22. Jahrgang,
Ausgabe 5
Mai / Juni
2016
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Wann... in Wilhelmsburg ?

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Aktuell

Neuer Wohnraum für das Korallusviertel?
Mobil ohne Auto - Fahrradsternfahrt
Bundesverkehrswegeplan 2030 besteht eigene Umweltprüfung nicht
Gemeinsam für den guten Geschmack
Wo ist Platz für Flüchtlinge?
„Die Insel Hilft“
Pegelstand 9.Juni 2016, 19.00 h : Das Jobcenter Wilhelmsburg auf dem Prüfstand
8
Wer kann das bezahlen?
Wichtige Dokumentationen

Neuer Wohnraum für das Korallusviertel?
Vor vier Jahren sollten neben den Bahnschienen im alten Bahnhofsviertel Wohnungen gebaut werden. Passiert ist seitdem nichts, Anwohner sind genervt. Nun will die Stadt einen Investor gefunden haben

Baustelle

Statt neuer Häuser nur alte Reifen und Sofas: Mustafa Yasar ist nicht der einzige Anwohner, den das brachliegende Bauareal an der Thielenstraße ärgert.
Foto: H. Lintschnig

Hannes Lintschnig. Es sollte doch so schön werden. Kinder spielen mit Blumen auf grünen Wiesen, ein Wässerchen fließt zwischen den modernen Neubauten und die Hecken sind akkurat geschnitten: So haben sich die IBA-Planer 2012 in einer Power-Point-Präsentation das 3,7 Hektar große, unbebaute Gebiet an der Korallusstraße in Wilhelmsburg vorgestellt.
Doch statt junger Familien und moderner Häuser hat sich Müll breitgemacht. „Früher war hier alles Wald“, sagt Mustafa Yasar, der schon seit über dreißig Jahren im Korallusviertel lebt. „Den haben sie vor vier Jahren abgeholzt und seitdem nichts mehr gemacht.“ Seitdem wurden hier Autos illegal entsorgt, mehrere hundert Reifen sollen hier gelegen haben. Letztes Jahr hatte Yasar organisiert, dass sie weggebracht wurden. „Ein paar sind schon wieder da. Und da vorne hat jemand sein altes Sofa entsorgt.“
Denn nachdem die Bäume entfernt und die Baugenehmigung erteilt worden war, sprang der Investor ab. Pech für die Wilhelmsburger, die bezahlbaren Wohnraum in ihrem Viertel dringend benötigen. „In den Hochhäusern wohnen teilweise bis zu acht Menschen in einer Zwei-Zimmer- Wohnung“, sagt Yasar. „Oft sind es türkischstämmige Bulgaren, die schon länger hier leben, Arbeit gefunden haben und sich auch Wohnungen leisten könnten – es gibt aber keine.“

Yasar beklagt außerdem, dass viele Wohnungen in der Korallusstraße in einem schlechten Zustand seien. „Das erkennt man schon von außen an den Blumenkübeln, die häufig verschimmelt sind.“ In manche Wohnungen regne es herein und die Fahrstühle seien häufig defekt, was gerade ältere Menschen stark beeinträchtige.
Die Situation in den Häusern habe sich allerdings ein wenig verbessert. Trotzdem wünscht sich Yasar mehr Unterstützung von der Stadt, das Viertel aufzuwerten. „Wilhelmsburg war immer das Stiefkind Hamburgs“, sagt Yasar. „Aber man muss doch jetzt etwas unternehmen, damit die Menschen hier eine Zukunft haben.“
Das sei aber gar nicht so leicht, sagt SPDBürgerschaftsabgeordneter Michael Weinreich. „Es gab schon viele Gespräche mit Investoren. Aber bauen ist teuer, und hier zu bauen ist doppelt teuer“, sagt Weinreich mit Blick auf den Lärmschutzwall, der wegen der direkt parallel verlaufenen Bahnschienen gebaut werden muss. „Außerdem sollen Tiefgaragen entstehen. Das ist auch teuer. Deswegen hat sich bisher kein Investor gefunden.“

