25. Jahrgang,
Ausgabe 9
Sep. / Okt.
2019
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Aktuell

"Herr Tschentscher, erklären Sie den Klimanotstand!"
Cursor statt Meißel
800 Besucher*innen feierten den Wilden Wald
Neue Chefin im Bürgerhaus
A26 Ost: Kurzschluss statt Lückenschluss
Tagelange Räumungsaktion: Aktivist*innen besetzten Wald
„Wir lassen uns nicht verdrängen!“
Ankommen - Helfen
Wichtige Dokumentationen

"Herr Tschentscher, erklären Sie den Klimanotstand!"
Mit einer Performance machten Klima-Aktivist*innen der Gruppe "Extinction Rebellion Hamburg" beim "Pegelstand" auf die Bedrohung durch den Klimawandel aufmerksam

Pegelstand

Leider unbewegt: Routiniert ließ der Bürgermeister auch die Aktion von KlimaAktivist*innen im Laufe der "Pegelstand"-Veranstaltung über sich ergehen.
Foto: XR

PM. Bereits zu Beginn der Veranstaltung "Pegelstand Elbinsel" mit dem Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher hatte Moderator Hartmut Sauer eine "Performance" zwischen dem ersten und dem zweiten Teil der Veranstaltung angekündigt.
Nachdem Bürgermeister Tschentscher sich zu den Themen "Wohnen, Natur und Klima" geäußert hatte, war es soweit: In den hinteren Sitzreihen erhoben sich rund zwei Dutzend Klima-Aktivist*innen von Extinction Rebellion (XR) Hamburg und schritten, mit erhobenen und mit Kunstblut beschmierten Händen, langsam zur Bühne.
Während eine Teilnehmerin der Performance aus der XR-Stadtteilgruppe Wilhelmsburg ein kurzes Statement verlas, stellten die anderen sich auf der Bühne zwischen zwei Bannern auf, die beschriftet waren mit "Eilmeldung – EU warnt vor Aussterben der Menschheit" und "Systemwandel statt Klimawandel".
Die XR-Aktivist*innen forderten unter anderem: " (...) Herr Tschenscher (...) erklären Sie den Klimanotstand. Sagen Sie die Wahrheit über den tatsächlichen Stand der Dinge in Sachen Klimakatastrophe und Artensterben. Verschweigen Sie nichts."
Zum Abschluss der Aktion wurde dem Bürgermeister das Buch "Die unbewohnbare Erde" des US-Wissenschaftsjournalisten David Wallace-Wells überreicht – mit der Bitte, es zu lesen, und dem Appell: "Handeln Sie jetzt! Denn tun Sie dies nicht: Dann klebt das Blut der nächsten Generation, das Blut unserer Kinder, auch an Ihren Händen!"

 

 

 

 

 

 


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Cursor statt Meißel
Schüler*innen stellten ihr digitales Projekt am Kriegerdenkmal an der Emmauskirche vor

Kästen

Drei Kästen mit Kärtchen. Über den QRCode wird die Auseinandersetzung über das Kriegerdenkmal sichtbar.
Foto: hk

hk. An der Pforte vorm Kriegerdenkmal an der Emmauskirche hängen seit zwei Wochen drei kleine Kästen. In den Kästen stecken Kärtchen mit jeweils einer Fotomontage mit alternativen Denkmalsmotiven. Kästen und Kärtchen sind der „reale“ Teil der „digitalen Intervention“, die das „Cursor statt Meißel“-Team mit Schüler*innen der Stadtteilschule Wilhelmsburg am Tag des offenen Denkmals an der Emmauskirche vorstellte (siehe auch WIR Nr. 8/19).
Über den QR-Code auf der Rückseite der Kärtchen kann man in die Geschichte reisen. In Ton- und einigen Bilddokumenten haben die Schüler*innen z.B. Reden bei der Denkmalseinweihung 1932 nachgesprochen, Streitgespräche über Krieg und Frieden inszeniert und sie berichten über ihre Arbeit am Projekt. Für sie war es auch lebendiger Geschichtsunterricht. Und wenn alles klappt, soll die Arbeit an der digitalen Intervention weitergehen und die Seite gepflegt und erweitert werden. „Zuerst dachte ich, das Projekt ist nicht cool,“ sagte ein Schüler bei der Präsentation an der Emmauskirche: „Aber dann habe ich gemerkt, das ist keine verschwendete Zeit.“

Mehr Infos von „Cursor statt Meißel“: vor Ort über den QR-Code oder unter denkmal.wtf.

