24. Jahrgang,
Ausgabe 2
Feb. / März
2018
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Süd-Kurier

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Wann... in Wilhelmsburg ?

Wo... in Wilhelmsburg ?

 

Kultur

„Menschen im Hotel“
Ohne Filter, Fake und Botox
WIR werden Dich vermissen. Zum Tod von Klaus Meise
Cordula Radtke gründete 2006 den FFC Elbinsel
Start ins Albert-Ballin-Jahr
Neues vom geplanten Deutschen Hafenmuseum
Zeichen setzen
Lesetipps aus der Bücherhalle Wilhelmsburg
Winter- / Sommerlektüre


„Menschen im Hotel“
Die Insellichtspiele auf Reisen: Kino in Hotels auf den Elbinseln. An allen März-Wochenenden

Menschen

Auch der Klassiker, die Romanverfilmung
„Menschen im Hotel“ von 1932 wird gezeigt.

Foto: Verleih

Maren Willers/Insellichtspiele. Im Hotel sein heißt: nicht zu Hause sein. Auf der Reise oder Flucht, in geheimer Mission - Hotels sind Schauplätze flüchtiger und manchmal intensiver Begegnungen, der Einsamkeit und des Verbrechens ebenso wie der Sehnsucht, der (heimlichen) Liebe und des (Selbst-)Vergessens. Auch sind Hotels Orte der Ungleichheit: Gäste, die es sich leisten können, treffen auf dienende Menschen. Die „Weltreise durchs Zimmer“ (Erich Kästner) fasziniert von jeher Filmschaffende und erfreut Kinofans mit großartigen Werken.

Die Kino-Reihe startet am Fr., 2.3.2018 im Leonardo-Hotel Stillhorn (Stillhorner Weg 40) mit dem Eröffnungsfilm „Menschen im Hotel“ (US 1932, R: Edmund Goulding, 113 Min.), einer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Vicky Baum und allererster Film mit All-Star-Cast, u.a. Greta Garbo.

Am Sa. 3.3. läuft am selben Ort die skurrile Komödie „Grand Budapest Hotel“ (UK/DE/US 2014, R: Wes Anderson, 100 Min.).
Ein Wochenende später gastieren die Insel-Lichtspiele auf der Veddel im Leonardo-Hotel Elbbrücken (vormals Gresham Carat Hotel, Sieldeich 5-7) und zeigen am Fr., 9.3. „Hotel New Hampshire“ (US/UK/CA 1984, R: Tony Richardson, 104 Min.), die turbulente Geschichte einer Hotelierfamilie nach John Irvings Roman.
Am Sa., 10.3. gibt es „Lost in Translation“ (US 2003, R: Sofi a Coppola, 97 Min.): Ein ungleiches Paar, gespielt von Scarlett Johansson und Bill Murray, begegnet sich in einem Hotel und geistert durch das nächtliche Tokio.

Die Reise geht weiter ins jüngst eröffnete Urban-Home-Hotel (Vogelhüttendeich 73): Am Fr., 16.3. läuft „Shining“ (UK/US 1980, R: Stanley Kubrick, 119 Min.) mit Jack Nicholson, laut Cinema „ein nervenzerrendes Meisterwerk - Grusel mit Grandezza: ein wahrer Meilenstein“.
Über eine Nacht im Hotel Arcade in der Elvis-Stadt Memphis geht es im Episodenfi lm „Mystery Train“ (US/JP
1989, R: Jim Jarmusch, 113 Min.) am Sa., 17.3.

Am vierten Wochenende bespielen die Insel-Lichtspiele das Jaffestudio der Inselpension (Jaffestraße 12, unter Dock 2). Der Dokumentarfilm „Chelsea Hotel“ (US 2008, R: Abel Ferrara, 88 Min.) am Fr., 23.3. setzt dem legendären New Yorker Künstlerrefugium ein Denkmal.
Zum Abschluss der Hotelfilmreihe am Sa., 24.3. müssen sich Filmfans entscheiden: Im Wohnzimmer des Jaffestudios gibt es „Four Rooms“ (US 1995, R: Allison Anders, Alexandre Rockwell, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino, 94 Min.) mit vier Hotelzimmer-Geschichten, während im intimen Ambiente eines Gästezimmers die kammerspielartige Kapitalismus-Satire „Zeit der Kannibalen“ (DE 2014, R: Johannes Naber, 93 Min.) läuft.

Alle Filme starten um 20 Uhr, Einlass ist um 19.30 Uhr,
Eintritt: 6 EUR/4 EUR ermäßigt.
Infos auf
www.insel-lichtspiele.de

 

 

 

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Honigfabrik

 

 

 

 

 

 

 

 

Ohne Filter, Fake und Botox
„Ausstellung Mode...Kunst“ in der Honigfabrik

Schönheit

Ein Kunstwerk aus der Ausstellung.
Foto: ein

hk. Das Thema haben sich die Kinder und Jugendlichen in der Hofa vor einem Jahr selber ausgedacht: „Be real“, es sollte etwas Echtes sein. Kein „fake“, keine k ü n s t l i c h e S c h ö n h e i t durch „botox“ und kein Weichzeichnen mit „filter“. Sie wollten damit auch „ein Zeichen setzen gegen den allgemeinen Konsum, Mainstream-Mode und den Zwang, teure Markenprodukte zu tragen.“
Ein Jahr lang haben sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt und Kleidungsstücke aber auch Skulpturen und Bilder entworfen. In der Gruppe von zehn Mädchen und Jungen zwischen 11 und 15 Jahren waren alte Hasen aus der Hofa-Kinderkultur aber auch Neulinge dabei. Angeleitet wurde die Gruppe von der Künstlerin Jamie Jane vom Sekwenz Kunstbetrieb. Schade nur, dass die interessanten Arbeiten nach der Ausstellung in der Honigfabrik Ende Januar erstmal wieder in Kisten und Schränken verschwunden sind.