Aber jetzt gibt es einen oder mehrere Investoren, zumindest höchstwahrscheinlich. „Wir stehen momentan in konkreten Gesprächen mit Investoren“, sagt Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamtes Hamburg Mitte. Wer es ist, möchte sie noch nicht sagen. Es soll aber wie geplant Wohnraum entstehen. „Sobald alles unter Dach und Fach ist, werden wir die Öffentlichkeit informieren. Bis zum Ende dieses Jahres haben wir eine Entscheidung.“ Michael Weinreich, der bei den Verhandlungen mit dabei war, wird etwas konkreter: „Es handelt sich um über 300 Wohnungen, davon ein Drittel Sozialwohnungen. Ich bin sehr optimistisch, dass es diesmal klappen wird.“
Was hoffentlich ebenfalls klappen wird, ist die Sanierung der Häuser im Korallusviertel. Max Gille, Sprecher der Wohnungsbaugesellschaft Vonovia, die die ehemaligen GAGFAH-Häuser besitzt, verspricht: „Im Korallusring 12 und 18 werden wir in diesem Jahr die Aufzüge erneuern und auch im Korallusring 9 – 11 werden Sanierungen beginnen. Wann das genau sein wird, teilen wir unseren Mietern rechtzeitig in einer Mieterversammlung mit.“

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Mobil ohne Auto - Fahrradsternfahrt
Mitmachen! Damit Hamburg Fahrradstadt wird

Ssternfahrt

Astrid Christen. Die alljährliche MOA (Mobil Ohne Auto)-Fahrradsternfahrt, die größte politische Demonstration für verbesserten Radverkehr, findet am Sonntag, den 19. Juni 2016 mit 80 Startpunkten in Hamburg und der Region statt.
Natürlich ist Wilhelmsburg wieder Schauplatz!
Fahrradstadt Wilhelmsburg e.V. wird wieder den Startpunkt am Platz vor der Behörde für Stadtentwicklung, Umwelt und Wohnen beim S-Bahnhof Wilhelmsburg übernehmen. Pünktlicht um 11 Uhr geht es los zur Wilhelmsburger Reichsstrasse. Wer auf dieser kurzen Strecke gern als Ordner bzw. Wilhelmsburg-Botschafter die Teilnehmer geleiten möchte, meldet sich bitte bei astridchristen@hotmail.com.
Einer von acht Fahrradgottesdiensten in Hamburg wird zum zweiten Mal an der Emmaus-Kirche im Reiherstiegviertel abgehalten.
Pünktlich um 10.50 Uhr bricht die Gruppe auf, um den Anschluss an die Wilhelmsburger Reichsstrasse zu schaffen.
Auch wenn der Senat gemäß Koalitionsvertrages Hamburg zur Fahrradstadt machen will, und immer mehr Kommunen den Radverkehr für ein leises, lebenswertes Umfeld entdeckt haben, bleiben unsere Forderungen trotzdem bestehen. Allem voran, soll Hamburg die guten Ansätze endlich konsequent verfolgen und alle geplanten Maßnahmen zur Radverkehrsförderung umsetzen.

Alle Infos zur Fahrradsternfahrt, den Routen und unseren Forderungskatalog finden Sie auf
www.fahrradsternfahrt.info.
Demonstrieren Sie mit und genießen Sie einen Tag „freie Fahrt“ auf Hamburgs Straßen!


Fahrrad fahrt

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Bundesverkehrswegeplan 2030 besteht eigene Umweltprüfung nicht
Zur Liste der 41 vom Umweltbundesamt abgelehnten Autobahnen und Bundesverkehrsstraßen gehört auch die A26-Ost

Diskussion

Moderator Hartmut Sauer und Harald Köpcke vom
BUND beim Ratschlag im Bürgerhaus.

Foto: Johann Groß

MG. Gegensätzlicher könnten die Hamburger Projekte im aktuellen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) und dem BVWP 2030 nicht sein. Während aktuell die Sünden der Vergangenheit mit drei Deckeln über die A 7 im Norden Hamburgs geheilt werden, ist die Hafenquerspange (A 26 Ost) in den vordringlichen Bedarf des Verkehrsministeriums gerückt.

