25. Jahrgang,
Ausgabe 5
Mai / Juni
2019
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Kultur

Leute spielen für Leute
Fotografische Reise durch Wilhelmsburg
Gelände besetzt: Kommt jetzt mehr Kultur an den Kanal?
Zeich(n)en gegen das Vergessen
Würden Sie gerne wissen wollen, wann Sie sterben?
Geburtstagsrallye im Museum Elbinsel Wilhelmsburg
Klick-klack, und los!
Wandel und Beständigkeit: Museum vor neuen Aufgaben
Weihnachts- / Winter- / Sommerlektüre

 

Leute spielen für Leute
Die 48h Wilhelmsburg feiern vom 14. – 16. Juni ihr zehnjähriges Jubiläum

Plakat

hk. Jubiläen sind üblicherweise auch immer Gelegenheiten für kritische Bestandsaufnahmen, „Wisst-ihr-noch“-Schwärmen, und einen Toast auf die nächsten zehn Jahre. Das ist auch bei den 48h so. Wenn dieser WIR erscheint, ist das Programmheft 2019 schon auf dem Markt mit Übersichtsplan zum Herausnehmen, Jubiläumsquiz am Ende und 149 Konzerten an 55 Orten:
...Die Hamborger Schietgäng mit Shantys im Inselpark,
türkische Protestmusik zum Fasil-Abend im Cafe Liebe,
Mitmachmusizieren für die ganze Familie im Haus der Projekte,
die Bigband Jazz-Casino im Freizeithaus Kirchdorf Süd,
der Chor Thuma Mina mit Liedern aus aller Welt und 144 Konzerte mehr.

Nach mehrjähriger Abstinenz finden dieses Jahr wieder mehrere Konzerte im Bürgerhaus statt, dem Ort, „wo alles
anfing“. Den Abschluss auf den Ursula-Falke-Terrassen macht diesmal die X-tra-Group mit Jazz und bulgarischer Volksmusik. Mit dem Anwachsen der bulgarischen Community in den letzten Jahren gibt es inzwischen eine größere Zahl bulgarischer Musiker auf den Elbinseln. Neben der X-tra Group sind die Balkan Band und die Hachko Group im Programm. In einem Interview im Programmheft berichtet der Geiger der X-tra Group, Aleks Aleksiev über sein Leben als Musiker auf der Veddel. Mit dem Geigespielen begann er schon als kleines Kind in seiner Geburtsstadt Russe. Auch heute noch übt er täglich und sucht wie viele Musiker auf den Elbinseln einen Probenraum. In seiner Wohnung geht es nur, weil über und unter ihm Verwandte wohnen. Wie bei anderen seiner Kollegen sind Auftritte auf Hochzeiten seine Haupteinnahmequelle. „Wir sind keine Philharmoniker“, sagt er. „Wir sind Leute, die für Leute spielen.“ Wer Aleks Aleksiev schon mal gehört hat, weiß, er ist ein „Teufelsgeiger“.

Im Programmheft findet sich dann auch die erwähnte Bestandsaufnahme unter dem Titel „Eine Erfolgsgeschichte nicht ohne Wachstumsschmerzen“. Das ist die Geschichte vom Wilhelmsburger Musiknetzwerk, der Idee aus Berlin, den ersten unbefangen organisierten 48h 2010: 2000 Besucher*innen, und wenn jemand auf seinem Balkon oder in seinem Laden ein Konzert haben wollte, dann wurde das eben gemacht. Das Programm passte auf vier DIN A4 Seiten.
Seither hat sich vieles gewandelt. 27 von 245 Orten, an denen mal Konzerte stattgefunden haben, gibt es nicht mehr durch Geschäftsaufgabe oder Besitzerwechsel. Das aktuelle Programmheft hat 48 Seiten und für Veranstaltungsorte gibt es Sicherheitsauflagen. Im vergangenen Jahr gab es zum ersten Mal eine größere Zahl von Beschwerden bei der Polizei über Lärm und Müll. Z.T. bei Freiluftparties im Reiherstiegviertel, die mit dem 48h-Programm nichts zu tun hatten, z.T. bei großen Veranstaltungen mit Publikumsandrang bis auf die Straße. Die 48h-Macher*innen sahen sich jedenfalls in der Verantwortung. Mit Postwurfsendungen wurden Bewohner*innen im November zu einem Nachbarschaftsgespräch eingeladen unter dem Thema: „Wie wollen wir im Reiherstieg leben und feiern?“ (siehe WIR 12/18).
Eine Konsequenz aus dem Gespräch war, dass die lauten Partyträchtigen Konzerte in diesem Jahr nicht im Reiherstieg-Programm sind. Damit wollen die Macher*innen im Bürgerhaus ihrem am Schluss der Bestandaufnahme noch einmal formulierten Anspruch gerecht werden: Die 48h sind mehr als ein Musikfest.
Sie sind auch ein Stück Stadtteilarbeit, jenseits der Sprachbarrieren und unter Nachbarn. Dazu gehört auch der Blick in die Zukunft mit der Frage, welche Rolle die 48h bei der Gentrifizierung des Reiherstiegviertels spielen, bzw. nicht spielen wollen.
Für die Macher*innen ist diese Auseinandersetzung mit den „Wachstumsschmerzen“ des Ganzen auf jeden Fall notwendig. Wir als Besucher*innen der 48h können vor allen Dingen sagen: Ihr habt das die 10 Jahre gut hingekriegt. Und „Cheerio – auf die nächsten 10“!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Fotografische Reise durch Wilhelmsburg
Der neue Bildband von Rolf Reiner Maria Borchard

