24. Jahrgang,
Ausgabe 11
Nov. / Dez.
2018
    Startseite Kontakt Archiv Impressum  
 

Titel

Aktuell

Kultur

Veranstaltungen

Neue Chancen

Kinder, Jugend, Bildung, Sport

Süd-Kurier

Verschiedenes

Wann... in Wilhelmsburg ?

Wo... in Wilhelmsburg ?

 

Aktuell

Sterbende begleiten lernen
Bulgar*innen bald ohne Beratung
„Dann können wir uns ja Bad Kirchdorf-Süd nennen ...“
Nicht mit allem einverstanden
„Friede sei mit euch“ oder „Durchhalten bis zum Sieg“
Gelegenheit, die Karten neu zu mischen?
A26-Ost: Bringt die Anschlussstelle Otto-Brenner-Straße Entlastung für die Wohnstraßen?
Ankommen - Helfen
Wichtige Dokumentationen

Sterbende begleiten lernen
Neues Ehrenamtsangebot der Malteser in Wilhelmsburg

Hospizbegleiter

Bei den Maltesern von St. Maximilian-Kolbe können Interessierte
eine Fortbildung zur/zum SterbebegleiterIn machen.

Foto: Ruprecht Stempell/Malteser

PM. Der Malteser Hilfsdienst e.V. bildet zukünftig Interessierte zu ehrenamtlichen Sterbebegleitern aus. Der Kurs bereitet Interessenten auf die Begleitung von Menschen vor, die mit Sterben, Tod und Trauer konfrontiert sind.
Der Grundkurs umfasst 50 Unterrichtsstunden in der Zeit vom 18. Januar bis 16. März 2019 und kostet 130 Euro pro Teilnehmer.
Kursinhalte sind u.a. die Idee und das Ziel der Hospizbewegung, die persönliche Auseinandersetzung mit Leben und Sterben, Krankheit und Tod, die psychischen, physischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse von Sterbenden und Begleitern, die Wahrnehmung und Kommunikation mit Sterbenden, Möglichkeiten und Grenzen in der Begleitung Schwerkranker und auch die Themen Trauer und Trauerwege.
An den Grundkurs schließt ein Praktikum an, das im Malteserstift St. Maximilian Kolbe geleistet werden kann.

Bei Interesse melden Sie sich bitte bis 1. Dezember 2018 bei Frau
Astrid Karahan unter der Telefonnummer 040/603 30 01 oder per
E-Mail: hospizdienst.wilhelmsburg@malteser.org.

zum Seitenanfang 


Bulgar*innen bald ohne Beratung
Seit drei Jahren gibt es in Wilhelmsburg Sozialberatung für Menschen aus Bulgarien und Rumänien, finanziert aus einem EU-Hilfsfonds. Ab 2019 gibt es die EU-Gelder nicht mehr.
Die Stadt Hamburg ist nicht bereit, das Hilfsangebot weiter zu finanzieren.

Bulgaren

Wer „Glück“ hat, wird morgens von den einschlägigen Plätzen zur Schwarzarbeit für einen Tag abgeholt: Arbeitgeber und Personalvermittler nutzen die Unkenntnis und Notlage der bulgarischen Zuwanderer aus und lassen sie unter erbärmlichen Bedingungen als Tagelöhner arbeiten.
Foto: han