 

 

 

 

 



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WIR werden Dich vermissen. Zum Tod von Klaus Meise
Klaus Meise, kritischer Begleiter des Wilhelmsburger InselRundblicks seit Gründung starb im Alter von 81 Jahren.

Niedersachsenhaus

MG. Eine von Klaus‘ letzten Zeichnungen: das Niedersachsenhaus. Mit solchen fein gezeichneten Bildern verzierte Klaus Meise seine Briefe, Umschläge oder Postkarten, die er schrieb.
Von Computern hielt er nichts. Früher schrieb er seine Artikel für den Wilhelmsburger InselRundblick auf einer Schreibmaschine. Und die Rätsel, mit denen er seit Jahren den WIR versorgte, schmückte er gern mit zur Lösung passenden Zeichnungen. Zum Glück für unsere Rätselfreundinnen und -freunde, war er sehr produktiv und wir haben noch einige seiner Rätsel auf Vorrat.
Klaus hat den Wilhelmsburger InselRundblick immer kritisch begleitet, mal mit Lob, aber er konnte auch böse werden, wenn WIR seiner Meinung nach Blödsinn machten oder nicht das berichteten, was er für wichtig hielt. Doch wir wussten, dass er trotz mancher Kritik immer stolz auf den Wilhelmsburger InselRundblick war, die älteste Stadtteilzeitung Hamburgs.
Zu seinem 80. Geburtstag im Mai 2016 konnten WIR ihm gratulieren und aus seinem erfüllten Leben berichten, das er seit 1974 mit seiner Karin teilte.
Sein Lob, aber auch sein Tadel werden uns fehlen.
Unser Beileid gilt seiner Frau Karin.
Die Redaktion

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Cordula Radtke gründete 2006 den FFC Elbinsel
Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte würdigte ihr ehrenamtliches Engagement für den interkulturellen Verein mit dem Ehrenpreis

C. Radtke

Mädchen- und Frauenfußball liegt ihr am Herzen: Cordula Radtke.
Bild: MG

MG. Ein Vollzeitjob als Diplom-Betriebswirtin reicht ihr nicht. Nicht nur dass sie in ihrer Firma ehrenamtliche Vertrauensperson für Schwerbehinderte ist, nein sie lebt auch noch für den Frauenfußball. Sie kümmert sich als ausgebildete Trainerin und Sportmanagerin um ihre „Mädels“ beim 1. Frauen-Fußball-Club Elbinsel Hamburg-Wilhelmsburg v. 2006 e. V. Sie hat diesen Club 2006 gegründet, damit der Mädchenfußball nicht weiter nur eine Nebenrolle zum „Jungsfußball“ spielen sollte. Und wäre das nicht schon mehr als genug, beteiligt sie sich auch noch an Veranstaltungen zur Stadtteilentwicklung auf Wilhelmsburg. Hier achtet sie besonders darauf, dass genügend Sportplätze in den neuen Wohnvierteln vorgesehen werden.
Die Dresdnerin Cordula Radtke kam 2002 mit ihren beiden Töchtern nach Harburg, wo sie immer noch wohnt. Durch die jüngere Tochter, die inzwischen Schiedsrichterin ist, kamen sie und ihr Mann zum Frauenfußball. Ihr Mann Trygve unterstützt sie bei ihrem Ehrenamt als Leiter im Schiedsrichterbereich. Das Paar hat zusammen fünf erwachsene Kinder.
Der FFC kümmert sich nicht nur um den Mädchen- und Frauenfußball, sondern hilft auch bei Problemen. So wird Hausaufgabenhilfe angeboten und – falls erforderlich – Begleitung von der Schule zum Sportplatz und wieder nach Hause.
Cordula Radtke würde für die vielfältigen Aufgaben gerne noch weitere Ehrenamtliche begrüßen und freut sich auf viele weitere Mitspielerinnen.

Anfragen zu den Trainingszeiten, ehrenamtlichen Aufgaben und die Turniere beantwortet Cordula Radtke gern unter Tel. 017648790431 oder per Mail an trygve.radtke@hamburg.de.

 

 

 

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Start ins Albert-Ballin-Jahr
Namensgeber des Auswanderermuseums starb 1918

Ballin

Albert Ballin und die Freiheitsstatue in New York City.
Foto: ein

PM. Am 9. November 1918 starb Albert Ballin, der Namensgeber des Auswanderermuseums Hamburg. Sein Leben hat nicht nur bedeutende Spuren in Hamburg hinterlassen, sondern auch das Geschehen in ganz Deutschland und Europa geprägt. Diesem Schaffen fühlt sich das Auswanderermuseum BallinStadt verpflichtet. Anlässlich seines 100. Todesjahres wird Albert Ballin das Museum noch deutlicher prägen als in den Jahren zuvor. So sind für die kommenden Monate eine Sonderausstellung zum vielschichtigen Leben des berühmten Reeders, Vorträge, Führungen und Sonderveranstaltungen geplant. Den Anfang macht zunächst eine Infobox auf der Webseite der BallinStadt (www.ballinstadt.de), die ab dem 9. November online sein wird. Anekdoten, Erinnerungen, Zeitzeugen und Wegbegleiter Albert Ballins werden hier in den kommenden 365 Tagen ein lebendiges Bild eines Mannes zeichnen, der nicht nur als der Erfinder der Kreuzfahrten und Schöpfer der Auswandererhallen gilt.