Borchard

Rolf Reiner Maria Borchard vor der Buchhandlung Lüdemann.
Foto: Lehmann

Sylvia Lehmann. Drei Klappstühle und ein Beistelltisch – fertig war das temporäre Café in der Buchhandlung Lüdemann. Zur Vorstellung des neuen Fotobildbandes „Hamburg Wilhelmsburg – Stadt Landschaft Hafen“ luden Anfang Mai der Fotograf Rolf Reiner Maria Borchard und Detlef Lüdemann den WIR ein. Bei Kaffee und Keksen waren wir Teil einer Fotobuchlesung, die gespickt war mit Inselgeschichten und historischen Details.
Rolf Reiner Maria Borchard hielt sein 248 Seiten starkes Werk feierlich in den Händen als er berichtete, wie er das ganze letzte Jahr Wilhelmsburg in allen Jahreszeiten durchwanderte und fotografisch festhielt. Der diplomierte Architekt ist seit fast 50 Jahren auch als Fotograf tätig. Wilhelmsburg habe ihn gereizt, weil der vielgestaltige Stadtteil in einem Spannungsbogen steht zwischen dem Gestern und dem Morgen. Einen Ist-Zustand wolle Borchard festhalten, bevor der Wandel weiter geht. Es entstanden Fotografien vor allem aus den Bereichen Architektur-, Landschafts- und Industriefotografie, die unbearbeitet wiedergeben, was man, beginnend bei der Überfahrt mit der Fähre 73, in diesem Stadtteil vorfinden kann.
Wir blätterten uns Seite um Seite durch eine weitgehend menschenleere Elbinsel, als ein Wilhelmsburger die Buchhandlung betrat. In Missingsch plauschte er kurz mit uns. Jahrelang lebe er schon hier und eine Widmung im Fotobuch wäre schön. Mit Menschen auf den Bildern würde ein anderes Buch entstehen, meinte Borchard. So seien Räume entstanden, die der Betrachter selbst durchwandern kann. Stadtkarten mit Lagepunkten der Fotografien geben Orientierung im Buch und laden ein, die abgebildeten Orte zu besuchen, um sie mit eigenen Geschichten zu beleben.

Unsere Kaffeetassen waren fast geleert, als Borchard als Schlussakkord einen Bogen von der Veddel bis zum „Sprung“ über die Süderelbe, nach Harburg, spannte. Für Borchard, den ehemaligen Professor für Gestaltungsgrundlagen, ist der gesamte Bildband wie ein Musikstück und jedes Foto gleicht einer Zeichnung oder einer Malerei. Viele Fotografien stehen im Verhältnis zueinander und der Bildaufbau wurde gestalterisch komponiert. Seine Lieblingsstelle im Buch ist die Fotografie „Bäume, Schilf und Elbe im Naturschutzgebiet Heuckenlock“. Ein Bild, gemalt von der Natur.

Borchards Bildband „Hamburg Wilhelmsburg – Stadt Landschaft Hafen“ legt ein Zeugnis ab. Man findet vertraute Ansichten und wenig beschrittene Orte. In allem kann man die Insel überblicken und das kontrastreiche städtebauliche Wilhelmsburg erkennen.
Im Atelierhaus 23 wird die Ausstellung zum Buch mit Vernissage am Sonnabend, 29. Juni, um 15 Uhr eröffnet. Bis zum 4. August gibt es ausgesuchte Fotografien zu sehen.

Rolf Reiner Maria Borchard,
Hamburg Wilhelmsburg – Stadt Landschaft Hafen,
Borchard & Wegner, 2019, 248 Seiten, 38 Euro

 

 

 

 

 



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Gelände besetzt: Kommt jetzt mehr Kultur an den Kanal?
Aktivist*innen besetzten für einige Stunden das „Soul Kitchen“-Gelände. Sie fordern einen Wagenplatz und Platz für Kultur

han. Hunderte Aktivist*innen besetzten am vergangenen Sonnabend für einige Stunden das Gelände an der „Soul Kitchen“- Halle. „Seit Jahren schauen wir dabei zu, wie diese Fläche umzäunt brach liegt“, heißt es in einem Positionspapier der Aktivist*innen. „Wir finden, nach all der Zeit ist heute ein guter Tag (…) in eine konkrete Auseinandersetzung zu treten.“
Die Aktivist*innen wollen die Fläche wieder kulturell nutzen und eine Veranstaltungsfläche für Kultur und Politik, einen kollektiv genutzten Garten und einen Wagenplatz auf dem Gelände schaffen. Nach Angaben eines Aktivisten waren etwa 250 Menschen vor Ort, dazu rund 15 Wagen, Feuertonnen, ein Pizzastand, ein Trampolin, elektronische Musik und – die Polizei.
Nachdem die Beamten informiert wurden, dass sich mehrere Personen auf dem Gelände aufhalten und eine Überprüfung ergab, „dass sich ca. 500 Personen widerrechtlich Zugang zum gesicherten Gelände verschafft hatten“, kam es zu Kooperationsgesprächen mit den Aktivist*innen. Alles lief friedlich ab. Der Eigentümer des Geländes, die städtische Sprinkenhof GmbH, hatte zuvor bei der Polizei Strafantrag gestellt wegen des Verdachts auf Hausfriedensbruch. Es wurde sich geeinigt, dass die Aktivist*innen das Gelände verlassen. Nach Augenzeugenberichten wurden 15 Einsatzwagen der Polizei vor dem Gelände postiert. „Gegen 03:39 Uhr befanden sich keine Personen und Fahrzeuge mehr auf dem Gelände. Das Verlassen des Geländes verlief störungsfrei“, heißt es von der Polizei.

Ein paar Tage später kam heraus, dass die Stadt Hamburg mit einem Unternehmen über die zukünftige Nutzung des „Soul Kitchen“-Geländes verhandelt und vielleicht eine Brauerei kommen wird. Die Aktivist*innen stellten schon vor Bekanntwerden der Nachricht über die eventuelle zukünftige Nutzung des Geländes klar: „Wir sind hier und wir bleiben. Lasst ihr uns räumen, kommen wir wieder!“

 

 


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Zeich(n)en gegen das Vergessen
Interdisziplinäres Kunstprojekt des Theaters am Strom erinnert im Tor-zur-Welt-Bildungszentrum an die Deportation und Ermordung der Sinti und Roma begann sein Projekt vor sieben

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PM. Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung durch die Nazis - die leidvolle Geschichte der Hamburger Sinti ist bis heute einer breiten Hamburger Öffentlichkeit nicht bekannt. Das möchte das Theater am Strom aus Wilhelmsburg mit seiner künstlerischen Veranstaltungsreihe „Zeich(n)en gegen das Vergessen“ ändern. Mit Bildern, Theater, Lesungen, Musik und künstlerischen Aktionen vom 20. bis 25. Mai 2019 im Bildungszentrum "Tor zur Welt" wird es an das kollektive Schicksal der Sinti erinnern und zum Nachdenken und Dialog anregen.
„Uns ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen gegen den in manchen Kreisen verbreiteten Wunsch, die Vergangenheit ruhen zu lassen“, so Initiatorin und Regisseurin Christiane Richers. „Gerade jetzt, wo in vielen europäischen Ländern der Rassismus zunimmt und sogar in Regierungskreisen wieder salonfähig wird, ist es um so wichtiger, das Bewusstsein für Ausgrenzung zu schärfen und sich deutlicher gegen Vorurteile und Diskriminierung zu positionieren“.