han. Schluss mit Sozialberatung im Hamburger Süden! Ab 2019 wird es keine Möglichkeit mehr für bulgarische und rumänische Menschen geben, sich südlich der Elbe von Sozialarbeiter*innen in der Sprache ihres Heimatlandes beraten zu lassen.
Seit drei Jahren gibt es in Wilhelmsburg durch das Projekt „step.in-beratung mobil“ Sozialberatung für Menschen aus Bulgarien und Rumänien. Es wird aus Mitteln des „Europäischen Hilfsfond für die am stärksten benachteiligten Personen“ (EHAP) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, der Europäischen Union sowie der Stadt Hamburg finanziert. An drei Tagen in der Woche konnten Bulgar*innen und Rumän*innen Beratungsleistungen in den Räumen der „BI Elbinseln“ in der Rudolfstraße bekommen.
Nun wurde das Projekt für 2019 nicht weiter genehmigt. „Die Bewertung lag unterhalb der Punktzahl, ab der Projekte für eine Förderung ausgewählt wurden“, sagt ein Sprecher des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, das maßgeblich an der Entscheidung über EHAP-Projekte beteiligt ist. „Die Ablehnung der Interessenbekundung ist bedauerlich, insbesondere, da es sich um ein Projekt handelt, in dem bereits EHAP-Erfahrung und Kompetenz aus der ersten Förderrunde vorhanden ist.“ Grundsätzlich seien alle EHAP-Projekte auf eine Verstetigung innerhalb kommunaler Strukturen angelegt. „Im Rahmen einer solchen Verstetigung obliegt es auch der Stadt Hamburg, die Arbeit des seit 2016 laufenden EHAPProjektes in Hamburg in geeigneter Form fortzuführen.“
Doch von Seiten der Stadt gibt es keine Pläne, das Projekt zu verstetigen oder noch ein Jahr fortzuführen. „Eine komplette Übernahme und Vollfinanzierung des Angebots ist nicht möglich“, sagt Marcel Schweitzer, Sprecher der Hamburger Sozialbehörde. Dort findet man es „schade“, dass das Projekt keinen Zuschlag erhalten hat, allerdings gebe es in Hamburg genug Angebote für die betreffende Zielgruppe.

Seit Beginn von „step.in“ vor drei Jahren haben die Sozialberater*innen der BI 625 Bulgar*innen und 127 Rumän*innen beraten. Seit Jahren wächst die Zahl der in Wilhelmsburg lebenden Bulgar*innen. 2017 waren laut Statistikamt Nord 1745 Bulgar*innen in Wilhelmsburg gemeldet – dazu kommen all jene, die sich nicht offiziell gemeldet haben. Viele der Menschen benötigten eine langfristige Beratung in der BI. In den meisten Fällen ging es um prekäre Arbeits- und Wohnsituationen. „Die Familien und Alleinstehenden aus Bulgarien kommen in der Regel aus einer wirtschaftlich benachteiligten Region. Sie verfügen meist nicht über die Beziehungen, die zum halbwegs sicheren wirtschaftlichen Überleben und zur Erlangung von guten Arbeitsplätzen notwendig sind“, heißt es in einer Stellungnahme einer Gruppe aus Wilhelmsburg, die aus Anwohner*innen sowie Sozialarbeiter*innen besteht und sich um die Situation der Bulgar*innen in Wilhelmsburg sorgt. „In Wilhelmsburg gibt es teilweise türkisch-bulgarische Netze, die ihnen – oft schlecht und unzuverlässig bezahlte und sozial nicht abgesicherte – Arbeit und Übernachtungsplätze verschaffen.“
In den Medien ist häufig vom „Arbeiterstrich“ in Wilhelmsburg zu lesen. Viele Bulgar*innen leben in überteuerten Zimmern mit mehreren Personen, gehen morgens früh in einschlägige Kneipen und hoffen, von Personalvermittler*innen abgeholt zu werden und einen Tag schwarz arbeiten zu können. Die Hamburger Sozialbehörde kennt diese Verhältnisse. „Der Bedarf für eine Beratung von EU-Zuwanderern ist nach wie vor in hohem Umfang vorhanden“, sagt Schweitzer und fährt fort: „Übrigens nicht nur bei Bulgaren und Rumänen, sondern etwa auch für Menschen aus Polen, dem Baltikum und Südeuropa.“
Eine Fortführung der Sozialberatung würde vielen Bulgar*innen und Rumän*innen die Chance geben, den „Arbeiterstrich“ zu verlassen und einen sozialversicherungspflichtigen Job sowie eine Wohnung mit einem Mietvertrag zu bekommen. „Die Menschen aus Bulgarien brauchen zur Integration und zum sicheren Überleben Brücken zu Hamburger Behörden, Arbeitgebern, Schulen, Versicherungen, Geschäften, Verkehrsunternehmen und zudem Kontakt zu den deutschsprachigen Nachbarn. Diese Integration ist auch für Hamburg notwendig, weil Hamburg die Menschen braucht, die hier arbeiten und leben“, heißt es in der Stellungnahme der Wilhelmsburger Gruppe. „Hamburg müsste sich schämen, wenn es seine neuen Bewohner*innen im Stich ließe.“


