24. Jahrgang,
Ausgabe 6
Juni / Juli
2018
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Kultur

Das waren 48h Wilhelmsburg 2018
Kunst im Garten
Sommerlektüre
Inselpark: Werde Weltenwandler*in in der Kulturkapelle Wilhelmsburg
Lesung, Musik, Party und 48h Wilhelmsburg
„Schläft ein Lied in allen Dingen“
Riesen-Lehmskulpturen bauen
WIR werden Dich vermissen. Zum Tod von Klaus Meise
Winter- / Sommerlektüre

 

 

Das waren 48h Wilhelmsburg 2018

Drachentanz

Eröffnung mit Drachentanz aus Kirchdorf-Süd.
Foto: hk



A100

Jazz mit A100.
Foto: hk

 

Paresia

Jazz vom feinsten im Turtur mit Paresia.
Foto: hk


Schietgäng

Abschluss mit Shantys, Hamborger Schietgäng, Ursula-Falke-Terrassen.
Foto: hk

 

Tuba

Die Tubenbuben, zwei Wilhelmsburger mit Liebe zur bairischen Blasmusik.
Foto: hk

 

Thuma Mina

Lieder zum Mitsingen, der Chor Thuma Mina in der KulturKapelle.
Foto: hk

 

 

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Kunst im Garten

Der Künstler Jürgen Weber öffnet wieder seinen wunderschönen Garten für die Kunstwerke von Gästen und eigene Kreationen.
Am 1. Juli 2018 von 11 - 17 Uhr
Schlendern Sie umher und sehen sich Malerei, Zeichnungen, Schmuck, Fotografien und (Zeit-) Maschinen an.
Wenn Ihnen etwas gefällt, können Sie es gern käuflich erwerben.
Warme und kalte Getränke gibt es auch!

Garten von Jürgen Weber
Siedenfelder Weg 93
21109 Kirchdorf

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 



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Sommerlektüre

Falkenberg

Falkenberg

hk. Wie es sich für einen guten Krimi gehört, gibt es am Anfang erstmal eine Leiche. Eine Schulklasse macht einen Ausflug auf den – Titel gebenden – Falkenberg in den Harburger Bergen. Die Kinder wollen nach Störtebekers Schatz buddeln, der der Legende nach dort vergraben sein soll – und finden einen Toten. Mit 147 Messerstichen und einem auf dem Rücken eingeritzten Hakenk reuz übel zugerichtet. Die Kommissarinnen der Mordbereitschaft 5, Stella Brandes und Banu Kurtoglu, finden heraus, es handelt sich bei dem Toten um den 87 Jahre alten Dr. Manteuffel aus der nahen feinen Seniorenwohnanlage „Residenz Waldfrieden“. Er war ein sympathischer Zeitgenosse gewesen, hatte im Heim einen Freundeskreis und war sogar mit einer Bewohnerin verlobt. Wer sollte ein Motiv gehabt haben, den netten alten Herrn umzubringen? Das Hakenkreuz lässt die Kommissarinnen einen rechtsradikalen Tathintergrund vermuten. Die Ermittlungen in der Harburger Naziszene laufen ins Leere.
Und dann ist da noch das Schwarzweißfoto einer ominösen Josephine, angeblich seine erste große Liebe. Zwischenkapitel auf einer anderen Zeitebene mit Tagebucheintragungen eines Mädchens aus den 30er und 40er Jahren lassen die LeserInnen ahnen, dass der Mord eine Vorgeschichte hat. Stella und Banu kommen nur langsam voran und müssen dann entdecken: Ein Schüler einer nahen Privatschule, der in seinem Zeitzeugenprojekt viele Gespräche mit Dr. Manteuffel geführt hatte, ist ihnen bei der Klärung des Falls immer um eine Nasenlänge voraus. Mit seiner Hilfe kommen die Ermittlerinnen schließlich grausamen Verbrechen aus der Nazizeit und dem schrecklichen Geheimnis auf die Spur, das einige Bewohner-Innen der Residenz Waldfrieden miteinander verband.
„Falkenberg“ ist ein spannend erzählter und ausgeklügelt aufgebauter Roman, der an die populären skandinavischen Vorbilder erinnert. Dass die Autorin Regine Seemann im Hauptberuf Wilhelmsburger Lehrerin ist, lässt sie nur in ein paar kleinen Exkursen merken, in denen es unvermittelt ganz konkret um guten Unterricht und das Hamburger Bildungswesen geht.- Der zweite Fall für die Kommissarinnen Stella Brandes und Banu Kurtoglu ist schon in Arbeit. Man darf gespannt sein.
Regine Seemann, Falkenberg,
Gmeiner-Verlag, 382 Seiten,
12 Euro

 

Heiland – Tod im Hafenbecken

Heiland-Cover

MG. Felix Huby, bürgerlich Eberhard Hungerbühler, 1938 im schwäbischen Dottenhausen geboren, lebt seit über 25 Jahren in Berlin. Beide Destinationen verarbeitet er in seinem neuen Roman „Tod im Hafenbecken“. Den Großvater von Kommissar Peter Heiland lässt er schwäbeln und in dem Mordfall um Sven Lubinger, im Milieu allgemein bekannt als Malik, verarbeitet Huby beste Ortskenntnisse aus Berlin. Der Tote wird am Grund des Berliner Westhafens gefunden, an den Beinen gefesselt und mit einem Betonklotz versehen. Es kommt alles vor: Prostitution, Rauschgift, Jugendbanden, Mord. Typisch für Kommissar Heiland sind manchmal unkonventionelle Methoden, die oft zum Ziel führen. Auf 250 Seiten wird der Fall von allen Seiten beleuchtet. Oft denkt man, das ist der Mörder oder die Mörderin. Aber der Schluss ist dann doch unerwartet.
Felix Huby schrieb 1976 seinen ersten K riminalroman. Es folgten 19 weitere Romane um Kommissar Bienzle, viele Tatorte und Hörspiele. „Tod im Hafenbecken“ ist der zweite Fall von Kommissar Peter Heiland. Man darf gespannt auf weitere Fälle sein ...
Felix Huby, Heiland,
Gmeiner-Verlag GmbH, Meßkirch,
18 Euro