 

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800 Besucher*innen feierten den Wilden Wald
Das "WiWa-Waldfest" am Ernst-August-Kanal war ein voller Erfolg. Menschen aus ganz Hamburg kamen zusammen, um friedlich zu feiern und den Wald vor der Rodung zu retten

Waldfest

Bestes Wetter, gut besucht und entspannte Atmosphäre: Zum "WiWa-Waldfest" Anfang September kamen rund 800 Besucher*innen, die es nicht hinnehmen wollen, dass Wilhelmsburg noch mehr Grünflächen verlieren soll.
Fotos: han

WIR/han. Es wurde gesungen, gespielt, diskutiert, gegessen und gefeiert: Der Wilhelmsburger Wilde Wald am Ernst-August-Kanal, der für das geplante Baugebiet "Spreehafenviertel" weichen soll, liegt vielen Wilhelmsburger*innen ganz offenbar am Herzen - etwa 800 Besucher*innen kamen zu dem Fest.
Die Veranstalter*innen des Festes, die seit drei Jahren für den Erhalt des Waldes aktive Initiative "Waldretter Wilhelmsburg" und die Gruppe "Extinction Rebellion", freuten sich sehr über das große Interesse der Menschen und die vielen positiven Rückmeldungen.
"Dieser Wald hat im Viertel eine große Bedeutung", berichtet Waldretterin Sigrun Clausen. "Immer wieder sind beim Fest Menschen auf uns zugekommen und haben erzählt, was ihnen ganz individuell der Wald bedeutet. Viele zeigten sich regelrecht geschockt darüber, dass er zerstört werden soll."
Ein Bündnis aus sieben Stadtteilinitiativen und -einrichtungen hatte zu dem Fest aufgerufen. Auf der Festmeile am Fußweg entlang des Kanals präsentierten sie und viele weitere sich und ihre Arbeit mit Infomaterial, Ausstellungen und Mitmachangeboten. So informierte zum Beispiel das "Bündnis Verkehrswende" mit großen RollUps über den Widerstand gegen die geplante Autobahn A26 Ost, während die Stadtteildiakonie des Kirchenkreises Hamburg-Ost ihr Naturpädagogik-Programm vorstellte.
Die Idee der Veranstalter*innen, ein leises, handgemachtes Fest zu feiern, in dessen Mittelpunkt der Wald stand, und den Besucher*innen die Möglichkeit zu geben, den Wald zu erleben und zu entdecken, kam bei Erwachsenen und Kindern gleichermaßen gut an.

Waldfest

Viele Wilhelmsburger Initiativen informierten die Besucher*innen über den Wald, die geplante A26 Ost und anderen Themen aus dem Stadtteil.

Beschwingt und belebt zeigten sich die Besucher*innen von dem schönen Rahmenprogramm und den Angeboten beim Waldfest: Die "Schaluppe" legte am Ufer an und lud an Deck zum Verweilen, Sonnen, Diskutieren und Gucken ein. Es gab Musik, unverstärkt, nicht-elektronisch, mit Gesang und akustischen Instrumenten, es gab Naturmeditationen, Lesungen, Yoga, Baumfühlungen, lehrreiche und informative Rundgänge. Am Imkerstand erfuhr man alles über Honigbienen. Für die Kinder war mit Bewegungsspielen, Keschern im Kanal, Malen, Basteln und Handwerken sowie Schminken bestens gesorgt.
Essen und Trinken - selbstgemacht, selbstgebacken, selbstgekocht - wurden gegen Spende abgegeben. Alle wurden satt! In kurzen Festreden stellten die Veranstalter*innen klar, dass weder Wirtschaftswachstum noch Wohnungsbau in Zeiten des Klimawandels die Zerstörung eines Waldes rechtfertigten. Ihre Forderung: "Der Wilde Wald bleibt!" wurde von den rund 300 Zuhörer*innen mit großem Applaus unterstützt.
"Papa", hörte man am Ende des Tages einen kleinen Jungen sagen, "wann ist wieder ein Fest im Wald?"
"Es wird noch viele Feste in unserem Wilden Wald geben", sagt das Waldfestbündnis. "Davon sind wir überzeugt. Denn dieser Wald wird bleiben. Er wird so alt werden, dass er gemächlich vom Pionierwald in einen Mischwald übergehen kann."