Johann Heinrich Graf Bernstorff:
„Die geniale Persönlichkeit war eine der bedeutendsten, wenn nicht die bedeutendste des wilhelminischen Zeitalters.“


Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, als jüngstes von 13 Geschwistern einer dänisch-jüdischen Kaufmannsfamilie, übernahm Albert Ballin schon früh Verantwortung. Nach dem Tod seines Vaters 1874 musste Ballin mit 17 Jahren in die von Ballin sen. gegründete kleine Auswandereragentur Morris & Co. einsteigen. Die Firma vermittelte Auswanderungswilligen Schiffspassagen nach England und weiter nach Nordamerika. Sein früher Geschäftserfolg, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, machte die HAPAG auf ihn aufmerksam. 1886 stieg Albert Ballin bei der Reederei ein und baute das Passagegeschäft aus. Bereits 13 Jahre später wurde er Generaldirektor des Unternehmens. Auch der Bau der Auswandererhallen auf der Veddel, die 1901 feierlich eröffnet wurden, war sein Verdienst.
Sein Konzept, zur besseren Schiffsauslastung im Winter Kreuzfahrten ins Mittelmeer und später auch zu anderen Zielen anzubieten, hatte ebenfalls großen Erfolg. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere machte Ballin die HAPAG zur größten Reederei der Welt.
Als begnadeter Geschäftsmann, Diplomat und Mensch hochgeachtet, gleichzeitig als „Kaiserjude“ verspottet, blieb er mit seiner ungewöhnlichen und vielschichtigen Persönlichkeit immer auch ein ruheloser Außenseiter. Er sah früh die Katastrophe des Ersten Weltkriegs, die auch zu einer Katastrophe für die HAPAG werden sollte, kommen. Allerdings reichte sein politischer Einfluss nicht aus, Berlin von seiner friedensbedrohlichen und englandfeindlichen Politik abzubringen. Ballin fühlte sein Lebenswerk zerstört – zwei Tage vor Kriegsende, am 9. November 1918, beging er, so nimmt man an, Selbstmord.

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

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Neues vom geplanten Deutschen Hafenmuseum
Ursula Riechenberger wird Chefi n auch des neuen Museums. Die Kulturbehörde gibt das
Ergebnis der Standortanalyse bekannt - zwei Standorte kommen in Frage

Hafenkräne

Kräne am Kai der 50er Schuppen, dem Standort des jetzigen Hafenmuseums: Güterumschlag zu Stückgutzeiten. Noch gar nicht so lange her und doch schon
wieder museal.
Foto: hk

hk. Ende des Jahres war das geplante Deutsche Hafenmuseum nach längerer Pause wieder in den Schlagzeilen. Einmal
wurde Ursula Richenberger, die bisherige Leiterin des Hafenmuseums an den 50er Schuppen, am Ende des internationalen Ausschreibungsverfahrens zur Projektleiterin des „großen“ Museums ernannt. Sicher eine gute Entscheidung gerade auch im Hinblick auf die Weiterentwicklung und Umsetzung des Museumskonzepts, das rund um die 50er Schuppen in den letzten Jahren erarbeitet wurde (siehe auch WIR 5/2016).
Kurz vor Weihnachten gab dann Kultursenator Brosda den aktuellen Stand der Standortsuche für das künftige Deutsche Hafenmuseum bekannt – mit einer Überraschung: Geprüft wurden zuletzt noch drei mögliche Orte, darunter auch die 50er Schuppen, die unter anderem von der Fachwelt als „authentischer Ort“ favorisiert werden.

Zwei dieser Orte scheiden jetzt aus verschiedenen Gründen ganz aus. Auch die 50er Schuppen werden als problematisch angesehen, wegen der schlechten Erreichbarkeit und der störfallrechtlich bedenklichen Nähe zu Betrieben, in denen Gefahrgut gelagert wird. Hingegen wurde eine neuen Lösung ins Spiel gebracht: Eine Kombination aus einem Standort auf dem Gelände des ehemaligen Überseezentrums südlich der Elbbrücke und den 50er Schuppen als kleinerem Zweitstandort.
„Die Standortpotentialanalyse hat als Ergebnis, dass zwei Standorte in Frage kommen,“ sagte Ursula Richenberger dem
WIR. „Deshalb ist eine Entscheidung tatsächlich noch nicht gefallen. Das ehemalige Überseezentrum und die 50er Schuppen sollen nun noch detaillierter geprüft werden. Das bedeutet z.B., dass die Kosten genauer recherchiert werden, aber auch, welche Bauauflagen durch die Gefahrstoffbetriebe und die Hafenwirtschaft im direkten Umfeld existieren.“ Die Kombinationslösung sei eine realistische Variante, da von beiden Standorten die Vorteile genutzt werden könnten, aber gewisse Nachteile des jeweiligen Standorts durch den anderen aufgehoben würden. An den 50er Schuppen bestehe die einmalige Möglichkeit, an einem authentischen Ort die Dimension des Güterumschlags zur Stückgutzeit anschaulich zu machen. Außerdem sei der Bremer Kai eine hervorragender Liegeplatz für die „Peking“. Es sei auch die Variante 50er Schuppen als zentraler Standort noch offen, eine positive Klärung der störfallrechtlichen Situation vorausgesetzt.

Man sei aber, so Senator Brosda, mit dem aktuellen Ergebnis jetzt schon einen großen Schritt weiter. Die Entscheidung für ein solches Millionenprojekt brauche eben seine Zeit. Voraussichtlich im zweiten Quartal des Jahres soll dann endgültig feststehen, wo das Deutsche Hafenmuseum seinen Platz – oder seine Plätze – findet.
Eine gute Nachricht kam dann noch aus Wewelsfleeth, wo die „Peking“, das kommende Wahrzeichen des Museums, auf
der Werft liegt. Ihr stählerner Rumpf ist nach ersten Untersuchungen doch nicht so rott, wie zunächst angenommen wurde, und kann eventuell ganz oder teilweise erhalten bleiben. Mit Glück könnte die Peking also doch noch als Original und nicht nur als Nachbau in ihren Heimathafen zurückkommen.

