25. Jahrgang,
Ausgabe 7
Juli / Aug.
2019
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Kultur

Hamburger Architektur Sommer 2019 auch auf Wilhelmsburg
Nachfahren deutscher Einwanderer in Amerika
Bücherflohmarkt der Rathauspassage auf dem FlohZinn
Fotografische Reise durch Wilhelmsburg
Würden Sie gerne wissen wollen, wann Sie sterben?
Geburtstagsrallye im Museum Elbinsel Wilhelmsburg
Komm an Bord!
Wandel und Beständigkeit: Museum vor neuen Aufgaben
Lektüre / Lesetipps

 

Hamburger Architektur Sommer 2019 auch auf Wilhelmsburg
Ausstellung noch bis zum 20. Juli 2019 im Künstlerhaus Georgswerder

Künstlerhaus

Petra Hoppe "Verschmelzung".
Foto: MG

MG. Die Ausstellung „Vier Positionen und eine Baustelle“ hat am 29. Juni im Künstlerhaus Georgswerder eröffnet. Vier Künstler*innen stellen ihre Werke aus. Gloria van Krimpen vergleicht in ihren Bildern und Collagen Rotterdam und Wilhelmsburg. Katarina Jensen ist mit „Piselotten“ vertreten. Nachdem sie die Malerei mit Pinsel und Farbe wegen schlechter werdender Augen aufgeben musste, hat sie das Schnurwerk für sich entdeckt und gestaltet ihre Bilder mit Schnüren, die sie aus alten Klamotten schneidet. Das jüngste Werk ist Udo Lindenberg in Großformat.
Peter Czikowski hat seine Fotografien im Treppenhaus aufgehängt. Sie zeigen eine Siedlungsstraße mit immer dem gleichen Haustyp. Im Laufe der Zeit haben die Besitzer unterschiedliche Veränderungen, z. B. an den Fenstern, vorgenommen. Der ehemalige Mathematiklehrer hat auf einer weiteren Wand eine Collage über Primzahlen installiert.
Faszinierend sind die Werke von Petra Hoppe. Sie hat auf große durchscheinende Stoffbahnen Ansichten aus Wilhelmsburg projiziert, in die Körper verschmelzen.

Am Eröffnungsabend zeigte Stefan Hauberg seine Performance „Baustelle“. Während er auf allen drei Etagen die Treppe gemessenen Schrittes fegte, rieselte aus einem schwarzen Baueimer ganz feiner Sand auf die untere Treppe zu einem kleinen Hügel, der sich dann über den Treppenrand noch auf eine weitere Treppe ergoss. Dazu passte ganz wunderbar die Musik von JELÜ mit Geige und Bass. Die Musiker hatten kein fertiges Programm, sondern ließen sich von den Kunstwerken um sie herum inspirieren.
Bei der Finissage am 20. Juli treten die Percussionisten Philip Mauss and friends auf. Das lesenswerte Magazin zu dem Hamburger Architektur Sommer 2019 liegt im Künstlerhaus aus.
Ein Bild der Schule Rahmwerder Straße ist in dem Magazin als Beispiel abgedruckt, warum Stadtentwicklung von unten die lebenswertere Stadt ergibt. Hätten die Bewohner- *innen von Georgswerder nicht vor zehn Jahren um den Erhalt des Schulgebäudes gekämpft, wäre es heute, ebenso wie die Schule Licht Liebe Leben in der Georg-Wilhelm-Straße, nicht mehr da.
Aber nicht nur die aktuelle Ausstellung lohnt einen Besuch im Künstlerhaus Georgswerder. Die Künstler*innen haben im Keller des Gebäudes alte Klassenbilder und Zeitungsausschnitte aus den 50er Jahren entdeckt, mit denen sie die ständige Flutausstellung erweitert haben. Vielleicht erkennt sich der/ die eine oder andere Besucher*in darauf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Nachfahren deutscher Einwanderer in Amerika
Neue Dauerausstellung im Auswanderermuseum BallinStadt

Jodel-Betty

"Jodel-Betty": Betty Naftzinger, 90, lebt auf einer Farm in Pennsylvania.
Sie überrascht die Besucher an der Hörstation mit Jodelei. Als Nachfahrin von deutschen Einwanderern wuchs sie mit acht Geschwistern auf. Um sich beim Kühe- melken die Zeit zu vertreiben, brachte sie sich als Kind das Jodeln selbst bei.