 

 

 


 

 

 

 


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Neue Chefin im Bürgerhaus
Katja Scheer wird Nachfolgerin von Bettina Kiehn

Büwi-Damen

Kontinuität und Wandel: Die neue Chefin, Katja Scheer (rechts), arbeitet schon lange im Bürgerhaus. Gemeinsam haben sie und die bisherige Chefin, Bettina Kiehn, vor 13 Jahren dort begonnen.
Foto: hk

hk. Es ist nicht der einzige Personalwechsel im Bürgerhaus Wilhelmsburg (BüWi) in diesem Jahr: Schon im Sommer war Volkmar Hoffmann, zuständig für den Bereich „lebenslanges Lernen“, in Rente gegangen. Seinen Posten hat Ulrike Ritter übernommen. Nun wechselt BüWi-Chefin Bettina Kiehn zum 1. Oktober 2019 zur Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) und wird dort kaufmännische Direktorin, verantwortlich für die Finanzen aller zur Stiftung gehörenden Museen.

Der WIR sprach mit der alten und der neuen BüWi-Chefin. Sie wolle "nicht weg von Wilhelmsburg“, sagt Bettina Kiehn: "Ich wollte nach 13 Jahren Bürgerhaus einfach noch einmal etwas Neues machen.“ Und der kaufmännische Schwerpunkt der Stelle in der SHMH habe sie interessiert. „Wilhelmsburg ist ein lebendiger Stadtteil und die Arbeit hier ist ein anspruchsvoller, toller Job.“
Nach einem Highlight in ihren Bürgerhausjahren befragt, meint sie, eigentlich sei immer das jeweils aktuelle Projekt das interessanteste und liebste. Neben den bekannten, wie dem Musikprojekt 48h Wilhelmsburg und dem Bürgerbeteiligungsverfahren Perspektiven, habe sie immer gerade auch die kleineren Projekte wichtig gefunden, die das Bürgerhaus gemeinsam mit anderen Einrichtungen auf den Weg gebracht habe: z. B. die Kinderkulturkarawane zusammen mit dem Tor zur Welt und das generationsübergreifende „Konfetti plus“ mit Seniori*innen und Kindern aus der Schule An der Burgweide.
Als Erfolg sieht sie vor allem, dass das Team in den letzten zehn Jahren ein neues Verständnis von der Arbeit des Bürgerhauses entwickelt habe. Mit dem Motto „mitgestalten, mitdenken, mithandeln“ habe es sich von einem Veranstaltungsort zu einer Einrichtung entwickelt, die sich aktiv im Stadtteil einmischt. In diesem Zusammenhang finde sie es bedauerlich, dass es nicht gelungen sei, durch eine Regelfinanzierung das Perspektiven-Beteiligungsverfahren zu einer dauerhaften Einrichtung zu machen (siehe WIR 5/19). Überhaupt setze der trotz einer Erhöhung der Zuwendung nach wie vor enge wirtschaftliche Rahmen manchen Vorhaben enge Grenzen.
Katja Scheer fügt als Beispiel die 48h Wilhelmsburg an, für die es auch nach 10 Jahren wegen fehlender Regelfinanzierung keine dauerhafte Planbarkeit gebe.
Katja Scheer übernimmt das Haus ab Oktober als neue Chefin, oder, wie es korrekt heißt, als neuer „Vorstand der Stiftung Bürgerhaus Wilhelmsburg“. Sie arbeitet auch seit 13 Jahren dort, zuständig für den Bereich Musik und Literatur. Auf den Elbinseln ist sie vor allem als Projektleiterin der 48h bekannt. „Als Mitglied des Teams kenne ich ja über die Jahre auch über meinen Bereich hinaus die Arbeit des Bürgerhauses“, sagt sie. „Es hat mich gereizt, jetzt diese Verantwortung für das Haus zu übernehmen.“ Mit Katja Scheer steht der Personalwechsel für die Kontinuität der Arbeit des BüWi.
Leichter wird der Job in den nächsten Jahren sicher nicht. Mit den neuen Quartieren auf den Elbinseln mit mehr als 12.000 Neubürger*innen kommen auf Wilhelmsburg und auf das Bürgerhaus neue – interessante – Herausforderungen zu. Der WIR wünscht Bettina Kiehn und Katja Scheer für ihre neuen Aufgaben gutes Gelingen!