 

 

 

 

 

 

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Zeichen setzen
Johannes L.M. Koch schafft mit Jugendlichen Kunstprojekt

Skulpturen

Die Winkzeichen vom IBA-Dock aus betrachet:
H A L L O steht dort geschrieben.
Die fünf Skulpturen wurden von Jugendlichen gemacht.

Fotos: han, ipy


ipy. Im Haus der Projekte „die mügge“ hat der Hamburger Künstler Johannes L.M. Koch mit Jugendlichen der Schulen Veddel und Wilhelmsburg eine Skulptur geschaffen. Der Stahlbildhauer hat die Jugendlichen dabei mit grundlegenden Techniken des Metallarbeitens wie u.a. Schweißen, Sägen und Biegen vertrauter gemacht. Die Jugendlichen befinden sich zwischen Schule und Berufsausbildung und können sich nun auch mit dieser Projektarbeit bei möglichen Ausbildungsstellen bewerben. Das Projekt umfasste einen Zeitraum von über sechs Monaten. In dieser Zeit sind Jugendliche, die an dem Projekt beteiligt waren, in Ausbildung gegangen und andere konnten in das Projekt einsteigen.

Nun stehen fünf Skulpturen am Ufer des Müggehafens, die wasserseits Buchstaben im Winkeralphabet der Seeleute zeigen. Die Auseinandersetzung mit Kommunikation und Sprache, Verständigung und die Entschlüsselung von anfänglich ungeübten Symbolen ist der künstlerische Anteil der Stahlkonstruktionen. Hamburg war durch seinen Handel und den Hafen stets ein Schmelztiegel unterschiedlicher Sprachen und andernorts gebräuchlicher Symbole. Und heute stehen auch die Veddel und Wilhelmsburg für Stadtteile des neu Ankommens, neue Symbole und Sprache zu erlernen, lernen zu verstehen und sich verständlich zu machen.

Skulpturen

Am Ufer des Müggehafens kann man sich die Skulpturen aus der Nähe ansehen.

Seit dem 10. Oktober ist das Werk, an dem die Jungs und Mädchen gearbeitet und einige Hürden dabei gemeistert haben, für uns begehbar: in der Packersweide 7.



 

 

 

 

 

 

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Lesetipps aus der Bücherhalle Wilhelmsburg


Belletristik für Erwachsene:


„Die drei Sonnen“ von Cixin Liu (Science Fiction)
„Die Jahrhundert-Triologie“ von Carmen Korn (Geschichte, Frauen)
„Der Winter Kaiser“ von Katherine Addison (Fantasy)
„Der Schwimmer“ von Joakim Zander (Thriller)
„Die Flüsse von London“-Reihe von Ben Aaronovich (Mystery)


Kinderbücher:

„Gregs Tagebuch“ Bd.12 von Jeff Kinney
„Asterix in Italien“
„Das Sams feiert Weihnachten“ von Paul Maar

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

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Winter- / Sommerlektüre

Ein spannendes Familiendrama

Buchcover

MG. „Das Baby ist tot. Wenige Sekunden haben genügt. Der Arzt hat versichert, dass es nicht leiden musste. Man hat es in eine graue Hülle gelegt und den Reißverschluss über dem verrenkten Körper zugezogen, der inmitten der Spielzeuge trieb. Die Kleine dagegen war noch am Leben, als die Sanitäter kamen. Sie hatte sich gewehrt wie eine Wilde.“ Auch sie überlebt das grausame Verbrechen der Kinderfrau Louise nicht. Louise hat den Selbstmordversuch überlebt, liegt aber fortan im Koma.
Nach diesem düsteren Ende erfahren die LeserInnen die Geschichte der Massés, die in Paris im 10. Arrondissement leben. Paul ist Musikproduzent mit wachsendem Erfolg und Myriam möchte nach dem zweiten Kind wieder in ihren Beruf zurück. Also muss eine Nanny her. Die Wahl fällt auf Louise, Anfang 40, Witwe. Zu Stéphanie, ihrer erwachsenen Tochter hat sie keinen Kontakt. Louise wird zu der von den Kindern innigst geliebten Nounou, die sich für die ganze Familie unentbehrlich macht, aber die LeserInnen spüren die Schranke, die zwischen den beiden Lebenswelten besteht. Louise bleibt in ihrem privaten Leben mit ihrer Einsamkeit, Schulden und Verlust ihrer Wohnung allein. In Louise wächst die Angst, mit zunehmendem Alter der Kinder überflüssig zu werden. Als ihre Hoffnung, für die Familie unentbehrlich zu werden, wenn Myriam noch ein drittes Kind bekommen würde, sich nicht erfüllt, zerbricht für Louise eine Welt. Leïla Slimani zeichnet die beteiligten Personen genau, so dass die LeserInnen – auch wenn es kein Krimi ist – gebannt verfolgen, wie sich das Drama entwickelt.
Die französisch-marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani lebt in Paris. Es ist ihr zweiter Roman.

Leïla Slimani, Dann schlaf auch du,
Luchterhand, 2017, 224 Seiten, 20 Euro

 

Reich und Arm

Buchcover

kdm. In dem Buch machen sich die Freundinnen Rachel und Allison auf eine Reise in das fremde, irreale Herz Großbritanniens. Irreal, befremdlich - genauso wird diese Reise auch! Die Frauen erleben auf ihren Lebenswegen sowohl die gut gestellten, versorgten Kreise als auch die erfolglose, abhängige Bevölkerung. Der Roman blickt so auf die beiden Enden der Gesellschaft: Der Hybris der Reichen stehen die Kümmernisse der Armen gegenüber. Menschen in Extrempositionen an beiden Enden werden beschrieben.
Die Geschichte spielt in Großbritannien, ist aber in jedes westlich wohlversorgte Land übertragbar. Das Buch ist eine gute Empfehlung für all jene, die eine Beschreibung extremer Alltagssituationen aushalten können.