 

zum Seitenanfang 


„Dann können wir uns ja Bad Kirchdorf-Süd nennen ...“
Bei der „Perspektiven“-Werkstatt in Kirchdorf-Süd warben die Fachleute von Verkehrsbehörde und Deges für die geplante A26-Ost. Bis auf eine Handvoll Interessierte waren die Betroffenen nicht da

A26-Werkstatt

Nur wenige BewohnerInnen folgten dem Aufruf zur A26-Werkstatt.
Foto: hk

hk. Seit knapp einem Jahr ist die Planung der A26-Ost in die nächste Phase getreten. Die Auswirkungen auf die unmittelbar Betroffenen in Kirchdorf Süd werden konkreter sichtbar. Eine zentrale Forderung aus dem Perspektiven-Beteiligungsverfahren – der lange Tunnel – wurde übernommen. Die Deges hat dafür jetzt einen Planungsauftrag. (siehe auch WIR Nr. 10.18). Eine zweite zentrale Forderung aus dem Bürgergutachten, der Verzicht auf die Anschlussstelle Otto-Brenner-Straße, wurde nicht erfüllt. Die Anschlussstelle bleibt in der Planung. Dieser Autobahnknoten war auf der Werkstatt in der Schule An der Burgweide dann auch der Hauptdiskussionspunkt. Die als Alternative vorgeschlagene Anschlussstelle Pollhornbogen wurde bereits als schwer realisierbar abgelehnt, genauso wie die von Michael Rothschuh in die Diskussion gebrachte Variante einer Verlängerung des Tunnels bis westlich der Georg-Wilhelm-Straße und damit verbunden eines kompletten Kreuzes A26/B75 (neue Reichsstraße) mit allen Auf- und Abfahrten. Durch die aktuell geplante Anschlussstelle würde der Verkehr auf der Otto-Brenner-Straße nach den Zahlen der Deges um rund ein Drittel zunehmen.
Auf den Hinweis einer Bewohnerin, dass bei den zahlreichen Staus auf der A1 dort jetzt schon eine hohe Belastung durch Ausweichverkehre sei, verwies Herr Haß von der Deges auf den geplanten Ausbau der A1 auf acht Spuren. Es werde dann keine Staus mehr geben. Zu dem Widerspruch zwischen dem prognostizierten Mehrverkehr und dem geplanten Rückbau der Otto-Brenner-Straße auf zwei Spuren plus breiter Fahrradspuren meinte er, das seien zwei von einander unabhängige Planungen unterschiedlicher Behörden. Außerdem sei die Otto-Brenner-Straße für das gegenwärtige Verkehrsaufkommen überdimensioniert. Eine weitere Frage betraf die „Potenzialflächen für Stadtentwicklung“ entlang des Tunnels, mit deren Verkauf der Tunnel finanziert werden soll. Die Bebauung dieser Flächen wurde im Perspektiven-Beteiligungsverfahren vor allem als Chance für den Stadtteil diskutiert. Sie könne Kirchdorf-Süd aus der Isolation herausholen. Was die Bewohner der Siedlung dazu meinen, ist nicht bekannt. Bei den Diskussionen und Aktionen der AG Kirchdorf zur A26 vor anderthalb Jahren spielte dieser Plan noch keine Rolle. Die Potenzialfläche geht bis an den Stübenhofer Weg mit einer kleinen Aussparung für den Kinderbauernhof.
Es sei, so Herr Haß, von ihrer Seite an Wohnbebauung gedacht. Die Handelskammer z.B. kann sich dort aber auch Gewerbeflächen vorstellen. Einzelne Nachfragen gab es noch zu verschiedenen Punkten der Planung. Da aber von den rund vierzig TeilnehmerInnen der Werkstatt über die Hälfte Offizielle waren, einige A26-AktivistInnen und nur eine Handvoll BewohnerInnen von Kirchdorf-Süd, hatten vor allem die VertreterInnen von Deges und Verkehrsbehörde Gelegenheit, die aus ihrer Sicht guten Aspekte des Projekts darzustellen. So z.B. die durch den Tunnel und die neue Lärmschutzgalerie auf der A1 prognostizierte deutliche Reduzierung des Lärms im Stadtteil. Eine Bewohnerin meinte: „Dann können wir uns ja wohl bald Bad Kirchdorf-Süd nennen.“

