24. Jahrgang,
Ausgabe 11

Nov. / Dez.
2018
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Verschiedenes

Auszeichnung für Umnutzung der denkmalgeschützten St. Maximilian Kolbe-Kirche
Die Besenheide (Calluna vulgaris) ist die Blume des Jahres 2019
Das hat sich gelohnt!
Nachhaltige Mobilität: Fehlanzeige
Mit dem Verkauf stadteigener Flächen muss Schluss sein
Gut gebrütet
Rede von Alexandra Werdes von der Initiative Waldretter
Nordelbe, SAGA und Co.: Gemeinsam gegen ihre illegalen Tricks!

 

Auszeichnung für Umnutzung der
denkmalgeschützten St. Maximilian Kolbe-Kirche

Erhalt und geplante Umnutzung der ehemaligen Kirche erhält Preis bei Bundeswettbewerb „Europäische Stadt: Wandel und Werte“

M.Kolbe-Kirche

Die St. Maximilian Kolbe-Kirche mit dem charakteristischen gedrehten Turm.
Foto: sic

PM. Für die Pläne zum Erhalt der denkmalgeschützten St. Maximilian Kolbe-Kirche in Wilhelmsburg und ihre Umnutzung zum „Malteser Campus St. Maximilian Kolbe“ gab es einen von drei dritten Preisen beim Bundeswettbewerb „Europäische Stadt: Wandel und Werte – Erfolgreiche Entwicklung aus dem Bestand“, den das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 ausgelobt hat. Die Rettung und der beispielhafte Erhalt der abrissbedrohten ehemaligen St. Maximilian Kolbe-Kirche und die geplante denkmalgerechte Umwandlung zum Zentrum für Pflege, Ausbildung und Begegnung durch die Malteser Norddeutschland gGmbH wurde in der Kategorie „Stadtgebäude“ ausgezeichnet.
Mit dem Bundeswettbewerb „Europäische Stadt: Wandel und Werte“ werden herausragende Konzepte und Projekte für einen zukunftsweisenden Umgang mit baukulturellem Erbe ausgezeichnet.
Der Bau des Architekten Jo Filke wurde 1972 als ein Symbol des Aufbruchs für das durch die Flutkatastrophe von 1962 traumatisierte Wilhelmsburg errichtet. Seither prägt der auffällige Betonspiralturm das Stadtbild des Quartiers. Die vorrangig aus Polen stammende Gemeinde erinnerte mit dem Bau an einen in Auschwitz ermordeten Priester und setze somit auch ein Zeichen für die deutsch-polnische Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg.
In Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt wird die Kirche, deren Abriss 2014 bereits beschlossen war, baulich saniert und für Vorschul- und Seminarräume, Beratungsbüros und Familienhilfe umgebaut. Ziel ist es, bei weitestgehendem Erhalt von Raumeindruck, Substanz und Erscheinung einen hochwertigen wie funktionalen Ausbau zu realisieren. Die Kosten der Sanierung werden weitgehend von der Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung, dem Denkmalschutzamt Hamburg und Stiftungen getragen.
Der Entwurf für den Umbau von LH-Architekten, Landwehr Henke und Partner mbB war Gewinner eines Wettbewerbs. Er schafft in der Kirche einen Teil der Räume für die neuen Nutzungen sensibel nach dem „Haus-im-Haus-Prinzip“, wobei der beeindruckende Innenraum erlebbar bleibt. Büroarbeitsplätze werden in eine Aufstockung der eingeschossigen Sakristei verlagert, wodurch Eingriffe in die Bestandsfassade minimiert werden können.