Nummer 11,
Jonathan Coe
Folio Verlag 2017, 24 Euro

 

Von der Haustür in den hohen Norden

Buchcover

hk. Die Journalistin Svenja Beller und ihr Freund, der Fotograf Roman Pawlowski hatten eine einfache aber nicht alltägliche Idee für ein Reisebuch: Sie wollten von ihrer Hamburger Wohnung aus zwei Monate zu Fuß „nach Norden“ gehen. Ohne festes Ziel und festgelegte Route. Bepackt nur mit Rucksack und einem Zelt. Auch öffentliche Verkehrsmittel, Hotels und Campingplätze wollten sie meiden. Herausgekommen ist ein Buch über Landschaften und vor allem über Begegnungen mit Menschen. Die einzelnen Etappen ihrer Reise werden bestimmt durch Autofahrer (und Schiffer), die sie ein Stück mitnehmen und durch Menschen, die sie auf ihrem Grundstück zelten lassen oder ihnen gleich bei sich zu Hause ein Bett anbieten: Da ist der Student Micha, in dessen Flensburger Wohngemeinschaft sie unterkommen, und der in einer Wikingerparallelwelt lebt, Björn, der sie in Norwegen zu seiner Tante mitnimmt, oder der Eismann Fred, der sie auf der Inselgruppe der Versteraalen ganz im Norden in seinem Eiswagen mit auf die Verkaufstour nimmt und sie gerade noch rechtzeitig an der Fähre abliefert. Lauter kleine Reportage-Perlen, anschaulich und mit Witz geschrieben, illustriert mit schönen Fotos. Man möchte nach der Lektüre eigentlich gleich selbst den Rucksack packen. Einstweilen ist es in der kalten Jahreszeit aber auch ein gutes Vorlesebuch.

Svenja Beller, Roman Pawlowski, Einfach loslaufen, Dumont, 2017, 22,90 Euro

 

Dat hebbt wi geern

Buchcover

sic. Ein Hamburg-Buch? Ja. Ein Wörterbuch? Irgendwie schon. Ein Bilderbuch? Unbedingt.
Das Büchlein „so un annersrüm – das kleine Hamburg-Buch der Gegensätze“ ist durch und durch bildlich gestaltet. Mit gezeichneten Hamburgensien werden Gegensatzpaare plattdeutscher Vokabeln illustriert. So sehen wir zu den Worten „groot“ und „lütt“ einen hochbeladenen Containerriesen und daneben den kleinen Schlepper. Wir sehen lange HVV-Gelenkbusse und kurze Wasserstoffbusse (lang/kort), die Laeisz-Halle und die Elfi (na, raten Sie mal!). Grafik und Bilder stehen immer in einem augenzwinkernden Zusammenhang mit dem Inhalt. Es macht Spaß, das an zugucken. Die Zeichnungen sind ein wenig kindlich, wie es derzeit Mode ist, besitzen aber durchaus doppelbödige Details. Klang und Emotionalität des Niederdeutschen werden durch die Auswahl der einzelnen Wörter spürbar. Eine hübsche Aufmerksamkeit zu Weihnachten für liebe Menschen.

Tanja Esch, so un annersrüm,
Junius-Verlag, 2017, 12 Euro

 

Erkenntnisgewinn garantiert

Buchcover

sic. Das Hamburger Architektur-Jahrbuch 2017/18, wie immer herausgegeben von der Hamburgischen Architektenkammer und erschienen im Hamburger Junius-Verlag, ist ein gewichtiger, großformatiger Band mit vielen Abbildungen. Wer mit offenen Augen durch Hamburg geht und die Neubauten der vergangenen Jahre betrachtet, wird nicht umhin kommen festzustellen, dass die ästhetische Gestaltung des Buches seinen Gegenstand in so manchem Fall
überflügelt.
Wie immer man zur Hamburger Architektur und Stadtplanung stehen mag, das Jahrbuch bietet unzweifelhaft wichtige Einblicke. Es geht darin nicht nur um die Erläuterung aktueller Bau-Ideen von 2017/18. In interessanten Aufsätzen nehmen sich Fachleute auch bestimmter Themen an, zum Beispiel dem Moschee-Bau und seiner Bedeutung, der Schularchitektur oder der aktuellen Kontroverse um das serielle Bauen. Gerade die thematischen Beiträge bieten in ihrer Zusammenschau neue Perspektiven auf Hamburgs Baukultur.

Architektur in Hamburg, Jahrbuch 2017/18,
Hg. Hamburgische Architektenkammer,
Junius-Verlag, 2017, 39,90 Euro

 