Herzstück und Impulsgeber ist die Ausstellung „Zeichnen gegen das Vergessen“ mit Bildern des Künstlers Manfred Bockelmann, Bruder des verstorbenen Sängers Udo Jürgens. Die Eröffnung der Ausstellung am 20. Mai ist der Startschuss für das Gesamtprojekt. Bockelmann schuf großformatige, ausdrucksstarke Porträts (1 x 1,5 m) von Kindern und Jugendlichen, die im KZ ihr Leben ließen. Er zeichnet mit Kohle auf Jute, Grundlage sind meist sehr kleinformatige Fotografien, teilweise aus Privatbesitz von Angehörigen, teilweise wurden sie von den Wächtern im KZ gemacht, kurz nachdem die Kinder interniert wurden. Bockelmann begann sein Projekt vor sieben Jahren, inzwischen hat er über 180 Zeichnungen von Opfern angefertigt, darunter Juden, Sinti, Roma und Euthanasieopfer. Für den 75-jährigen Künstler ist es ein ehrenamtliches, nicht endendes Projekt. Zu seiner Arbeit sagt er: „Ich wollte diese Porträts auf sperrige, große Formate bringen, weil der Betrachter einen stärkeren Impuls erhält, sich mit dem einzelnen Schicksal zu beschäftigen.“ Mit seinen Bildern ist Bockelmann bereits auf großes internationales Interesse gestoßen, unter anderem in Wien, Zagreb und New York. In Hamburg wird der Künstler nun insgesamt 35 Zeichnungen zeigen. Dafür fertigt er das Portrait der Überlebenden Rosa Mechau aus Wilhelmsburg an, die mit ihren Kindern am 20. Mai 1940 deportiert wurde und von denen zwei im Konzentrationslager Belzec verhungerten.

Die Theaterproduktion "Rosa Begegnen" ist eine Spurensuche, die zu Gesprächen mit den Nachkommen von Rosa ins Hamburger Staatsarchiv führt und zu Gesprächen mit Hamburger*innen, die sich noch an Rosa erinnern. Das Ensemble besteht aus der Autorin und Sprecherin Christiane Richers, der Schauspielerin Gesche Groth, dem Jazz-Saxophonisten Kako Weiß, dem Schlagzeuger Dieter Gostischa, dem Bühnen- und Kostümbildner Marcel Weinand und der Dramaturgin Morena Bartel. Kooperationspartner ist hier die Gedenkstätte Neuengamme.
„Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Geschichte der Hamburger Sinti und Roma in unsere Theaterprojekte zu integrieren. Uns ist es wichtig, dass ihre Geschichte selbstverständlich in die Geschichtsschreibung der Stadt aufgenommen wird“, so Autorin Richers. Nach der Veranstaltungsreihe im Mai wird die Produktion in das dauerhafte Angebot des Theaters aufgenommen.
Die Theaterproduktion "Fruchtschuppen C – Ab Hamburg Ab", wird mit Amateurschauspieler* innen aus Hamburg umgesetzt. Ortsbesuch: Hamburger HafenCity, heute. Während einer Besichtigungstour mit einer bunt zusammengesetzten Besuchergruppe (von denen die einen interessiert an Hafenlogistik sind, einige Jüngere hauptsächlich ihrem Handy Aufmerksamkeit schenken und wieder andere vor allem die ‚Elphi’ besichtigen wollen) werden die Teilnehmer*innen unerwartet und intensiv mit dem Schicksal der deportierten Sinti und Roma aus dem Hamburger Hafen konfrontiert.

"Wo sind eure Lieder, eure alten Lieder?" Das Kako Weiß Ensemble (Kako Weiß, Saxofon; Thomas Biller, Bass; Patrick Pagels, Gitarre; Buggy Braune, Klavier) spielt alte Lieder aus der jiddischen und Sinti-Tradition und übersetzt sie mit den Mitteln des Jazz musikalisch in die Gegenwart. Die Fusion der beiden Musikstile und -traditionen folgt dem Ansatz des Gesamtprojekts, dem Gedenken beider Opfergruppen – den Sinti und Roma und den Juden –Rechnung zu tragen.
Lesung und Jazz unter dem Titel "Spiel Zigeunistan"mit Christiane Richers (Autorin) und Kako Weiß (Saxofon) erzählt über Identitäten, Gefühle und Vorstellungen zweier Hamburger Sinti. Ein intensives, aufrüttelndes Stück, das Einblick in die persönlichen Traumatisierungen gibt, wie sie deutsche Sinti erlebt haben und noch erleben. Entstanden ist „Spiel Zigeunistan“ auf der Basis von Gesprächen mit zwei Mitgliedern der Wilhelmsburger Sinti-Familie Weiß im Auftrag des Thalia Theaters. Dort war es vier Jahre lang im Repertoire.

Das interdisziplinäre Kunstprojekt findet in Kooperation mit dem Helmut-Schmidt-Gymnasium statt. Die Schule beteiligt sich mit eigenen Kunstaktionen in den jeweiligen Fächern. Die Verantwortung für die Umsetzung liegt bei den drei beteiligten Lehrer*innen, 35 Schüler*innen und dem Theater am Strom. In Vorbereitung sind Zeichnungen und lyrische Texte, sowie eine Theateraktion von Schüler*innen zur Ausstellung.