 

 


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Die Besenheide (Calluna vulgaris) ist die Blume des Jahres 2019
Eine Heidelandschaft bietet Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen

Heidegarten

Modellfläche „Fischbeker Heide“ in Planten un Blomen,
Eingang Glacischaussee, Ecke Budapester Straße

Foto: MG

MG. „Ohne Pflanzen gibt es keine Tiere und keine Menschen“, unter diesem Motto setzte sich Loki Schmidt für den Naturschutz ein. Im nächsten Jahr ist es 40 Jahre her, dass sie die Loki-Schmidt-Stiftung gründete und die Wahl der Blume des Jahres ins Leben rief.
Zu ihren Lebzeiten wählte sie diese selbst aus, jetzt macht der Vorstand der Stiftung nach Beratung mit Fachleuten den Vorschlag. Die Blume des Jahres 2019 ist die Besenheide. Sie steht in Heidelandschaften, aber auch in Hochmooren, auf Sanddünen und an Waldrändern. Viele kennen sie. Sie ist mit ihren tiefen Wurzeln gut angepasst an sonnige Standplätze auf magerem, saurem Boden, kann bis zu 40 Jahre alt werden und, wenn man sie lässt, wird sie einen Meter hoch. Es ist eine Kulturpflanze, d.h. der Mensch muss sich um sie kümmern, sonst verbuschen die Flächen und werden zu Wald.

Anlässlich der Kür zur Blume des Jahres wurde neben der Bienenweide in Planten un Blomen ein Heidegarten nach dem Modell der Fischbeker Heide angelegt. Hier wurden mehr als 5.000 Pflanzen auf einem Gelände von über 1.000 Quadratmetern gepflanzt. In Hamburg steht die Besenheide auf der Liste der bedrohten Pflanzen. Von dem Erhalt dieser Landschaftsform sind zahlreiche Pflanzen- und Tierarten abhängig. Honigbienen und Schmetterlinge lieben die Blüten der Besenheide.
Die Modellfläche „Fischbeker Heide“ ist der Start in das Naturschutzgroßprojekt „Natürlich Hamburg!“, ein deutschlandweit einzigartiges Projekt in einer Großstadt, wie Jens Kerstan, Umweltsenator, erklärte. Es soll Natur stärker in der Stadt erlebbar machen und wird vom Bund über mehr als zehn Jahre mit 21 Millionen Euro gefördert. Die Gelder werden genutzt, um bestehende Grünanlagen ökologisch aufzuwerten, z.B. auch im Wilhelmsburger Inselpark.

 

 

 

 

 

 

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Das hat sich gelohnt!
Die Waldretter luden zum Müllsammeln im Wilden Wald am Ernst-August-Kanal ein

 

Waldretter

Da weiß man, was man getan hat: Die Waldretter und Freunde sammelten Anfang November fleißig Müll aus dem Wilden Wald im Norden Wilhelmsburgs.
Foto: Waldretter

sic. „Jetzt sieht man gleich viel besser, wie schön dieser Wald eigentlich ist“, sagte Waldretterin Regina glücklich, als sie sich nach getaner Arbeit noch einmal im Westteil des Wilden Waldes umsah.
Der Wilde Wald in Wilhelmsburg ist einer der ältesten Spontanwälder Hamburgs, möglicherweise sogar der älteste.
Eigentlich hatten die Müllsammler*innen sich vorgenommen, den Wald komplett bis zur Schlenzigstraße vom naturschädigenden Müll zu befreien - doch schon im Dreieick bis zur Georg-Wilhelm-Straße gab es so viel zu tun, dass bis zum Dunkelwerden erstmal nicht mehr ging.
Die Waldretter wollten mit der Aktion nicht nur dem wichtigen Pionierwald im Norden Wilhelmsburgs etwas Gutes tun - sie wollten auch darauf aufmerksam machen, dass dieses wertvolle Stück Stadtnatur akut von der Rodung bedroht ist. Denn dort soll nach dem Willen von Senat und IBA gebaut werden.
Seit dem Bekanntwerden der Pläne im Herbst 2017 kämpfen aktive Bürger*innen für den Erhalt des einzigartigen Waldes, der nach der Flutkatastrophe von 1962 in großen Teilen unberührt emporgewachsen ist. Eine solche spontane innerstädtische Waldentwicklung in mehr als 50 Jahren ist aus Naturschutz-Sicht eine Sensation!
Die Waldretter fordern den Erhalt des Waldes und ein grundsätzliches Innehalten in der chaotischen, ungesteuerten und naturvernichtenden Baupolitik der Stadt Hamburg auf Wilhelmsburg.