 

 

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A26 Ost: Kurzschluss statt Lückenschluss
Auf dem Anhörungstermin zur A26 Ost wurden gut begründete Zweifel an der Notwendigkeit einer neuen Stadtautobahn vorgebracht

Protest A26

Gegner*innen der A26 Ost protestieren beim Anhörungstermin.
Die Anhörung fand in der Katholischen Akademie im Hamburger Stadtzentrum statt. Trotzdem kamen viele Einwender*innen
aus den betroffenen Stadtteilen.

Foto: MG

MG. Ein DIN-A-5-Blättchen mit zehn Tagesordnungspunkten musste genügen für den mehrtägigen Erörterungstermin im Planfestellungsverfahren für den Neubau der A26 Ost, Bauabschnitt 6a. Das ist der erste von drei Abschnitten der knapp 10 Kilometer langen Stadtautobahn von der A7 zur A1.
Was die Planfeststellungsbehörde von den 1300 Einwendungen gegen dieses Bauvorhaben hält, machte sie auf dem Erörterungstermin am 27. und 28. August deutlich. So ließ sie statt der vorgesehenen drei Monate zweieinhalb Jahre bis zu dem Erörterungstermin verstreichen, ohne Stellung zu den Einwendungen zu nehmen. Anfragen zu der Terminierung der Erörterung beantwortete sie nicht.
Immerhin gab sie dann den Termin 14 Tage vorher in zwei Tageszeitungen bekannt, obwohl nur eine Woche gesetzlich vorgeschrieben ist. Mit dem Vorhabensträger, der DEGES, war der Termin aber bereits im Mai beschlossen worden. Rechtlich sollen in einem solchen Verfahren der Vorhabenträger (DEGES) mit den Einwender*innen gleich gestellt sein.
Dies war aber schon rein optisch nicht gegeben.
Die Vertreter*innen der DEGES saßen auf dem Podium neben den Vertreter*innen der Planfeststellungsbehörde. Ein kleines Beispiel für die Ungleichbehandlung waren auch die Getränke. Die DEGES-Leute wurden selbstverständlich versorgt, während für die Einwender*innen keine kostenlosen Getränke bereit standen. Alle mündlichen Anträge, wie z. B. auf Befangenheit, mussten schriftlich eingereicht werden und wurden abschlägig beschieden. Dazu gehörte auch der Antrag, den Termin 27./28. August abzusagen und neu einzuladen. Dadurch sollte allen Einwender*innen, z. B. Berufstätigen und Schüler*innen die Teilnahme am Erörterungstermin ermöglicht werden.