 

Die Tyrannei des Schmetterlings

Tyrannei-Cover

hk. Das neue Buch von Frank Schätzing „Die Tyrannei des Schmetterlings“ ist ein hoch spannender Thriller, in dem die Rettung der Erde, wie in seinem Bestseller „Der Schwarm“, nur möglich ist, wenn die Menschen verschwinden. „KI“, die künstliche Intelligenz des lernfähigen Superrechners „Ares“, der schon lange selbständig seine Program me entwickelt, gerät seinen Entwicklern außer Kontrolle und verfolgt einen mörderischen Plan. Der Roman beginnt als Provinzkrimi. Sheriff Luther Opoku und seine Kollegin Ruth Underwood, die es sonst mit Einbrüchen, häuslicher Gewalt und kleineren Drogendelikten zu tun haben finden eine Tote, die offenbar einen Felsen herabgestürzt ist. Sie finden heraus, dass es sich bei der Toten um eine Mitarbeiterin des IT-Unternehmens „Nordvisk“ handelt, in dem der Supercomputer „Ares“ entwickelt wird. Sie fahren dorthin.
Und bei der Verfolgung eines Verdächtigen auf dem Nordvisk-Gelände durch mysteriöse Server-Hallen findet Opoku sich – auf Seite 164 – plötzlich in einer Parallelwelt wieder – um mehrere Stunden zeitversetzt. Und nun beginnt der Science-Fiction-Thriller mit menschlichen Bösewichten, Sexrobotern, Mörderlibellen und Cyborg-Heuschrecken als lebende Datenspeicher – alles Ausgeburten des Rechners Ares, um die Erde von den Menschen zu befreien.
Frank Schätzing, Die Tyrannei des Schmetterlings,
Kiepenheuer& Witsch, 762 Seiten,
26 Euro

 

Willipedia. Ein Elbinselführer

Willipedia Cover

sic. Mehr als 500 Kinder aus Wilhelmsburg und von der Veddel haben nun schon zum zweiten Mal über die wirklich wichtigen Orte auf den beiden Elbinseln geschrieben. Die Reise geht von A wie „Abend in Wilhelmsburg“ bis Z wie „Zirkus Willibald“.
Die Kinder beschreiben ihr Wilhelmsburg und ihre Veddel wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, aus herrlich subjektiver Perspektive und mit Blick für die wesentlichen Dinge: Von wem bekommt man Bonbons geschenkt, wo kann man gut spielen und wo ist der Himmel besonders bunt?
Eine kleine Kostprobe: „Harburger Chaussee - Ich habe hier viele Freundinnen. Die Elbe ist ein schöner Ort. Es ist so schön am Deich. Ich kann mich hinsetzen und die Elbe ansehen.
Chiara“.
Maren Töbermann/Forum Bildung Wilhelmsburg (Hg.),
180 Seiten,
9,90 Euro

 

QualityLand

Leon Stein. QualityLand ist eine Welt, der unseren sehr ähnlich – nur weitergedacht. Es wurde umbenannt, weil eine Umfrage ergab, dass der einstige Name nur noch ewig gestrige Nationalisten inspirieren würde. Da Quality-Land das inzwischen wichtigste Land der Welt ist (im Gegensatz zu den anderen Ländern, QuantityLand 1-9) darf über QualityLand nur im Superlativ geredet werden. Die Kinder tragen als Nachnamen jeweils den Beruf ihrer Eltern, z.B. Peter Arbeitsloser. Aus der Welt der Algorythmen, selbstfahrenden Mietautos und den größten Gigakonzernen überhaupt erzählt Marc-Uwe Kling mit jeder Menge Sarkasmus, Humor, Gesellschaftskritik und hervorragend funktionierenden Running Gags.
Marc-Uwe Kling, QualityLand,
Ullstein-Verlag,
384 Seiten, 18 Euro

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Inselpark: Werde Weltenwandler*in in der Kulturkapelle Wilhelmsburg

PM. Im Wilhelmsburger Inselpark befindet sich die KulturKapelle, ein wunderschönes denkmalgeschütztes Gebäude umgeben von Grün. Seit 2016 wird die Kapelle von montags bis donnerstags von verschiedenen außerschulischen Bildungsanbietern als Ort für Globales Lernen genutzt. ‚Globales Lernen‘ möchte komplexe Zusammenhänge greifbar machen und nachhaltige Veränderung anstoßen.
Im März 2018 startete Lina Klingebeil als neue Ansprechpartnerin für den Lernort KulturKapelle. Ihr Anliegen ist es, den Ort für Wilhelmsburger stärker zu öffnen und zu vernetzen.
Workshops zu Themen, wie Globalisierung, Ökologie und Fairer Handel (u.v.m.) sind Teil des Bildungsprogramms für Schulklassen gegen eine kleine Gebühr. Für den Projekttag HUMAN RIGHTS ON THE MOVE! im Rahmen des gleichnamigen Festivals am 28.6.2018 werden 2 Schulklassen ab Jahrgang 7 gesucht. Wichtige Zusammenhänge zum Thema Flucht, Asyl und Menschenrechte sollen erforscht werden.