Foto: MG

MG. Anreise wie einst die Auswanderer: mit dem Frachtschiff von Bremerhaven nach New York. Von dort reiste die Journalistin Marion Hahnfeld weiter in den Mittleren Westen der USA – zwölf Staaten in zwölf Wochen. Sie wollte wissen, wie viel deutsche Einflüsse es noch in der vierten oder fünften Generation der deutschen Einwanderer in Amerika gibt. Die meisten sprechen heute kein Deutsch mehr oder Dialekte, die es hier gar nicht mehr gibt. Marion Hahnfeldt stellte fest, dass Deutsch mit dieser Generation ausstirbt.
Deutsche oder Amerikaner mit deutschen Wurzeln sind die wichtigste ethnische Gruppe in den USA. Sie machen 20 Prozent aus. Es gibt viele deutsche Vereine und Gesellschaften, die der Journalistin bei der ersten Kontaktaufnahme zu Gesprächspartner*innen halfen, die dann weitere Verbindungen ermöglichten.
Das Auswanderermuseum BallinStadt hat sich entschlossen, die Fotos und Texte nicht in einer Sonderausstellung zu zeigen, sondern sie zu einem dauerhaften Teil der Hauptausstellung zu machen. Geschäftsführer Volker Reimers begründet dies mit dem Anspruch des Museums, die Geschichten der Menschen in den Vordergrund zu stellen. Wunsch der Museumsbesucher*innen sei es, Geschichten und Emotionen zu erleben. Der Mensch stehe im BallinStadtmuseum im Mittelpunkt. Die hochemotionalen Geschichten der Auswandererkinder und -kindeskinder seien sehr spannend für die Besucher*innen.
Zu der Ausstellungseröffnung besuchte auch die stellvertretende US-amerikanische Konsulin Laura Hammond das Museum. Volker Reimers lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Konsulat, durch die auch die Entwicklung einer APP in englischer Sprache ermöglicht würde. An den Hörstationen in der Ausstellung „German Heimat“ kann man den Geschichten der Menschen im Originalton lauschen. Das Museum widmet sich seit einem Umbau im Jahre 2016 auch den aktuellen Wanderungsbewegungen auf der Welt. Viele Zahlen dazu findet man in Haus 2.
Das Auswanderermuseum BallinStadt lebt von den Geschichten der Menschen.
WIR freuen uns, dass uns das Museum Freikarten geschenkt hat, die wir unter den richtigen Lösungen für Willis Rätsel (S. 18) verlosen.

 

 

 

 

 

 



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Bücherflohmarkt der Rathauspassage auf dem FlohZinn

Bücherstand

Björn Dobbertin. Seit über 20 Jahren ist das Antiquariat der Rathauspassage Hamburg, direkt in der S-BahnStation Jungfernstieg, eine feste Größe im Hamburger Markt für gebrauchte Bücher.
Seit dem Juni 2019 bietet die Rathauspassage Hamburg nun auch regelmäßig, an jedem 1. Sonntag im Monat, ihre Bücher auf dem Kulturflohmarkt FlohZinn in den Wilhelmsburger Zinnwerken an. Kommen und stöbern Sie in gemütlicher Atmosphäre direkt in der Halle der Zinnwerke. Finden Sie traumhafte Bildbände zeitgenössischer Kunst, spannende Erstausgaben oder verlieben Sie sich gleich in eines der zahlreichen Coffee-Table-Books rund um die Themen Essen & Trinken sowie Garten & Genuss.
Wenn Sie etwas mehr Zeit mitbringen, können Sie auch zum Schatzsucher in einer der thematisch sortierten Kisten rund um die Themenbereiche Politik & Geschichte, Kinder & Jugendbücher, Belletristik oder Hobby und Do it yourself werden. Mit etwas Glück fi nden Sie vielleicht sogar Ihre Lieblingsausgabe aus Jugendzeiten zu fl ohmarktüblichen Preisen.

 

 

 

 

 


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Fotografische Reise durch Wilhelmsburg
Der neue Bildband von Rolf Reiner Maria Borchard

Borchard

Rolf Reiner Maria Borchard vor der Buchhandlung Lüdemann.
Foto: Lehmann

Sylvia Lehmann. Drei Klappstühle und ein Beistelltisch – fertig war das temporäre Café in der Buchhandlung Lüdemann. Zur Vorstellung des neuen Fotobildbandes „Hamburg Wilhelmsburg – Stadt Landschaft Hafen“ luden Anfang Mai der Fotograf Rolf Reiner Maria Borchard und Detlef Lüdemann den WIR ein. Bei Kaffee und Keksen waren wir Teil einer Fotobuchlesung, die gespickt war mit Inselgeschichten und historischen Details.
Rolf Reiner Maria Borchard hielt sein 248 Seiten starkes Werk feierlich in den Händen als er berichtete, wie er das ganze letzte Jahr Wilhelmsburg in allen Jahreszeiten durchwanderte und fotografisch festhielt. Der diplomierte Architekt ist seit fast 50 Jahren auch als Fotograf tätig. Wilhelmsburg habe ihn gereizt, weil der vielgestaltige Stadtteil in einem Spannungsbogen steht zwischen dem Gestern und dem Morgen. Einen Ist-Zustand wolle Borchard festhalten, bevor der Wandel weiter geht. Es entstanden Fotografien vor allem aus den Bereichen Architektur-, Landschafts- und Industriefotografie, die unbearbeitet wiedergeben, was man, beginnend bei der Überfahrt mit der Fähre 73, in diesem Stadtteil vorfinden kann.
Wir blätterten uns Seite um Seite durch eine weitgehend menschenleere Elbinsel, als ein Wilhelmsburger die Buchhandlung betrat. In Missingsch plauschte er kurz mit uns. Jahrelang lebe er schon hier und eine Widmung im Fotobuch wäre schön. Mit Menschen auf den Bildern würde ein anderes Buch entstehen, meinte Borchard. So seien Räume entstanden, die der Betrachter selbst durchwandern kann. Stadtkarten mit Lagepunkten der Fotografien geben Orientierung im Buch und laden ein, die abgebildeten Orte zu besuchen, um sie mit eigenen Geschichten zu beleben.

Unsere Kaffeetassen waren fast geleert, als Borchard als Schlussakkord einen Bogen von der Veddel bis zum „Sprung“ über die Süderelbe, nach Harburg, spannte. Für Borchard, den ehemaligen Professor für Gestaltungsgrundlagen, ist der gesamte Bildband wie ein Musikstück und jedes Foto gleicht einer Zeichnung oder einer Malerei. Viele Fotografien stehen im Verhältnis zueinander und der Bildaufbau wurde gestalterisch komponiert. Seine Lieblingsstelle im Buch ist die Fotografie „Bäume, Schilf und Elbe im Naturschutzgebiet Heuckenlock“. Ein Bild, gemalt von der Natur.