Am 26. April 2016 hatten der Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg und die Engagierten Wilhelmsburger zu einem öffentlichen Ratschlag zu den Plänen für die A26-Ost eingeladen. Es geht um die Planung einer Stadtautobahn mitten durch Wilhelmsburg. WIR berichteten im April. Das Thema zog viele Leute nicht nur aus Wilhelmsburg, sondern auch aus Moorburg, das ebenso betroffen ist von den Planungen, an. Michael Rothschuh führte aus, warum aus seiner Sicht kein Bedarf für die Hafenquerspange besteht. Frühere Prognosen für den Hafen haben sich nicht erfüllt. Der Hafen verzeichnet seit Jahren keine Steigerungen mehr. Es gibt bessere Alternativen, z.B. eine neue Köhlbrandbrücke und einen Tunnel auf der Veddel. Durch Ertüchtigung der S-Bahn könnten noch mehr Pendler zur Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs angeregt werden. Die Pläne, die dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) vorgelegt wurden, bewirken das Gegenteil.

Inzwischen haben die Gegner der Planungen Unterstützung vom Umweltbundesamt (UBA) bekommen. UBA-Präsidentin Maria Kratzberger bemängelt: Der Entwurf zeigt leider, dass Deutschland von einer integrierten verkehrsmittelübergreifenden Mobilitätsstrategie mit anspruchsvollen Umweltzielen weit entfernt ist“. Man müsse deutlich mehr Gelder auf die Schiene umschichten.
Bis zum 2. Mai konnten Einwendungen gegenüber dem Bundesministerium eingereicht werden. Viele Besucher des Ratschlages nahmen diese Gelegenheit wahr, um ihre Bedenken anzumelden. Es ist aber jetzt noch möglich, die Petition der Engagierten Wilhelmsburger zu unterzeichnen auf
https://weact.campact.de/petitions/hilfewir-versinken-im-autobahndreieck-wirbrauchen-ihre-unterstuetzung-1.

Außerdem sind Veranstaltungen und Rundgänge geplant, die die Auswirkungen einer Stadtautobahn durch bewohntes Gebiet aufzeigen. Die Termine standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

 

 

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Gemeinsam für den guten Geschmack
Im Laurens-Janssen-Haus in Kirchdorf-Süd gibt es seit Anfang Mai wieder regelmäßig ein attraktives und bezahlbares Mittagstischangebot für jedermann

PM. Ob nun der kleine Snack, eine warme Suppe oder ein saisonales Tagesgericht - alles wird regional und frisch gekocht. „Der Gast steht bei uns ganz klar im Vordergrund.
Gutes Essen ist wichtig und sollte nicht am Geldbeutel scheitern. Wünsche für Ihre Lieblingsgerichte nehmen wir sehr gern entgegen“, betont Amedeus Hajek, Geschäftsführer des neuen Partners „alsterfood GmbH“. Im Service- und Küchenbereich wird die Zusammenarbeit mit Langzeitarbeitslosen und Menschen mit Behinderung traditionell Teil des Alltags bleiben. Auch für Familienfeiern, regelmäßige „Runden“ oder den spontanen Grillabend mit Nachbarn aus dem Quartier kann das Stadtteilcafé genutzt werden.
„Seien Sie kreativ und fordern Sie uns heraus“, sagt der neue Koch Herr Narang.
Zum Tag der offenen Tür beim Stadtteilfest Kirchdorf-Süd am 11.06.2016 sind alle Nachbarn, Interessierte und Neugierige aus dem Quartier herzlich eingeladen.