In den Sommerferien sind 10- bis 15-Jährige aufgerufen selbst WELTENWANDLER*IN zu werden. Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Vom 9. bis 12. Juli können die Teilnehmenden dieser Frage nachgehen und sich kreativ in Form von Bildern, Videooder Audioschnipseln ausdrücken.
Im Newsletter wird in Kürze eine Ausschreibung für die Raumnutzung im Sommer insbesondere für Wilhelmsburger Initiativen und Akteure geben.
Auch individuelle Wünsche und Projektideen für den Lernort sind willkommen.
Informationen gibt es im Internet unter: www.lernort-kulturkapelle.de.
Alle Anfragen per Mail an: info@lernort-kulturkapelle.de

 

 

 

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Honigfabrik

 

 

 

 

 

 

 

Lesung, Musik, Party und 48h Wilhelmsburg
Die Honigfabrik bietet im Mai und Juni ein abwechslungsreiches Programm.
Auch bei 48h ist sie wieder dabei!

Plakat

Ein Abend voller Poesie.
Foto: MAViBLAU

Do., 24.5., 19 h, Café Pause: Lesung: MAViBLAU presents IstanbuLyrik in Hamburg
Mit Worten das Innerste ausdrücken, Gedanken in Schwung bringen, Gefühle umwälzen, Seelen berühren und Grenzen überwinden ... Begleitet wird das Poetry-Programm von einer Fotoausstellung und türkischer Live-Musik. Gemeinsam mit Euch wollen wir diese Kunst-Kombi genießen und schöne Momente teilen.
Derin iç dünyamızı kaleme dökmek, düşünceleri harekete geçirmek, hisleri darma duman etmek, ruha dokunmak ve sınırları aşmak – bunları 24 Mayıs 2018‘de Hamburg’da sizlerle deneyimlemek istiyoruz. Şiirin yanı sıra etkinliğimizde sizleri fotoğraf sergisi ve canlı müzik bekliyor. Sizlerle birlikte bu sanat üçlüsünün tadına varmak ve güzel anlar yakalamak istiyoruz!

Eintritt frei!
https://www.facebook.com/events/362833454219740/
http://www.maviblau.com/


Fr., 25.5., 21 h
Hamburg Local Heroes: The Funktries & PANTA

Funktries

Das Beste aus Funk und Country, dazu noch tanzbar: The Funktries.
Foto: Band

Zwei Bands, die an diesem Abend den Funk, den Soul und eine Prise Country auf die Honigfabrik-Bühne bringen. The Funktries - Ein neuer Groove weht durch Hamburg. Das Beste aus Funk und Country fusioniert zu tanzbarer Gute-Laune-Musik - Funktry ist geboren!
Rockhörer nennen es Soul, Soulhörer nennen es Rock. In dieser Band bringen fünf starke Persönlichkeiten fünf verschiedene Ideen von Musik zusammen und werden dabei zu einer Einheit: Bei PANTA trifft Rock auf Soul, Funk, Indie und Pop und eine heiße Mischung aus Alt und Neu entsteht. Lasst Euch überraschen.

VVK: 6 Euro + Geb./AK: 8 Euro


Sa., 26.5., 20 h, Café Pause Axel Jürgens
Eine Hommage an Jonny Cash – American Folk- and Country-Music.
Eintritt frei!

 

 


 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

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„Schläft ein Lied in allen Dingen“
„Konfetti plus“ ist ein intergeneratives, musikalisches Theaterprojekt.
Drei Aufführungen wird es geben

Theater

Bei dem Theaterprojekt haben Senior*innen mit Demenz und Schüler*innen
in wöchentlichen Treffen gemeinsam Musik gemacht
.
Foto: Andreas Bock

PM. Ein Jahr hat die Gruppe des Projekts „Konfetti plus“ gemeinsam musiziert und Theater gespielt und nun ist es endlich soweit, dass alles einem Publikum gezeigt wird. Was wäre wenn es keine Musik mehr auf der Welt geben würde? Um das zu verhindern, begibt sich die Gruppe auf eine märchenhafte Reise, um die Töne wieder zusammenzufügen ...
„Konfetti plus“ ist ein intergeneratives, musikalisches Theaterprojekt unter der Trägerschaft der Stiftung Bürgerhaus Wilhelmsburg. Die Gruppe besteht aus Senior*innen mit Demenz aus dem Seniorenwohnheim Am Inselpark, dem Malteserstift St. Maximilian Kolbe und Pflegen&Wohnen Wilhelmsburg sowie Schüler*innen der Schule An der Burgweide, die in wöchentlichen Treffen miteinander Musik gemacht haben und Szenen erfunden haben.

Gefördert wird das Projekt vom Hamburger Spendenparlament, der Homann-Stiftung und der deutschen Stiftung für Demenzerkrankte.
Zu sehen ist das Stück am Sonntag, 10. Juni um 15 Uhr im Rahmen von 48h Wilhemsburg in der Emmauskirche, Mannesallee 20, am Freitag, den 15. Juni um 16 Uhr im Bürgerhaus Wilhemsburg, Mengestr. 20, und am 18. Juni um 10 Uhr in der Schule An der Burgweide, Karl-Arnold-Ring 13.
Der Eintritt ist frei!

 

 

 

 

 

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Riesen-Lehmskulpturen bauen
Aus Lehm entstehen meterhohe Skulpturen, die Räume zur Begegnung bieten sollen. Mitmachen ist kostenlos

Lehmbauer

Stolze Lehmbauer beim Lehmbau-Projekt in Wilhelmsburg 2017.

PM. Großes Lehmbau-Festival in der Bahnhofspassage in Wilhelmsburg. Von Mitte Mai bis Mitte Juni bauen etwa 5000 Kinder und Erwachsene nach eigenen Ideen begehbare Räume und bis vier Meter hohe Skulpturen aus Lehm. Sie schaffen nicht nur fantasievolle Architektur, sondern auch neue Räume der Begegnung. Bei der öffentlichen Baukunst-Aktion des gemeinnützigen Vereins Bunte Kuh kann jeder mitmachen.
Das Team von Bunte Kuh e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen insbesondere von Kindern und Jugendlichen in sozialen Brennpunkten zu leisten, indem es vor Ort durch niedrigschwellige Lehmbau-Mitmach-Aktionen - für alle Besucher, offen und kostenlos - kulturelle Bildung im Bereich Architektur/künstlerisches Gestalten anbietet.