Bekanntlich lehnen die meisten WilhelmsburgerInnen und auch die meisten TeilnehmerInnen des Perspektiven-Beteiligungsverfahrens die A26 grundsätzlich ab. Über die bisher 1300 Einwendungen und die gesetzlich vorgeschriebenen Erörterungstermine mit den EinwenderInnen, als Voraussetzung für die Weiterführung des Projekts, haben wir in den letzten Ausgaben ausführlich berichtet. Ob die im Beteiligungsverfahren erstrittene Tunnellösung nicht am Ende noch an der Finanzierung scheitert, ist noch nicht raus. Aber es wurde in der Werkstatt deutlich, dass die A26 auch nach der jetzt vorliegenden Planung eine erhebliche Beeinträchtigung des Lebens in Kirchdorf Süd bedeuten könnte. Grund genug, sich weiter einzumischen.

 


 

 

 

 


 

 

 

 


zum Seitenanfang 


Nicht mit allem einverstanden
Der WIR als Diskussionsforum für die Elbinseln

WIR Zeitung

WIR. Der WIR feiert im nächsten Jahr sein 25jähriges Jubiläum. Er wurde 1994 als „Sprachrohr“ des neuen Forums Wilhelmsburg gegründet, wollte aber keine Konkurrenz zur örtlichen Presse sein. Die GründerInnen haben sich damals sicher keine Gedanken darüber gemacht, ob es die Zeitung in 25 Jahren noch geben würde. Zum 20jährigen Jubiläum 2014 schrieben wir, der WIR habe sich zu einer „Stimme im Kammerkonzert“ mehrer lokaler Medien auf den Elbinseln entwickelt. In den vergangenen Jahren sind die Stimmen weniger geworden. Die Harburger Anzeigen und Nachrichten (HAN), die Internet-zeitung WilhelmsburgOnline und zuletzt der Lokalbote haben ihr Erscheinen eingestellt. Die Lokalbeilage Harburger Rundschau des Hamburger Abendblattes berichtet seit einiger Zeit nicht mehr über Wilhelmsburg. Bleiben vor allem der WIR und die beiden Anzeigenblätter.
Die Elbinseln werden in Hamburg gern gerühmt als Stadtteil mit einer besonders lebendigen Diskussionskultur, von der Zukunftskonferenz 2001 über das Für und Wider von IBA und igs bis zum Wilden Wald am Ernst-August-Kanal und der A26. Das ist nicht immer einfach – besonders für die beteiligten PolitikerInnen – hat aber am Ende meistens genützt (und macht oft auch Spaß). Die verschiedenen Initiativen und Einrichtungen haben ihren Anteil an dieser Diskussionskultur. Und der WIR gehört auch dazu. Wir freuen uns darüber, wenn mal große Hamburger Zeitungen aus dem WIR zitieren wie bei der Olympia-Debatte oder über die Spiegel-Online-Reportage unseres Redakteurs Hannes Lintschnig über die bulgarischen Arbeiter in Wilhelmsburg. Vor allem sind wir aber nach wie vor die „Zeitung von Vielen für Alle“, in der Initiativen, Einrichtungen und engagierte Einzelpersonen aus dem Stadtteil schreiben. Und natürlich schreiben auch die WIR-RedakteurInnen selbst, die alle irgendwie mit Initiativen und Projekten im Stadtteil verwoben sind. Dass man nicht immer einer Meinung ist, ist das Wesen der gelobten Diskussionskultur. Ebenso die Einsicht, dass man die Weisheit nicht gepachtet hat. Ein Leser sagte: „Ich bin nicht mit allem einverstanden, was ihr schreibt, aber als Teil der Demokratie im Stadtteil ist die Zeitung wichtig.“

Und schließlich begleitet uns das Thema Geld ins Jubiläumsjahr. Da sind wir in guter Gesellschaft mit vielen Wilhelmsburger Projekten (siehe auch Titel), die auch jedes Jahr um die nötigen Zuschüsse kämpfen müssen. Dabei geht es nicht um Bettelei, sondern um den Anspruch auf Anerkennung der Arbeit für den Stadtteil. Diese Ansicht ist offenbar nicht selbstverständlich. Umso mehr freuen wir uns, wenn Politiker in den zuständigen Gremien sie teilen. Der WIR hat für das Jubiläumsjahr 2019 vom Kulturausschuss des Bezirks Mitte einen Zuschuss bewilligt bekommen (siehe auch Editorial S. 2). Dafür bedanken wir uns. Die Arbeit kann weitergehen.