Seit der Auslegung der Pläne hat sich die Welt entscheidend verändert. Die Prognosen zur Hafenentwicklung basieren auf Zahlen von 2010. Inzwischen ist klar: Die prognostizierten gelegten 18 Millionen TEU Umschlag jährlich wird der Hafen nicht erreichen. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Prognosen des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik sich bisher alle als falsch erwiesen hätten. Bei der Auslegung der Pläne wurde noch nicht über die Verkehrswende diskutiert. Es wurden keine Alternativen ohne den Bau einer Autobahn geprüft. Der Klimawandel war noch nicht das zentrale Thema.
Von mehreren Einwendern wurde gefordert, die Teilung des Vorhabens in drei Abschnitte rückgängig zu machen. Die DEGES lehnt das ab. Es sei zulässig, Abschnitte zu bilden. Sie erwartet auf den folgenden Abschnitten keine Ereignisse, die das gesamte Vorhaben in Frage stellen könnten. Die Autobahn-Gesellschaft beginnt schon auf eigenes Risiko mit den Vorbereitungen, z. B. der Verlegung der muslimischen Grabfelder in andere Teile des Friedhofs Finkenriek.
Noch ist auch nicht geklärt, ob der Bund den Tunnel an Kirchdorf-Süd vorbei bis zur A1 genehmigen wird und ob Gefahrguttransporte im Tunnel fahren dürfen. Ob die B73 tatsächlich von Schwerlastverkehr entlastet wird, wenn sie später Maut befreit ist, steht auch nicht fest.
Die Zweifel an der Notwendigkeit einer neuen Autobahn wurden nicht ausgeräumt. Auch DIE GRÜNEN befürworten inzwischen eine Überprüfung der Pläne und der NABU prüft eine Klage gegen die A26 aus naturschutzrechtlichen Gründen.

 


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Tagelange Räumungsaktion: Aktivist*innen besetzten Wald
Die Polizei hatte einige Mühe, die Waldfreunde aus ihrem Baumhaus zu holen

Baumhaus

So viel Aufwand wegen eines Baumhauses.
Foto: han

WIR/han. Am Rande des Waldfestes (s. oben) im Wilden Wald am Ernst-August-Kanal Anfang September kam es zu einer überraschenden Baumbesetzung.
Zunächst war alles wie immer an diesem Sonntag, 8. September. Gegen zwölf Uhr kamen die örtlichen Polizist*innen auf dem Waldfest vorbei, sprachen entspannt mit den Veranstalter*innen und spazierten über das Fest. Ob sie einen Kaffee haben wollten, fragte ein Mitglied des Vereins Zukunft Elbinsel. „Später gern“, sagte der Beamte - doch dazu kam es dann nicht mehr.
Denn kurz darauf entdeckten die Beamt*innen gut hundert Meter weiter westlich der Festmeile ein fast fertiges Baumhaus in einer Eiche, still, heimlich und leise gebaut von selbst ernannten "Waldbesetzer*innen" (von denen keine*r so recht wusste, wo sie eigentlich herkamen). Die Beamt*innen wurden unruhig. Sie telefonierten eine ganze Weile, dann kam Verstärkung. An den beiden Einfahrten zum Waldweg an der Georg-Wilhelm- und an der Schlenzigstraße fuhr ein Streifenwagen nach dem anderen auf.
"Es handelt sich hier um eine unangemeldete Versammlung", sagte ein Polizeisprecher auf Nachfrage des WIR. "Der private Eigentümer des Waldes duldet solche Aktionen nicht." Stundenlang bewachten Beamt*innen das Baumhaus und ließen niemanden in das betroffene Waldstück hinein. "Wir haben eine statische Lage, und das soll auch so bleiben", sagte der Polizeisprecher.
Die "statische Lage" blieb bis Mittwoch Mittag bestehen. Da kletterten die letzten drei der sechs Aktivist*innen von der Plattform herunter. Die Polizei hatte, nach einem sinnlosen Versuch einer Räumung mit Kranfahrzeug und Säge, einfach drei Tage und Nächte stur gewartet, bis sie aufgeben würden. Oberste Priorität bei dem Einsatz sei gewesen, so der Polizeisprecher, dass niemand zu Schaden komme.
Die Hintergründe des ganzen aufwändigen Einsatzes bleiben fragwürdig. Die Polizei wiederholt auf Nachfrage des WIR ihre Darstellung: "Bei dem besagten Gelände bzw. Waldstück handelt es sich um ein privates Grundstück." Laut IBA Hamburg jedoch, die für die Stadt Hamburg die Bauplanung auf dem Gelände durchführt, gehört der Wald keinem privaten Eigentümer, sondern der Stadt Hamburg.
Wenn das so ist, gibt es keinen "privaten Eigentümer", der "solche Aktionen nicht" duldet. Vielleicht musste die Polizei deshalb diese neue, äußerst lahme Begründung für den Einsatz finden? Sie lautet: "Aufgrund der vorliegenden Gefahr für Leib und Leben der Personen im Baum wurde eine Räumung durchgeführt."