Wo: Bahnhofspassage (direkt am S-Bahnhof Wilhelmsburg) 21109 Hamburg
Wann: Mitbauen vom 17. Mai bis 10.Juni, Dienstag bis Sonntag 9.30 - 17 Uhr.
Die fertigen Bauten können bestaunt und bespielt werden beim Fest am Sonnabend, 10. Juni, 15 - 18 Uhr, und während der Ausstellung vom 11. bis 19. Juni, täglich 10 - 18 Uhr.
Der Eintritt ist frei.
Eine Anmeldung ist nur für Gruppen ab vier Personen erforderlich, Tel. 040-39 90 54 31.
Weitere Infos unter www.buntekuh-hamburg.de.

 

Lehmbauten

Riesengroße Lehmskulpturen wie diesesollen auch in diesem Jahr wieder entstehen.
Fotos: Karen Derksen

 




 

 

 

 

 

 

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WIR werden Dich vermissen. Zum Tod von Klaus Meise
Klaus Meise, kritischer Begleiter des Wilhelmsburger InselRundblicks seit Gründung starb im Alter von 81 Jahren.

Niedersachsenhaus

MG. Eine von Klaus‘ letzten Zeichnungen: das Niedersachsenhaus. Mit solchen fein gezeichneten Bildern verzierte Klaus Meise seine Briefe, Umschläge oder Postkarten, die er schrieb.
Von Computern hielt er nichts. Früher schrieb er seine Artikel für den Wilhelmsburger InselRundblick auf einer Schreibmaschine. Und die Rätsel, mit denen er seit Jahren den WIR versorgte, schmückte er gern mit zur Lösung passenden Zeichnungen. Zum Glück für unsere Rätselfreundinnen und -freunde, war er sehr produktiv und wir haben noch einige seiner Rätsel auf Vorrat.
Klaus hat den Wilhelmsburger InselRundblick immer kritisch begleitet, mal mit Lob, aber er konnte auch böse werden, wenn WIR seiner Meinung nach Blödsinn machten oder nicht das berichteten, was er für wichtig hielt. Doch wir wussten, dass er trotz mancher Kritik immer stolz auf den Wilhelmsburger InselRundblick war, die älteste Stadtteilzeitung Hamburgs.
Zu seinem 80. Geburtstag im Mai 2016 konnten WIR ihm gratulieren und aus seinem erfüllten Leben berichten, das er seit 1974 mit seiner Karin teilte.
Sein Lob, aber auch sein Tadel werden uns fehlen.
Unser Beileid gilt seiner Frau Karin.
Die Redaktion

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Winter- / Sommerlektüre

 

Lesetipps aus der Bücherhalle Wilhelmsburg


Belletristik für Erwachsene:


„Die drei Sonnen“ von Cixin Liu (Science Fiction)
„Die Jahrhundert-Triologie“ von Carmen Korn (Geschichte, Frauen)
„Der Winter Kaiser“ von Katherine Addison (Fantasy)
„Der Schwimmer“ von Joakim Zander (Thriller)
„Die Flüsse von London“-Reihe von Ben Aaronovich (Mystery)


Kinderbücher:

„Gregs Tagebuch“ Bd.12 von Jeff Kinney
„Asterix in Italien“
„Das Sams feiert Weihnachten“ von Paul Maar

 

 

Ein spannendes Familiendrama

Buchcover

MG. „Das Baby ist tot. Wenige Sekunden haben genügt. Der Arzt hat versichert, dass es nicht leiden musste. Man hat es in eine graue Hülle gelegt und den Reißverschluss über dem verrenkten Körper zugezogen, der inmitten der Spielzeuge trieb. Die Kleine dagegen war noch am Leben, als die Sanitäter kamen. Sie hatte sich gewehrt wie eine Wilde.“ Auch sie überlebt das grausame Verbrechen der Kinderfrau Louise nicht. Louise hat den Selbstmordversuch überlebt, liegt aber fortan im Koma.
Nach diesem düsteren Ende erfahren die LeserInnen die Geschichte der Massés, die in Paris im 10. Arrondissement leben. Paul ist Musikproduzent mit wachsendem Erfolg und Myriam möchte nach dem zweiten Kind wieder in ihren Beruf zurück. Also muss eine Nanny her. Die Wahl fällt auf Louise, Anfang 40, Witwe. Zu Stéphanie, ihrer erwachsenen Tochter hat sie keinen Kontakt. Louise wird zu der von den Kindern innigst geliebten Nounou, die sich für die ganze Familie unentbehrlich macht, aber die LeserInnen spüren die Schranke, die zwischen den beiden Lebenswelten besteht. Louise bleibt in ihrem privaten Leben mit ihrer Einsamkeit, Schulden und Verlust ihrer Wohnung allein. In Louise wächst die Angst, mit zunehmendem Alter der Kinder überflüssig zu werden. Als ihre Hoffnung, für die Familie unentbehrlich zu werden, wenn Myriam noch ein drittes Kind bekommen würde, sich nicht erfüllt, zerbricht für Louise eine Welt. Leïla Slimani zeichnet die beteiligten Personen genau, so dass die LeserInnen – auch wenn es kein Krimi ist – gebannt verfolgen, wie sich das Drama entwickelt.
Die französisch-marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani lebt in Paris. Es ist ihr zweiter Roman.