Kontakt: info@waldretter.de

www.waldretter.de

 

 

 

 

 

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Nachhaltige Mobilität: Fehlanzeige
Hamburg belegt im bundesweiten Ranking den drittletzten Platz. Bei Lärm und Luftschadstoffen fällt die Stadt durch


PM/BUND. In dem heute veröffentlichten „Bundesländerindex Mobilität“ belegt Hamburg den 14. Platz und gehört damit zu den Schlusslichtern in Sachen nachhaltiger Mobilität. 2017 lag Hamburg sogar an letzter Stelle im Ranking der Bundesländer.
Die Ergebnisse stammen aus einem wissenschaftlichen Ländervergleich, den das Forschungsinstitut Quotas im Auftrag von Allianz pro Schiene, des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) erstellt hat. Der „Bundesländerindex Mobilität & Umwelt 2018/19“ wertet die mobilitätsrelevanten amtlichen Statistiken und die verkehrspolitischen Weichenstellungen aller 16 Bundesländer aus.

Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg betont: „Das Länderranking zeigt deutlich, dass die Verkehrspolitik noch immer das große Sorgenkind Hamburgs ist. Hamburg fällt vor allem bei Lärm und Luftschadstoffen komplett durch und belegt in diesen Bereichen den letzten bzw. den vorletzten Platz“.
In Hamburg leben mehr als 120.000 Menschen in gesundheitsschädlich verlärmten Stadtteilen, die Anzahl der Lärmbetroffen ist seit 2013 sogar gestiegen. Für den BUND ebenfalls besonders kritisch sind die Folgen des Abgasskandals mit immer noch zu hohen Stickstoffdioxidwerten.
Auch in Hamburg werden die Grenzwerte überschritten und die Bürger*innen zu hoher Luftbelastung ausgesetzt. Der BUND Hamburg fordert – solange es keine Blaue Plakette auf Bundesebene gibt – regionale, großflächige Fahrverbote für Dieselfahrzeuge einzuführen.
Auch bei den Themen Verkehrssicherheit und Klimaschutz steht Hamburg nicht gut da. Die CO2-Emissionen steigen im Bereich Verkehr sogar seit Jahren wieder an. In beiden Untersuchungsbereichen belegt Hamburg den 11. Platz.

„Wir hoffen, dass der neue Verkehrssenator Michael Westhagemann die Probleme ernst nimmt und wirksame Maßnahmen auf den Weg bringt. Tempo-30 als Regelgeschwindigkeit, keine Erhöhung der HVV-Preise und ein schnellerer schienengebundener ÖPNVAusbau wären ein guter Anfang“, fügte Manfred Braasch hinzu.

 

 


 

 

 


 

 

 

 

 

 

 



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Mit dem Verkauf stadteigener Flächen muss Schluss sein
Renditeerwartungen erhöhen Druck auf Ökologie und Wohnungsmarkt

PM/BUND. Zur Bürgerschaftsdebatte Anfang November über den Verkauf stadteigener Grundstücke und einem entsprechenden Antrag der Fraktion Die Linke äußert sich Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg, wie folgt: „Stadteigene Grundstücke sollten ab sofort nicht mehr verkauft werden. Eine Erbpachtregelung wäre vernünftig für den Wohnungsmarkt und könnte den Druck von heutigen Grünflächen nehmen. Nur die öffentliche Hand kann zwischen verschiedenen Allgemeinwohlinteressen abwägen und darf daher diese zentrale Steuerung nicht aus der Hand geben. Flächen in Hamburg werden in den nächsten Jahrzehnten nicht nur für den Wohnungsbau benötigt, sondern auch für Klimaschutz, Biologische Vielfalt und Naherholung.“

 

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Gut gebrütet
Wilhelmsburger Storchenpaar macht drei Junge

