergehenden Welt zu berichten.
Sie hat diese Welt sehr genau gekannt und sehr geliebt. Mühelos entfaltet sie die Szenen und Milieus, in denen die Figuren sich gerade bewegen, farbig, präzise bis in die Details von Wohnungseinrichtungen, Kleidung, Mahlzeiten, Wetter und Zeitungslektüre. Als Leserin meint man, das alles um sich herum zu spüren.
Ihre Art, Gespräche und Dialoge wiederzugeben ist einmalig, ebenso wie sie historische Ereignisse oder Begebenheiten schildert; ganz realistisch und natürlich, mal durch die Augen ihrer Figuren, mal als wäre sie selbst dabei gewesen. Alle politischen Debatten werden von der Familie Effinger aufgenommen, alle zeithistorischen Risse verlaufen mitten durch sie hindurch, und Gabriele Tergit verarbeitet das in den Gesprächen und Erlebnissen der Familienmitglieder.
Die Autorin ist nah an ihren Figuren dran, kriecht aber nicht in sie hinein oder gibt vor, als sie zu sprechen. Sie bleibt als allwissende Erzählerin immer erkennbar. Sie berichtet, sie erzählt, und sie beherrscht die Kunst, beim Leser Gefühle und Gedanken hervorzurufen, ohne sie explizit hinzuschreiben oder sich in behäbigen Erklärungen zu ergehen. Dabei setzt sie alle sprachlichen Mittel ein, von reportagehaften Schilderungen über beinah fontane'sche Detailbeschreibungen bis hin zu lyrischen Elementen. Trotzdem ist die Sprache alles andere als beliebig, im Gegenteil, sie ist ganz eigen und immer als ihre erkennbar.
Geordnet wird der Text durch die klassische zeitlich lineare Erzählweise von 1878 (Anfang) bis 1948 (Ende) und mit Kapiteln. In dieser großen Struktur bewegt Tergit sich völlig frei; eigenwillig, Kleines wird groß, Großes wird klein, es ist immer alles da und immer auf den Punkt. Es ist nie zu viel. Es ist nie zu wenig.
Gabriele Tergit, Effingers, Verlag Schöffling & Co., 885 Seiten, 28 Euro


 

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WILLIS RÄTSEL Juni

Liebe Rätselfreund*innen!

Diesen Monat haben WIR mal tief in die Rätselkiste gegriffen und ein Rätsel heraus gesucht, das unseren Rater*innen wohl keine Schwierigkeiten bereitet - so dass Sie auch noch Zeit haben, das andere Rätsel zu lösen, das wir im Mai nur hier auf unserer Webseite veröffentlichen konnten.

Unsere fleißigen Rater*innen bevorzugen offensichtlich unsere Papierausgabe, denn wir hatten nur ganz wenige Einsendungen (sie werden selbstverständlich bei der Auslosung im Juni berücksichtigt!). Nun haben Sie die Möglichkeit, in diesem Monat zumindest das Mai-Rätsel nachzuholen. Für jedes Rätsel werden die Gewinner*innen getrennt verlost, so dass es zwei Gewinnmöglichkeiten gibt.

Ansonsten ist alles wie gehabt: Schicken Sie das Lösungswort auf einer Postkarte oder per E-Mail an den WIR, wie immer gilt: Leserliche Postadresse nicht vergessen! Einsendeschluss ist diesmal der 25. Juni 2020. Zu gewinnen gibt es pro Rätsel zwei Beanie-Babies, einen Highlight-Eisbecher vom Eisdealer am Weimarer Platz und NEU: ein Glas Honig aus dem BUND-Erlebnisgarten im Inselpark! Im Juni-Rätsel verlosen wir außerdem alle von uns im Kaffeepott (s. S. 20 - 22) besprochenen Bücher (außer "Effingers" und "Pippi Langstrumpf"). Im Mai-Rätsel gibt es stattdessen ein WIR-Bücherpaket zu gewinnen.

 


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WILLIS RÄTSEL Mai

Liebe Rätselfreund*innen,

Herr Witte hat Ihnen wieder eine schöne Nuss zu knacken gegeben. Und noch einmal gilt: Werden Sie kreativ beim Bearbeiten der Kästchen, wir können noch immer keine Datei direkt zum Ausfüllen am Bildschirm erzeugen.