 


 

 


 

 

 

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„Wir lassen uns nicht verdrängen!“
Die Mieter aus dem „Warmwasserblock“ auf der Veddel protestieren
gegen die Abrisspläne der SAGA

Veddel Protest

„Warmwasserblock bleibt!“ Mitglieder der Mieterinitiative v.l.:
Frank Ziesemer, Askin Ayaz, Helmut Korf, Thomas Rieckmann.

Foto. hk

hk. Der Häuserblock aus den 20er Jahren auf der Veddel ist eins der berühmten Schumacher-Gebäude und eins der ersten mit fließend Warmwasser. Daher der Name Warmwasserblock.
Der Gebäudekomplex gehörte lange Zeit der Baugenossenschaft Freier Gewerkschafter. 2015 wurde er von der SAGA übernommen. Die SAGA habe in den letzten Jahren immer nur das Nötigste an den Gebäuden gemacht, sagen die Mieter. Es herrsche unter anderem wegen Schimmelbefalls Sanierungsbedarf. „Gerüchte über einen geplanten Abriss der Häuser gab es schon länger,“ sagt Helmut Korf von der Mieterinitiative.
Im Sommer 2018 wurde das Gerücht von der Lokalpolitik bestätigt: Die SAGA ziehe einen Abriss der Sanierung vor, ein Abriss sei kostengünstiger. Ein Gutachten, dass das belegt, hält die SAGA aber unter Verschluss. Ein Schreiben der SAGA im Januar 2019, dass vor Mitte 2020 nicht mit irgendeiner Maßnahme zu rechnen sei, konnte die Mieter*innen nicht beruhigen.
In den Häusern wohnen 161 Mietparteien, die meisten schon sehr lange. Die SAGA kann aber nur 80 Ersatzwohnungen in einem Nachbargebäude während eventueller Baumaßnahmen anbieten. Die Mieter fürchten, dass sie während der Bauzeit nicht alle auf der Veddel bleiben können, dass neue Wohnungen teurer werden und dass nach den Baumaßnahmen nicht alle wieder zurückziehen können.
Ende August haben sie ihre Forderungen in der Presse öffentlich gemacht. „Wir wollen eine Veröffentlichung des Gutachtens ... und die Prüfung der Optionen des Erhalts ... Wir wollen bei den Plänen aktiv einbezogen werden“, heißt es in der Presseerklärung.
Die SAGA hat auf das große Presseecho reagiert – sozusagen nach Art des Hauses. „Sie hat die für 2020 angekündigte Mieterhöhung zurückgezogen,“ sagt Helmut Korf. Zettel mit ihren Forderungen, die die Initiative an den Haustüren angebracht hatte, musste der Hausmeister entfernen. Und am 12. September lud sie die Mieter*innen zu einer Infoveranstaltung ein, die dann allerdings eher wie eine „Werbeshow“ wirkte, wie es in der Pressemitteilung der Initiative heißt: „Sie wollen es uns schmackhaft machen, möglichst schnell auszuziehen. Wir lassen uns aber nicht entzweien.“
Die Veröffentlichung des Gutachtens verweigert die SAGA weiter. Erschwert werden eventuelle Abrisspläne der SAGA allerdings durch den Denkmalschutz, unter den die Kulturbehörde den Warmwasserblock Ende letzten Jahres gestellt hat. Die Stadt hat sich gerade in jüngster Vergangenheit bei Bauvorhaben über den Denkmalschutz hinweggesetzt. „Aber auch da wollen wir Druck machen“, sagt Stefan Korf: „Wir setzen nach wie vor auf die Gespräche mit den Entscheidungsträger*innen, um eine gemeinsame Lösung zu finden.“

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

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Ankommen - Helfen

Behördeninitiative „Neuenfelder Straße Hilft“
Weltcafé: Neuenfelder Straße 19 (in der Behörde), jeden Mittwoch von 15 bis 17 Uhr.
Es werden Gesprächs- und Spielgruppen angeboten.

