23. Jahrgang,
Ausgabe 12
Dez. / Jan.
2017 / 2018
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Neue Chancen

„Schrott geht hier nicht raus“
Angebote zum Deutschlernen
Beratung, Fußball, Deutsch lernen, Nähen
DIH-Timetable
„Mein Kopf war zu voll“
Unterstützung bei der Wohnungssuche
„Das Hamburger Rathaus“

 

„Schrott geht hier nicht raus“
Ab Januar startet das Projekt „Werkstatt ohne Grenzen“ in den Veringhöfen.

Werkstatt

Peter Klemme erklärt Mohammad wild gestikulierend die Schleifmaschine. Im Hintergrund hört Safi Baz Gul genau zu - gleich darf er sich selbst an der Maschine versuchen.
Foto: han

han. Mohammad stellt seine Füße genau auf den Markierungsstreifen, der vor der Schleifmaschine gezogen wurde. Dann nimmt er ein Stück Holz in die Hand. Plötzlich wird er geschubst, Mohammad tritt zwei Schritte zurück, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Er schaut verdutzt. „Ich habe dir doch gesagt, dass du leicht in die Knie gehen sollst“, sagt Peter Klemme in einem lauten, bestimmenden Ton. „An schnell laufenden Maschinen ist ein sicherer Stand enorm wichtig. Sonst passiert noch was.“
Klemme ist Leiter der „Werkstatt ohne Grenzen“, ein Projekt vom Verein „Die Insel hilft“, das ab Januar in den Veringhöfen startet. Ziel des Projektes ist, junge Geflüchtete in Ausbildungsplätze zu vermitteln. „Die derzeitige Vermittlung von Geflüchteten in Jobs funktioniert nicht, das sehe ich doch“, sagt Klemme, der an der Stadtteilschule Wilhelmsburg Abteilungsleiter für Arbeitslehre ist. „Da werden Tischler als Schlosser vermittelt, und wenn dann Probleme mit dem Chef auftreten, weil Erwartungen nicht erfüllt wurden, dann verlieren sie die Motivation. Ist doch klar.“
Klemme will Geflüchteten die Chance geben, ihre Fähigkeiten zu erkennen und auszubauen. Als Soldat hat er in Afghanistan, Usbekistan und im Kosovo unter anderem Schulen, Waisen- und Krankenhäuser gebaut. Diese Erfahrungen seien für ihn sehr wichtig im Umgang mit den Geflüchteten. „Ich weiß, wie sie ticken. Sie wollen arbeiten und sie können arbeiten. Sie müssen sich nur an unsere Bedingungen gewöhnen“, sagt Klemme. Das bedeutet: „Pünktlichkeit, Sauberkeit, Zuverlässigkeit – wer drei Mal unentschuldigt fehlt, ist raus. Hier kann jeder kommen und ein Praktikum machen, auch wenn er gar nichts kann. Wir testen, was er kann, und dann vermitteln wir ihn“, sagt Klemme, der viele Kontakte zu Unternehmen aus der Region hat. Wie lange das Praktikum dauert, hängt von den Fähigkeiten ab. „Ein Monat oder ein halbes Jahr. Wir bringen alle auf europäisches Niveau. Schrott geht hier nicht raus. Und das wissen auch die Unternehmen.“