„Ökoroutine“

Ökoroutine

hk. Der Titel „Ökoroutine“ lässt erstmal ein dröges Sachbuch vermuten. Der Autor, Michael Kopatz, ist Wissenschaftler am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie.
Er war 2008 Mitverfasser der Studie „Zukunftsfähiges Hamburg“. Thema des Buches ist die Nachhaltigkeit: Was müssen wir tun oder lassen, um Umweltzerstörung, Ressourcenverschwendung, globale Erwärmung zu stoppen. Was er schreibt ist alles nicht neu, wie der Autor selber sagt. Das Besondere ist, dass nicht Appelle für individuelle Verhaltensänderung im Mittelpunkt stehen. Kopatz beschreibt vielmehr die nötigen strukturellen Maßnahmen und – auch unbequeme – Gesetzesvorgaben als Voraussetzung dafür, dass nachhaltiges Leben zum selbstverständlichen Alltag werden könnte – zur Ökoroutine.
Schon im ersten Kapitel wird klar, dies ist kein dröges Sachbuch. Kopatz wirbt engagiert, mit vielen anschaulichen Beispielen und mit Witz für die Sache. In elf Kapiteln u.a. zu den Themen Essen, Wohnen, Verkehr, Wirtschaft macht er konkrete Vorschläge, wie schon mit vergleichsweise kleinen Fördermaßnahmen und Gesetzesänderungen Schritte zur „Ökoroutine“ gemacht werden könnten. In jedem Abschnitt führt er Beispiele für positive Schritte an, die bei uns oder im Ausland in dieser Richtung schon gemacht wurden. Und er lässt auch keinen Zweifel daran, dass dafür oft gekämpft werden musste und ein langer Atem notwendig war. Man muss nicht alle Vorschläge teilen, die Kopatz macht, ein wichtiger Ansatz ist das Konzept Ökoroutine allemal.
Für die Wilhelmsburger, die nach den Plänen des Senats demnächst die A26 vor ihrer Haustür haben sollen, ist im Besonderen natürlich das Kapitel über den Verkehr interessant. Die Argumente des Bündnisses Verkehrswende gegen die Autobahn finden sich hier wieder, weitere interessante Punkte kommen hinzu: Von der Streichung des Dienstwagenprivilegs, das den Verkauf der meisten Oberklassewagen begünstigt über die Förderung von Carsharing, die Stärkung der Nahversorgung zur Vermeidung unsinniger Ferntransporte bis zum „Gott-sei-bei-uns“ von HVV und Verkehrssenator: dem kostenlosen Bürgerticket. Das Ticket war auch schon der Aufreger in der Studie von 2008.

Ökoroutine, Michael Kopitz, oekom-Verlag, Wuppertal-Institut,
München 2016, 24,95 Euro

 

Rückkehr nach Reims von Didier Eribon

Klaus-D Müller. In Frankreich stehen die Präsidentschaftswahlen an und Marine Le Pen könnte Präsidentin werden. Als Europäer interessiere ich mich für den mir nicht sehr bekannten Nachbarn Frankreich. Ausgiebige Informationen bietet dazu die Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb). Bei dem Versuch die Besonderheiten zu verstehen wird auf
einen Roman verwiesen. Die bpb bietet das Buch auch direkt zum Kauf an.
Der Soziologe Didier Eribon verließ seine Heimat in der Champagne als sehr junger Mann. Der Sohn einer Arbeiterfamilie wurde in Paris zum bekannten Intellektuellen und grenzte sich bewusst von seinem Herkunftsmilieu ab - verleugnete es im Bemühen um soziale Anerkennung sogar. Jahrzehnte später kehrt er in seine Heimatstadt Reims zurück. Dies nimmt er zum Anlass für eine autobiografische Aufarbeitung seiner Lebensgeschichte, die er mit einer soziologischen Analyse seines Herk unftsmilieus verknüpft.
Eine seiner dringlichsten Fragen: War um wenden sich Schichten, die traditionell Wähler linker Parteien und Unterstützer linker Politik waren, nun in großer Anzahl rechtsextremen Kräften wie dem „Front National“ zu? Zwar waren, wie Eribon auch an seiner eigenen Biografie veranschaulicht, Homophobie, Fremdenhass und verfestigte Einstellungen in der Arbeiterschicht und darüber hinaus immer schon latent vorhanden, doch sie dr ückten sich bisher nicht in starkem Zuspruch zu rechtsextremen Kräften aus. Eribon erklärt diesen Umschwung unter anderem mit Klassenunterschieden, veränderten ökonomischen Bedingungen und Versäumnissen linker Politik.
So erlangt seine Gesellschaftsanalyse auch weit über die Grenzen Frankreichs hinaus Gültigkeit. Und richtig: man bekommt eine Vorstellung vom System der schulischen Bildung und warum es nur theoretisch „allen freien Bürgern“ die bestmöglichen Bildungschancen bietet. Also empfohlen für das Bildungssystem und die Klassenunterschiede in Frankreich. Wir erinnern uns an die Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Lizenzausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung
ISBN 978-3-7425-0005-2, 4,50€

www.bpb.de

 

 

Wörter an die Macht

Buch

hk. Vor fünf Jahren erschien schon einmal ein kleines Buch „Wörter an die Macht“. Damals war es das Endprodukt eines Geschichtenseminars mit SchülerInnen von den Elbinseln.
Initiiert vom „Förder werk Elbinseln e.V.“. Das neue Projekt „Wörter an die Macht 2014“ wandte sich an Menschen unterschiedlichen Alters. „Die jüngste Teilnehmerin war 16, der älteste 75 Jahre alt,“ schreiben die Projektleiter Jörg Ehrnsberger und Thorsten Stegemann im Vorwort des Buches. Es gab SchreibanfängerInnen und Profis, geborene und zugezogene WilhelmsburgerInnen. Eine Asylbewerberin musste nach der Hälfte des Projekts ausreisen. Herausgekommen ist eine Sammlung ganz unterschiedlicher Texte vom nüchter nen Bericht über den Nachteinsatz eines Deichwarts bis zur feinen Kurzstory über ein Mädchen, das nicht nein sagen konnte. Es gibt Lustiges: eine Frau von der Bauaufsicht fällt in der Soul-Kitchen-Halle von der Leiter; auf einem Hinterhof spielen die Kinder Zirkus Krone.