Leïla Slimani, Dann schlaf auch du,
Luchterhand, 2017, 224 Seiten, 20 Euro

 

Reich und Arm

Buchcover

kdm. In dem Buch machen sich die Freundinnen Rachel und Allison auf eine Reise in das fremde, irreale Herz Großbritanniens. Irreal, befremdlich - genauso wird diese Reise auch! Die Frauen erleben auf ihren Lebenswegen sowohl die gut gestellten, versorgten Kreise als auch die erfolglose, abhängige Bevölkerung. Der Roman blickt so auf die beiden Enden der Gesellschaft: Der Hybris der Reichen stehen die Kümmernisse der Armen gegenüber. Menschen in Extrempositionen an beiden Enden werden beschrieben.
Die Geschichte spielt in Großbritannien, ist aber in jedes westlich wohlversorgte Land übertragbar. Das Buch ist eine gute Empfehlung für all jene, die eine Beschreibung extremer Alltagssituationen aushalten können.

Nummer 11,
Jonathan Coe
Folio Verlag 2017, 24 Euro

 

Von der Haustür in den hohen Norden

Buchcover

hk. Die Journalistin Svenja Beller und ihr Freund, der Fotograf Roman Pawlowski hatten eine einfache aber nicht alltägliche Idee für ein Reisebuch: Sie wollten von ihrer Hamburger Wohnung aus zwei Monate zu Fuß „nach Norden“ gehen. Ohne festes Ziel und festgelegte Route. Bepackt nur mit Rucksack und einem Zelt. Auch öffentliche Verkehrsmittel, Hotels und Campingplätze wollten sie meiden. Herausgekommen ist ein Buch über Landschaften und vor allem über Begegnungen mit Menschen. Die einzelnen Etappen ihrer Reise werden bestimmt durch Autofahrer (und Schiffer), die sie ein Stück mitnehmen und durch Menschen, die sie auf ihrem Grundstück zelten lassen oder ihnen gleich bei sich zu Hause ein Bett anbieten: Da ist der Student Micha, in dessen Flensburger Wohngemeinschaft sie unterkommen, und der in einer Wikingerparallelwelt lebt, Björn, der sie in Norwegen zu seiner Tante mitnimmt, oder der Eismann Fred, der sie auf der Inselgruppe der Versteraalen ganz im Norden in seinem Eiswagen mit auf die Verkaufstour nimmt und sie gerade noch rechtzeitig an der Fähre abliefert. Lauter kleine Reportage-Perlen, anschaulich und mit Witz geschrieben, illustriert mit schönen Fotos. Man möchte nach der Lektüre eigentlich gleich selbst den Rucksack packen. Einstweilen ist es in der kalten Jahreszeit aber auch ein gutes Vorlesebuch.

Svenja Beller, Roman Pawlowski, Einfach loslaufen, Dumont, 2017, 22,90 Euro

 

Dat hebbt wi geern

Buchcover

sic. Ein Hamburg-Buch? Ja. Ein Wörterbuch? Irgendwie schon. Ein Bilderbuch? Unbedingt.
Das Büchlein „so un annersrüm – das kleine Hamburg-Buch der Gegensätze“ ist durch und durch bildlich gestaltet. Mit gezeichneten Hamburgensien werden Gegensatzpaare plattdeutscher Vokabeln illustriert. So sehen wir zu den Worten „groot“ und „lütt“ einen hochbeladenen Containerriesen und daneben den kleinen Schlepper. Wir sehen lange HVV-Gelenkbusse und kurze Wasserstoffbusse (lang/kort), die Laeisz-Halle und die Elfi (na, raten Sie mal!). Grafik und Bilder stehen immer in einem augenzwinkernden Zusammenhang mit dem Inhalt. Es macht Spaß, das an zugucken. Die Zeichnungen sind ein wenig kindlich, wie es derzeit Mode ist, besitzen aber durchaus doppelbödige Details. Klang und Emotionalität des Niederdeutschen werden durch die Auswahl der einzelnen Wörter spürbar. Eine hübsche Aufmerksamkeit zu Weihnachten für liebe Menschen.

Tanja Esch, so un annersrüm,
Junius-Verlag, 2017, 12 Euro

 

Erkenntnisgewinn garantiert

Buchcover

sic. Das Hamburger Architektur-Jahrbuch 2017/18, wie immer herausgegeben von der Hamburgischen Architektenkammer und erschienen im Hamburger Junius-Verlag, ist ein gewichtiger, großformatiger Band mit vielen Abbildungen. Wer mit offenen Augen durch Hamburg geht und die Neubauten der vergangenen Jahre betrachtet, wird nicht umhin kommen festzustellen, dass die ästhetische Gestaltung des Buches seinen Gegenstand in so manchem Fall
überflügelt.
Wie immer man zur Hamburger Architektur und Stadtplanung stehen mag, das Jahrbuch bietet unzweifelhaft wichtige Einblicke. Es geht darin nicht nur um die Erläuterung aktueller Bau-Ideen von 2017/18. In interessanten Aufsätzen nehmen sich Fachleute auch bestimmter Themen an, zum Beispiel dem Moschee-Bau und seiner Bedeutung, der Schularchitektur oder der aktuellen Kontroverse um das serielle Bauen. Gerade die thematischen Beiträge bieten in ihrer Zusammenschau neue Perspektiven auf Hamburgs Baukultur.