Veranstaltungsreihe „Zeich(n)en gegen das Vergessen“, 20. - 25.5.
Eröffnung: 20.5. mit Gedenkveranstaltung und Vernissage „Zeichnen gegen das Vergessen“
Wilhelmsburger Bildungszentrums ‚Tor zur Welt‘, Krieterstr. 2, und Foyer des Helmut- Schmidt-Gymnasiums
Veranstalter: Theater am Strom
Freier Eintritt bei allen Veranstaltungen

 

 

 

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Würden Sie gerne wissen wollen, wann Sie sterben?
Die Theatergruppe OhA! mit Jugendlichen von der Elbinsel erarbeitet ein Theaterstück in der Honigfabrik

Farida Ouro-Koura. In unserer Gesellschaft ist es oft schwierig, über gewisse Themen zu sprechen. Deshalb kommt es nicht selten vor, dass diese einfach totgeschwiegen werden. Es sind aber meistens keine Belanglosigkeiten, die der Aufmerksamkeit gar nicht lohnen würden, sondern es sind eher Themen, die bei jeder Altersgruppe aufkommen und jeden betreffen, auf die aber oft keiner eine Antwort weiß.
Warum fühlt man sich, obwohl man sich in Gesellschaft befindet, einsam? Warum werden wir in diese Welt gesetzt und müssen miterleben, wie andere und wir selbst wieder aus dieser gerissen werden? Schwierig. Schwierig darüber zu reden und die Fragen rational zu beantworten, da auch viele versteckte und unterdrückte Emotionen mit reinspielen.

Trotzdem hat sich unsere Theatergruppe das Ziel gesetzt, zwei dieser Themen genauer zu behandeln und ungeschönt zu besprechen. Anders als bei unseren vorherigen Stücken, haben wir uns vorgenommen, ein schon bestehendes Stück zu inszenieren. Von 10 Stücken, die wir beleuchtet haben über die Wochen, stehen nun zwei in der näheren Auswahl. Das Stück ,,Die Befristeten’’, das auf die unvermeidliche Endlichkeit des Lebens aufmerksam macht, und das Stück ,,Ganze Tage ganze Nächte’’, das die Einsamkeit, die jeder mal mehr oder weniger verspürt, behandelt.
Und hier stehen wir momentan vor einem Dilemma. Es sind beides Stücke, die einen erstmal stark schlucken lassen. Beide Stücke haben eine interessante Art und Weise, wie sie diese Themen behandeln. Bei ,,Die Befristeten’’ sind die Charaktere nach dem Jahr benannt, in dem sie sterben werden. Anders als bei üblichen Stücken, gibt es bei ,,Ganze Tage ganze Nächte’’ keine Chronologie. Es besteht nur aus einzelnen Dialogen und Monologen.
Jede Person verbindet andere Situationen und Gedanken mit diesen Themen. Weil es schwer sein kann, sich mit etwas auseinanderzusetzen, was einen emotional belastet, ist es für uns bisher schwierig gewesen, zu entscheiden, welches der beiden Stücke wir nun spielen möchten. Alle aus der Gruppe haben persönliche Gründe, wieso sie eines der beiden Stücke nicht näher kennenlernen wollen, und es ist auch wichtig, diese Meinungen nicht zu ignorieren. Uns ist aufgefallen, dass es wichtig ist, darüber zu sprechen, was uns an den Stücken belastet und warum. So können wir das Thema tiefgreifender behandeln und mit mehr Respekt und Vorsicht rangehen.

In beiden Stücken steckt eine Botschaft, die uns Menschen bewusster sein sollte. Diese wollen wir behutsam vermitteln. Deswegen haben wir uns entschieden, beide Stücke über die nächsten Wochen kennenzulernen, damit auch wir als Gruppe uns zu nichts zwingen müssen und jeder mit bestem Wissen und Gewissen nach seinen Vorstellungen, ohne zu einer Entscheidung gedrängt worden zu sein, handeln kann. Dass es eine Herausforderung sein kann und wahrscheinlich auch wird, ist uns bewusst, dennoch sind wir gespannt und freuen uns, wenn wir mit unserem Endprodukt andere begeistern und inspirieren können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

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Geburtstagsrallye im Museum Elbinsel Wilhelmsburg
Das Café Eleonore kann auch für eigene private Feiern gemietet werden

Geburtstag

Da strahlt die kleine Prinzessin: Liebevoll gestalten die
Ehrenamtlichen des Museums Kindergeburtstage
.
Foto: ein

Elke Leppin. Am 26. März feierte Mina im Museum Elbinsel Wilhelmsburg ihren achten Geburtstag.
Nach den Glückwünschen und dem Übergeben der Geschenke durfte Mina sich als Prinzessin verkleiden. Für ihre fünf Hofdamen gab es ebenfalls standesgemäße Kleidung. Die Burggesellschaft nahm dann an der Tafel im Café Eleonore Platz und verspeiste Kuchen und Saft.
So gestärkt ging es auf Erkundungstour durch das Museum. Highlight des Geburtstages war die Schatzsuche, an der die gesamte Burggesellschaft teilnahm.
Und wo hat Prinzessin Mina den Schatz gefunden? - Im düsteren Burgkeller hinter …
Aber das wird nicht verraten!
Gern organisieren die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des Museums Elbinsel Wilhelmsburg Geburtstage für Jung und Alt. Auch kann man das Café Eleonore ohne Programm und Catering für eigene private Feiern (bis ca. 40 Personen) mieten.
Bei Interesse rufen Sie uns gern an, unter der Telefonnummer 040/768 87 87 oder
schreiben uns eine Mail an museum@mewhamburg.de.
Näheres zum Museum finden
Sie auf www.museum-wilhelmsburg.de

 

 

 

 

 

 

 

 

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Klick-klack, und los!
Das Projekt "Urbane Sedimente" lädt dazu ein, im Rahmen einer Vernissage gemeinsam die offene Graffiti-Wand an der Sanitasstraße zu gestalten

Sedimente

Kolja Schmitz. Das Projekt "Urbane Sedimente" beschäftigt sich seit einiger Zeit mit der für alle Graffiti-KünstlerInnen offenen Wandfläche der alten Garagen an der Sanitasstraße. Nicht nur gestalten wir gemeinsam mit Kindergruppen und anderen Interessierten die Wand - wir legen auch die Schichten der Bemalung frei und erkunden das Gelände drumherum. Der künstlerisch-kommunikative Prozess, der hier seit Jahren stattfindet, soll festgehalten und für Außenstehende sichtbar gemacht werden. Tag für Tag, Bild für Bild, Schicht für Schicht. Ein Werk an der Oberfläche, stellvertretend für hunderte schöne Stunden voller Kreativität und Austausch.
Wir dokumentieren, fotografieren und filmen. Wir fragen nach. KünstlerInnen, AnwohnerInnen und Fassaden-BesitzerInnen. Alle erleben diesen Ort, diesen Prozess. Viele Blicke ergeben ein Ganzes. Daraus erschaffen wir eine Ausstellung. Sie wird vom 2. bis 9. Juni 2019 im Café Pause in der Honigfabrik gezeigt.