Klemme selbst hat sieben Berufe gelernt und drei Meistertitel. Er kann Geflüchteten im Bereich der Holz-, Kunststoff- und Metallverarbeitung helfen, auch im Bereich der Logistik und in kaufmännischen Berufen kennt er sich aus. Dasselbe Projekt hat Klemme schon in der Unterkunft in der Dratelnstraße gemacht. „In sieben Monaten konnten wir sieben Menschen Ausbildungsplätze vermitteln“, sagt Klemme. „Und da hatten wir nicht so schöne Räume wie hier.“ 24 Plätze kann Klemme anbieten, 14 sind schon vergeben.
Einen Platz davon hat Mohammad, der in Afghanistan als Mechatroniker gearbeitet hat. Er hilft Klemme bei der Einrichtung der „Werkstatt ohne Grenzen“. „Mohammad, holst du bitte den Gliedermaßstab?“, fragt Klemme. Wieder schaut Mohammad etwas verdutzt. „Glieder…was?“, sagt Mohammad, der das Wort nicht kennt. „Gliedermaßstab“, erklärt Klemme. „Früher nannte man das ‚Zollstock‘, aber das kommt aus der Nachkriegszeit, als die Briten hier Dachstühle gebaut haben. Ist ja auch egal, das führt jetzt zu weit“, sagt Klemme. „Ich mag Peter“, sagt Mohammad. „Manchmal spricht er ein bisschen schnell. Aber er geht sehr respektvoll mit mir um. Ich kann viel von ihm lernen.“

 

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Angebote zum Deutschlernen

Sprache im Alltag - Deutsch sprechen
PM. „Sprache im Alltag“ – so heißt das Ehrenamtsprojekt von „Sprachbrücke Hamburg“ e.V., das Menschen verschiedener Herkunftsländer und Kulturen zusammenbringt, um gemeinsam auf Deutsch über Alltägliches zu reden und sich auszutauschen. Mit den neuen Gesprächsrunden gibt es rund 50 Angebote von „Sprache im Alltag“, die regelmäßig an festen Orten verteilt über das ganze Hamburger Stadtgebiet stattfinden. Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Kleingruppen mit maximal zehn Teilnehmern legen ihren Fokus auf den alltagsnahen Gebrauch der deutschen Sprache. Die Themen der Gesprächsrunden wechseln monatlich und orientieren sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Teilnehmer. Von „Internationale Küche“ über „Wahrzeichen der Stadt Hamburg“ bis hin zu „Festlichkeiten“ oder „Handwerk“ kann über alles geredet werden, was Spaß macht und dem täglichen Sprachgebrauch hilft. Die Besonderheit: Das Erlernte wird in monatlichen kleinen Ausflügen praxisnah erprobt!

Sprache im Alltag, immer dienstags in der Hamburger Volkshochschule im
Bildungszentrum „Tor zur Welt“, Krieterstraße 2 D, 10-11 Uhr

 

Dialog in Deutsch
PM. Deutsch sprechen und nette Menschen kennenlernen: kostenlos, jede Woche, ohne Anmeldung, Start zu jeder Zeit möglich. Die Gruppe wird von Ehrenamtlichen geleitet. Kommen Sie vorbei, machen Sie mit! Herzlich willkommen!

Dialog in Deutsch
Immer mittwochs von 11-12 Uhr in der Bücherhalle Kirchdorf (20.12.‘17, 10.1.‘18, 17.1.), Wilhelm-Strauß-Weg 2
Immer donnerstags von 11-12 Uhr in der Bücherhalle Wilhelmsburg, (21.12.‘17 und 11.1.‘18), Vogelhüttendeich 45

 

 

 

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Beratung, Fußball, Deutsch lernen, Nähen
Das Angebot von Die Insel Hilft ist vielfältig

sic. Hier stellen wir eine Auswahl von Aktivitäten vor, die im Inselhaus stattfinden. Alle Angebote sind kostenlos. Was das Inselhaus darüber hinaus noch anbietet, erfahren Sie auf www.fluechtlingshilfe.org unter „Projekte“ oder „Kalender“.

Deutschlernhilfe
Angela, Sibylle, Marianne und Mary helfen beim Deutschlernen: Ob es um Unterstützung für den Deutschkurs, die Schule oder die Ausbildung geht, oder einfach um das Lernen und Üben für den Alltag.