Jungstörche

Die beiden Jungstörche vor dem Start in den Süden.
Foto: Harald Köpke

MG. Im Wilhelmsburger Osten brütet nun schon seit Jahren erfolgreich ein Storchenpaar. Jedes Frühjahr wird das von Harald Köpke betreute Nest von den Störchen wieder in Ordnung gebracht und dann geht es ans Brutgeschäft. In diesem Frühjahr waren es wieder drei Junge. Allerdings ist es in diesem sonnigen Sommer nicht einfach, für die Störche, ihre Jungen groß zu ziehen. Für das dritte Junge reichte das Futter nicht. Aber erfreulich ist, das der Wasserverband Wilhelmsburg Ost auf die Hitzewelle reagiert hat und für ausreichend Wasser im Gebiet gesorgt hat.
So sind es nun zwei Jungstörche, die inzwischen fast erwachsen sind und Flugübungen machen. Dabei machen sie den Eltern den Platz im Nest streitig. Diese versuchen nun von umliegenden Dächern aus, die jungen Störche zum Flug zu ermutigen, denn bald ist es soweit: Die lange Reise in den Süden beginnt mit den anstrengenden langen Flugstrecken.

Trotz der lang anhaltenden Trockenheit, die auch weitere Storchenpaare dazu brachten, ein Junges aus dem Nest zu werfen, war das Brutgeschäft insgesamt erfolgreich. In Hamburg haben 23 Storchenpaare insgesamt 59 Jungtiere groß gezogen, wie der NABU gezählt hat, 13 mehr als im Vorjahr!


 



 


 

 

 




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Pegelstand, 18. September 2018, Oberbaudirektor Höing im Gespräch

Rede von Alexandra Werdes von der Initiative Waldretter

Ich gehöre zu den Wilhelmsburger Bürgern, die die Naturzerstörungen auf der Insel endlich stoppen und somit auch den Wald am Ernst-August-Kanal retten wollen. Das erste, Herr Höing, was ich nach Ihrem Amtsantritt von Ihnen gelesen habe, war anlässlich der Vorstellung der Pläne des Spreehafenviertels.
Da haben Sie laut Abendblatt gesagt: „Mitten in der Stadt gelegen, Wasser von allen Seiten, Blick auf die Hafenlandschaft und die Elbphilharmonie – man könnte sich besoffen reden, wie toll diese Lage ist.“ Zitat Ende.
Und ich hab gedacht: O Gott, wie soll ich bei einem Mann mit dieser Einstellung nur Gehör finden? Deshalb dachte ich, ich bringe Ihnen einen heute einen kleinen Piccolo mit, damit Sie Ihre Stimmung behalten – auch bei dem, was ich heute zu sagen haben.
Worüber ich reden will, ist nämlich die große Ernüchterung, die bei den Wilhelmsburgern eingetreten ist, seit die IBA enorme Veränderungen auf ihrer Insel in Gang gesetzt hat. Veränderungen, die von den meisten zunächst begrüßt wurden.
Aber diese Stimmung ist gekippt. Und ich finde, der Wald am Ernst-August-Kanal kann beispielhaft dafür stehen, warum dies so ist.