Borchards Bildband „Hamburg Wilhelmsburg – Stadt Landschaft Hafen“ legt ein Zeugnis ab. Man findet vertraute Ansichten und wenig beschrittene Orte. In allem kann man die Insel überblicken und das kontrastreiche städtebauliche Wilhelmsburg erkennen.
Im Atelierhaus 23 wird die Ausstellung zum Buch mit Vernissage am Sonnabend, 29. Juni, um 15 Uhr eröffnet. Bis zum 4. August gibt es ausgesuchte Fotografien zu sehen.

Rolf Reiner Maria Borchard,
Hamburg Wilhelmsburg – Stadt Landschaft Hafen,
Borchard & Wegner, 2019, 248 Seiten, 38 Euro

 

 

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Würden Sie gerne wissen wollen, wann Sie sterben?
Die Theatergruppe OhA! mit Jugendlichen von der Elbinsel erarbeitet ein Theaterstück in der Honigfabrik

Farida Ouro-Koura. In unserer Gesellschaft ist es oft schwierig, über gewisse Themen zu sprechen. Deshalb kommt es nicht selten vor, dass diese einfach totgeschwiegen werden. Es sind aber meistens keine Belanglosigkeiten, die der Aufmerksamkeit gar nicht lohnen würden, sondern es sind eher Themen, die bei jeder Altersgruppe aufkommen und jeden betreffen, auf die aber oft keiner eine Antwort weiß.
Warum fühlt man sich, obwohl man sich in Gesellschaft befindet, einsam? Warum werden wir in diese Welt gesetzt und müssen miterleben, wie andere und wir selbst wieder aus dieser gerissen werden? Schwierig. Schwierig darüber zu reden und die Fragen rational zu beantworten, da auch viele versteckte und unterdrückte Emotionen mit reinspielen.

Trotzdem hat sich unsere Theatergruppe das Ziel gesetzt, zwei dieser Themen genauer zu behandeln und ungeschönt zu besprechen. Anders als bei unseren vorherigen Stücken, haben wir uns vorgenommen, ein schon bestehendes Stück zu inszenieren. Von 10 Stücken, die wir beleuchtet haben über die Wochen, stehen nun zwei in der näheren Auswahl. Das Stück ,,Die Befristeten’’, das auf die unvermeidliche Endlichkeit des Lebens aufmerksam macht, und das Stück ,,Ganze Tage ganze Nächte’’, das die Einsamkeit, die jeder mal mehr oder weniger verspürt, behandelt.
Und hier stehen wir momentan vor einem Dilemma. Es sind beides Stücke, die einen erstmal stark schlucken lassen. Beide Stücke haben eine interessante Art und Weise, wie sie diese Themen behandeln. Bei ,,Die Befristeten’’ sind die Charaktere nach dem Jahr benannt, in dem sie sterben werden. Anders als bei üblichen Stücken, gibt es bei ,,Ganze Tage ganze Nächte’’ keine Chronologie. Es besteht nur aus einzelnen Dialogen und Monologen.
Jede Person verbindet andere Situationen und Gedanken mit diesen Themen. Weil es schwer sein kann, sich mit etwas auseinanderzusetzen, was einen emotional belastet, ist es für uns bisher schwierig gewesen, zu entscheiden, welches der beiden Stücke wir nun spielen möchten. Alle aus der Gruppe haben persönliche Gründe, wieso sie eines der beiden Stücke nicht näher kennenlernen wollen, und es ist auch wichtig, diese Meinungen nicht zu ignorieren. Uns ist aufgefallen, dass es wichtig ist, darüber zu sprechen, was uns an den Stücken belastet und warum. So können wir das Thema tiefgreifender behandeln und mit mehr Respekt und Vorsicht rangehen.

In beiden Stücken steckt eine Botschaft, die uns Menschen bewusster sein sollte. Diese wollen wir behutsam vermitteln. Deswegen haben wir uns entschieden, beide Stücke über die nächsten Wochen kennenzulernen, damit auch wir als Gruppe uns zu nichts zwingen müssen und jeder mit bestem Wissen und Gewissen nach seinen Vorstellungen, ohne zu einer Entscheidung gedrängt worden zu sein, handeln kann. Dass es eine Herausforderung sein kann und wahrscheinlich auch wird, ist uns bewusst, dennoch sind wir gespannt und freuen uns, wenn wir mit unserem Endprodukt andere begeistern und inspirieren können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

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Geburtstagsrallye im Museum Elbinsel Wilhelmsburg
Das Café Eleonore kann auch für eigene private Feiern gemietet werden

Geburtstag

Da strahlt die kleine Prinzessin: Liebevoll gestalten die
Ehrenamtlichen des Museums Kindergeburtstage
.
Foto: ein

Elke Leppin. Am 26. März feierte Mina im Museum Elbinsel Wilhelmsburg ihren achten Geburtstag.
Nach den Glückwünschen und dem Übergeben der Geschenke durfte Mina sich als Prinzessin verkleiden. Für ihre fünf Hofdamen gab es ebenfalls standesgemäße Kleidung. Die Burggesellschaft nahm dann an der Tafel im Café Eleonore Platz und verspeiste Kuchen und Saft.
So gestärkt ging es auf Erkundungstour durch das Museum. Highlight des Geburtstages war die Schatzsuche, an der die gesamte Burggesellschaft teilnahm.
Und wo hat Prinzessin Mina den Schatz gefunden? - Im düsteren Burgkeller hinter …
Aber das wird nicht verraten!
Gern organisieren die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des Museums Elbinsel Wilhelmsburg Geburtstage für Jung und Alt. Auch kann man das Café Eleonore ohne Programm und Catering für eigene private Feiern (bis ca. 40 Personen) mieten.
Bei Interesse rufen Sie uns gern an, unter der Telefonnummer 040/768 87 87 oder
schreiben uns eine Mail an museum@mewhamburg.de.
Näheres zum Museum finden
Sie auf www.museum-wilhelmsburg.de