 

 

 

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Wo ist Platz für Flüchtlinge?
Interaktive Methode zur Flächenfindung - „CityScope Hamburg“ - startet im Mai

PM. HamburgerInnen sollen sich anhand des wissenschaftlichen und interaktiven „CityScope-Stadtmodells“ direkt an der Flächenfindung für Flüchtlingsunterkünfte beteiligen können.
Das „CityScope“ ist ein Datenmodell, an dem interaktiv gearbeitet werden kann. Es wird an der HafenCity-Universität in Hamburg erstellt. Das Modell soll der Stadt Hamburg mittels der Beteiligung von BürgerInnen Hilfestellung bei der Suche nach geeigneten Flächen für 40.000 Schutzsuchende bieten – das entspricht in etwa der Zahl der 2016 insgesamt in Hamburg erwarteten Flüchtlinge.
An den 2 x 2 Meter großen Modelltischen des „CityScopes“ wird in verschiedene Stadtteile gezoomt, um städtische Grundstücke zu finden, die sich zur Unterbringung von Flüchtlingen eignen könnten. Verschiedene Informationen, die die Nutzung der Flächen einschränken oder ausschließen, werden für jedes Grundstück individuell eingeblendet – so kann das Modell zum Beispiel zeigen, welche der öffentlichen Flächen in Naturschutz- oder Industriegebieten liegen und daher für eine Flüchtlingsunterbringung nicht in Frage kommen. Im „CityScope“ wird es möglich sein, differenzierte Standortvorschläge für neue Flüchtlingsunterbringungen zu machen, so lässt sich zum Beispiel durch das Abchecken verschiedener Daten zu einem Standort entscheiden, wie viele Flüchtlinge dort sinnvoll untergebracht werden könnten.

An dem „CityScope“-Modell können bis zu 30 Personen gleichzeitig an der Flächenfindung beteiligt sein. Sobald das Modell fertiggestellt ist, startet die Öffentlichkeitsbeteiligung mit einer Auftaktveranstaltung, gefolgt von einer Vielzahl öffentlicher Workshops, in denen die HamburgerInnen eingeladen sind, mit Unterstützung des Modells Flächen zu finden. Mitte April werden die Termine zur Teilnahme am „CityScope“ veröffentlicht. Dann startet auch ein Anmeldeverfahren für die Workshops am Modell.

Fragen zum „CityScope“, zur Flächenfindung und zur geplanten Beteiligung können bereits jetzt jederzeit per Mail an flaechenmodell@steg-hamburg.de gestellt werden.

 


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„Die Insel Hilft“

... bedankt sich bei allen Beteiligten für die gelungene Soliparty am 12. März in der Honigfabrik.
Der Verein kann sich über 700 Euro für die Vereinskasse freuen.

Stammtisch: immer am 1. Montag im Monat, 19 Uhr, Honigfabrik, Industriestr. 125.

Weltcafés: Laurens-Janssen-Haus, Kirchdorf-Süd, jeden Dienstag von 15 bis 17 Uhr;
BSU, Neuenfelder Straße 19 (in der Behörde), jeden Mittwoch von 15 bis 17 Uhr.

Kochabend am 23. April um 17 Uhr in den Zinnwerken (Am Veringhof 7, 21107 Hamburg).
Wer teilnehmen möchte, kann sich gern bei tellerrand@inselhilfe.org melden.

Freiwillige dringend gesucht für:
- Begleitung von Kindern zu Ausflügen, freizeit@inselhilfe.org
- Begleitung zu Sporttrainings (Fußball, Kampfsport, Leichtathletik), sport@inselhilfe.org
- den Deutschunterricht in der ZEA Karl-Arnold-Ring, deutschkurse@inselhilfe.org

- Räumlichkeiten, u. a. für die wöchentliche Sprechstunde für Geflüchtete, mail@inselhilfe.org

Kontonummer für Spenden:
Kontoinhaber: Die Insel Hilft e. V.
HASPA, IBAN: DE92200505501396133538;
Verwendungszweck: Spende, AZ 217/412/03029

Kontakt:
mail@inselhilfe.org
sport@inselhilfe.org
tellerrand@inselhilfe.org
kleiderkammer@inselhilfe.org
tandem@inselhilfe.org
freizeit@inselhilfe.org
deutschkurs@inselhilfe.org
kultur@inselhilfe.org
Anrufbeantworter: 040/38 65 15 41

 

 

 

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PegelstandJobcenter

 

 

 


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Wer kann das bezahlen?
Mieten in Wilhelmsburg steigen ungebremst