Anlässlich der Ausstellungseröffnung am Sonntag, 2. Juni, um 12 Uhr sind alle Wilhelmsburger*innen eingeladen, gemeinsam ein neues Wandbild auf die Mauer zu sprayen. Hier erzählen wir von einem Tag aus unserem Projekt:
Die Sonne scheint über den Deich, auf dem Stübenplatz tummeln sich Wilhelmsburger-Innen um die Stände. In der Veringstraße sind die Cafés voll und es riecht nach Kaffee. Malte schaut aus dem Fenster und der schöne Sonnabendmorgen lädt ein, die Wohnung zu verlassen. Sein Handy klingelt. Am anderen Ende ist Sina. „Hey, wie geht’s? Hast du zwei Rollen die du mir leihen kannst?“ Malte antwortet: „Ja, klar, willst du an die Hall? “ „Ja!- Kommst du mit, oder soll ich die Rollen abholen kommen?“ Einige Zeit später kommen die beiden gemeinsam am baufälligen Garagenkomplex am Sanitaspark an. Schon von einiger Entfernung hören sie die HipHop-Musik, die aus einem Ghettoblaster schallt. Es riecht nach Lack. Auf dem Brachgelände vor den Garagen stehen mehrere junge Männer, alle mit bunten Flecken auf den Klamotten und mit einem Grinsen im Gesicht. Einige der Gruppe sprayen erste Linien auf die weiß gestrichene Wand. "Moin!“ ruft Malte ihnen zu, und sagt dann leise zu Sina: „Mist, schon besetzt.“

Sina und Malte müssen sich ein anderes Garagenkomplexes angekommen finden sie drei große, professionell gestaltete Graffiti. „Wow, kennst du die?“ fragt Sina und zeigt dabei auf einen nicht lesbaren Schriftzug. „Nein“, antwortet Malte, „aber die waren schon am Mittwoch hier.“ Er macht noch schnell ein Foto der Bilder.
Dann darf übergemalt werden - so ist das mit einer offenen Wand. Die Beiden beginnen, mit satter grauer Fassadenfarbe die drei Graffiti zu überstreichen.
Einige Zeit später kommt ein kleiner Junge mit seiner Mutter vorbei. „Dürfen die das überhaupt?“ fragt er seine Mutter. „Ja, guck doch, die malen etwas, das darf man hier, solange die Garagen noch stehen.“ „Cool, darf ich das auch?“ fragt der Kleine interessiert. „Frag doch mal“, antwortet sie. Etwas schüchtern, die Hand der Mutter fest gepackt, fragt er Sina und Malte: „Darf ich auch mal?“ Die beiden gucken erst sich, dann die Mutter abstimmend an, bevor sie dem Jungen eine Spraydose in die Hand geben. „Hier kannst du mir helfen, alles blau anzumalen“, sagt Malte. Er gibt dem Kleinen noch ein paar Tipps zum Umgang mit der giftigen Farbe - und dann kann's losgehen. Bald sind die Drei in ihre kreative Arbeit vertieft. So ensteht immer neu Kunst mit allen und für alle.

Das ist unser Projekt:
- Es entstand eine Gruppe von neun Personen, die sich aktiv einbringen
- Es finden regelmäßige Treffen statt
- Ein gemeinnütziger Kunst- und Kulturförderverein ist im Entstehen
- Im Kinder-Kultur-Ferienprogramm der Honigfabrik konnten Kinder fünf Tage lang Graffiti-Kunst ausprobieren und eigene Werke gestalten
- Im Inselpark ist auch 2019 wieder eine große offene Mitmachaktion geplant.
- Das Projekt wird gefördert vom Bezirk Hamburg-Mitte

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 




 

 

 

 

 

 

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Wandel und Beständigkeit: Museum vor neuen Aufgaben
Nicht nur das Gebäude wird runderneuert - auch inhaltlich und personell wagt das Museum Elbinsel Wilhelmsburg einen Neuanfang

Elbinsel-Museum

Der neue, erweiterte Vorstand. Insgesamt sind es nun elf
engagierte Menschen (2 fehlen auf dem Foto), die die Geschicke des
Elbinsel-Museums im alten Amtshaus leiten.

Foto: Museum

sic. „Natürlich bleibt das Museum ein Heimatmuseum", versichert Holger Blank, der im März frisch gewählte 1. Vorsitzende des Museumsvereins, „aber wir wollen uns modernisieren und mit dem neuen Ausstellungsschwerpunkt ,Flut' für jüngere Generationen attraktiver werden."
Beide Großprojekte - Sanierung und Umbau des denkmalgeschützten alten Amtshauses von 1724 und der neue Ausstellungsschwerpunkt - sind bereits vom vorherigen Vorstand auf den Weg gebracht worden. Das neue Museumsteam nimmt den Faden nun auf und spinnt ihn weiter.
40 Prozent mehr Ausstellungsfläche wird das Museum nach der Renovierung haben. Wenn alles nach Plan läuft, ist pünktlich zur Wiedereröffnung Mitte 2021 in den neu hinzugewonnenen Räumen im 1. Stock auch eine moderne Multimedia-Ausstellung zur Sturmflut von 1962 fertig. „Mich beschäftigt dieses Thema sehr, seit ich nach Hamburg gezogen bin", erzählt Holger Blank. „Gerade für Wilhelmsburg ist die Flut ja ein großer Einschnitt gewesen."