Architektur in Hamburg, Jahrbuch 2017/18,
Hg. Hamburgische Architektenkammer,
Junius-Verlag, 2017, 39,90 Euro

 

„Ökoroutine“

Ökoroutine

hk. Der Titel „Ökoroutine“ lässt erstmal ein dröges Sachbuch vermuten. Der Autor, Michael Kopatz, ist Wissenschaftler am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie.
Er war 2008 Mitverfasser der Studie „Zukunftsfähiges Hamburg“. Thema des Buches ist die Nachhaltigkeit: Was müssen wir tun oder lassen, um Umweltzerstörung, Ressourcenverschwendung, globale Erwärmung zu stoppen. Was er schreibt ist alles nicht neu, wie der Autor selber sagt. Das Besondere ist, dass nicht Appelle für individuelle Verhaltensänderung im Mittelpunkt stehen. Kopatz beschreibt vielmehr die nötigen strukturellen Maßnahmen und – auch unbequeme – Gesetzesvorgaben als Voraussetzung dafür, dass nachhaltiges Leben zum selbstverständlichen Alltag werden könnte – zur Ökoroutine.
Schon im ersten Kapitel wird klar, dies ist kein dröges Sachbuch. Kopatz wirbt engagiert, mit vielen anschaulichen Beispielen und mit Witz für die Sache. In elf Kapiteln u.a. zu den Themen Essen, Wohnen, Verkehr, Wirtschaft macht er konkrete Vorschläge, wie schon mit vergleichsweise kleinen Fördermaßnahmen und Gesetzesänderungen Schritte zur „Ökoroutine“ gemacht werden könnten. In jedem Abschnitt führt er Beispiele für positive Schritte an, die bei uns oder im Ausland in dieser Richtung schon gemacht wurden. Und er lässt auch keinen Zweifel daran, dass dafür oft gekämpft werden musste und ein langer Atem notwendig war. Man muss nicht alle Vorschläge teilen, die Kopatz macht, ein wichtiger Ansatz ist das Konzept Ökoroutine allemal.
Für die Wilhelmsburger, die nach den Plänen des Senats demnächst die A26 vor ihrer Haustür haben sollen, ist im Besonderen natürlich das Kapitel über den Verkehr interessant. Die Argumente des Bündnisses Verkehrswende gegen die Autobahn finden sich hier wieder, weitere interessante Punkte kommen hinzu: Von der Streichung des Dienstwagenprivilegs, das den Verkauf der meisten Oberklassewagen begünstigt über die Förderung von Carsharing, die Stärkung der Nahversorgung zur Vermeidung unsinniger Ferntransporte bis zum „Gott-sei-bei-uns“ von HVV und Verkehrssenator: dem kostenlosen Bürgerticket. Das Ticket war auch schon der Aufreger in der Studie von 2008.

Ökoroutine, Michael Kopitz, oekom-Verlag, Wuppertal-Institut,
München 2016, 24,95 Euro

 

Rückkehr nach Reims von Didier Eribon

Klaus-D Müller. In Frankreich stehen die Präsidentschaftswahlen an und Marine Le Pen könnte Präsidentin werden. Als Europäer interessiere ich mich für den mir nicht sehr bekannten Nachbarn Frankreich. Ausgiebige Informationen bietet dazu die Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb). Bei dem Versuch die Besonderheiten zu verstehen wird auf
einen Roman verwiesen. Die bpb bietet das Buch auch direkt zum Kauf an.
Der Soziologe Didier Eribon verließ seine Heimat in der Champagne als sehr junger Mann. Der Sohn einer Arbeiterfamilie wurde in Paris zum bekannten Intellektuellen und grenzte sich bewusst von seinem Herkunftsmilieu ab - verleugnete es im Bemühen um soziale Anerkennung sogar. Jahrzehnte später kehrt er in seine Heimatstadt Reims zurück. Dies nimmt er zum Anlass für eine autobiografische Aufarbeitung seiner Lebensgeschichte, die er mit einer soziologischen Analyse seines Herk unftsmilieus verknüpft.
Eine seiner dringlichsten Fragen: War um wenden sich Schichten, die traditionell Wähler linker Parteien und Unterstützer linker Politik waren, nun in großer Anzahl rechtsextremen Kräften wie dem „Front National“ zu? Zwar waren, wie Eribon auch an seiner eigenen Biografie veranschaulicht, Homophobie, Fremdenhass und verfestigte Einstellungen in der Arbeiterschicht und darüber hinaus immer schon latent vorhanden, doch sie dr ückten sich bisher nicht in starkem Zuspruch zu rechtsextremen Kräften aus. Eribon erklärt diesen Umschwung unter anderem mit Klassenunterschieden, veränderten ökonomischen Bedingungen und Versäumnissen linker Politik.
So erlangt seine Gesellschaftsanalyse auch weit über die Grenzen Frankreichs hinaus Gültigkeit. Und richtig: man bekommt eine Vorstellung vom System der schulischen Bildung und warum es nur theoretisch „allen freien Bürgern“ die bestmöglichen Bildungschancen bietet. Also empfohlen für das Bildungssystem und die Klassenunterschiede in Frankreich. Wir erinnern uns an die Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Lizenzausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung
ISBN 978-3-7425-0005-2, 4,50€

www.bpb.de

 

 

Wörter an die Macht

Buch

hk. Vor fünf Jahren erschien schon einmal ein kleines Buch „Wörter an die Macht“. Damals war es das Endprodukt eines Geschichtenseminars mit SchülerInnen von den Elbinseln.
Initiiert vom „Förder werk Elbinseln e.V.“. Das neue Projekt „Wörter an die Macht 2014“ wandte sich an Menschen unterschiedlichen Alters. „Die jüngste Teilnehmerin war 16, der älteste 75 Jahre alt,“ schreiben die Projektleiter Jörg Ehrnsberger und Thorsten Stegemann im Vorwort des Buches. Es gab SchreibanfängerInnen und Profis, geborene und zugezogene WilhelmsburgerInnen. Eine Asylbewerberin musste nach der Hälfte des Projekts ausreisen. Herausgekommen ist eine Sammlung ganz unterschiedlicher Texte vom nüchter nen Bericht über den Nachteinsatz eines Deichwarts bis zur feinen Kurzstory über ein Mädchen, das nicht nein sagen konnte. Es gibt Lustiges: eine Frau von der Bauaufsicht fällt in der Soul-Kitchen-Halle von der Leiter; auf einem Hinterhof spielen die Kinder Zirkus Krone.