Mietenspiegel

Unter www.hamburg.de/mietenspiegel gibt es verschiedene Rubriken rund um den Mietenspiegel, z.B. eine interaktive Karte, einen Online-Rechner zur Ermittlung der ortsüblichen Vergleichsmiete, Tabellen und Broschüren. Abb.: hamburg.de

Rainer Zwanzleitner. Am 25. November 2015 wurde der neue Mietenspiegel für Hamburg von der Senatorin der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, Dr. Dorothee Stapelfeld, vorgestellt. Demnach betragen die Kaltmieten zum Stichtag 1.4.2015 im frei finanzierten Wohnungsbestand durchschnittlich 8,02 € je m² monatlich. Im Vergleich zum Mietenspiegel 2013 ist dies eine Erhöhung um 0,46 € je m² bzw. 6,1% gegenüber 5,7% des vorherigen Vergleichszeitraumes 2011-2013.
Wenig Beachtung in der Medienberichterstattung zum neuen Mietenspiegel fand die Tatsache, dass von den für den Mietenspiegel relevanten ca. 530.000 Wohnungen nur Mieten berücksichtigt wurden, die in den letzten vier Jahren erhöht oder neu vereinbart wurden.
Laut Presseerklärung waren 44% der erhobenen Mieten Neuvertragsmieten. Die Senatorin kommentierte dies so: „Die Entwicklung des Mietenspiegels zeigt, dass der Hamburger Wohnungsmarkt weiterhin dynamisch ist. (...) Diese relativ hohe Neuvertragsquote zeigt, dass der Wohnungsmarkt in Bewegung und Hamburg weiterhin attraktiv bei Zuwanderern
aus dem In- und Ausland ist.“
Welch ein Euphemismus! So oder ähnlich hätte auch der Grundeigentümerverband jubeln können. Noch im Juni hat der Senat in einer Presseerklärung zur Einführung der Mietpreisbremse festgestellt: „Der Wohnungsmarkt in ganz Hamburg (ist) angespannt.“ Es ist bizarr wie in einem halben Jahr „angespannt“ zu „dynamisch“ mutiert. Die Mietenspiegel-Presseerklärung hat auch gute Nachrichten parat: So liegen (angeblich) rund 51% aller Mieten immer noch unter einer Schwelle von 7 Euro je Quadratmeter. Oder heißt das, anders gelesen, bei diesen Mieten gibt es Spielraum nach oben?

Die Entwicklung der letzten zehn Jahre in Hamburg...
Zur Beurteilung der tatsächlichen Mietentwicklung muss ein längerer Zeitraum ins Auge gefasst werden. Ein Vergleich zwischen den Jahren 2005 und 2015 zeigt folgende Entwicklung:
Bezogen auf alle im Mietenspiegel abgebildeten Wohnungsgrößen stiegen die Altbaumieten (bis Baujahr 1918) um 42%, bis Baujahr 1948 um 37%, bis Baujahr 1960 um 30% und bei Neubauten um 55%. Da der Mietenspiegel nur zwischen „normaler“ und „guter“ Wohnlage, nicht aber nach Wohngegenden unterscheidet, können die regionalen Unterschiede sehr drastisch sein. Wenn der aktuelle Mietenspiegel für Altbauten im Durchschnitt bei Neuvermietung zwischen 9 und 11 € je m² ausweist, werden in der Realität z.B. im Schanzenviertel neuerdings Mieten von über 20 € verlangt und auch bezahlt.

...und Wilhelmsburg im Besonderen
Wie problematisch Durchschnittswerte sind, zeigt die Entwicklung in Wilhelmsburg.
Dank IBA-Strukturmonitoring für die Jahre 2010 bis 2013 stehen die realen Werte der Angebotsmieten für den Zeitraum 2006 bis 2013 zur Verfügung. Die dort ermittelten Zahlen sind beeindruckend: Die Angebotsmiete (also bei Neuvermietung) lag im Jahr 2006 bei 5,93 € je m², im IBA-Präsentationsjahr 2013, war sie auf stolze 8,31 geklettert: Eine Erhöhung um 40% in sieben Jahren.
Bei den heutigen Angebotsmieten, die bei rd. 10 € je m² liegen, ergibt das eine Erhöhung von 68% in neun Jahren. Zur Nettokaltmiete, die den Berechnungen zugrunde liegt, kommen Heiz- und Nebenkosten. Die beim Monitoring erfragte durchschnittliche Gesamtmiete betrug 2010 bereits 8,20 € je m² und stieg innerhalb eines Jahres um 10% auf 9,10 € m²! Festzuhalten ist also, dass die von der IBA 2013 ermittelte Nettokaltmiete von 8,31 € m² bereits um ca. 0,30 € über der im Hamburger Mietenspiegel von 2015 behaupteten Durchschnittsmiete von 8,02 € lag.