Tandem
Mit dem Tandem möchte DIH die neuen Nachbarn beim Einleben in Deutschland unterstützen und den kulturellen Austausch zwischen Menschen fördern. Eine wichtige Rolle spielt außerdem das Trainieren der deutschen Sprache. Ein Tandempaar trifft sich meist einmal wöchentlich für ein bis zwei Stunden. Was in dieser Zeit unternommen wird, ist ganz individuell. Tandems machen gemeinsame Ausflüge, besuchen kulturelle Veranstaltungen oder treffen Freunde. Sie treiben Sport, kochen oder gärtnern gemeinsam. Wer am Tandem-Programm teilnehmen möchte, ist herzlich zum Tandem-Treffen (in der Regel alle 14 Tage donnerstags) eingeladen. Bitte immer per Mail (tandem@inselhilfe.org) anmelden!

Refugee Law Clinic
Jurastudierende der Uni Hamburg bieten Rechtsberatung für Geflüchtete an. Es gibt Infos und Hilfe rund um die Themen Asylverfahren, Familiennachzug und Dublin-Verfahren in Deutschland.

Nähcafé (und Nähkurs)
Im Nähcafé treffen sich Frauen, die in geselliger Atmosphäre Knöpfe annähen, Stoffe umsäumen, Kleidung ausbessern oder umändern. Nähmaschinen sind vorhanden. Demnächst möchte DIH gern angeleitete Nähkurse für alle Interessierten anbieten. Wer also Lust hat, in lockerer Atmosphäre das Nähen zu erlernen, meldet sich gern per Mail (buero@inselhilfe.org) oder per Telefon (040/35 62 86 67).

 

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DIH-Timetable

Eine Übersicht bis zum Jahresende.
Alle Angebote außer Fußball und Tandem finden im Inselhaus statt. Bitte informieren Sie sich kurzfristig auf
fluechtlingshilfe.org/Termine/!


Dienstag
16.30 h: Deutschlernhilfe am 16.12.2017

Mittwoch

10 - 13 h: Nähcafé
16.30 h: Deutschlernhilfe

Donnerstag

10 - 12 h: Weltcafé
10 h......: Nähkurs am 14. und 21. Dezember
19 - 21 h: Klönschnack am 28.12.
19 - 21 h: Infos zum Projekt „Tandem“, am 21.12. (Sprach- und Bewegungszentrum, Rotenhäuser Damm 40)


Freitag
15 - 18 h:
Refugee Law Clinic am 1., 3. + 5. Freitag im Monat

Sonnabend
10 - 12 h: Deutschlernhilfe

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„Mein Kopf war zu voll“

Mohammad

han. Manchmal ist er mitten in der Nacht aufgewacht und konnte nicht mehr schlafen. „Mein Kopf war zu voll“, sagt Mohammad Abdullah. Dann hat er sich einen Stift und einen Zettel genommen und Gedichte geschrieben. Gedichte über Liebe, Krieg, Gewalt, seine Zeit in der syrischen Armee, über Alleinsein und über Politik. „Ich habe schon immer Gedichte geschrieben. Es sind auch Lustige dabei“, sagt der 35-Jährige.
Mohammad Abdullah schreibt auf Kurdisch. „In Syrien ist es verboten, Kurdisch zu lernen. Ich habe es abends nach Feierabend illegal gelernt.“ Seit zwei Jahren lebt er in Hamburg, erst in Geflüchteten-Unterkünften, seit Juni hat er eine eigene Wohnung. „Ich vermisse meine Familie. Aber mir gefällt es hier sehr gut. Ich möchte eine Friseurausbildung machen. Hoffentlich schickt mich die deutsche Regierung nicht zurück. Ich muss nur besser Deutsch lernen, dann ist es einfacher.“
Seit Januar hat er bei einem Tandem-Sprachprojekt in Wilhelmsburg gearbeitet, im Moment macht er einen B2-Sprachkurs. „Ich schreibe gerade keine Gedichte. Es bringt mich durcheinander, Gedichte auf kurdisch zu schreiben, während ich Deutsch lerne“, sagt Mohammad Abdullah. „Vielleicht schreibe ich bald mein erstes Gedicht auf Deutsch.“

BIYANÎ
Bê çare bê çare
Biyaniyê kirim kale
Roj bi min dibe
Sed sale.....