Und es gibt Anrührendes: Eine alte Türkin, die so sehr den Garten in ihrem Dorf vermisst, findet per Zufall den interkulturellen Garten. Es gibt Geschichten über Konflikte mit und ohne Happyend, und natürlich gehört eine (Fast-) Kneipenschägerei auch dazu. Die Herausgeber laden die Leser von außerhalb dazu ein, mit dem Buch einen neuen Blick auf die – exotischen – Elbinseln zu entwickeln. Man kann „Wörter an die Macht“ aber auch einfach als gute Geschichten aus dem ganz normalen Leben lesen.

Wörter an die Macht, Hg. Edmund Siemers und Michael Seufert,
Förderwerk Elbinseln e.V.
148 Seiten, 13,50 Euro

 

Neues Buch über Wilhelmsburger Straßen
Überblick, Geschichte und viele Bilder auf 60 Seiten

Reichsstrasse

Die Wilhelmsburger Reichsstraße im Jahr 1952.
Foto: ein

PM. Jugendstilgiebel, stuckverzierte Fassaden, in den Eingängen farbige Kacheln mit maritimen Motiven: Das ist die Fährstraße im Wilhelmsburger Nordwesten - plötzlich durchschnitten von einem Deich. Wie kam das? Geschichte liegt auf der Straße! Man muss sie nur aufheben. Auf den Elbinseln Wilhelmsburg und der Veddel sind es ungeheuer viele Geschichten. Das unterscheidet sie von fast allen Hamburger Stadtteilen.

Das Kuriose: Kaum zu glauben, Passierzettel soll eine Straße sein? Aber es stimmt. Dahinter steht eine fast vergessene Geschichte das Hamburger Hafens: Passierzettel heißt eine kleine Straße auf der Veddel - ein Hinweis auf die direkte Nachbarschaft zum Freihafen, den man nur mit dem besagten Papier betreten durfte.

Das Geläufige: Überall findet man Straßen, die an bedeutende Persönlichkeiten erinnern. Gängig als Namensgeber sind die Vorbesitzer des Geländes, die mit Land- und Grundbesitz Geschichte schrieben. Wie zum Beispiel Georg Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, dem nicht nur die Insel, sondern auch eine der Hauptstraßen ihren Namen verdankt.

Das Neue: Wilhelmsburg verändert sich, neue Straßen erzählen neue Geschichten. Etwa die von Dursun Akçam: Nach ihm ist seit 2015 ein Uferweg am Veringkanal benannt. Der türkische Schriftsteller wirkte in Wilhelmsburg lange für das Verständnis zwischen Einheimischen und Migranten.

Geschichte der Inseln erkunden:
Ungewöhnlich viele Straßennamen hier erzählen über frühere Landschaftsformen im
Grenzgebiet zwischen Fluss und Land: Der Name Pollhornbogen zum Beispiel im südwestlichen Gewerbegebiet Wilhelmsburgs geht zurück auf ‚Pullhorn‘: früheres Außengelände vor dem grünen Deich. Horn: Winkel, Ecke. Pull bedeutet Spitze. Pullhorn ist also vielleicht die spitze Ecke einer früheren Insel oder Halbinsel gewesen.

Das Alte: verschwindet. Die Wilhelmsburger Reichsstraße wird würdig verabschiedet…

Auf 60 Seiten bietet das kleine Buch einen aktuellen Überblick über alle Straßen Wilhelmsburgs und der Veddel und ihre Geschichte, reich bebildert mit 100 Fotos aus über 100 Jahren Stadtteilgeschichte. Herausgegeben von der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen, 60 Seiten, 6 Euro.

Erhältlich in der Buchhandlung Lüdemann, im Museum Elbinsel Wilhelmsburg und natürlich in der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg, HONIGFABRIK, Industriestr. 125-131, Tel. 040 42 10 39 15,
www.geschichtswerkstatt-wilhelmsburg.de. Mail: markertm@honigfabrik. de

Buch

 

 

 

 

 

 

 

Käsebier erobert den Kurfürstendamm


sic. Dieses Buch hören Sie beim Lesen. Großstadtlärm, Stille in den Seitenstraßen, den schwungvoll-ungehobelten Gesang des Varietésängers Käsebier, Schritte, Schreibmaschinen, Stimmen ... Und Sie sehen sie vor sich, die unterschiedlichen Menschen: die unglücklich verliebte Redaktionssekretärin, den Untermieter, den Baulöwen, den Bankier und seine Gattin. Sie sehen auch Schreibtische mit mehr oder weniger wichtigen Männern dahinter, den Setzer in seiner Setzerei, armselige Zimmer und prächtige Wohnungen, das billige Varieté und das noble.
Die wiederentdeckte Geschichte vom medial hochgejubelten Sänger Käsebier und allen, die an diesem zweifelhaften Ruhm partizipieren möchten, spielt im Berlin am Ende der Weimarer Zeit. Die Themen der rasanten Geschichte sind aktueller denn je: Es geht um die Definition von „Kunst“, um Prominenz, Stars und Sternchen und um einen mittelmäßigen Unterhalter, der zum Künstler hochgehypt wird. Es geht um den Verlust von Qualitätsjournalismus zugunsten von Wirtschaf tlichkeit, um Wohnungsnot und Wohnungsbau, Abstiegsängste, Verarmung und abgehobene Superreiche.
Das Ganze ist höchst witzig und intelligent erzählt. Die Autorin Gabriele Tergit war Journalistin in Berlin und Deutschlands erste Gerichtsreporterin. Sie schreibt im Reportageton, schnell, farbig, direkt, erweckt mit wenigen Worten ganze Szenerien und Milieus zum Leben. Zwischendrin findet sie fast lyrische Bilder, erinnert darin an ihre Zeitgenossin Mascha Kaléko. Den Grundton bildet eine feine, ironische Distanz.
Grandios sind auch die Dialoge. Über weite Strecken benötigt die Autorin überhaupt keine näheren Beschreibungen des Sprechens, es heißt einfach nur „sagte Margot“ oder „fragte Oberndorfer“, oft noch nicht einmal das. Denn die wörtliche Rede hat bei Gabriele Tergit alles schon in sich, sie charakterisiert die Personen, lebendig und individuell, und den Ton ihrer Unterhaltung.
Allein wegen der wundervollen Sprache, macht es Riesenspaß, dieses Buch zu lesen. Doch auch alle, die einfach nur gute Geschichten wollen, kommen auf ihre Kosten. Denn man wird mitgerissen wie die Figuren selbst, wander durch die unterschiedlichen Großstadtmilieus und bekommt en passant auch eine ganze Menge mit über das Ende der Weimarer Republik.
Als der Roman 1931 herauskam, war er ein großer Erfolg. Gabriele Tergit emigrierte 1933 nach Palästina, zog 1983 nach London, wo sie bis zu ihrem Tod 1982 lebte.