 

 

 

 

 

 

 

 

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Komm an Bord!
Das Archipel auf dem Veringkanal ist offen für Alle

Archipel

Das Archipel auf dem Veringkanal ist ein schwimmender Treffpunkt für alle Menschen aus der Nachbarschaft. In den kommenden Sommerwochen bietet es ein abwechslungsreiches Kulturprogramm für Jung und Alt. Die Inseln liegen am Nordende des Veringkanals. Sie sind zugänglich über den Hinterhof der Honigfabrik in der Industriestraße 125.
Besucher*innen sind jederzeit, außer montags, willkommen.

Foto: MG

 

MG. „Es gibt zu wenig zugängliche Räume für alle“, fand eine Gruppe von jungen Leuten, (Kunst-)Handwerker*innen, Architekturstudent*innen, und machte sich 2015 an die Arbeit, um einen besonderen Ort für Nachbarschaftstreffen und künstlerische Produktionen zu schaffen. Der Anfang war ein schrottreifes Hausboot. Sie fanden einen Liegeplatz im Veringkanal bei „Turtur“. In diesem Jahr sind zwei Pontons dazu gekommen, die in ehrenamtlicher Arbeit repariert wurden. Für das Material gab es Geld aus unterschiedlichen Töpfen. Auch Nachbar*innen kamen vorbei, sahen zu und fassten mit an.
Am 18. Mai 2019 lud das Archipel Kollektiv zur Inseltaufe ein. Auf dem Veringkanal hinter der Honigfabrik bilden nun vier Pontons zusammen mit der Schute und einem Schleppkahn ein Ensemble für die vielfältigsten Aktivitäten. Auf einem Ponton soll noch eine Übernachtungsmöglichkeit entstehen. Schlafen auf dem Wasser - ein besonderes Erlebnis. Auf einem zweiten Ponton entsteht die Bibliothek der Zukunft. Während der Sommerferien werden Kinder und Jugendliche eingeladen, auf der neuen Insel mit Büchern, Drucken, Audiorecordings und Wissenskonservierung zu experimentieren.

Zugleich werden in Schreibworkshops mit eingeladenen Schriftsteller*innen, Übersetzer*innen, Philosoph*innen, Journalist*innen und auch „Nicht-Expert*innen“, wie Kindern, Jugendlichen und Nachbar*innen, neue Publikationen erarbeitet. Partnerschaften bestehen mit dem französischen „collectif mit“ und Claire und Fabien aus Nantes halfen im Mai mit. Ein Gast aus Berlin fertigte mit Besucher*innen Linoldrucke an. Eine enge Zusammenarbeit besteht mit der Honigfabrik. Ein Gegenbesuch in Nantes ist für den Herbst geplant.
Die Inseln sollen allen gehören. Als ein nicht kuratierter Raum stehen sie jeder und jedem offen, um Ideen in die Praxis umzusetzen.
Das Archipel - geöffnet Di. bis So. 10 bis 11 Uhr: Frühstück tagsüber Snacks 19 Uhr: Abendessen
Eintritt frei/gegen Spende
Programm und Infos: DASARCHIPEL.ORG

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 




 

 

 

 

 

 

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Wandel und Beständigkeit: Museum vor neuen Aufgaben
Nicht nur das Gebäude wird runderneuert - auch inhaltlich und personell wagt das Museum Elbinsel Wilhelmsburg einen Neuanfang

Elbinsel-Museum

Der neue, erweiterte Vorstand. Insgesamt sind es nun elf
engagierte Menschen (2 fehlen auf dem Foto), die die Geschicke des
Elbinsel-Museums im alten Amtshaus leiten.

Foto: Museum

sic. „Natürlich bleibt das Museum ein Heimatmuseum", versichert Holger Blank, der im März frisch gewählte 1. Vorsitzende des Museumsvereins, „aber wir wollen uns modernisieren und mit dem neuen Ausstellungsschwerpunkt ,Flut' für jüngere Generationen attraktiver werden."
Beide Großprojekte - Sanierung und Umbau des denkmalgeschützten alten Amtshauses von 1724 und der neue Ausstellungsschwerpunkt - sind bereits vom vorherigen Vorstand auf den Weg gebracht worden. Das neue Museumsteam nimmt den Faden nun auf und spinnt ihn weiter.
40 Prozent mehr Ausstellungsfläche wird das Museum nach der Renovierung haben. Wenn alles nach Plan läuft, ist pünktlich zur Wiedereröffnung Mitte 2021 in den neu hinzugewonnenen Räumen im 1. Stock auch eine moderne Multimedia-Ausstellung zur Sturmflut von 1962 fertig. „Mich beschäftigt dieses Thema sehr, seit ich nach Hamburg gezogen bin", erzählt Holger Blank. „Gerade für Wilhelmsburg ist die Flut ja ein großer Einschnitt gewesen."