Dûrim ji mal û ware
Melûlim .....tenê
Cihan tev di kene
Lê belengazî fiqare

Mame bê dost û
bê heval e
xas û cil dirî me
radikevim li kolane

Dayê lorandina te
Ji bîra min na re lê
Dîndina te bi min meraqe
Nabînim tu rê olaqe

Mohammad Abdullah
(Das Gedicht handelt von Einsamkeit,
Hilflosigkeit und der Sehnsucht Mohammads nach seiner Heimat und Familie)

 

 

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Unterstützung bei der Wohnungssuche:

Die Insel Hilft e.V.
Projekt „Wohnungssuche in Hamburg“. Der Verein bietet einmal im Monat eine Infoveranstaltung rund um das Thema Wohnungssuche im House of Resources (Adenauerallee 10, 20097 HH) an. An den folgenden drei Freitagen im Monat findet im Inselhaus (Erlerring 1, 21109 HH) eine Sprechstunde (mit Anmeldung!) statt. www.fluechtlingshilfe.org/wohnungssuche-in-hamburg/

Leitfaden Wohnungssuche.
Ein ausführlicher, gut gegliederter und sehr umfassender Leitfaden auf Deutsch, Englisch, Farsi und Arabisch kann auf der Website des Freizeithauses Kirchdorf-Süd abgerufen werden:
www.freizeithauskirchdorf.de/wohnung.html.

Flüchtlinge willkommen!

Dies ist eine Initiative, die sich darauf spezialisiert hat, über ihre Website Geflüchtete in WGs zu vermitteln. Individuell werden dort Zimmersuchende und AnbieterInnen zusammen gebracht.
www.fluechtlinge-willkommen.de/

Die Wohnbrücke.
Das Projekt der Lawaetz-Stiftung vermittelt Geflüchtete in eigenen Wohnraum mit unbefristeten Mietverträgen. „Wir bauen Brücken und helfen Geflüchteten in Hamburg eine Heimat zu finden“.
www.wohnbrücke.de.


 

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„Das Hamburger Rathaus“
Informationsbroschüre für Geflüchtete zu Regierung und Verwaltung in Hamburg

PM. Auf Arabisch, Deutsch, Englisch, Farsi, Tigrinya erschienen und mit vielen Bildern versehen, möchte die Broschüre beim
Eingewöhnen in Hamburg helfen. Die Landeszentrale für politische Bildung gibt neu in Hamburg Angekommenen mit dieser Publikation eine Begleiterin an die Hand, um sich im Senats- und Bürgerschaftsgehege besser zurecht zu finden und die Strukturen der parlamentarischen Demokratie der Freien und Hansestadt Hamburg zu verstehen.
Das 28-seitige Heft informiert in verständlicher Sprache über Hamburgs politischen Alltag und dessen Basis, über Grundgesetz, Grundrechte und Gewaltenteilung sowie über die Hamburger Verfassung.

„Das Hamburger Rathaus – Sitz des Hamburger Landesparlaments und der Hamburger Landesregierung“ steht für Geflüchtete und interessierte BürgerInnen in fünf Sprachen als PDF-Download auf der Internetseite der Landeszentrale für politische Bildung (www.hamburg.de/politische-bildung) zur Verfügung.
Auf Papier kann es während der Öffnungszeiten (Mo. – Do., 12.30 Uhr – 17 Uhr; Fr., 12.30 Uhr – 16.30 Uhr) im Infoladen der Landeszentrale, Dammtorwall 1, 20354 Hamburg, abgeholt werden.

Das Booklet wird außerdem an die Hamburger Erstaufnahmeeinrichtungen verteilt und ist auch im Klassensatz erhältlich.

 




 

 

 

 

 

 

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