Während im Museum schon mal die Archäologen Wände und Böden anbohren, um möglicherweise auf alte Schätze in tieferen Schichten des Gebäudes zu stoßen, arbeitet der elfköpfige Vorstand kontinuierlich am Flut-Konzept. Die Ausstellung soll Raum zum Gedenken ebenso schaffen wie für die Auseinandersetzung mit dem hochaktuellen Wandel und Beständigkeit: Museum vor neuen Aufgaben Nicht nur das Gebäude wird runderneuert - auch inhaltlich und personell wagt das Museum Elbinsel Wilhelmsburg einen Neuanfang Thema Hochwassergefahr und Flutschutz in der Gegenwart. So ist, neben Fotos, Filmen und Hörstationen, zum einen eine Gedenkwand mit allen Namen der bei der Flutkatastrophe 1962 Umgekommenen geplant, zum anderen wird sich ein eigener Raum ausschließlich dem Thema „Deiche und Deichbau" widmen.
Die Museumsmacher haben sich für ihr anspruchsvolles Vorhaben fachliche Unterstützung ins Boot geholt. Noch im April wird der erste „Flutgipfel" mit Historikern, Museumsexperten und Zeitzeugen stattfinden. „Wir finden, Hamburg braucht einen festen Ort zur Erinnerung an die Sturmflut und zur Beschäftigung mit dem Thema", erklärt Gerd Nitzsche, 2. Vorsitzender und Schatzmeister des Vereins.
Es ist zum größten Teil seinem gemeinsamen Einsatz mit dem früheren Vorstand zu verdanken, dass Bund und Land für die denkmalgerechte Renovierung und Sanierung des alten Amtshauses insgesamt sechs Millionen Euro zur Verfügung stellen.
„Wir wollen und müssen uns dieser Förderung nun natürlich auch qualitativ gewachsen zeigen", sagt Nitzsche. „Das bedeutet eine Professionalisierung in allen Bereichen, angefangen bei der Ausweitung des Museumsbetriebs bis hin zur komplett neuen technischen Ausstattung."
Bedeutsam ist am Ende vor allem die inhaltliche Ausgestaltung des Museums. Dafür mussten die Aktiven zusätzliche Mittel akquirieren. 100.000 Euro sind von Spendern aus der Wirtschaft, Stiftungen und der Kulturbehörde zusammengekommen.
„Zur inhaltlichen Erweiterung gehören die Digitalisierung des Archivs, der Ausbau des museumspädagogischen Angebots und eine Neustrukturierung der vorhandenen Ausstellung", erläutert Holger Blank. Letzteres packen sie gemeinsam an: Jeder aus dem Vorstand hat sich eines Ausstellungsthemas bzw. Raumes angenommen, für dessen Neugestaltung er verantwortlich zeichnet. Unterstützung bekommen sie dabei von den Museumspädagogen aus dem Helms-Museum in Harburg.
Die Museumsmacher haben sich viel vorgenommen für die kommenden drei Jahre. Sie sind klug genug, an bestimmten Stellen Profis von außen einzubinden. Später wird es auch der einen oder anderen Honorarkraft für den laufenden Betrieb bedürfen. Grundsätzlich aber soll die Arbeit wie bisher mit Bordmitteln getan werden. „Wir bleiben ein ehrenamtlich arbeitender Verein aus Menschen, die sich mit Herzblut für ihr Museum engagieren", bekräftigt Holger Blank.

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

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Winter- / Sommerlektüre

Lesetipps aus der Bücherhalle Wilhelmsburg
Schöne Literatur:
Simone Buchholz: Mexikoring – Hamburg-Krimi
Christian Berkel: Der Apfelbaum – Familiengeschichte über drei Generationen
Mick Herron: Slow Horses – Thriller
Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen – Humor-Satire
Liv Strömquist: Der Ursprung der Liebe – Graphic Novel

Kinderbücher:
Hammesfahr, Guido: Frau Giraffe zieht um – Bilderbuch, ab 4 Jahren
Bardugo, Leigh: Das Lied der Krähen – Fantasy, ab 12 Jahren
Obrecht, Bettina: P.F.O.T.E. - Ein Ohr für alle Fälle – Tiere, ab 8 Jahren

Sachbuch:

Niki Brantmark: Lagom: der schwedische Weg zum Glück

Fröhliches Lesen wünscht das Bücherhallen-Team vom Vogelhütt endeich 45!

 

WIR- Lesetipps

 

Neujahr

Neujahr


km. Durch den anschaulichen Schreibstil kann der Leser nahezu in Echtzeit die wahnsinnigen Anstrengungen des Protagonisten miterleben. Juli Zeh schreibt detailliert, präzise und glaubwürdig. Ihre Sprache ist wenig kunstvoll, schafft aber eine spannende Atmosphäre für den Leser, der auf zwei Reisen mitgenommen wird:
eine körperlich anstrengende mit dem Fahrrad und eine Reise in Hennings Gefühlswelt.
Zwei Geschichten werden hier aus der gleichen Erzählperspektive, jedoch mit einem Zeitunterschied von 30 Jahren, geschildert. Zeh gelingt es, alltägliche Situationen durch das Erschaffen von bildlichen Darstellungen mit Gefühlen zu koppeln. Das Buch hat mich völlig gepackt, ich empfehle es gerne weiter! Auch wenn der Roman wenig Schönes in seiner Geschichte hat, ist er doch lesenswert und spannend.

Juli Zeh, Neujahr,
Luchterhand-Literaturverlag,
20 Euro

 

„ D I E I N S E L“

Die Insel

sic. Im November ist die aktuelle Jahresschrift des Museums Elbinsel Wilhelmsburg „DIE I NSEL“ erschienen.
Da es in der vorigen Museumssaison keine „INSEL“ gab, ist die vorliegende Ausgabe eine prallvolle Doppelnummer mit vielfältigen Themen aus der Historie und Kunstgeschichte Wilhelmsburgs geworden.
Gleich zwei Aufsätze widmen sich der Bildausstattung der Kreuzkirche in Kirchdorf. Die Kunsthistorikerin Ingrid Höpel erläutert anschaulich und spannend die Bedeutung der 24 Embleme im Kirchenraum. Restauratorin Bettina Heine berichtet, wie sie und zwei Kolleginnen den ursprünglichen Charakter der acht Deckengemälde aus dem Leben Jesu Christi wieder hergestellt haben.
Die kanadische Geschichtsprofessorin Carolyn Kay beschäftigt sich noch einmal detailliert mit der Interpretation der Kinder-Kriegszeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg.
Besonders gelungen ist auch Angelika Paschs Portrait über drei Generationen der Familie Brodermann - bekannt durch den Gemüse- und Obststand von Margret Hille auf den Wilhelmsburger Wochenmärkten. Alle insgesamt sieben kleinen und großen Aufsätze sind äußerst lesenswert und kurzweilig.
Das Heft ist in der Buchhandlung Lüdemann und im Museum erhältlich.