Keine Aufwertung ohne Verdrängung
Das Statistikamt Nord hat 2013 diese Einkommenskennzahlen für Wilhelmsburg veröffentlicht:
Das Durchschnittseinkommen lag 2007 in Wilhelmsburg bei 20.020 €, das sind rd. 45 % weniger als in Gesamt-Hamburg (35.887 €). Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Anteil von 23,5% SGB II-Bezieher in Wilhelmsburgs (Hartz IV) gegenüber 10,1% in Gesamt-Hamburg.
Wie können die Menschen die horrenden Mietsteigerungen bewältigen? Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Einschränkung aller Lebensbereiche oder wegziehen.
Von den Einschränkungen z.B. im Reiherstiegviertel ist der Einzelhandel in erster Linie betroffen. Daran änderte auch das „Pop Up“ genannte Ladenleerstandsfestival im vergangenen Herbst (auf Kaffeesatz gezüchtete Pilze und ähnlich putzig-dekadente Ideen) oder die Eventisierung am sogenannten Kulturkanal nichts.
Und weggezogen sind SGB-IV-Bedarfsgemeinschaften zwischen 2007 und 2013:
Aus dem Reiherstiegviertel ca. 17%, aus Wilhelmsburg West ca. 19% und aus Georgswerder 24% (laut IBA-Monitoring). Das Bahnhofsviertel und Kirchdorf-Süd dagegen waren die Quartiere, in denen die Bedarfsgemeinschaften annähernd gleich geblieben sind, diese Quartiere blieben vom IBA-Boom weitgehend verschont.
Wohin sind diese Menschen gezogen? Dazu gibt es leider keine verlässlichen Untersuchungen.

Keine Besserung in Sicht
Den ungebremsten Mietenwahnsinn könnten preisgebundene Sozialwohnungen für die Bezieher niedriger Einkommen mildern. Nur:
erstens entfallen in naher Zukunft rund 1600 Sozialwohnungen in Wilhelmsburg aus der Bindung und zweitens hat der Senat die Bindungspflicht für Sozialwohnungen weitgehend aufgehoben, statt sie wieder einzuführen (in Wilhelmsburg dürfen die eigentlich gebundenen Sozialwohnungen bei Mieterwechsel überwiegend freihändig, also ohne Berechtigungsschein, weiter vermietet werden).
Auch der geplante Wohnungsneubau ersetzt die entfallenen Sozialwohnungen nicht annähernd, zumal gerade in Wilhemsburg die Drittel/Drittel/Drittel-Doktrin des Senats fehl am Platze ist.
Ein Umdenken ist dringend erforderlich, auch angesichts der vielen neuen Zuwanderer.

 

 



 

 

 

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Wichtige Dokumentationen

Informationen für Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien < mehr

Erklärung von Mitwirkenden des Initiativen-Netzwerkes Elbinseln zur Planungswerkstatt „Zukunftsbild Elbinseln 2013+“ am 22.2.2013 < mehr

Geruchsbelästigung durch Norddeutsche Ölwerke etc.: hier das NOW-Gutachten vom TÜV Nord vom 13.02.2009

Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße:< Schreibens des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwickluing vom 16.09.2011

Bildungszentrum Tor zur Welt, Krieterstraße: < Lageplan

Landschaftsschutzgebiet Wilhelmsburg < mehr

Spreehafen-Präsentation < mehr

WIR-Inselrundblick - Zeitplan 1994 - 09/2014 < mehr

Kleinanzeigen-Formular für WIR-Zeitung < mehr

 

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