Koordination sozialräumliche Integration von Flüchtlingsunterkünften
Flavia Suter, Fachamt Sozialraummanagement
Bezirksamt Hamburg-Mitte, Klosterwall 4,
20095 Hamburg, Tel.: 428542397,
Mail: flavia.suter@hamburg-mitte.hamburg.de

Jobs, Qualifizierung, Berufseinstieg
Marktplatz der Begegnungen
7. September 2017, 9.30 – 12 Uhr, Handwerkskammer Hamburg, 3. Etage, Holstenwall 12, 20355 Hamburg,
Hamburger Messe zur Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt. Angesprochen sind in erster Linie volljährige, nicht schulpflichtige Geflüchtete mit guter Bleibeperspektive, die sich bereits etwas auf Deutsch verständigen können oder gute Englischkenntnisse mitbringen.
Formlose Anmeldung per E-Mail bis zum 1. September 2017 an britta.wilken@hwk-hamburg.de (eine Angabe der Teilnehmer-Anzahl genügt).

Ratgeber
HVV-Broschüren für Geflüchtete
Der Hamburger Verkehrsverbund bietet Info-Broschüren in den Sprachen Deutsch/Englisch/Arabisch/Farsi.
Die Information zu dem HVV-Abo auch in Tigrinya unter http://www.hvv.de/pdf/service/downloads/hvv_how-to-travelby-hvv_flyer.pdf oder
http://www.hvv.de/pdf/service/downloads/hvv_abo_in_fuenf_sprachen.pdf
oder http://www.hvv.de/pdf/service/ downloads/hvv_mobilitaetsberatung_fluechtlinge.pdf

Gewaltschutz für Frauen
Schutz und Sicherheit vor Gewalt für geflüchtete Frauen und Jugendliche in Deutschland.
Kostenlose Broschüren unter www.mimi-bestellportal.de


Baderegeln
in verschiedenen Sprachen unter https://www.dlrg.de/presse/pm-baderegeln.html

 

Die Insel Hilft e. V. ...
... berichtet aus den Gruppen

Klönschnack mit Ralf an jedem zweiten Donnerstagabend im Wechsel mit dem Tandem-Treffen

... freut sich über
- Freiwillige für die Organisation von Sportangeboten,
- HelferInnen für die Öffentlichkeitsarbeit,
- Interessierte für Tandem-Partnerschaften.
- HelferInnen für Hausaufgabenhilfe
Inselhaus, Erlerring 1, 21109 Wilhelmsburg (Kirchdorf-Süd)
Tel. 35 62 86 67,
Mail: mail@inselhilfe.org
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag, 11 bis 14 Uhr.
Mehr auf: www.inselhilfe.org

 

 

 

 

 

 



 

 

 

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Wichtige Dokumentationen

A26 - Finkenriek - Kornweide Präsentation < mehr

Informationen für Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien < mehr

Erklärung von Mitwirkenden des Initiativen-Netzwerkes Elbinseln zur Planungswerkstatt „Zukunftsbild Elbinseln 2013+“ am 22.2.2013 < mehr

Geruchsbelästigung durch Norddeutsche Ölwerke etc.: hier das NOW-Gutachten vom TÜV Nord vom 13.02.2009

Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße:< Schreibens des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwickluing vom 16.09.2011

Bildungszentrum Tor zur Welt, Krieterstraße: < Lageplan

Landschaftsschutzgebiet Wilhelmsburg < mehr

Spreehafen-Präsentation < mehr

WIR-Inselrundblick - Zeitplan 1994 - 09/2014 < mehr

Kleinanzeigen-Formular für WIR-Zeitung < mehr

Die Rede von Alexandra Werdes, Initiative Waldretter: < mehr

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