Während im Museum schon mal die Archäologen Wände und Böden anbohren, um möglicherweise auf alte Schätze in tieferen Schichten des Gebäudes zu stoßen, arbeitet der elfköpfige Vorstand kontinuierlich am Flut-Konzept. Die Ausstellung soll Raum zum Gedenken ebenso schaffen wie für die Auseinandersetzung mit dem hochaktuellen Wandel und Beständigkeit: Museum vor neuen Aufgaben Nicht nur das Gebäude wird runderneuert - auch inhaltlich und personell wagt das Museum Elbinsel Wilhelmsburg einen Neuanfang Thema Hochwassergefahr und Flutschutz in der Gegenwart. So ist, neben Fotos, Filmen und Hörstationen, zum einen eine Gedenkwand mit allen Namen der bei der Flutkatastrophe 1962 Umgekommenen geplant, zum anderen wird sich ein eigener Raum ausschließlich dem Thema „Deiche und Deichbau" widmen.
Die Museumsmacher haben sich für ihr anspruchsvolles Vorhaben fachliche Unterstützung ins Boot geholt. Noch im April wird der erste „Flutgipfel" mit Historikern, Museumsexperten und Zeitzeugen stattfinden. „Wir finden, Hamburg braucht einen festen Ort zur Erinnerung an die Sturmflut und zur Beschäftigung mit dem Thema", erklärt Gerd Nitzsche, 2. Vorsitzender und Schatzmeister des Vereins.
Es ist zum größten Teil seinem gemeinsamen Einsatz mit dem früheren Vorstand zu verdanken, dass Bund und Land für die denkmalgerechte Renovierung und Sanierung des alten Amtshauses insgesamt sechs Millionen Euro zur Verfügung stellen.
„Wir wollen und müssen uns dieser Förderung nun natürlich auch qualitativ gewachsen zeigen", sagt Nitzsche. „Das bedeutet eine Professionalisierung in allen Bereichen, angefangen bei der Ausweitung des Museumsbetriebs bis hin zur komplett neuen technischen Ausstattung."
Bedeutsam ist am Ende vor allem die inhaltliche Ausgestaltung des Museums. Dafür mussten die Aktiven zusätzliche Mittel akquirieren. 100.000 Euro sind von Spendern aus der Wirtschaft, Stiftungen und der Kulturbehörde zusammengekommen.
„Zur inhaltlichen Erweiterung gehören die Digitalisierung des Archivs, der Ausbau des museumspädagogischen Angebots und eine Neustrukturierung der vorhandenen Ausstellung", erläutert Holger Blank. Letzteres packen sie gemeinsam an: Jeder aus dem Vorstand hat sich eines Ausstellungsthemas bzw. Raumes angenommen, für dessen Neugestaltung er verantwortlich zeichnet. Unterstützung bekommen sie dabei von den Museumspädagogen aus dem Helms-Museum in Harburg.
Die Museumsmacher haben sich viel vorgenommen für die kommenden drei Jahre. Sie sind klug genug, an bestimmten Stellen Profis von außen einzubinden. Später wird es auch der einen oder anderen Honorarkraft für den laufenden Betrieb bedürfen. Grundsätzlich aber soll die Arbeit wie bisher mit Bordmitteln getan werden. „Wir bleiben ein ehrenamtlich arbeitender Verein aus Menschen, die sich mit Herzblut für ihr Museum engagieren", bekräftigt Holger Blank.

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

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Lektüre / Lesetipps

 

Elbleichen

Elbleichen-Cover

hk. Die Geschichte um einen Mord auf der Elbinsel Neßsand ist nach „Falkenberg“ der zweite Krimi der Wilhelmsburger Lehrerin Regine Seemann (s. WIR 6/2018). Bei einer Exkursion finden Touristen auf der Insel zwei vergrabene Leichen. Den Kommissarinnen Banu Kurtoglu und Stella Brandes stellt sich bald die Frage: Handelt es sich dabei um den Inselwart Hans Fröhlich und seine Frau Esther, die eigentlich als Opfer der Sturmflut von 1976 zusammen mit ihrem kleinen Sohn als vermisst galten?
Die Ermittlungen führen die Kommissarinnen zu Bekannten der Familie im vornehmen Blankeneser Treppenviertel. Außerdem entdecken sie auf dem Oberarm der weiblichen Leiche eine eintätowierte Zahl. Esther Fröhlich muss ein in Auschwitz geborenes jüdisches Kind gewesen sein. Vollends rätselhaft wird der Fall, als die Kommissarinnen in den Akten von 1976 die Aussage eines alten Säufers aus dem Treppenviertel finden. Er habe Esther mehrere Tage nach ihrem Verschwinden gesehen. Seinem Hinweis wurde damals nicht nachgegangen.
Schon der Prolog – eine Szene 1945 im KZ Bergen Belsen – und in Zwischenkapiteln eingestreute Protokolle von Therapiesitzungen mit einer jungen Frau im Jahr 1973 lassen die Leser*innen ahnen: Auch in Regine Seemanns zweitem Krimi bilden Verbrechen der Nazizeit den Hintergrund für die späteren Verstrickungen der Hauptpersonen. Auch wenn die Aufl ösung dann noch einmal viele Überraschungen bietet.