 

 

 

 

zum Seitenanfang 


„Friede sei mit euch“ oder „Durchhalten bis zum Sieg“
Lesung zum 100. Jahrestag des Kriegsendes 1918

Buchcover

Texte zu zwei von Deutschland entfachten Weltkriegen.
Abb.: Buchcover/A. Orth

hk. Der Aufstand der Arbeiter und Soldaten, die Novemberrevolution, beendete vor 100 Jahren den ersten Weltkrieg und die Monarchie in Deutschland. Die parlamentarische Demokratie wurde erkämpft, das Frauenwahlrecht, der Acht-Stundentag und das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Eine offizielle Würdigung der Novemberrevolution – etwa in Form eines Feiertages – gibt es bei uns nicht. In den 20er Jahren galten die Aufständischen den Rechten hingegen als gottlose Vaterlandsverräter, die dem Heer in den Rücken gefallen seien. In Wilhelmsburg ist das Kriegerdenkmal an der Emmauskirche Symbol für diese Einstellung. Seit Ende letzten Jahres steht es infolge von Bauarbeiten wieder gut sichtbar an seinem ursprünglichen Ort an der Mannesalle, unter Denkmalschutz, und erregt Anstoß. Eine Gruppe „DENKmal“ mit Regionalpastorin Anja Blös und der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen forscht seither im Auftrag des Kirchengemeinderats Reiherstieg zur Geschichte des Denkmals und erarbeitet einen Vorschlag, wie mit dem Denkmal in Zukunft verfahren werden soll. (siehe auch WIR 9/18)
Auf einer Lesung der Geschichtswerkstatt zum 100. Jahrestag des Kriegsendes mit historischen Texten zu beiden Weltkriegen wurden diese Fragen weiterdiskutiert und das Denkmal in die Geschichte des „kriegerischen 20. Jahrhunderts“ eingeordnet. Die Veranstaltung am 9. November in der Honigfabrik war mit rund 40 TeilnehmerInnen gut besucht. Die von Charlotte Pfeifer und Johannes Nehlsen gelesenen Text gingen unter die Haut: In vielen zeigt sich der verbreitete militaristische Geist auch unter Geistlichen. Der Wilhelmsburger Pastor Cordes schreibt 1916 an die Soldaten: „Jetzt gilt für das deutsche Volk nur noch eins: Durchhalten und siegen.“
Zur Einweihung des Denkmals 1932 fanden sich viele Beschwörungen des nationalen Gedankens, „der wieder zum Leben erwacht ist“ und nur ein kritischer Kommentar im sozialdemokratischen „Volksblatt: „Republikanische Organisationen waren der Feier ferngeblieben. Sie hatten bei dieser Veranstaltung auch nichts zu suchen“
(Alle Texte der Lesung sind veröffentlicht in der Broschüre „Das Kreuz mit dem Denkmal; Das kriegerische 20. Jahrhundert und das lokale Gedächtnis“.)

In der anschließenden Diskussion wurden noch einmal die verschiedenen Vorschläge erörtert, die bisher zum Umgang mit Denkmal gemacht wurden. Insbesondere eine mögliche Kommentierung z.B. auf einer Texttafel oder durch ein Kunstobjekt, die über den militaristischen Charakter des Mals aufklärt und ihm etwas entgegensetzt. Margret Markert von der Geschichtswerkstatt betonte, es sei keine Option, das Denkmal einfach wieder in Vergessenheit geraten zu lassen. Angesichts des wieder erstarkenden Nationalismus und der – auch mit deutscher Beteiligung – geführten Kriege. Viele Menschen fragten sich: „Sind wir schon wieder so weit?“ In diesem Zusammenhang wurde von mehreren TeilnehmerInnen die Befürchtung geäußert, dass auch mit einer Kommentierung des Denkmals die notwendige Diskussion über Militarismus außerhalb der Volkstrauertage schnell wieder im Sande verlaufen könnte. Eine noch vage Idee war, das Mal in irgendeiner Form durch den Stadtteil „wandern“ zu lassen, z.B. es zeitweise auf Schulhöfen aufzustellen, und so die Auseinandersetzung über dieses Thema lebendig zu halten. Pastorin Blös merkte noch an, gerade aus christlicher Sicht sei es besonders kritikwürdig, dass das Denkmal in einer Sichtachse vor dem Kreuz an der Kirchenwand stehe, dem Symbol für die Botschaft „Friede sei mit euch“. Und dass der Denkmalschutz ausdrücklich diesen Standort vor dem Kreuz mit einschließe. Dazu müsse sich die Kirche verhalten.
Der Auftrag der DENKmal-Gruppe ist, bis Anfang nächsten Jahres eine Empfehlung abzugeben. Die Entscheidung liegt dann bei der Reiherstieggemeinde.