Der Wald steht nämlich für die komplette Überforderung, die viele Wilhelmsburger inzwischen empfinden, wenn sie sich ihren Stadtteil in zehn Jahren vorstellen sollen.
Die Verlegung der Reichsstraße ist noch in vollem Gange, die Bürgerbeteiligung für Rathausviertel und Nord-Südachse sind kaum abgeschlossen, da wird mit dem Spreehafenviertel schon das nächste Baugebiet aufgerufen, und das ist ja noch lang nicht das Ende, die Pläne für die Kleingärten zwischen Auf der Höhe und Korallusring  und für die Streuobstwiesen am Haulander Weg liegen ja auch schon auf dem Tisch.
Welcher Normal-Bürger soll da noch Schritt halten und sich womöglich auch noch aktiv einbringen?
Man kann nur hoffen, die Mitarbeiter Ihrer Behörde steigen da noch durch.
Es ist zu viel, es ist zu schnell. Und deshalb ist es jetzt mal Zeit inne zu halten und Luft zu holen. Zeit für einen Planungsstopp.
Der Wald am Ernst-August-Kanal steht vor allem aber für das ökologische Desaster, das hier seit der Gartenschau stattfindet. Mindestens 6000 große Bäume wurden bis heute gefällt. Und es widerstrebt mir von einzelnen Bäumen zu sprechen. Denn es handelt sich hier um gewachsene Ökosysteme.
Es kommt mir fast albern vor, all die guten Argumente gegen das Abholzen des Waldes zu wiederholen – nach diesem Sommer und den Schlagzeilen, die ihn beherrscht haben:
Glauben Sie wirklich, dass ein paar extensiv begrünte Dächer die Klimaleistung eines ganzen Waldes ersetzen können?
Glauben Sie, dass all die Insekten, die im Totholz im Wald ein zuhause hatten, anschließend in dem Insektenhotel auf  dem Dach Ihrer Behörde platz finden?
Und wo brütet demnächst die Nachtigall?
Oder wird Hamburg in ein paar Jahren wieder Geld aus Bundesmitteln beantragen, um die Wildnis genau da wieder herzustellen, wo man sie vorher zerstört hat, wie das mit dem Programm „Natürlich Hamburg“ jetzt gerade im Inselpark geschieht?
Die Menschen im Reiherstiegviertel genießen den grünen Wald und das Vogelgezwitscher, wenn sie zur S-Bahn fahren, wenn sie mit ihren Hunden spazieren gehen, wenn sie im Kanal paddeln oder angeln oder wenn sie ein sommerliches Bier am Anleger trinken.
Diese Menschen werden nicht alle zusammen in die Wohnung einziehen, von der man auf die Elphi blicken kann!

Der Elphi-Blick ist ein reines Marketingtool. Das Vermarkten von Grundstücken – das ist es, worauf sich die IBA nach 2013 reduziert hat. Und weil man sich die Hörner an der HPA abgestoßen hat, geht man jetzt eben den leichtesten Weg und verscherbelt die Grünflächen. Und das unter dem Deckmantel der Wohnungsnot.
Statt den Konflikt zwischen Wohnen und Natur aufzumachen, sollten Sie endlich den Konflikt zwischen Stadt und Hafen in Wilhelmsburg lösen. Das wäre eine schöne Herausforderung für einen neuen Oberbaudirektor. Dann könnten die 1000 Wohnungen nämlich prima im Rahmen des Kulturkanals am Veringkanal entstehen – als neue urbane Zone.
Nicht zuletzt steht der Wald für den Frust, den das Wort Bürgerbeteiligung hier inzwischen auslöst. Ich muss Ihnen das eigentlich nicht erzählen, denn Sie waren ja schon Mitglied der Jury, als sich die Bürgersachverständigen des Spreehafenviertels von allen Entwürfen des Wettbewerbs distanziert haben, weil der Forderung der Bürger nach mehr Grünerhalt nicht entsprochen wurde.
Das sind die Neu-Frustrierten Bürger, die dachten, dass sie in einem Bürgerbeteiligungsverfahren, das so professionell angelegt ist wie der Perspektiven-Prozess, echten Einfluss nehmen könnten - und die nun bitter enttäuscht sind.
Die Alt-Frustrierten, das sind Leute wie ich, die diese Erfahrung schon bei der Zukunftswerkstatt  2013+ gemacht haben. Die damals schon erlebt haben, wie jede Äußerung hingebogen wird auf ein Ergebnis, das vorher schon feststand. Wo die eigentliche politische Entscheidung stattfindet, das durchschauen wir Bürger schon lange nicht mehr.
Und es ist ja nicht so, dass wir Wilhelmsburger immer nur gegen etwas sind. Wir sind manchmal auch sehr kreativ und konstruktiv dafür. Zum Beispiel dafür, dass die Fähre auch am Wochenende fährt.
Mit der Initiative 7x73 haben sechs Unternehmerinnen innerhalb von sieben Wochen mehr als 6000 Unterschriften gesammelt, dass die Fähre 73 sieben Tage die Woche fährt. Der ganze Stadtteil stand hinter der Forderung, die Bezirksversammlung hat sie einstimmig angenommen – und was ist das Ergebnis?
Auf Nachfrage (!) ein Dreizeiler im Hauptausschuss, dass die prognostizierten Fahrgastzahlen einen wirtschaftlichen Betrieb nicht hergäben.
Nein, es ist nicht das Spreehafenviertel, das Wilhelmsburg zur Vollendung des Sprungs über die Elbe braucht. Der Sprung über die Elbe ist nicht vollendet, solange wir 3 Euro 30 für die zwei S-Bahn-Stationen zum Hauptbahnhof bezahlen müssen. Der Sprung über die Elbe ist nicht vollendet, solange wir unsere Fahrräder durch den alten Elbtunnel schieben müssen. Der Sprung über die Elbe ist nicht vollendet, solange die Fähre 73 nicht am Wochenende fährt.