Regine Seemann, Elbleichen, Gmeiner Verlag,
277 Seiten, 12 Euro

 

Wer wir sein könnten

Habeck-Buch

km. Besser beschrieben als mit dem oben genannten Haupttitel ist der Inhalt des Buches mit dem Untertitel „Warum unsere Demokratie eine offene und vielfältige Sprache braucht“.
Vorweg: Robert Habeck kann schreiben! Es macht einfach Freude, dieses Buch zu lesen.
Aber auch die Grundthese, auf die sich der Autor festlegt, ist richtig: Durch die Art unseres Sprechens, durch die Wahl unserer Formulierungen verändern wir die Wirklichkeit: „In der Politik ist Sprache das eigentliche Handeln.“ Deshalb, so Robert Habeck, ist es in politisch aufgewühlten Zeiten besonders wichtig, sich genau zu überlegen, wie man etwas sagt. Und sprachlichen Entgleisungen entgegenzutreten.
Wenn man von „Flüchtlingsflut“ spreche, verwandle man Menschen in Dinge, nämlich Wasser, und in ein gefährliches Naturereignis. Mit derartigen Sprachbildern werden Menschen entmenschlicht. Das jedoch ist nur der erste Schritt, denn: „Die sprachliche Verrohung bereitet der gesellschaftlichen Verrohung den Weg. Was zuvor unsagbar war, wird real: Die Würde des Menschen wird antastbar.“
Robert Habeck zeigt bei seinen Ausführungen nicht nur auf die politische Gegner. Er räumt ein, dass Vertreter aller politischen Richtungen sich regelmäßig sprachliche Entgleisungen erlauben: „Niemand ist vor sprachlichem Populismus gefeit. Mich eingeschlossen.“ Es gebe sprachliche Figuren des Populismus, die verführerisch seien. Sie seien deshalb populistisch, weil ihre Aussagekraft gering sei, aber im Streit der Wörter sehr wirksam. „Eine der rhetorischen Figuren ist die unzulässige Verallgemeinerung. Eine – oftmals unbewiesene – Behauptung, die ein Einzelfall ist, wird verallgemeinert.
„Wer wir sein könnten“ ist aber nicht nur ein Buch über gesellschaftliches Sprechen, es ist auch ein Plädoyer dafür, „sich politisch einzumischen". Die Jahre der Alternativlosigkeit seien vorbei, schreibt Robert Habeck. Sie seien abgelöst worden durch eine Zeit des politischen Rechtsrucks und der sprachlichen Ideologisierung. Was wir brauchen“, erklärt der Grünen-Chef, „ist eine Sprache, die Alternativen zulässt, die offen ist. Für eine Politik, die Vielfalt und Verschiedenheit als Stärke und Reichtum begreift.“

Robert Habeck, Wer wir sein könnten,
Verlag Kiepenheuer & Witsch, 14,40 Euro

 

Vom Schweigen und Nichtstun

Böll-Buchcover

sic. Ein junger Rundfunkredakteur, der Tonbandschnipsel mit Schweigen darauf sammelt, weil er das inhaltsleere, opportunistische Sprechen um sich herum nicht mehr erträgt. Eine Tante mit Kriegstrauma, die im zweiten Jahr nach Kriegsende ihre gesamte Großfamilie dazu zwingt, allabendlich Heiligabend zu feiern. Ein Mann, der vom entspannt verkrachten Genie plötzlich zum braven Angestellten, nämlich als professioneller Wegwerfer von Drucksachen und Werbeprospekten in der Poststelle einer Firma, wird.
Dies sind nur einige der Figuren, die Heinrich Bölls satirische Kurzgeschichten aus den 1950er Jahren bevölkern. Gemeinsam ist fast allen Protagonisten, dass sie, auf ihre eigene Art, durchaus Handelnde in der Welt sind - gleichzeitig jedoch immer ein bisschen abseits stehen und als Beobachter vom Rand das Groteske, den Wahnwitz und die biedere Monstrosität des emsigen Getriebes um sie herum überdeutlich wahrnehmen.
Böll erzählt die Geschichten dieser ein wenig aus der Welt Gefallenen mit sanftem Humor. Aus einer zart ironischen Perspektive lässt er sie auf sich selbst und ihre Umgebung blicken. So berichtet der Wegwerfer in der gleichnamigen Geschichte: " Doch seit einigen Wochen besteige ich jeden Morgen gegen 7.30 Uhr die Straßenbahn an der Ecke Roonstraße, halte bescheiden wie alle anderen dem Schaffner meine Wochenkarte hin, bin mit einem grauen Zweireiher ... bekleidet ... habe die Morgenzeitung, zu einer leichten Keule zusammengerollt, in der Hand. Ich biete den Anblick eines Bürgers, dem es gelungen ist, der Nachdenklichkeit zu entrinnen."
Das Herz des Schriftstellers Böll schlug für die Leisen, die Nachdenklichen, jene, die versuchen, ohne großes Getöse aufrecht durch die Welt zu gehen. Das wird in seinen Satiren ebenso deutlich wie in seinen berühmten Romanen. Mit dem Unterschied, dass die Romane meist ernst und traurig grundiert sind; die so wohltuende heitere Melancholie des Kölners traut sich in ihnen nur selten hervor.
Meine Lieblingssatire war immer "Es wird etwas geschehen", Untertitel "Eine handlungsstarke Geschichte". Böll macht sich hier lustig über eine Lebenshaltung, die einst Kapitalismus und protestantische Arbeitsethik in vertrauter Eintracht hervorgebracht haben - und die heute aus der Arbeitswelt auf unsere gesamte Lebengestaltung herübergeschwappt ist. Es geht in der Geschichte um jene ungeduldig auf der Stuhlkante herumrutschenden Zeitgenossen, die das Handeln vor das Denken setzen, das Tätigsein vor den Inhalt, das Leisten vor das Sein. Die Machertypen, die permanent vor Schaffenskraft bersten. Die Tatendurstigen, die keine Diskussion ertragen und nach drei Sätzen losquaken: "Ich will aber jetzt nicht mehr reden, ich will WAS MACHEN."
Der Band "Doktor Murkes gesammeltes Schweigen" ist 1958 zum ersten Mal erschienen. 2013 hat der Verlag Kiepenheuer & Witsch ihn in der Originalgestaltung von 1958 noch einmal neu aufgelegt, man bekommt ihn im Buchhandel. Die Kernaussagen der Geschichten sind heute noch genauso aktuell wie damals.