„Das Kreuz mit dem Denkmal; Das kriegerische 20. Jahrhundert und das lokale Gedächtnis“,
Hg.: Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen, 40 Seiten,
3 Euro

 


zum Seitenanfang 


Gelegenheit, die Karten neu zu mischen?
Nach dem Besuch des neuen Oberbaudirektors herrschte vor allem Ernüchterung

Höing

Neuer Direktor, alte Politik: Franz-Josef Höing auf dem Pegelstand.
Foto: hk

hk. Seit einem halben Jahr ist Franz-Josef Höing als Nachfolger Jörn Walters neuer Oberbaudirektor. Entsprechend groß war das Interesse an der Pegelstand-Veranstaltung „Schöne Aussich*ten für Wilhelmsburg?“ mit Herrn Höing. Über 100 BesucherInnen waren am 18. September ins Bürgerhaus gekommen. Der Oberbaudirektor begann mit einem allgemeinen Eingangsstatement.
Es müssten für die Stadtentwicklung auch neue Flächen ins Auge gefasst werden. Dabei müsse man aber sehr sorgfältig vorgehen, jedes Projekt müsse einzeln betrachtet werden. Es gelte Klasse statt Masse. Mehrere Teilnehmer- Innen stellten in der darauffolgenden Diskussion die Probleme dar, die den WilhelmsburgerInnen auf den Nägeln brennen. So die mangelhafte Nahverkehrsversorgung, die unsinnige A26, die auf der Insel keiner will, und die seit Jahren stattfindende Vernichtung von Grünflächen.
Manuel Humburg wies auf den Rückschritt hin, den die aktuelle Stadtentwicklungspolitik gegenüber dem IBA-Konzept „Sprung über die Elbe“ bedeute. Seien 2005 noch Hafenflächen wie der Grasbrook und das Reiherstiegknie mit in die Planung einbezogen worden, würde sich die Bauplanung nach dem Rahmenkonzept von 2013+ – auf Wunsch der Hafenwirtschaft – nur noch auf die Wilhelmsburger Mitte konzentrieren und so zu der vermeintlich alternativlosen Flächenkonkurrenz Grünflächen gegen Wohnungsbau führen. Er forderte ein langfristiges integriertes Entwicklungskonzept unter Einbeziehung des Hafengebietes.

Michael Rothschuh kritisierte noch einmal die Baupolitik des 1/3-Mixes. Wilhelmsburg brauche Wohnungen für die Menschen, die hier lebten, und das seien vor allem Menschen mit geringem Einkommen. Wie andere RednerInnen äußerte er die Hoffnung, dass mit dem neuen Oberbaudirektor doch nun Gelegenheit sei, „die Karten neu zu mischen“ in der Stadtentwicklungspolitik.
Herr Höing stimmte den meisten Forderungen und Wünschen allgemein zu: Man brauche ihn bei den Verkehrsfragen nicht zu überzeugen, hinter die Forderungen nach mehr Sozialwohnungen könne er auch einen Haken machen und die Debatte über die Einbeziehung von Hafenflächen liefe schon. Aber es sei schwierig und brauche seine Zeit.
Wer konkrete Aussagen über ein Umdenken in der Stadtentwicklungspolitik erwartet hatte, wurde enttäuscht. Konkret wurde OBD Höing allerdings bei der Bekräftigung seiner Absage an ein Moratorium bei der Spreehafen-Planung, wie es von der Initiative Waldretter gefordert wird. Wenn man bauen wolle, dürfe man solche Flächen nicht ausschließen, es blieben noch genug Bäume erhalten. Wie es aussieht, werden die Karten nicht neu gemischt mit dem neuen Oberbaudirektor.