DIE INSEL 2016/17,
Hg. Museum Elbinsel Wilhelmsburg,
54 S., 6 Euro


 

 

 

 

Weihnachten im Alten Land
Ein schön gestaltetes kleines Büchlein

Weihnachten

MG. Zwei Schwestern, ein Obsthof im Alten Land und ein altes Bratapfelrezept, dazu Vorurteile, Verwicklungen und neue Lieben. Anne lebt bei ihrem Vater auf dem Obsthof, die Ehe ihrer erfolgreichen Schwester Maike ist gescheitert, die Mutter hat die Familie vor Jahren verlassen. Alle, auch die neuen Männer im Leben der Schwestern, lieben Maikes Sohn Jakob, der trotz der abwechselnden Betreuung durch die Eltern ein fröhlicher, robuster kleiner Kerl geworden ist. Die Autorin, die im Norden Hamburgs lebt, beschreibt die unterschiedlichen Schicksale, die Vorurteile gegen alles Fremde und Missverständnisse. Hat sich gegenüber Früher etwas geändert? Wird mit Weihnachtsmarktbesuch, folgen- reichen Begegnungen und dem berühmten mütterlichen Bratapfelrezept dieses Weihnachten doch noch zum wahren Fest der Liebe?

Sanne Jellings, Weihnachten im Alten Land,
Roman, rororo, Reinbek 2018,
160 Seiten, 10 Euro

 

Pelle zieht aus

Pelle


hk. Weihnachten ist gerade für Kinder eine wichtige Angelegenheit. Deshalb kommt in Astrid Lindgrens vielen Kindergeschichten über Pelle, Tomte Tummetott, Lotta, Pippi und die anderen auch immer wieder das Weihnachtsfest vor. Manchmal sind die Geschichten besinnlich.
Aber nicht selten machen die Kinder Quatsch am Weihnachtsfest und haben tolle Ideen, die nur die Erwachsenen für verrückt halten. Schließlich sind die Geschichten von Astrid Lindgren. „Es fängt mit STOLL an,“ lässt Lotta die kranke Tante über ihr Geschenk rätseln, „aber was es ist, sage ich nicht. Man kann auch sagen, dass es mit KUCH anfängt...“ Und Pippi lässt die böse Frau Finquist beim großen Weihnachtsbaumplündern in der Villa Kunterbunt abblitzen. Das Fest sei für Erwachsene verboten, „weil es nämlich nicht gesund für Große ist, Torte und Bonbons zu essen.“ Das habe ein Doktor in Amerika herausgefunden. Große Leute sollten nur gekochten Schellfisch und gedünstete Mohrrüben essen.
Die 15 schön bebilderten Geschichten eignen sich – nicht nur zum Fest – natürlich auch gut zum Vorlesen. Das Buch „Pelle zieht aus“ ist in der deutschen Ausgabe zuerst 1985 erschienen. Jetzt wurde es wieder aufgelegt. Und das wurde auch Zeit. „Ihr Kinderlein kommet!“, schrie Pippi. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Astrid Lindgren, Pelle zieht aus und andere Weihnachtsgeschichten,
Oettinger Verlag, 206 Seiten, 10 Euro

 


 

 

 

 

 

 

Die Tyrannei des Schmetterlings

Tyrannei-Cover

hk. Das neue Buch von Frank Schätzing „Die Tyrannei des Schmetterlings“ ist ein hoch spannender Thriller, in dem die Rettung der Erde, wie in seinem Bestseller „Der Schwarm“, nur möglich ist, wenn die Menschen verschwinden. „KI“, die künstliche Intelligenz des lernfähigen Superrechners „Ares“, der schon lange selbständig seine Program me entwickelt, gerät seinen Entwicklern außer Kontrolle und verfolgt einen mörderischen Plan. Der Roman beginnt als Provinzkrimi. Sheriff Luther Opoku und seine Kollegin Ruth Underwood, die es sonst mit Einbrüchen, häuslicher Gewalt und kleineren Drogendelikten zu tun haben finden eine Tote, die offenbar einen Felsen herabgestürzt ist. Sie finden heraus, dass es sich bei der Toten um eine Mitarbeiterin des IT-Unternehmens „Nordvisk“ handelt, in dem der Supercomputer „Ares“ entwickelt wird. Sie fahren dorthin.
Und bei der Verfolgung eines Verdächtigen auf dem Nordvisk-Gelände durch mysteriöse Server-Hallen findet Opoku sich – auf Seite 164 – plötzlich in einer Parallelwelt wieder – um mehrere Stunden zeitversetzt. Und nun beginnt der Science-Fiction-Thriller mit menschlichen Bösewichten, Sexrobotern, Mörderlibellen und Cyborg-Heuschrecken als lebende Datenspeicher – alles Ausgeburten des Rechners Ares, um die Erde von den Menschen zu befreien.
Frank Schätzing, Die Tyrannei des Schmetterlings,
Kiepenheuer& Witsch, 762 Seiten,
26 Euro

 

Willipedia. Ein Elbinselführer

Willipedia Cover

sic. Mehr als 500 Kinder aus Wilhelmsburg und von der Veddel haben nun schon zum zweiten Mal über die wirklich wichtigen Orte auf den beiden Elbinseln geschrieben. Die Reise geht von A wie „Abend in Wilhelmsburg“ bis Z wie „Zirkus Willibald“.
Die Kinder beschreiben ihr Wilhelmsburg und ihre Veddel wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, aus herrlich subjektiver Perspektive und mit Blick für die wesentlichen Dinge: Von wem bekommt man Bonbons geschenkt, wo kann man gut spielen und wo ist der Himmel besonders bunt?
Eine kleine Kostprobe: „Harburger Chaussee - Ich habe hier viele Freundinnen. Die Elbe ist ein schöner Ort. Es ist so schön am Deich. Ich kann mich hinsetzen und die Elbe ansehen.
Chiara“.
Maren Töbermann/Forum Bildung Wilhelmsburg (Hg.),
180 Seiten,
9,90 Euro

 