Heinrich Böll, Dr. Murkes gesammeltes Schweigen,
160 Seiten, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 10 Euro

 



Lesetipps aus der Bücherhalle Wilhelmsburg

Romane:
Regina Scheer: „Gott wohnt im Wedding“
Saša Stanišić: „Herkunft“
Gil Ribeiro: „Weiße Fracht: Lost in Fuseta. Ein Portugalkrimi“
Daniela Krien: „Die Liebe im Ernstfall“
Rosanna Ley: „Das kleine Theater am Meer“

Sachbuch:
Meike Winnemuth: „Bin im Garten. Ein Jahr wachsen und wachsen lassen“
Sophia Hoffmann: „Zero Waste Küche“
Fatma Aydemir / Hengameh Yaghoobifarah (Hg.): „Eure Heimat ist unser Albtraum“
Stefanie Sohr: „52 kleine & große Eskapaden in und um Hamburg“
Scarlett Curtis: „The Future is Female! Was Frauen über Feminismus denken“

Fröhliches Lesen wünscht das Bücherhallen-Team vom Vogelhü endeich 45!

 

Ferienlektüre

„ D I E I N S E L“

Die Insel

sic. Im November ist die aktuelle Jahresschrift des Museums Elbinsel Wilhelmsburg „DIE I NSEL“ erschienen.
Da es in der vorigen Museumssaison keine „INSEL“ gab, ist die vorliegende Ausgabe eine prallvolle Doppelnummer mit vielfältigen Themen aus der Historie und Kunstgeschichte Wilhelmsburgs geworden.
Gleich zwei Aufsätze widmen sich der Bildausstattung der Kreuzkirche in Kirchdorf. Die Kunsthistorikerin Ingrid Höpel erläutert anschaulich und spannend die Bedeutung der 24 Embleme im Kirchenraum. Restauratorin Bettina Heine berichtet, wie sie und zwei Kolleginnen den ursprünglichen Charakter der acht Deckengemälde aus dem Leben Jesu Christi wieder hergestellt haben.
Die kanadische Geschichtsprofessorin Carolyn Kay beschäftigt sich noch einmal detailliert mit der Interpretation der Kinder-Kriegszeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg.
Besonders gelungen ist auch Angelika Paschs Portrait über drei Generationen der Familie Brodermann - bekannt durch den Gemüse- und Obststand von Margret Hille auf den Wilhelmsburger Wochenmärkten. Alle insgesamt sieben kleinen und großen Aufsätze sind äußerst lesenswert und kurzweilig.
Das Heft ist in der Buchhandlung Lüdemann und im Museum erhältlich.

DIE INSEL 2016/17,
Hg. Museum Elbinsel Wilhelmsburg,
54 S., 6 Euro


Genau richtig

Buch
hk. Der norwegische Autor Jostein Gaarder wurde durch sein Buch „Sofies Welt“ berühmt, einen Roman über die Geschichte der Philosophie. Auch seine gerade erschienene Erzählung „Genau richtig“ beschäftigt sich unter anderem mit Fragen der menschlichen Existenz und der Geheimnisse des Universums. Der Ich-Erzähler Albert hat von seiner Ärztin und früheren Geliebten Marianne eine schlimme Diagnose erhalten. Er hat ALS und nur noch wenige Monate zu leben.
Die Familie hat eine einsam gelegene Hütte am Glitretjern, dem Glitzersee, die er und seine Frau Eirin 27 Jahre zuvor gekauft hatte. Dorthin zieht sich Albert zurück, um sich darüber klar zu werden, ob er an seiner Nervenkrankheit langsam dahinsiechen oder seinem Leben jetzt ein Ende zu setzen will, seine „Mitgliedschaft in der Gesellschaft“ aufgeben will. Einen Tag lang schreibt er in das Hüttenbuch über sein Leben, seine Kinder, die Beziehung zu Eirin und Marianne und über die Frage „Wer bin ich?". Und Fragen wie „Gibt´s auch woanders im Weltraum noch Leben oder nur auf unserem Planeten, der nicht zu kalt und nicht zu warm ist? Wo es Wasser gibt und also alles „genau richtig“ ist, so wie der Glitzersee für ihn und seine Familie „genau richtig“ ist. Am Ende kommt Albert zu einem versöhnlichen Fazit.

Das Büchlein trägt den Untertitel „Die kurze Geschichte einer langen Nacht.“ Es hat 125 Seiten. Man kann es gut in einem Zug durchlesen, vielleicht an einem Tag mit skandinavischem Wetter.

Jostein Gaarder, Genau richtig,
Carl Hanser Verlag, 125 Seiten, 16 Euro

 

De ole Mann un de See

Buch

km. Herbert Timm hett de Novelle „The Old Man and the Sea“ in´t Plattdüütsche översett. Un dat lett sik goot lesen. De Geschicht vun denn Fischer un denn groten Fisch kannst op Platt wunnerbar verstahn. Dat leest sik allens kloar un düütlich.
Herbert Timm hett dat ja ok direkt vun dat Englisch in Plattdüütsche översett. Kannst meist glöven, dat weer een Geschicht över een vun use Fischerslüüd. Man de Geschicht speelt in Kuba un doar hebbt de Lüüd annere Nams un se fangt ok annere Fische.
Wenn ji mal een plattdüütsch Roman lesen wüllt, nehmt dütt lütt Book. Ick heff dat an een Nameddag leest. Un ick weer ganz deep afdükert in de Geschicht. Nümms kunn mi störn. Dat Book hett ja ok blots 130 Sieden.