Und deshalb fordere ich Sie erneut zu einem Moratorium auf! Legen Sie die Pläne fürs Spreehafenviertel aufs Eis. Ziehen Sie erst mal mit der Infrastruktur nach, bevor Sie immer weiter und weiter bauen. Geben Sie uns und sich selbst die Chance, zu sehen, was Wilhelmsburg nach der Fertigstellung der neuen Mitte wirklich braucht.


 

 

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Nordelbe, SAGA und Co.: Gemeinsam gegen ihre illegalen Tricks!
Bei Wilhelmsburg Solidarisch wehren sich Nachbar*innen gemeinsam gegen unrechtmäßige Methoden von Vermieter*innen

PM. Mieter*innen haben es in Wilhelmsburg nicht leicht. Mehrere Vermieter*innen versuchen geradezu systematisch, sie mit unlauteren Methoden auszunehmen, zu kontrollieren oder klein zu halten.
Überhaupt eine Wohnung oder ein Zimmer zur Miete oder Untermiete zu finden, ist schwierig genug. Für viele ist das nur möglich, wenn sie Mieten in Kauf nehmen, die eigentlich viel zu teuer sind. Denn in den letzten Jahren sind zwar die Mieten ordentlich angestiegen, die Löhne aber nicht. Das geht auf Kosten des Urlaubs, des Zahnersatzes oder des Schwimmbadbesuchs und ist einer der Gründe dafür, warum arme Menschen durchschnittlich 10 Jahre kürzer leben als Reiche.
Das Angebot an Mietwohnungen, die für Menschen mit geringem Einkommen überhaupt noch bezahlbar wären, schrumpft immer weiter. Weil tausende Wohnungen aus den Sozialbindungen gefallen sind. Weil die Einwohner*innenzahl insbesondere in Wilhelmsburg stark gewachsen ist. Und weil das Neubauprogramm des Hamburger Senats zu zwei Dritteln teure Miet- und Eigentumswohnungen vorsieht, in Hamburg aber rund die Hälfte aller Bewohner*innen Anrecht auf geförderten Wohnraum hätten.
Angesichts dieser Situation glauben viele Vermieter*innen, sich alles erlauben zu können. Es werden horrende Preise genommen, im Reiherstieg- oder Bahnhofsviertel sind 10 Euro/m2 netto kalt keine Seltenheit. Und auch das Mietrecht ist vielen Hauseigentümer*innen offenbar ziemlich egal. Beispiele dafür gibt es zuhauf, auch bei Genossenschaften und SAGA!