Und es gibt Anrührendes: Eine alte Türkin, die so sehr den Garten in ihrem Dorf vermisst, findet per Zufall den interkulturellen Garten. Es gibt Geschichten über Konflikte mit und ohne Happyend, und natürlich gehört eine (Fast-) Kneipenschägerei auch dazu. Die Herausgeber laden die Leser von außerhalb dazu ein, mit dem Buch einen neuen Blick auf die – exotischen – Elbinseln zu entwickeln. Man kann „Wörter an die Macht“ aber auch einfach als gute Geschichten aus dem ganz normalen Leben lesen.

Wörter an die Macht, Hg. Edmund Siemers und Michael Seufert,
Förderwerk Elbinseln e.V.
148 Seiten, 13,50 Euro

 

Neues Buch über Wilhelmsburger Straßen
Überblick, Geschichte und viele Bilder auf 60 Seiten

Reichsstrasse

Die Wilhelmsburger Reichsstraße im Jahr 1952.
Foto: ein

PM. Jugendstilgiebel, stuckverzierte Fassaden, in den Eingängen farbige Kacheln mit maritimen Motiven: Das ist die Fährstraße im Wilhelmsburger Nordwesten - plötzlich durchschnitten von einem Deich. Wie kam das? Geschichte liegt auf der Straße! Man muss sie nur aufheben. Auf den Elbinseln Wilhelmsburg und der Veddel sind es ungeheuer viele Geschichten. Das unterscheidet sie von fast allen Hamburger Stadtteilen.

Das Kuriose: Kaum zu glauben, Passierzettel soll eine Straße sein? Aber es stimmt. Dahinter steht eine fast vergessene Geschichte das Hamburger Hafens: Passierzettel heißt eine kleine Straße auf der Veddel - ein Hinweis auf die direkte Nachbarschaft zum Freihafen, den man nur mit dem besagten Papier betreten durfte.

Das Geläufige: Überall findet man Straßen, die an bedeutende Persönlichkeiten erinnern. Gängig als Namensgeber sind die Vorbesitzer des Geländes, die mit Land- und Grundbesitz Geschichte schrieben. Wie zum Beispiel Georg Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, dem nicht nur die Insel, sondern auch eine der Hauptstraßen ihren Namen verdankt.

Das Neue: Wilhelmsburg verändert sich, neue Straßen erzählen neue Geschichten. Etwa die von Dursun Akçam: Nach ihm ist seit 2015 ein Uferweg am Veringkanal benannt. Der türkische Schriftsteller wirkte in Wilhelmsburg lange für das Verständnis zwischen Einheimischen und Migranten.

Geschichte der Inseln erkunden:
Ungewöhnlich viele Straßennamen hier erzählen über frühere Landschaftsformen im
Grenzgebiet zwischen Fluss und Land: Der Name Pollhornbogen zum Beispiel im südwestlichen Gewerbegebiet Wilhelmsburgs geht zurück auf ‚Pullhorn‘: früheres Außengelände vor dem grünen Deich. Horn: Winkel, Ecke. Pull bedeutet Spitze. Pullhorn ist also vielleicht die spitze Ecke einer früheren Insel oder Halbinsel gewesen.

Das Alte: verschwindet. Die Wilhelmsburger Reichsstraße wird würdig verabschiedet…

Auf 60 Seiten bietet das kleine Buch einen aktuellen Überblick über alle Straßen Wilhelmsburgs und der Veddel und ihre Geschichte, reich bebildert mit 100 Fotos aus über 100 Jahren Stadtteilgeschichte. Herausgegeben von der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen, 60 Seiten, 6 Euro.

Erhältlich in der Buchhandlung Lüdemann, im Museum Elbinsel Wilhelmsburg und natürlich in der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg, HONIGFABRIK, Industriestr. 125-131, Tel. 040 42 10 39 15,
www.geschichtswerkstatt-wilhelmsburg.de. Mail: markertm@honigfabrik. de

Buch

 

 

 

 

 

 

 

Käsebier erobert den Kurfürstendamm


sic. Dieses Buch hören Sie beim Lesen. Großstadtlärm, Stille in den Seitenstraßen, den schwungvoll-ungehobelten Gesang des Varietésängers Käsebier, Schritte, Schreibmaschinen, Stimmen ... Und Sie sehen sie vor sich, die unterschiedlichen Menschen: die unglücklich verliebte Redaktionssekretärin, den Untermieter, den Baulöwen, den Bankier und seine Gattin. Sie sehen auch Schreibtische mit mehr oder weniger wichtigen Männern dahinter, den Setzer in seiner Setzerei, armselige Zimmer und prächtige Wohnungen, das billige Varieté und das noble.
Die wiederentdeckte Geschichte vom medial hochgejubelten Sänger Käsebier und allen, die an diesem zweifelhaften Ruhm partizipieren möchten, spielt im Berlin am Ende der Weimarer Zeit. Die Themen der rasanten Geschichte sind aktueller denn je: Es geht um die Definition von „Kunst“, um Prominenz, Stars und Sternchen und um einen mittelmäßigen Unterhalter, der zum Künstler hochgehypt wird. Es geht um den Verlust von Qualitätsjournalismus zugunsten von Wirtschaf tlichkeit, um Wohnungsnot und Wohnungsbau, Abstiegsängste, Verarmung und abgehobene Superreiche.
Das Ganze ist höchst witzig und intelligent erzählt. Die Autorin Gabriele Tergit war Journalistin in Berlin und Deutschlands erste Gerichtsreporterin. Sie schreibt im Reportageton, schnell, farbig, direkt, erweckt mit wenigen Worten ganze Szenerien und Milieus zum Leben. Zwischendrin findet sie fast lyrische Bilder, erinnert darin an ihre Zeitgenossin Mascha Kaléko. Den Grundton bildet eine feine, ironische Distanz.
Grandios sind auch die Dialoge. Über weite Strecken benötigt die Autorin überhaupt keine näheren Beschreibungen des Sprechens, es heißt einfach nur „sagte Margot“ oder „fragte Oberndorfer“, oft noch nicht einmal das. Denn die wörtliche Rede hat bei Gabriele Tergit alles schon in sich, sie charakterisiert die Personen, lebendig und individuell, und den Ton ihrer Unterhaltung.
Allein wegen der wundervollen Sprache, macht es Riesenspaß, dieses Buch zu lesen. Doch auch alle, die einfach nur gute Geschichten wollen, kommen auf ihre Kosten. Denn man wird mitgerissen wie die Figuren selbst, wander durch die unterschiedlichen Großstadtmilieus und bekommt en passant auch eine ganze Menge mit über das Ende der Weimarer Republik.
Als der Roman 1931 herauskam, war er ein großer Erfolg. Gabriele Tergit emigrierte 1933 nach Palästina, zog 1983 nach London, wo sie bis zu ihrem Tod 1982 lebte.