Ein spannendes Familiendrama

Buchcover

MG. „Das Baby ist tot. Wenige Sekunden haben genügt. Der Arzt hat versichert, dass es nicht leiden musste. Man hat es in eine graue Hülle gelegt und den Reißverschluss über dem verrenkten Körper zugezogen, der inmitten der Spielzeuge trieb. Die Kleine dagegen war noch am Leben, als die Sanitäter kamen. Sie hatte sich gewehrt wie eine Wilde.“ Auch sie überlebt das grausame Verbrechen der Kinderfrau Louise nicht. Louise hat den Selbstmordversuch überlebt, liegt aber fortan im Koma.
Nach diesem düsteren Ende erfahren die LeserInnen die Geschichte der Massés, die in Paris im 10. Arrondissement leben. Paul ist Musikproduzent mit wachsendem Erfolg und Myriam möchte nach dem zweiten Kind wieder in ihren Beruf zurück. Also muss eine Nanny her. Die Wahl fällt auf Louise, Anfang 40, Witwe. Zu Stéphanie, ihrer erwachsenen Tochter hat sie keinen Kontakt. Louise wird zu der von den Kindern innigst geliebten Nounou, die sich für die ganze Familie unentbehrlich macht, aber die LeserInnen spüren die Schranke, die zwischen den beiden Lebenswelten besteht. Louise bleibt in ihrem privaten Leben mit ihrer Einsamkeit, Schulden und Verlust ihrer Wohnung allein. In Louise wächst die Angst, mit zunehmendem Alter der Kinder überflüssig zu werden. Als ihre Hoffnung, für die Familie unentbehrlich zu werden, wenn Myriam noch ein drittes Kind bekommen würde, sich nicht erfüllt, zerbricht für Louise eine Welt. Leïla Slimani zeichnet die beteiligten Personen genau, so dass die LeserInnen – auch wenn es kein Krimi ist – gebannt verfolgen, wie sich das Drama entwickelt.
Die französisch-marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani lebt in Paris. Es ist ihr zweiter Roman.

Leïla Slimani, Dann schlaf auch du,
Luchterhand, 2017, 224 Seiten, 20 Euro

 

 

 

Von der Haustür in den hohen Norden

Buchcover

hk. Die Journalistin Svenja Beller und ihr Freund, der Fotograf Roman Pawlowski hatten eine einfache aber nicht alltägliche Idee für ein Reisebuch: Sie wollten von ihrer Hamburger Wohnung aus zwei Monate zu Fuß „nach Norden“ gehen. Ohne festes Ziel und festgelegte Route. Bepackt nur mit Rucksack und einem Zelt. Auch öffentliche Verkehrsmittel, Hotels und Campingplätze wollten sie meiden. Herausgekommen ist ein Buch über Landschaften und vor allem über Begegnungen mit Menschen. Die einzelnen Etappen ihrer Reise werden bestimmt durch Autofahrer (und Schiffer), die sie ein Stück mitnehmen und durch Menschen, die sie auf ihrem Grundstück zelten lassen oder ihnen gleich bei sich zu Hause ein Bett anbieten: Da ist der Student Micha, in dessen Flensburger Wohngemeinschaft sie unterkommen, und der in einer Wikingerparallelwelt lebt, Björn, der sie in Norwegen zu seiner Tante mitnimmt, oder der Eismann Fred, der sie auf der Inselgruppe der Versteraalen ganz im Norden in seinem Eiswagen mit auf die Verkaufstour nimmt und sie gerade noch rechtzeitig an der Fähre abliefert. Lauter kleine Reportage-Perlen, anschaulich und mit Witz geschrieben, illustriert mit schönen Fotos. Man möchte nach der Lektüre eigentlich gleich selbst den Rucksack packen. Einstweilen ist es in der kalten Jahreszeit aber auch ein gutes Vorlesebuch.

Svenja Beller, Roman Pawlowski, Einfach loslaufen, Dumont, 2017, 22,90 Euro

 

 

Neues Buch über Wilhelmsburger Straßen
Überblick, Geschichte und viele Bilder auf 60 Seiten

Reichsstrasse

Die Wilhelmsburger Reichsstraße im Jahr 1952.
Foto: ein

PM. Jugendstilgiebel, stuckverzierte Fassaden, in den Eingängen farbige Kacheln mit maritimen Motiven: Das ist die Fährstraße im Wilhelmsburger Nordwesten - plötzlich durchschnitten von einem Deich. Wie kam das? Geschichte liegt auf der Straße! Man muss sie nur aufheben. Auf den Elbinseln Wilhelmsburg und der Veddel sind es ungeheuer viele Geschichten. Das unterscheidet sie von fast allen Hamburger Stadtteilen.

Das Kuriose: Kaum zu glauben, Passierzettel soll eine Straße sein? Aber es stimmt. Dahinter steht eine fast vergessene Geschichte das Hamburger Hafens: Passierzettel heißt eine kleine Straße auf der Veddel - ein Hinweis auf die direkte Nachbarschaft zum Freihafen, den man nur mit dem besagten Papier betreten durfte.

Das Geläufige: Überall findet man Straßen, die an bedeutende Persönlichkeiten erinnern. Gängig als Namensgeber sind die Vorbesitzer des Geländes, die mit Land- und Grundbesitz Geschichte schrieben. Wie zum Beispiel Georg Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, dem nicht nur die Insel, sondern auch eine der Hauptstraßen ihren Namen verdankt.

Das Neue: Wilhelmsburg verändert sich, neue Straßen erzählen neue Geschichten. Etwa die von Dursun Akçam: Nach ihm ist seit 2015 ein Uferweg am Veringkanal benannt. Der türkische Schriftsteller wirkte in Wilhelmsburg lange für das Verständnis zwischen Einheimischen und Migranten.

Geschichte der Inseln erkunden:
Ungewöhnlich viele Straßennamen hier erzählen über frühere Landschaftsformen im
Grenzgebiet zwischen Fluss und Land: Der Name Pollhornbogen zum Beispiel im südwestlichen Gewerbegebiet Wilhelmsburgs geht zurück auf ‚Pullhorn‘: früheres Außengelände vor dem grünen Deich. Horn: Winkel, Ecke. Pull bedeutet Spitze. Pullhorn ist also vielleicht die spitze Ecke einer früheren Insel oder Halbinsel gewesen.

Das Alte: verschwindet. Die Wilhelmsburger Reichsstraße wird würdig verabschiedet…

Auf 60 Seiten bietet das kleine Buch einen aktuellen Überblick über alle Straßen Wilhelmsburgs und der Veddel und ihre Geschichte, reich bebildert mit 100 Fotos aus über 100 Jahren Stadtteilgeschichte. Herausgegeben von der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen, 60 Seiten, 6 Euro.

Erhältlich in der Buchhandlung Lüdemann, im Museum Elbinsel Wilhelmsburg und natürlich in der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg, HONIGFABRIK, Industriestr. 125-131, Tel. 040 42 10 39 15,
www.geschichtswerkstatt-wilhelmsburg.de. Mail: markertm@honigfabrik. de

Buch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

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