Käsebier erobert den Kurfürstendamm,
Gabriele Tergit,
Schöffling & Co., 398 Seiten, 24,95 Euro

 

 

 

 

 

Club der Töchter*

Buch


pv. Natasha Fennells Mutter kommt schwer erkrankt ins Krankenhaus. Natasha fragt sich, ob sie ihr wohl eine gute Tochter ist. Was möchte sie noch mit ihr unternehmen, ihr sagen oder sie fragen? Ihre Gedanken for muliert sie in einer Kolumne, auf die sie zahlreiche Resonanzen unterschiedlichster Frauen bekommt.
Gemeinsam mit Róisín Ingle gründet Fennells mit neun Frauen den Club der Töchter. Aus diesen Gesprächen entsteht ein Buch, in dem die Frauen über von ihren persönlichen Geschichten und Beziehungen zu ihren Müttern erzählen. Dabei wird schnell klar: Jede von ihnen möchte etwas verbessern, der Mutter Zeit oder Aufmerksamkeit schenken oder Dankbarkeit aussprechen.
Dieses Buch erhält durch die persönlichen Geschichten und Kommentare der Autorinnen einen Sachbuchcharakter. Doch es ist kein Ratgeber mit konkreten Vorschlägen, sondern ein eher individuelles Stimmungsbild jeder der Frauen und ihres Mutter-Tochter-Verhältnisses.
Man liest die Berichte und ist zum Teil erfreut, erschrocken, traurig und tief berührt. „Club der Töchter“ behandelt ein Thema, über das sich vielleicht die meisten Frauen wenig Gedanken machen, das aber fast jede Frau früher oder später beschäftigen wird: War/bin ich meiner Mutter eine gute Tochter? Oder im schlimmsten Fall: Wieso denke ich erst jetzt darüber nach, wo sie tot ist? Ein bewegendes Buch mit unterschiedlichen Aspekten, die man selbst so nicht erlebt haben muss, die aber nachdenken lassen über das eigene Verhältnis zur Mutter.

Natasha Fennell, Róisín Ingle: Club der Töchter,
240 Seiten, Ki-Wi-Verlag, 2016 ,9.99 Euro, ISBN 978-3-462-04873-5

 

Coolman

Coolman und ich. Ab in die Schule!*

sic. Da hat die Jury des Preuschhofpreises tatsächlich ein super Buch auf den 1. Platz gewählt! Die Thematik „Einschulung“ wird hier einfach als Grundlage für eine lustige, anarchische Geschichte über Kinder und Schule genutzt.
Der Ich-Erzähler Kai betritt die neue Institution an der Seite seiner besorgt-aufgeregten Eltern und seines unsichtbaren Kumpels Coolman. Coolman will immer nur Aufmerksamkeit, Spaß und die Bonbons aus Kais Schultüte haben. Die schulischen Abläufe demontiert er nach Herzenslust.
Das macht soviel Spaß, dass auch ErstleserInnen, die ihre Einschulung schon hinter sich haben, das Buch mit Freude lesen können. Auch prima: Sprachlich traut es den ErstleserInnen Einiges zu. Die Sprache ist schlicht und dennoch niveauvoll und niemals gekünstelt kindlich. Auch die Illustrationen sind gelungen. Frech und lebendig, genau hingesehen. Kleine Comic-Elemente sorgen für Bewegung, die Bilder sind bunt, ohne grell zu sein. Die Kombination von Text und Bild ist locker und angenehm anzuschauen.

Rüdiger Bertram/Heribert Schulmeyer: Coolman und ich. Ab in die Schule! Oetinger,
39 Seiten, 7,99 Euro

 

Friedensträume

Traum von Frieden*

pv. Der Junge, der vom Frieden träumte, ist ein Roman, der das Schicksal des jungen Palästinensers Achmed erzählt. Nachdem seine zweijährige Schwester auf einem Minenfeld stirbt und sein Vater unverschuldet inhaftiert wird, kämpft Achmed mit 12 Jahren um das Überleben seiner inzwischen total verarmten Familie. Hochbegabt gewinnt er ein begehrtes Stipendium an einer renommierten jüdischen Universität, studiert, arbeitet unter härtesten Bedingungen und erhält den Nobelpreis für Physik.
Das Schicksal des Protagonisten beginnt ab der ersten Seite und steigert sich bis zur letzten Seite ins Emotionalste. Wie Achmed sein Leben lebt und wie er damit umgeht, ist faszinierend, erschreckend und berührend zugleich. Michelle Cohen Corasanti, Jüdin, Anwältin für Menschen rechte, besuchte die Hebrew University of Jerusalem, wo sie ihren Master in Nahostwissenschaften machte.

Michelle Cohen Corasanti: Der Junge der vom Frieden träumte,
Fischer Verlag 2016, 400 Seiten,
9.99 Euro

 

 


 

 

 

 

 

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