Beispiel SAGA

Die Vermietungspraxis der stadteigenen SAGA zeigt, dass die Verdrängung der Armen und Menschen mit tatsächlichem oder unterstelltem Migrationshintergrund zur offiziellen Politik des SPD-Senats gehört. Erst im März 2017 wurde die SAGA zu 1.000 EURO Entschädigung verurteilt, weil sie eine Frau wegen ihres türkisch klingenden Nachnamens abgelehnt hatte. Vor Gericht machte die SAGA klar, dass sie bestimmen will, in welche Gegenden arme Menschen oder Menschen mit ausländisch klingendem Nachnamen ziehen – und in welche nicht. Offiziell heißt diese Politik der Verdrängung „soziale Durchmischung“. Mit dieser Praxis sollen gezielt weiße Gutverdienende in Stadtvierteln angesiedelt werden, in denen hauptsächlich Geringverdiener*innen leben. Selbstverständlich werden im Gegenzug keine Ausweichwohnungen in Eppendorf zur Verfügung gestellt. Die Zukunftsvision hinter dieser Politik lautet: Arme Menschen sollen die schlecht bezahlten Jobs in der Stadt machen, aber nicht in der Stadt wohnen.
So erklärt sich auch, weshalb Untermieter* innen neuerdings persönlich in der SAGAGeschäftsstelle vorstellig werden sollen, was unrechtmäßig ist. Es dient einzig dazu, zu kontrollieren und Macht auszuspielen. In den uns bekannten Fällen reichte ein Verweis auf die Gesetzeslage, und schon nahm die SAGA von der Forderung Abstand.

Beispiel Wohnungsgesellschaft Nordelbe

Die Vermietungspolitik der Nordelbe jedoch, die wir bei Wilhelmsburg Solidarisch in den letzten Monaten mitbekommen haben, setzt dem Ganzen die Krone auf.
Die Nordelbe ist eine der größten Vermieterinnen in Wilhelmsburg. Ihr gehört ein großer Bestand an der Harburger Chaussee, und auch im Reiherstiegviertel vermietet sie Wohnungen. Aktuell etwa eine 50 m² große Wohnung in der Fährstraße für 590 Euro kalt – das sind satte 12 Euro/m2, plus Nebenkosten. Solche Preise nimmt zwar auch die Vonovia (Ex-GAGFAH) im Bahnhofsviertel, aber selbst die ist unseres Wissens noch nicht auf die Idee gekommen, von allen Neumieter*innen eine sogenannte „Vertragsabschlussgebühr“ von 155 Euro nur für die Ausfertigung des Mietvertrags zu kassieren. Das ist vollkommen illegal. Hier spielt die Nordelbe ihre Macht als Hauseigentümerin konsequent aus. Sie weiß, dass Menschen dringend auf Wohnungen angewiesen sind und notgedrungen die Gebühr zahlen.
Auch verlangt die Nordelbe die erste Warmmiete und drei Kaltmieten als Kaution, bevor sie die Schlüssel übergibt – für viele Menschen ein Problem, so viel Geld auf einmal aufzutreiben. Die Nordelbe weigert sich entgegen dem Mietrecht, dass die Kaution in drei Teilen über drei Monate bezahlt wird. Untervermietungen genehmigt sie immer nur befristet auf sechs Monate. Auch das ist illegal. Untermietgenehmigungen gelten automatisch unbefristet und sind an die Laufzeit des Hauptmietvertrags gekoppelt. Die Nordelbe schüchtert die Mieter*innen ein: Es steht sofort die Verlängerung der Untermieterlaubnis auf dem Spiel, wenn es zu Konflikten kommt. Sie arbeitet gezielt mit der Unwissenheit und vermeintlichen Unfähigkeit der Mieter*innen, ihre Rechte durchzusetzen.

Deshalb: Allein im Recht zu sein reicht nicht. Wir müssen unser Recht auch durchsetzen! Mieter*innen der Nordelbe und andere Bewohner*innen Wilhelmsburgs haben nun beschlossen, sich gemeinsam zu wehren. Wir treffen uns bei Wilhelmsburg Solidarisch regelmäßig, um Konflikte um Mieten, aber auch um Arbeitsverhältnisse oder das Jobcenter zu beratschlagen und gemeinsam anzugehen.

Ab Januar werden wir im Viertel unterwegs sein und mit Flugblättern über die illegalen Praktiken informieren und Wege aufzeigen, wie wir uns gemeinsam wehren und beispielsweise das Geld von der Nordelbe zurückholen können. Alle, die dabei mitmachen wollen, finden die Termine im Internet auf solidarisch.org

 

 

 

 


 

 

 

 

 

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