Käsebier erobert den Kurfürstendamm,
Gabriele Tergit,
Schöffling & Co., 398 Seiten, 24,95 Euro

 

 

 

 

 

Club der Töchter*

Buch


pv. Natasha Fennells Mutter kommt schwer erkrankt ins Krankenhaus. Natasha fragt sich, ob sie ihr wohl eine gute Tochter ist. Was möchte sie noch mit ihr unternehmen, ihr sagen oder sie fragen? Ihre Gedanken for muliert sie in einer Kolumne, auf die sie zahlreiche Resonanzen unterschiedlichster Frauen bekommt.
Gemeinsam mit Róisín Ingle gründet Fennells mit neun Frauen den Club der Töchter. Aus diesen Gesprächen entsteht ein Buch, in dem die Frauen über von ihren persönlichen Geschichten und Beziehungen zu ihren Müttern erzählen. Dabei wird schnell klar: Jede von ihnen möchte etwas verbessern, der Mutter Zeit oder Aufmerksamkeit schenken oder Dankbarkeit aussprechen.
Dieses Buch erhält durch die persönlichen Geschichten und Kommentare der Autorinnen einen Sachbuchcharakter. Doch es ist kein Ratgeber mit konkreten Vorschlägen, sondern ein eher individuelles Stimmungsbild jeder der Frauen und ihres Mutter-Tochter-Verhältnisses.
Man liest die Berichte und ist zum Teil erfreut, erschrocken, traurig und tief berührt. „Club der Töchter“ behandelt ein Thema, über das sich vielleicht die meisten Frauen wenig Gedanken machen, das aber fast jede Frau früher oder später beschäftigen wird: War/bin ich meiner Mutter eine gute Tochter? Oder im schlimmsten Fall: Wieso denke ich erst jetzt darüber nach, wo sie tot ist? Ein bewegendes Buch mit unterschiedlichen Aspekten, die man selbst so nicht erlebt haben muss, die aber nachdenken lassen über das eigene Verhältnis zur Mutter.

Natasha Fennell, Róisín Ingle: Club der Töchter,
240 Seiten, Ki-Wi-Verlag, 2016 ,9.99 Euro, ISBN 978-3-462-04873-5

 

Coolman

Coolman und ich. Ab in die Schule!*

sic. Da hat die Jury des Preuschhofpreises tatsächlich ein super Buch auf den 1. Platz gewählt! Die Thematik „Einschulung“ wird hier einfach als Grundlage für eine lustige, anarchische Geschichte über Kinder und Schule genutzt.
Der Ich-Erzähler Kai betritt die neue Institution an der Seite seiner besorgt-aufgeregten Eltern und seines unsichtbaren Kumpels Coolman. Coolman will immer nur Aufmerksamkeit, Spaß und die Bonbons aus Kais Schultüte haben. Die schulischen Abläufe demontiert er nach Herzenslust.
Das macht soviel Spaß, dass auch ErstleserInnen, die ihre Einschulung schon hinter sich haben, das Buch mit Freude lesen können. Auch prima: Sprachlich traut es den ErstleserInnen Einiges zu. Die Sprache ist schlicht und dennoch niveauvoll und niemals gekünstelt kindlich. Auch die Illustrationen sind gelungen. Frech und lebendig, genau hingesehen. Kleine Comic-Elemente sorgen für Bewegung, die Bilder sind bunt, ohne grell zu sein. Die Kombination von Text und Bild ist locker und angenehm anzuschauen.

Rüdiger Bertram/Heribert Schulmeyer: Coolman und ich. Ab in die Schule! Oetinger,
39 Seiten, 7,99 Euro

 

Friedensträume

Traum von Frieden*

pv. Der Junge, der vom Frieden träumte, ist ein Roman, der das Schicksal des jungen Palästinensers Achmed erzählt. Nachdem seine zweijährige Schwester auf einem Minenfeld stirbt und sein Vater unverschuldet inhaftiert wird, kämpft Achmed mit 12 Jahren um das Überleben seiner inzwischen total verarmten Familie. Hochbegabt gewinnt er ein begehrtes Stipendium an einer renommierten jüdischen Universität, studiert, arbeitet unter härtesten Bedingungen und erhält den Nobelpreis für Physik.
Das Schicksal des Protagonisten beginnt ab der ersten Seite und steigert sich bis zur letzten Seite ins Emotionalste. Wie Achmed sein Leben lebt und wie er damit umgeht, ist faszinierend, erschreckend und berührend zugleich. Michelle Cohen Corasanti, Jüdin, Anwältin für Menschen rechte, besuchte die Hebrew University of Jerusalem, wo sie ihren Master in Nahostwissenschaften machte.

Michelle Cohen Corasanti: Der Junge der vom Frieden träumte,
Fischer Verlag 2016, 400 Seiten,
9.99 Euro

 

 


 

 

 

 

 

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