Was Sie tun können:

    - das Rätsel schnell abzeichnen,

    - vorsichtig ein etwas dünneres Blatt Papier auf den Bildschirm halten und das Rätsel durchpausen (hab ich probiert! Geht!),

    - einen Screenshot machen, als .pdf speichern und ausdrucken,

    - den Bildschirm mit dem  Rätsel abfotografieren und ausdrucken.


Ansonsten ist alles wie gehabt: Schicken Sie das Lösungswort auf einer Postkarte oder per E-Mail an den WIR, wie immer gilt: Leserliche Postadresse nicht vergessen! Einsendeschluss ist diesmal der  3. Juni 2020. Zu gewinnen gibt es diesmal wieder zwei Beanie-Babies, einen Highlight-Eisbecher vom Eisdealer am Weimarer Platz - und NEU ein Glas Honig aus dem BUND-Erlebnisgarten im Inselpark. Außerdem ein WIR-Bücherpaket.


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 Der schmale Fußgänger

Ist der Suppen-Kaspar die Lösung? Foto-Montage: hk

hk. Im Januar-Kaffeepott haben wir den „schmalen Radfahrer“ vorgestellt, als Beitrag zur halbherzigen - besser viertelherzigen - rot-grünen Verkehrswende, in der das Fahrrad als Verkehrsmittel der Zukunft beschworen, aber bisher nicht eigentlich ernst genommen wird. Noch schlechter steht es um die Fußgänger, wohl die größte Gruppe der Verkehrsteilnehmer. Sie kommt in der Planung meist überhaupt nur mittelbar vor. So, wenn die autofreie Innenstadt für irre erklärt wird. Oder im voraussichtlichen nächsten rot-grünen Koalitions-vertrag als Betroffene der „punktuell autoarmen Innenstadt“.

Bei der Planung neuer Radstreifen wird stillschweigend lieber mal der Fußweg schmaler gemacht als eine Autofahrspur anzugreifen. In der Mengestraße, auf der Brücke vor dem Bürgerhaus ist der Fußweg vom Geländer bis zum Mast der Fußgängerampel nur noch etwa einen Meter breit. Dann kommt der Radstreifen. Wenn mehrere Menschen hier auf das Ampelgrün warten, wird es sehr eng. Einen Vorteil haben dann Fußgänger, die möglichst dünn sind. (Siehe auch WIR 1/20 „der schmale Radfahrer“.)

Es würde nicht verwundern, wenn Hamburger Verkehrsplaner unter ihren Unterlagen und Handbüchern auch das berühmt-berüchtigte Kinderbuch vom „Struwwelpeter“ aus dem 19. Jahrhundert haben – unter anderem mit der Geschichte vom „Suppen-Kaspar“. Mit diesem Klassiker der schwarzen Pädagogik haben in alten Zeiten Eltern mit gruseligen Bildern ihren Kindern vor Augen geführt, was passiert, wenn sie ihre (ungeliebte) Suppe nicht essen. Sie würden immer dünner und schließlich elendiglich sterben. Heute könnte die Geschichte umgekehrt Hamburger Verkehrsplanern als Grundlage für eine Kampagne dienen, wie man durch gesunde Ernährung – unter anderem durch Verzicht auf fette Suppen – schlank bleiben kann. Und so als schmaler Fußgänger z.B. genug Platz hat auf dem schmalen Fußweg auf der Brücke vorm Bürgerhaus.


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Corona und Autofahren

Cruisen auf der Route 66

hk. So gruselig wie wahr: Was Fridays for Future (noch) nicht schafft, schafft (für kurze Zeit) Corona: Deutlich weniger Autoverkehr, bessere Luft, mehr Platz für Radfahrer. Wohin sollte man auch fahren? Die Oma besuchen? Zum schoppen? Nach Schleswig-Holstein? Das ist im Moment alles nicht möglich. Und wenn man dann doch mal ins Blaue fahren möchte in dieser trüben Zeit? – Das geht auch virtuell! Cruisen im Netz auf den schönsten Straßen der Welt. Die beliebteste Online-Straßen auf Instagram - so die Zeitschrift ACE-Lenkrad - ist mit Abstand die berühmte Route 66 in den USA. An zweiter Stelle liegt die Great Ocean Road in Australien, gefolgt vom Pacific Coast Highway in Kalifornien. Auf Platz 15 liegt eine deutsche Straße: die Romantische Straße vom Main bis zum Alpenrand. Die A26 und die Wilhelmsburger Reichsstraße stehen nicht auf der Liste der Zeitschrift.


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