Ernest Hemingway, De ole Mann un de See,
översett vun Herbert Timm, Verlag Vitolibro, Malente,
ISBN 978-3-86940-037-2, 12,95 €

 

Katzenbücher

Katze

Marianne Groß. Kürzlich fiel mir „Doris Lessings Katzenbuch“ in die Hände. In vierzehn Erzählungen beschreibt die Autorin liebevoll die Katzen in ihrem Leben. Sie schildert hinreißend deren bizarre und eigenwillige Persönlichkeiten. Da gibt es den stets kampfbereiten Mini-Löwen, den Playboy und den strebsamen Karrierekater, aber auch das brave Muttertier und die leichtsinnige Schöne ebenso wie die beifallssüchtige Primadonna.
Das Buch, das ich gelesen habe, ist ein Paperback vom Heyne Verlag aus dem Jahre 1992 und wohl nicht mehr auf dem Markt. Es gibt aber von Doris Lessing weitere Katzenbücher, zum Beispiel in der Buchhandlung Lüdemann:

Doris Lessings Katzenbuch mit Katzenportraits von Isolde Ohlbaum,
gebunden, 15 Euro. Ein Muss für jede*n Katzenliebhaber*in

 

 

Nie wieder Krieg!

Buch

Sylvia Lehmann. Es war ein Schock, zu hören, was die ungarische Philosophin Ágnes Heller in einem Radiointerview Mitte Mai sagte. Ágnes Heller warnte vor der Gefahr eines möglichen europäischen Krieges. Sie sieht Parallelen zwischen heute und dem Anfang des letzten Jahrhunderts. Wenn der ethnische Nationalismus die EU zerstören würde, dann könnten europäische Nachbarstaaten zu Feinden werden. Hinzu kommt für Heller, dass zwei Generationen im Westen Europas sich nicht vorstellen können, was Krieg wirklich bedeutet, weil sie ihn nicht erlebt haben.
Doch ist uns nicht bewusst, dass der Krieg bis ins Heute hineinwirkt? Der Zweite Weltkrieg verletzte nicht nur die Seelen der Eltern oder Großeltern. Durch transgenerationale Traumaweitergabe wird der Krieg in das Erleben der nächsten Generationen hineingetragen.
Sabine Bodes Buch „Kriegsenkel - Die Erben der vergessenen Generation“ veranschaulicht, wie weitreichend die Folgen des 2. Weltkrieges sind. Sie porträtiert mehrere Menschen der deutschen Bevölkerung, die in den 60er Jahren geboren wurden. Bode nennt sie „Kriegsenkel“. Die Eltern der Kriegsenkel sind die sogenannten „Kriegskinder“, die zwischen 1930 und 1945 geboren wurden. Diese Kriegskinder erlebten den Krieg in einer sehr verletzlichen Lebensphase. Wenn die Kriegskinder ihre Erlebnisse nicht verarbeiteten, dann gaben sie den Schrecken an ihre Kinder, die Kriegsenkel, unbewußt weiter.
Manche Kriegskinder waren als Eltern beispielsweise emotional nicht erreichbar oder in tiefem Misstrauen gefangen. Für Kriegsenkel kann das bedeuten, dass sie Beziehungen schwer eingehen können oder unter diffusen Ängsten leiden.
Das Buch „Kriegsenkel - Die Erben der vergessenen Generation“ lässt die „Nachbeben“ des Krieges bewußt werden. Diese Nachbeben reichen bis in die heutige Zeit.

Sabine Bode, Kriegsenkel,
Die Erben der vergessenen Generation,
KlettCotta, 9,95 Euro

 

Heh!

Buch


sic. Aus dem Wäldchen gleich hinter der Schulbushaltestelle hört das Mädchen Nemi eines Tages den Hehmann rufen. "Heh!", ruft er. "Heh!" Nemi folgt dem Ruf und lernt ein zeitloses Wesen mit Astfingern, Baumgesicht und Blättergewand kennen.
Sieben Kapitel hat das Buch - sieben Tage, in denen sich für Nemi Welten auftun. Dabei passiert auf der reinen Handlungsebene gar nicht viel. Doch Nemi taucht mit der Figur des Hehmanns tief in den Organismus Wald ein - und damit nicht nur in Flora und Fauna, in den endlosen Kreislauf von Wachsen und Werden und Vergehen, sondern auch in die Geschichte der menschlichen Naturwahrnehmung und ihrer kulturellen Gestaltung. Mythenbildung und -darstellung sind neben dem Bewusstwerden des Reichtums der Natur das zentrale Motiv der Geschichte. Das alles ist wunderbar ruhig erzählt, anschaulich, ohne pädagogisierend zu sein. Hier werden Kinder für voll genommen. Der Autor Wieland Freund mutet ihnen eine kleine Natur- und Kulturphilosophie in poetischer Sprache zu.
Die Illustrationen von Hanna Jung nehmen den Tenor des Buches, die Poesie und die Motive sensibel auf. Die Bilder bewegen sich zwischen einer fast märchenhaften Gestaltung des Waldes und des Hehmanns und detailgenauer, lebendiger Naturdarstellung. Da leuchten die unterschiedlichen Schmetterlingsarten um die Wette und ein Löwenzahn bricht sich an der Bordsteinkante der Bushaltestelle Bahn. Mitten im Wäldchen steht eine Backsteinkapelle, die aussieht wie ein Hexenhaus. Das ist wunderschön anzusehen. Insofern schade, dass das ansonsten gut gestaltete Buch nicht ein wenig großformatiger ist.

Wieland Freund/Hanna Jung,
Nemi und der Hehmann,
Beltz & Gelberg, erscheint am 17.7.2019

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

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