Die Rede von Alexandra Werdes, Initiative Waldretter: < mehr

 


 

 


 

 

 

zum Seitenanfang


A26-Ost: Bringt die Anschlussstelle Otto-Brenner-Straße Entlastung für die Wohnstraßen?
Zweifel an den Prognosen der Planer

Potentialflächen

Potentialflächen für Stadtentwicklung (hellgrau), die zur Finanzierung
des Tunnels genutzt werden sollen. Einzusehen im Internet unter

http://buewi.de/sites/default/fi les/buewi/downloads/praesentationen.pdf
Abb.: DEGES

MG. Aus dem Bürgergutachten, das im Oktober 2017 der Behörde übergeben wurde: „Insgesamt ist die Entscheidung, einen Teil der Autobahn A26 im Süden von Wilhelmsburg zu realisieren, auf den Elbinseln hoch umstritten. Auch von den im Verfahren beteiligten Bürger*innen wird die Autobahn stark kritisiert und in der deutlichen Mehrheit grundsätzlich abgelehnt.“
Darüber, ob die A26 bei sinkendem Containerumschlag im Hafen überhaupt noch gebaut werden sollte, wird in den diversen Informationsveranstaltungen (s. laufende Berichte im WIR) von den Veranstaltern nicht diskutiert. Zur Akzeptanzbeschaffung wird ständig informiert. So fand am 19. September 2018 wieder eine Zwischenpräsentation im Bürgerhaus statt. Andreas Rieckhof, Staatsrat der Verkehrsbehörde, ließ sich wegen Krankheit entschuldigen. Dafür übernahm Klaus Franke, Abteilungsleiter Fernstraßen in der Verkehrsbehörde, den „Werkstattbericht“: Für den ersten Abschnitt Moorburg (6a) soll der Erörterungstermin 2019 stattfinden, für den zweiten Abschnitt „Hafen“ (6b) wurde dem Bund die Entwurfsplanung vorgelegt und die Genehmigung wird noch in diesem Jahr erwartet. Für den dritten Abschnitt durch den Wilhelmsburger Süden (6c) ist die Einreichung der Planfeststellungsunterlagen für Mitte 2020 geplant.
Frühestens ab Ende 2023 soll dann gebaut, Ende 2026 fertig gestellt werden. Über die Verteilung der Kosten muss mit dem Bund verhandelt werden. Klaus Franke stellt sich vor, dass Hamburg die Differenz zwischen der Bund-Lösung (damalige Linienbestimmung mit Trog) und der jetzigen Planung mit Tunnel bezahlen muss.
Sebastian Haß, Chefplaner bei der DEGES, freute sich, dass die DEGES seit dem Frühjahr einen klaren Planungsauftrag habe: Deckel und Anschlussstelle. Der Tunnel wird in 10 bis 12 Meter Tiefe geplant. Die Wettern werden angepasst und
über der Tunneldecke verlaufen. Eine Anschlussstelle Pollhornbogen, wie von BürgerInnen vorgeschlagen, sei baulich sehr schwer realisierbar. Um den WilhelmsburgerInnen, insbesondere den BewohnerInnen in Kirchdorf-Süd, die Planungen zu versüßen, stellte Sebastian Haß auch wieder die Lärmschutzgalerie an der A1 vor. Da die A1 achtspurig ausgebaut wird, ist dort Lärmschutz aber auch ohne den Bau der A26 gesetzlich vorgeschrieben.

In der Diskussion wurde die Prognose bezweifelt, dass mit dem Autobahndreieck an der Otto-Brenner-Straße die größte Entlastung für die Wohnstraßen erreicht würde. Bei Staus auf der A1 seien die Ausweichverkehre schon jetzt ein Riesenproblem. Die vorausgesagte Bündelung durch die A26 sei Theorie, in der Praxis sehe es anders aus, meinte Barbara Siebenkotten vom Bündnis Verkehrswende Hamburg. Sie verwies auch auf die zunehmende Luftverschmutzung durch noch mehr Verkehr.
Auf wenig Verständnis stieß auch die Beibehaltung des Abbiegeverbotes nach Norden auf die verlegte Wilhelmsburger Reichsstraße. Dies sei einmal gefordert worden, um den Ausbau der Reichsstraße zu einer faktischen Autobahn und den Bau der Hafenquerspange zu verhindern. Falls die A26 gegen alle Widerstände gebaut würde, müsse neu geplant werden.
Am 5. November sollen in einer Werkstatt von „Perspektiven! Miteinander planen für die Elbinseln“ umfangreiche Informationen und Details des laufenden Planungsprozesses zur Diskussion gestellt werden.



 


 

 

 

 

 

 

 

 

zum Seitenanfang


Ankommen - Helfen

Behördeninitiative „Neuenfelder Straße Hilft“
Weltcafé: Neuenfelder Straße 19 (in der Behörde), jeden Mittwoch von 15 bis 17 Uhr.
Es werden Gesprächs- und Spielgruppen angeboten.

Koordination sozialräumliche Integration von Flüchtlingsunterkünften
Flavia Suter, Fachamt Sozialraummanagement
Bezirksamt Hamburg-Mitte, Klosterwall 4,
20095 Hamburg, Tel.: 428542397,
Mail: flavia.suter@hamburg-mitte.hamburg.de

Jobs, Qualifizierung, Berufseinstieg
Marktplatz der Begegnungen
7. September 2017, 9.30 – 12 Uhr, Handwerkskammer Hamburg, 3. Etage, Holstenwall 12, 20355 Hamburg,
Hamburger Messe zur Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt. Angesprochen sind in erster Linie volljährige, nicht schulpflichtige Geflüchtete mit guter Bleibeperspektive, die sich bereits etwas auf Deutsch verständigen können oder gute Englischkenntnisse mitbringen.
Formlose Anmeldung per E-Mail bis zum 1. September 2017 an britta.wilken@hwk-hamburg.de (eine Angabe der Teilnehmer-Anzahl genügt).

Ratgeber
HVV-Broschüren für Geflüchtete
Der Hamburger Verkehrsverbund bietet Info-Broschüren in den Sprachen Deutsch/Englisch/Arabisch/Farsi.
Die Information zu dem HVV-Abo auch in Tigrinya unter http://www.hvv.de/pdf/service/downloads/hvv_how-to-travelby-hvv_flyer.pdf oder
http://www.hvv.de/pdf/service/downloads/hvv_abo_in_fuenf_sprachen.pdf
oder http://www.hvv.de/pdf/service/ downloads/hvv_mobilitaetsberatung_fluechtlinge.pdf

Gewaltschutz für Frauen
Schutz und Sicherheit vor Gewalt für geflüchtete Frauen und Jugendliche in Deutschland.
Kostenlose Broschüren unter www.mimi-bestellportal.de


Baderegeln
in verschiedenen Sprachen unter https://www.dlrg.de/presse/pm-baderegeln.html

 

Die Insel Hilft e. V. ...
... berichtet aus den Gruppen

Klönschnack mit Ralf an jedem zweiten Donnerstagabend im Wechsel mit dem Tandem-Treffen

... freut sich über
- Freiwillige für die Organisation von Sportangeboten,
- HelferInnen für die Öffentlichkeitsarbeit,
- Interessierte für Tandem-Partnerschaften.
- HelferInnen für Hausaufgabenhilfe
Inselhaus, Erlerring 1, 21109 Wilhelmsburg (Kirchdorf-Süd)
Tel. 35 62 86 67,
Mail: mail@inselhilfe.org
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag, 11 bis 14 Uhr.
Mehr auf: www.inselhilfe.org

 

 

 

 

 

 



 

 

 

zum Seitenanfang

 

Wichtige Dokumentationen

A26 - Finkenriek - Kornweide Präsentation < mehr

Informationen für Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien < mehr

Erklärung von Mitwirkenden des Initiativen-Netzwerkes Elbinseln zur Planungswerkstatt „Zukunftsbild Elbinseln 2013+“ am 22.2.2013 < mehr

Geruchsbelästigung durch Norddeutsche Ölwerke etc.: hier das NOW-Gutachten vom TÜV Nord vom 13.02.2009

Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße:< Schreibens des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwickluing vom 16.09.2011

Bildungszentrum Tor zur Welt, Krieterstraße: < Lageplan

Landschaftsschutzgebiet Wilhelmsburg < mehr

Spreehafen-Präsentation < mehr

WIR-Inselrundblick - Zeitplan 1994 - 09/2014 < mehr

Kleinanzeigen-Formular für WIR-Zeitung < mehr

 

zum Seitenanfang

 
    Startseite
Kontakt
Archiv
Impressum